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Piktogramm

Piktogramm

] Ein Piktogramm (von lat.: pictum = gemalt, Bild; griech.: gráphein = schreiben) ist ein einzelnes Bildsymbol, das eine Information durch vereinfachte grafische Darstellung vermittelt. Piktogramme waren die Vorläufer vieler früher Schriftzeichen und wurden später häufig zu Logogrammen weiterentwickelt. z. B. die Schriftzeichen der Japanischen bzw. Chinesischen Sprache. In vielen der einfacheren Schriftzeichen lässt sich der bildliche Ursprung leicht erkennen: Otto Neurath, ein österreichischer Sozialphilosoph und Ökonom, entwickelte mit Gerd Arntz 1936 Isotype (International System of Typographic Picture Education), ein Visualisierungssystem, mit dem komplexe Zusammenhänge auf einfache Weise durch Piktogramme international verständlich dargestellt werden können. Für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio entwarf der japanische Grafiker Katsumi Masaru erstmals ein Bildzeichensystem zur Kennzeichnung von Sportarten. Otl Aicher, der Gestaltungsbeauftragte der Olympische Sommerspiele 1972 von München, reduzierte diese bis dahin noch sehr figurativen Piktogramme weiter. Außerdem entwickelte er für den Flughafen München ein komplexes Leitwegesystem, das international verständlich ist. In Zusammenarbeit mit der Firma ERCO entstanden unzählige Piktogramme zur Bebilderung des täglichen Lebens. Die Erfindung des PC mit einer grafischen Benutzeroberfläche hat eine weitere Flut an Piktogrammen ausgelöst, die als Icon bezeichnet werden. Piktogramme werden heute im Zeitalter der Globalisierung und Internationalisierung in standardisierter Form verwendet, um Informationen sprachunabhängig oder möglichst schnell (z. B. im Straßenverkehr) zu vermitteln oder vor Gefahren zu warnen, wie zum Beispiel: Bild:Piktogramm_toilette.png|Toilette Bild:Fluchtweg.png|Fluchtweg Bild:Gefahrensymbol T.png|Giftig Bild:Radioaktiv.png|Radioaktiv

Siehe auch


- Schriftzeichen
- Emoticon
- Phonogramm
- Gefahrensymbol
- Verkehrszeichen
- Icon

Weblinks


- [http://www.aiga.org/content.cfm?ContentID=147 Die 50 von AIGA entwickelten Symbole, die z.B. auf Flughäfen verwendet werden] (mit Downloadmöglichkeit)

Literatur


- Robert Klanten [Hrsg.]: Lingua grafica. Großes Nachschlagewerk Bildsprache, Die-Gestalten-Verlag, Berlin 2001. ISBN 3-931126-53-6 Kategorie:Symbol Kategorie:Schriftzeichen ja:ピクトグラム

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
-
„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

Symbol

Das Symbol (latein symbolum, von griechisch σύμβολον - das (Kenn-)Zeichen, Emblem, Sinnbild, Bild, von συν~, syn'~ - zusammen~ und ballein - werfen, also das Zusammengefügte) bezeichnet ein Zeichen der Verbundenheit mit einer Bedeutung oder ihrem Besitzer. Symbole sind visuelle oder sprachlich formulierte Zeichen, die auf etwas außerhalb ihrer selbst verweisen. Zumeist enthalten sie einen Bedeutungsüberschuß, lassen sich also nicht restlos verstehen, entschlüsseln oder ausinterpretieren. Während beispielsweise Verkehrszeichen eine genau definierte Bedeutung transportieren, ist der Gehalt eines Symbols, wie es vor allem in Religion, Mythos, Kunst und Psychologie verwendet wird, im Prinzip nicht ausschöpfbar. Von Symbolen abgeleitet sind Zeichen, aus denen man etwas eindeutig schließen oder erkennen kann. Also: Kennzeichen, Wahrzeichen, Abzeichen, Sinnbild, (Erkennungs-)Marke, (Ausweis-)Karte, Bezeichnung. Nicht zu verwechseln mit der Allegorie. Gleichwohl spricht man beispielsweise auch von mathematischen Symbolen, obwohl diese genau definiert sind. Der Begriff wird also nicht einheitlich verwendet, woraus zuweilen eine Begriffsverwirrung resultieren kann.

Ursprung

Die Ursprungsbedeutung leitet sich von einem antiken Brauch ab: Ein Gast reichte seinem Gastgeber zum Abschied eine zerbrochene Tontafel oder einen Tonring. Sie dienten als Erkennungszeichen bei einem möglichen Gegenbesuch eines Mitglieds aus dem Gastgeberhaushalt bei dem ehemaligen Gast: Durch das Zusammenfügen der beiden Bruchstücke konnte sich der ehemalige Gastgeber (oder einer aus seiner Familie) als solcher zu erkennen geben. Der Ring als Symbol weist so über sich hinaus auf die Bedeutung „Freundschaft“.

In der Philosophie

In der Ästhetik (als einer Sparte der Philosophie) ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Auf Denk- und Grabmälern nicht unüblich. Beispiel: Der „Lindenbaum“ im Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ von Franz Schubert/Wilhelm Müller. Nach Dietrich Ritschl sind Symbole „Produkte bewusster, reifer Erkenntnisleistung durch Repräsentanzen in Form von Worten, Handlungen oder Gesten. Symbole vermitteln, was anders nicht artikuliert werden kann.“ (Zur Logik der Theologie, München 1984, 22). Hiergegen steht die These der Psychoanalyse, besonders Sigmund Freud und Ernest Jones, daß sich Symbole hauptsächlich über Verdrängung strukturieren. Der Philosoph Jacques Derrida nimmt Symbole als wirkend an und schuf für das wirkende Zeichen den Begriff der Differance. Der Literaturtheoretiker Kenneth Burke versucht, Symbole als rhetorische Strategien zu begreifen, die dazu dienen, Konflikte der individuellen Psyche in die Gesellschaft zu entlassen. Mit der Symbolik, der Erforschung des Wesens und der Arten der Symbole, hat sich bahnbrechend Ernst Cassirer befasst.

In der Religion

Religion] # Alle Religionen drücken Kerngedanken in Symbolen aus, z.B. das Rad (als Symbol der ewigen Wiederkehr), das leere Grab (als Symbol der Auferstehung), der Weg (als Symbol der Lebensgeschichte oder der Lebensführung). # Daneben gibt es in den christlichen Kirchen Glaubenssymbole, das sind Glaubensbekenntnisse. Dies leitet sich von einer Nebenform des griechischen Wortes sýmbolon, dem symbólaion (griechisch συμβόλαιο[ν]), ab: der Vertrag, die Übereinkunft. Diese Symbola sind als verbindliche Glaubensurkunden zu verstehen (z.B. das Apostolikum und die Confessio Augustana). Auch eine Zahlensymbolik durchzieht das theologische Denken, deren Grundlage die Drei als Zahl der Dreieinigkeit und der theologischen Tugenden, und die Vier als Zahl der Welt bilden. Es gibt vier Tages- und Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Elemente, Lebensalter, vier christliche Kardinaltugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit), vier Ströme des Paradieses (Euphrat, Tigris, Pison, Geon), als Männer mit Wasserkrügen z.B. am Taufbecken des Hildesheimer Doms abgebildet. In der Vierzahl kommen auch die großen Propheten und die Evangelisten vor. Drei und vier ergeben addiert sieben, multipliziert zwölf. In der Siebenzahl treten die Tugenden, die Todsünden und die freien Künste (artes liberales) auf, zu zwölfen die Monate, die Stämme Israels, die kleinen Propheten, die Jünger Jesu. Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen. Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass alle "Religiöse Sprache" im Wesentlichen symbolisch sei, weil die Religion sich ja meist auf die Transzendenz bezieht und damit alles Vordergründige ( als die Immanenz )übersteigt.

Beispiele

Religiöse Symbole sind u.a.:
- Baha'i: der neun-zackige Stern
- Buddhismus: das acht-speichige Rad der Lehre; Internationale Buddhistische Flagge
- Christentum: Alpha und Omega, Kreuz, Fisch, Christusmonogramm, Agnus Dei [http://www.apfelweibla.de/fachlexikon_symbole_christliche.htm Christliche Symbole]
- Hinduismus: Om
- Islam: Halbmond
- Judentum: Davidstern (magen David, das Schild Davids), Menora (siebenarmiger Leuchter) Beispiele „Religiöser Handlungen“ sind Sakramente wie Taufe und Abendmahl.

In der Mythologie

... werden, wie in der Religion, Symbole verwendet, die auf Transzendenz verweisen. Mit ihrer Erforschung befasst sich vor allem die Tiefenpsychologie in der Tradition von Carl Gustav Jung und die Vergleichende Mythologie. Auf der Arbeit Jungs beruhen z.T. auch die Forschungen von Mythologen wie Joseph Campbell, der die Symbole in Religion und Mythos als innere und geistige Wahrheiten im Gegensatz zu historischen Fakten interpretiert und zu den wichtigsten Vertretern der Vergleichenden Mythologie (Comparative Mythology) zählt. Laut Campbell enthält die Bildsprache von Mythos und Religion selbst keine absolute Wahrheit, sondern verweist auf eine Wahrheit jenseits von Bildern, Bedeutungen, Ideologien, Theologien und Konzepten. Insofern ist das mythische Symbol ein Hilfsmittel, um das Bewusstsein zu transformieren und zu erweitern im Hinblick auf Transzendenz. Es steht damit im Gegensatz zur ideologischen oder manipulativen Verwendung von Symbolen, wie sie zum Teil in Politik oder Religion zu beobachten ist.

In der Kunst

Die bildende Kunst verwendet seit den frühesten Beispielen von Höhlenmalerei bis in die Gegenwart hinein Symbole. In sakraler Kunst folgt die Symbolik dabei den Vorgaben von Religion und Theologie. Es gibt häufig eine verbindliche Ikonographie. In der Moderne tritt dagegen der individuelle und freie Umgang mit Symbolen an die Stelle traditioneller Bildprogramme.

In der Naturwissenschaft

Auch die Wissenschaft verwendet Symbole, indem Wirklichkeit in Form von symbolischer Repräsentanz abgebildet wird. Ernst Cassirer deutet den gesamten Bereich menschlicher Kultur in Form von symbolischen Formen: Auch in den Wissenschaften wird mit sinnlichen Zeichen gearbeitet, die zum Träger von geistigen Bedeutungen und damit von Sinn werden.

In der Politik

finden Symbole häufige Verwendung (z. B. in Gestalt nationaler Fahnen), siehe auch politisches Symbol

Beispiele

Beispiele für politische Symbole:
- das Hakenkreuz als Symbol für den Nationalsozialismus
- Hammer und Sichel als Symbol des Kommunismus
- der Halbmond als Symbol für den Islam und islamische Einrichtungen (Roter Halbmond)
- das christliche Kreuz als Zeichen christlicher Bewegungen und Institutionen (Rotes Kreuz)
- das Kreuz ist das zentrale religiöse Symbol des Christentums, wurde aber vielfach politisch gezeigt (von den Kreuzzügen bis zu politischen Freiheitsdemonstrationen 2004 in der Ukraine)
- das rote Kreuz auf weißem Grund als Abzeichen des Roten Kreuzes als einer nichtstaatlichen Organisation, in politischer Absetzung zu Nationalfahnen, besonders im Krieg als Zeichen politischer Neutralität
- der Turban und das Schwert des Sikh als öffentliches symbolisches Bekenntnis
- der Fez als Kennzeichen islamischer Männer (vgl. das laizistische Fez- und Kopftuchverbot in der modernen Türkei im Kampf gegen das Kalifat)
- das Kopftuch oder auch der Schleier als Kennzeichen islamischer Frauen, politisch vom Islamismus zum Zeichen der öffentlichen Bekenntnisses zur Recht- und Strenggläubigkeit aufgewertet
- die Farbe Grün steht für den Islam und islamische Einrichtungen und wird politisch vielfach verwandt (vgl. die Fahne des revolutionären Libyen)
- die Farbe Violett steht für die evangelische Kirche bzw. für die Frauenbewegung In manchen Staaten (z. B. in Frankreich), ist das Tragen von politischen oder religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden verboten. Siehe auch: Nationale Symbole, Meinungsfreiheit, Kopftuchstreit, Staatsneutralität, weltanschauliche Neutralität

In der Wirtschaft

sind Symbole zumal am Erfolg von Marken beteiligt (z. B. der "Erdal"-Frosch, "Mercedes"-Stern). Doch auch allgemeine Symbole existieren, wie das Standbild zum Zeichen des Marktfriedens - der "Roland" - in deutschen Städten (heute noch unter anderem in Bremen und Wedel, einige im Ausland).

In der Technik

sind eher Allegorien als Symbole von großer Bedeutung,vereinfachte Darstellungen als Repräsentanten real existierender Teile oder Systeme. (Aus ihnen geht hervor, um welches prinzipielle Teil es sich handelt, unabhängig davon, ob die reale Ausführung modernisiert ist, wie z.B. der Papierkorb in der Desktopeinstellung.) Doch haben einige davon auch symbolische Kraft gewonnen (die Silhouette einer Dampflokomotive, der Zirkel in der Fahne der DDR).

Im Sport

Im Wettkampf haben sich etliche Symbole durchgesetzt (z. B. die Goldmedaille bei Sieg, Silber für den zweiten, Bronze für den dritten, dem vierten bleibt nur die „blecherne“ Medaille).

In der Pädagogik

Hier ist die Symboldidaktik zu nennen.

Siehe auch


- Symbolik
- Liste von Symbolen
- Abzeichen
- Allegorie
- Begriff
- Dingbats
- Einheitenzeichen
- Formelzeichen
- Genealogische Zeichen
- Hieroglyphen
- Kennzeichen
- Maskottchen
- Piktogramm
- Siegel
- Signal
- Signographie
- Sinnbild
- Symbolischer Interaktionismus
- Symbolismus (Symbole in der Literatur)
- Symboltier
- Todessymbolik
- Wappen
- Wikipedia:Tabelle mathematischer Symbole

Literatur


- Udo Becker: Lexikon der Symbole, ISBN 3-89836-219-1
- Manfred Lurker: Die Botschaft der Symbole, ISBN 3466203198
- Carl Gustav Jung et al.: Der Mensch und seine Symbole, ISBN 3530565016
- Rudi Keller: "Zeichentheorie”, UTB, ISBN 382521849X

Weblinks


- [http://www.katholisch.de/2493.htm katholische Kirche im Internet: katholische Symbole und Riten]
- [http://www.kunstdirekt.net/Symbole/exkursheinzmohr.htm Gerd Heinz-Mohr: Über Symbolik]
- [http://www.sukhavati.de Symbole in Mythologie, Religion und Tiefenpsychologie]
- [http://www.kath.de/kurs/symbole/ christliches Symbollexikon]
- [http://www.symbolforschung.org Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e.V.]
- [http://www.reinigungsportal.com/pictogramme.html Typische Reinigungs- und Entsorgungssymbole] ! Kategorie:Rhetorischer Begriff Kategorie:Literarischer Begriff Kategorie:Stoffe und Motive Kategorie:Psychoanalyse ja:シンボル simple:Symbol

Grafik

Grafik im Weitesten Sinn ist der Sammelbegriff aller Tätigkeiten künstlerischer, technischer und Industrieller Zeichnung sowie ferner deren manuell-drucktechnische Vervielfältigung. In der engsten Begriffsverwendung bezieht sich Grafik allein auf die künstlerische Druckgrafik, die zur bildenden Kunst gehört. Eine Originalgrafik entsteht eigenständig, unabhängig von Vorlagen und in der Absicht, die Techniken der Druckgrafik für den künstlerischen Ausdruck zu nutzen. bildenden Kunst, Die große Welle von Kanagawa (ca. 1830)]]

Gliederung der druckgrafischen Verfahren

Die druckgrafischen Verfahren lässt sich nach Walter Koschatzky in folgende Gruppen gliedern:
- Hochdruck (Holzschnitt, Schrotschnitt, Weißlinienschnitt, Teigdruck, Clair-obscur, Camaieu-Schnitt, Linolschnitt, Zinkätzung, Montagedruck/Materialdruck)
- Tiefdruck
  - Manuelle Stichverfahren: Kupferstich, Niello, Stahlstich, Punzenstich, Punktstich, Schabtechnik, Kaltnadeltechnik
  - Ätzverfahren: Radierung, Aquatinta, Heliogravüre, Kreidemanier, Punktiermanier, Weichgrundätzung oder Vernis Mou, Mehrplatten-Farbdruckverfahren
- Flachdruck (Lithografie, Metallplattendruck, Mehrplatten-Farbverfahren)
- Durchdruck (Serigrafie)
- Verschiedene Verfahren, wie Monotypie und Glasklischeedruck

Die Geschichte der Druckgrafik

Glasklischeedruck]] Alle grafischen Techniken wurden weder von den Künstlern der jeweiligen Zeit noch für einen speziellen künstlerischen Gebrauch entwickelt. Der Einblattholzschnitt entstand um 1400 aufgrund eines wachsenden Bedarfs nach Andachtsbildern. Billiger, schneller und produktiver als mit den zuvor in Klöstern manuell gezeichneten Bildchen ließ sich der Wunsch breiter Bevölkerungsgruppen nach privatem Bildbesitz befriedigen. Sie wurden in Klöstern und an Wallfahrtsstätten verkauft, um mit ihrer Hilfe die Gläubigen an der magischen Wirkung der "Urbilder" teilnehmen zu lassen. Die Einblattholzschnitte - heute als die ältesten grafischen Kunstwerke in Mitteleuropa verstanden - stellten für ihre Besitzer Gebrauchsgüter dar, vor denen man in den eigenen vier Wänden seine private Andacht verrichtete. Die Entstehung des Holzschnittes geht mit der Verbreitung der Papierherstellung einher. Die massenweise und im Vergleich zur Pergamentherstellung wesentlich billigere und schnellere Produktion des Papiers war die entscheidende Voraussetzung für dieser Technik, die bald durch den Kupferstich ergänzt wurde. Das früheste Blatt, das in der Kupferstichtechnik ausgeführt wurde, datiert aus dem Jahr 1446 und ist damit nur wenige Jahrzehnte jünger als der älteste datierte Holzdruck. Im Vergleich zum Holzschnitt erlaubte der Kupferstich reichere Darstellungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, weil hier nahezu stufenlos alle Töne zwischen zartestem Grau und Schwarz erzielt werden konnten und nicht – wie beim Holzschnitt – nur die Unterscheidung von Weiß und Schwarz. Bis zur Entwicklung des Holzstichs zu Beginn des 19. Jahrhundert durch Thomas Bewick war der Kupferstich die bevorzugte Technik der Buchillustration. Buchillustration Künstlerisch führte Albrecht Dürer (1471–1528) sowohl den Holzschnitt als auch den Kupferstich zur Perfektion. Von seinen großen grafischen Meisterwerken sei exemplarisch der Zyklus Marienleben (Holzschnitt, 1502/1505) sowie die zwei Blätter Ritter, Tod und Teufel(Kupferstich, 1513) und Melencolia I (Kupferstich, 1514) genannt. Dürer hat genau wie Tizian, Michelangelo und Raffael die Bedeutung der Druckgrafik auch darin gesehen, den eigenen künstlerischen Ruf zu verbreiten und über den Vertrieb der Blätter Einkünfte zu generieren. So hat Dürer beispielsweise seine druckgrafischen Zyklen im eigenen Verlag verlegt und über den Buchhandel vertrieben. Der Vertrieb druckgrafischer Blätter hatte auch zur Folge, dass neue künstlerische Entwicklungen schnell und gleichmäßig in ganz Europa Verbreitung fanden. Der aufwendige manuelle Arbeitsprozess, mit dem beim Kupferstich die Linien in die Druckplatte eingegraben wurde, wurde durch die Entwicklung der Radierung vereinfacht. Hier wird die Platte durch chemisches Ätzen bearbeitet. Die frühesten Radierungen datieren auf das Jahr 1513. Die Radierung erreichte zwar nicht die Abbildungspräzision des Kupferstichs und löste damit auch dieses Ausdrucksmittel nicht als wichtigstes Medium der Buchillustration ab, sie erweiterte die druckgrafischen Techniken jedoch um die Möglichkeit, den individuellen Zeichenstil wiederzugeben. Frühe Meister dieser Technik waren etwa Matthäus Merian und Wenzel Hollar. Aber auch die Radierung begrenzte die Druckgrafik noch auf die Darstellung von Linien. Das änderte sich mit der Schabtechnik (auch Mezzotinto genannt), die Ludwig von Siegen (1609-1680) entwickelte. Mit ihr konnte erstmals für ganze Bildpartien ein einheitlicher Flächenton erzielt werden. Dies geschah durch ein sehr arbeitsaufwendiges Aufrauen der Druckplatte. Die Technik der Aquatinta, die zwischen 1765 und 1768 von Jean Baptiste Leprince entwickelt wurde, ersetzte dieses manuelle Verfahren durch ein chemo-technisches. Mit der Entwicklung der Lithografie durch Alois Senefelder um 1803 setzte sich die chemo-technische Rationalisierung der Drucktechniken fort. Die Herstellung der Druckplatten verbilligte und beschleunigte sich, womit sich diese Technik auch für die sich rasch ausbreitende Tagespresse eignete. Für die Künstler entstand nicht nur eine neue Ausdrucksmöglichkeit sondern erschlossen sich auch neue Berufsfelder: sie wurden zu Zeitungszeichnern und Karikaturisten wie beispielsweise Honoré Daumier.

Merkmale eines Grafikabzuges

Original und Reproduktion

Während nach landläufiger Auffassung der Begriff des Originals die Eigenschaft der Einmaligkeit beinhaltet, wird jeder druckgrafische Abzug (sofern es sich nicht um eine fotomechanische Reproduktion handelt) als Original angesehen. Dabei ist gleichgültig, wie viele Exemplare des Drucks vorhanden sind. Als Einmaligkeit wird hier der Ausdruck der künstlerischen Gedanken, Vorstellungen und Ideen verstanden, die nur mit den technischen Möglichkeiten des Drucks realisiert werden könne. Lothar Lang schreibt dazu: "... [die Originalgrafik] verfügt über nur ihr zuhandene spezifische Ausdrucksmöglichkeiten, die allein durch die Mittel der grafischen Verfahren realisiert werden können. Insofern ist Druckgrafik durch keine andere bildende Kunst ersetzbar und auch in kein anderes Medium des Bildnerischen aufzulösen: Die Einmaligkeit der Druckgrafik kann nicht in Frage gestellt werden." Galt früher die Definition, dass eine Originalgrafik dann vorliegt, wenn deren Erfindung und deren Ausführung zur Gänze von der Hand des gleichen Künstlers sind und sie unter Ausschluss aller (foto-)mechanischen Verfahren hergestellt wurde, greift diese Definition angesichts der Entwicklung moderner drucktechnischer Verfahren nicht mehr. Viele Künstler integrieren heute fotomechanische Verfahren, verwenden Fotonegative, arbeiten mit Offset-Drucken etc. Eine solch enge Definition würde die Arbeiten vieler bedeutender Künstler wie Léger, Rouault, Baumeister und Vasarely ausschließen. Heute gültiger ist deshalb die Definition des Begriffs Originalgrafik von Karl Graak: "Bei einer Druckgrafik handelt es sich dann um ein Original, wenn sie die einzig verbindliche Realisierung einer auf die angewandte Technik gerichteten künstlerischen Konzeption ist, wenn das Werk also nicht noch einmal in einer anderen Technik existieren kann." Eine Reproduktionsgrafik dagegen wird nach einem künstlerisch fertigen Vorbild hergestellt. Sie ist die mechanische Übertragung eines autonomen Kunstwerkes wie etwa eines Gemäldes oder einer Zeichnung in eine druckgrafische Technik. Siehe auch: Klischeedruck

Auflage und Abzug

Das einzelne, durch den Druckprozess entstehende Blatt nennt man Abzug, die Gesamtzahl der Abzüge heißt die Auflage. Die Höhe der Auflage zu bestimmen, ist das Recht des Künstlers. Blieb früher durch die materialbedingte Abnutzung der Druckform (beispielsweise einer Zink- oder Kupferplatte) die Höhe der Auflage einer Druckgrafik auf eine geringe Anzahl beschränkt, ermöglicht heute die Möglichkeiten der Verstählung der Druckplatte auch eine sehr hohe Auflage. Bei Hochdruckgrafiken liegt die Auflage meistens zwischen 20 und 100 Abzügen. Die Limitierung der Auflage durch den Künstler, die er eigenhändig auf dem Blatt, nicht auf der Platte vermerkt, ist letztlich auch eine Wertfeststellung. Je niedriger die Auflage ist, desto wertvoller ist der Abzug. Ein Qualitätsmerkmal ist eine niedrige Abzugsnummer bei einer modernen Grafik nur bei einer unverstählten Kaltnadelradierung, weil hier jeder folgende Druck eine größere Plattenabnutzung hervorruft. Sind die Abzüge einer Auflage und die begleitenden Probe- und Künstlerabzüge hergestellt, ist es üblich, die Platte unbrauchbar zu machen. Dies geschieht beispielsweise, indem man auf der Platte mehrere gekreuzte Schnitte anbringt.

Unterschrift und Nummerierung

Die handgeschriebene Unterschrift unter einem Werk des betreffenden Künstlers verbürgt, dass es sich um eine Original-Druckgrafik handelt, bei der die Druckform vom Künstler selbst geschaffen wurde und im Handdruckverfahren und in limitierter Auflage von ihm oder einem Drucker abgezogen wurde. Für die Signatur wird meistens Bleistift verwendet, weil eine Bleistiftsignatur nur schwer wegzuradieren oder zu verändern ist, ohne dabei die Papierfasern zu beschädigen. Die Signatur wird üblicherweise in der unteren rechten Ecke angebracht. Der etwaige Titel der Grafik steht in der Mitte. Die Auflage wird der Druckfolge nach durchnummeriert. Eine Druckgrafik, die beispielsweise die Kennzeichnung 20/100 trägt, ist der 20. Druck einer Auflage von 100 Stück. Die Nummerierung wird üblicherweise in der unteren linken Ecke des Abzuges vermerkt.

Eigendruck und Fremddruck

Bei einem Abzug kann es sich um den Eigendruck eines Künstlers handeln. Es ist jedoch durchaus üblich, dass der Künstler den Abzug durch einen Drucker, also einen hochqualifizierten Handwerker, vornehmen lässt. Ein Meisterdrucker garantiert für höchste technische Vollendung. Häufig ist bekannt, welcher Drucker für den Künstler die Abzüge ausführte:
- William Garrett für Thomas Bewick
- die Lithodrucker Ehrhardt und Sohn, Dresden für Otto Dix und Hans Theo Richter
- Horst Arloth, Leipzig, für Bernhard Heisig und Gerhard Altenbourg
- Atelier Clot für Toulouse-Lautrec, Lacourier
- Atelier Fernand Mourlot, Paris, für Georges Braque, Pablo Picasso, Jean Dubuffet
- Atelier Desjobert für Pablo Picasso und Marc Chagall

Vorzugsstücke der traditionellen Grafik

Einige Drucke (maximal 10% der Auflage) werden mit "E.A." oder Epreuve d'artiste gekennzeichnet. Dies sind so genannte Künstlerdrucke, die außerhalb der verkauften Auflage vorweg für den Künstler selbst gedruckt werden. Seriös ist es, wenn ein Künstler auch diese Serie nummeriert. Dies geschieht zur Unterscheidung von der normalen Nummerierung in römischen Ziffern, also etwa "E.A./ IV." Üblich ist auch die Bezeichnung "h.c." oder "hors de commerce" (=nicht für den Handel). In Großbritannien werden diese Abzüge auch mit "artist's proof" gekennzeichnet. Probedrucke sind Zustandsdrucke (auch epreuve d'etat), die während der Arbeit an der Platte entstehen und werden häufig mit P/A (Probeabzug) gekennzeichnet. Der Probeabzug setzt eine weitere Veränderung der Arbeit voraus. Sie können besonders aufschlussreich sein, weil sie Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers geben und weil an ihnen die Entstehung des Werkes verfolgt werden kann. Bei den Radierungen Rembrandts sind 7 bis 9 Zustände keine Seltenheit, bei Käthe Kollwitz gibt es Abzüge vom 11. Zustand, bei Picasso kennt man bis zu 30 Zustandsdrucke. Diese Unikate, die oft auch farblich von der späteren Auflage abweichen, werden von Sammlern besonders geschätzt und sind um so begehrter, je älter und berühmter der Künstler ist. Zuschussabzüge sind Abzüge, die zusätzlich zur Auflage gedruckt werden, um gegebenenfalls einen fehlerhaften Abzug ersetzen zu können. Variante. Die Variante gibt es in der farbigen Grafik. So ist bei einer Lithografie in 3 Farben der Druck von einer weiteren, vierten Farbe eine Variante. Die Farbholzschnitte von Ernst Ludwig Kirchner beispielsweise existieren in zahlreichen Varianten. Varianten werden (wie auch die Zustandsdrucke) in den Werkverzeichnissen nachgewiesen. Remarque-Drucke. Zuweilen machen Künstler am Rande eines Steines oder einer Radierplatte ein Zeichen oder eine Skizze für die Ätzprobe, um die Wirkung der Ätzflüssigkeit kontrollieren zu können. Die Skizze wird in der Regel vor dem Auflagendruck entfernt. Manchmal bleiben diese Remarques jedoch stehen und erscheinen nicht nur auf den Probedrucken, sondern auf allen Abzügen. Diese Abzüge nennt man dann Remarque-Drucke. Vorzugsdruck werden Drucke auf besonders ausgewähltem Papier genannt, die für die normale Auflage nicht verwendet worden ist. Im allgemeinen sind sie römisch nummeriert.

Werkverzeichnis

Werkverzeichnisse enthalten in chronologischer Folge, gegliedert nach Techniken, alle bekannten Arbeiten eines Künstlers und deren Beschreibung, die häufig durch Abbildungen ergänzt ist. Sie werden in aller Regel nur für sehr bedeutende Künstler erstellt. Werkverzeichnisse kann man in großen Bibliotheken oder in so genannten Kupferstichkabinetten einsehen.

Grafik in technischen Disziplinen und der Medientechnik

In den technischen Disziplinen und der Medientechnik steht der Begriff Grafik für Abbildungen (teilweise auch Skizzen), die auf geometrische Grundformen reduziert werden können. Typische Beispiele hierfür sind Strich- und Linienabbildungen (Firmenlogos, manche Icons). Als Bilder bezeichnet man dagegen Abbildungen, die nicht aus geometrischen Grundformen zusammengesetzt sind - vor allem fotorealistische Abbildungen. Im Zusammenhang mit Datenformaten werden Bilder und Grafiken oft zusammengefasst unter dem Begriff Grafikformate. Bei den Grafikformaten kann unterschieden werden zwischen Vektorgrafik und Rastergrafik. Für Rastergrafiken wird auch die aus dem englischen entlehnte Bezeichnung Bitmap verwendet. Für manche Grafiken wird auch der Begriff GFX verwendet.

Grafische Berufe

Zu den grafischen Berufen zählen
- Formschneider
- Kupferstecher
- Drucker
- Grafiker
- Schrift- und Reklamegestalter
- Kopigrafiker

Siehe auch


- Radierung
- Kupferstich
- Edeldruck
- Geometrie
- Kunst
- Grafikdesign
- Design
- Format
- Fotografie
- David Carson

Literatur


- Walter Koschatzky: Die Kunst der Graphik. 13. Auflage. dtv - Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1975 ISBN 3423307420
- Lothar Lang: Der Graphiksammler, Berlin 1979 ISBN 3776203951
- Rene Hirner (Hsg.): Vom Holzschnitt zum Internet - Die Kunst und die Geschichte der Bildmedien von 1450 bis heute, Cantz Verlag 1997 ISBN 3893223525 Kategorie:Bildende Kunst Kategorie:Grafikdesign Kategorie: Drucktechnik !Grafik

Schriftzeichen

Ein Schriftzeichen oder Graphem ist ein Symbol, das entweder einen Laut (Phonem) wie bei Alphabeten (Buchstabenschriften) oder eine Silbe wie bei Silbenschriften repräsentiert. Dann ist es ein Phonogramm und eine phonologische Schrift. Beispiele: Das lateinische oder griechische Alphabet und die japanische Katakana. Oder das Schriftzeichen ist ein Logogramm in einer ideographischen Schrift und stellt ein ganzes Wort bzw. eine Wortgruppe dar, also eine bedeutungstragende Einheit, ein Morphem. Beispiele: Die japanischen Kanji. Bei den Hieroglyphen (Ägypten) wiederum haben einzelne Zeichen nicht nur die Bedeutung als Laut, sondern teilweise auch als Determinativ. Darunter versteht man eine Bedeutungsgruppe wie z.B. die wellenförmige Schlangenlinie (Wasserwellen), die allgemein für Flüssigkeiten steht. Das Determinativ ist hierbei gewöhnlich das letzte Zeichen des Wortes. Die Schriftzeichen stehen in einer durch Konventionen festgelegten Beziehung zu der Sprache, die sie repräsentieren.

Graphem

Ein Graphem ist die kleinste funktionale Einheit des Schreibsystems (Orthographie, Graphematik/Graphemik) einer Schriftsprache. Ein Graphem hat charakterististische Merkmale, die es von anderen Graphemen unterscheiden (graphematische Merkmale, z. B. die spitze Form des v, die es von der runden Form des u unterscheidet, oder auch die diakritischen Zeichen, die z. B. ein ö vom o unterscheiden). Ein Graphem wird in der Form unterschiedlich aussehender Buchstaben (Graphen bzw. Glyphen) realisiert, je nach Schriftart (Font, Schreib-/Druckschrift usw.) bzw. der Position im Wort oder im Satz. Man spricht dabei von Allographen bzw. Varianten eines Graphems. Unterschiedliche Buchstabenformen sind dann Allographen ein und desselben Graphems, wenn sie austauschbar sind, ohne die Bedeutung eines Wortes zu verändern. und a sind z. B. Allographe des Graphems a. Eine wichtige Grundvariation stellt die Unterscheidung in Groß- und Kleinbuchstaben dar: A und a sind ebenfalls Allographe des Graphems a, deren Verteilung bestimmten Regeln folgt.

Beispiele für Graphem-Phonem-Korrespondenzen im Deutschen

Dem Graphem h entspricht üblicherweise das Phonem /h/. Es bezieht sich aber auf kein Phonem, wenn es bestimmten anderen Graphemen folgt: ch, ph, th, uh usw. (In diesen Fällen modifiziert es entweder nur die Aussprache des vorangehenden Graphems: ch, ph, oder es ist einfach stumm: th, oder es macht die Aussprache des vorangehenden Graphems eindeutig: uh.) Man nennt ch, ph, th, uh, usw. Digraphen oder Digrapheme, da zwei aufeinanderfolgende Grapheme mit einem Phonem korrespondieren.
Umgekehrt korrespondiert z. B. das Graphem z mit einer Phonemfolge (/ts/) (vgl. auch Konsonantencluster). Ein Graphem kann mehreren Phonemen entsprechen, z. B. b den Phonemen /b/ (Erbe) und /p/ (Erbse), oder v den Phonemen /f/ (Vater) und /v/ (Vulkan). Umgekehrt können einem Phonem unterschiedliche Grapheme entsprechen, z. B. dem stimmlosen /s/ (ß-Laut) die Grapheme ß (Fuß) und s (Erbse), oder dem stimmlosen /f/ die Grapheme f, v und die Graphemkombination (vgl. auch Konsonantencluster) ph (-graph- neben -graf-).

Logogramm

Ein Logogramm (von griechisch lógos - Wort, gráphein - schreiben) ist ein einzelnes schriftliches Zeichen, das ein Wort bzw. eine bedeutungstragende Worteinheit darstellt und dem ein oder mehrere definierte Lautkomplexe (phonemische Komplexe) zugeordnet sind. Ein Logogramm kann ein Piktogramm (eine grafische Vereinfachung, ein Bildsymbol) oder ein Ideogramm (eine Zusammensetzung von Bildsymbolen bzw. von Symbolen ohne Bildcharakter) sein oder eine Zusammensetzung aus Pikto- oder Ideogramm mit einem oder mehreren Phonogrammen. Dafür ist die japanische Schrift ein Beispiel, wo ein Logogramm aus einem Kanji und einem oder einigen Zeichen der Silbenschrift bestehen kann. Die meisten chinesischen Schriftzeichen werden als Logogramme eingestuft. Beispiele für moderne westliche Logogramme sind die Zahlen oder auch das Kaufmanns-Und & oder das @-Zeichen, das für englisch "at" verwendet wird. Verglichen mit alphabetischen Systemen haben Logogramme den Nachteil, dass man von ihnen sehr viele benötigt, um die einzelnen Wörter darzustellen. Ein Vorteil ist, dass man die Sprache des Verfassers nicht zu kennen braucht, um sie zu verstehen - jeder versteht, was "1" bedeutet, egal ob man nun eins, one, uno oder ichi sagt; ebenso können sich Chinesen, die unterschiedliche chinesische Dialekte sprechen, manchmal sogar Chinesen und Koreaner oder Japaner miteinander schriftlich verständigen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen.

Beispiele

Folgende Schriften sind größtenteils logografisch
- Alaska-Schrift
- Dongba (Naxi)
- Hieroglyphen (altes Ägypten)
- Hanzi (Chinesisch)
  - Kanji (Japanisch)
  - Hanja (Koreanisch)
- Jurchen
- Kitan
- Maya
- Tangut Logografisch sind zahlreiche symbolische Fachsprachen aufgebaut:
- Symbolik der Mathematik einschließlich Zahlensystem mit arabischen Ziffern
- chemische Formelsprache
- physikalische Formelsprache

Ideogramm

In einer ideographischen Schrift (auch: ideografisch) stellt jedes Symbol (Ideogramm, von griechisch idéaGestalt, Form, Erscheinung, gráphein – schreiben) eine bestimmte Bedeutung dar. Vereinfacht kann man sagen, dass ein Zeichen einem Wort entspricht. Reine ideographische Schriften sind sehr selten; sie enthalten meistens auch andere Elemente. Die ägyptische und sumerische Schrift sind eine Mischung aus piktographischen, ideographischen und sprachlichen Elementen. Das trifft auch zu für die chinesische Schrift, die aus einer ideographischen Schrift entstand, sich jedoch bald zu einer logographischen Schrift entwickelte. Ein Ideogramm ist ein Schriftzeichen, das einen ganzen Begriff darstellt und dabei symbolische Zeichen für abstrakte Begriffe verwendet oder sich aus zwei oder mehreren Piktogrammen zusammensetzt. „Ideogramm“ ist nicht zu verwechseln mit Idiogramm (graphische Darstellung der Chromosomen).

Beispiele für Ideogramme aus der chinesischen bzw. japanischen Schrift:

木 „Baum“ (Piktogramm) und 人 „Mensch“ (Piktogramm) ist 休 „ruhen“ (Ideogramm)
木 „Baum“ (Piktogramm); 林 „Wald“ (Ideogramm); 森 „großer Wald“ (Ideogramm)
上 „über“ (Ideogramm)
下 „unter“ (Ideogramm)

siehe auch


- Buchstabe
- :Kategorie:Schriftzeichen
- Semiotik
- Syntaktik
- Schrift

Weblink


- [http://www.wiebel.de/arbeiten.php Das autonome Graphem] Zur GP-Korrespondenz Kategorie:Symbol Kategorie:Sprache Kategorie:Linguistik ja:表意文字 ko:표의 문자

Japanische Sprache

Japanisch (jap. 日本語 nihongo) ist die Amtssprache Japans. Der Language Code nach ISO 639 ist ja bzw. jpn.

Verbreitung

Mit etwa 127 Mio. Sprechern und einem Anteil an der Weltbevölkerung von 2,4% steht Japanisch in der Liste der am häufigsten gesprochenen Sprachen auf Platz 8. Außer in Japan selbst wird es hauptsächlich in den USA (ca. 200.000 Sprecher auf dem nordamerikanischen Festland, ca. 220.000 Sprecher auf Hawaii) und in Südamerika (ca. 380.000 Sprecher, vor allem in Brasilien) gesprochen. Dies ist vor allem auf drei große Auswanderungswellen von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 4,9% aller Web-Seiten auf Japanisch sind (Platz 4 hinter Englisch, Deutsch und Französisch).

Herkunft

Aus den japanischen Inseln sind nur drei einheimische Sprachen bekannt: Japanisch, Ainu in Hokkaido und die Sprachen von Ryūkyū (Okinawa), die mit dem Japanischen relativ nahe verwandt ist; beide werden aus dem Proto-Japonisch hergeleitet. Dessen nächste (nicht: nahe) Verwandte sind vermutlich Sprachen in Korea, besonders das ausgestorbene Alt-Koguryo im Norden der Halbinsel. Die Ainu-Sprache, die sich vom Japanischen stark unterscheidet, leiten viele Forscher von den Trägern der mesolithischen und neolithischen Jōmon-Kultur (1896) ab. Der genaue Ursprung der japanischen Sprache ist jedoch bis heute unklar, eindeutig nachgewiesen werden kann eine Sprachverwandtschaft bisher nur zu den oben erwähnten Ryūkyū-Sprachen (sog. "Okinawa-Dialekte des Japanischen"). Eine sehr lange Periode der schriftlosen Isolierung (von mehreren tausend Jahren v. Chr. bis ca. 300 n. Chr.) hat die altjapanische Sprache weit von allen eventuellen Ursprüngen entfernt. Während der Jōmon-Zeit (縄文時代) wurde im westlichen Teil Japans vermutlich eine austronesische Sprache gesprochen, die wohl mit den Inselsprachen Melanesiens und Mikronesiens verwandt gewesen sein dürfte. Zu Beginn der Yayoi-Zeit (弥生時代) um etwa 300 v. Chr. gelangten die Technik des Reisanbaus und die Verwendung von Bronze von Südkorea nach Nord-Kyūshū und verbreiteten sich von dort über das gesamte westliche Japan. Zusammen mit der koreanischen Kultur -- eventuell aber auch schon merklich früher -- kam wohl auch die damalige Form einer oder mehrerer koreanischer Sprachen nach Japan, wodurch sich altaische (sibirisch-türkische) und austronesische Sprachelemente teilweise schon in Korea und später auch in Japan vermischten. Im 3./4. Jahrhundert brachte eine neue Welle koreanischer Einwanderer die Japaner in Kontakt mit der in Korea schon länger einflussreichen chinesischen Kultur. Ab dem 4./5. Jahrhundert besuchten japanische Mönche für buddhistische Studien das Kaiserreich China und nahmen die chinesischen Schriftzeichen und andere Kulturgüter mit nach Japan. Dort vermischten sich diese Einflüsse, ausgehend von den religiösen Zentren, mit der lokalen Kultur.

Sprachaufbau

Die japanische Sprache ist in ihrer Entstehung etwas weitgehend Eigenständiges. Zwar entspricht ihre Grammatik – ebenso wie z. B. die des Koreanischen – dem Altaischen (Agglutination, Wortstellung), die Aussprache ist jedoch typisch austronesisch (wenig Konsonantenverdoppelungen, nur ein stimmhafter Endkonsonant "-n"), und im Wortschatz lassen sich kaum Ähnlichkeiten mit dem Koreanischen feststellen, sieht man von Begriffen aus dem landwirtschaftlichen Bereich und in beiden Sprachen vorhandenen chinesischen Lehnwörtern ab. Altaische Ausspracheelemente wie die Vokalharmonie wurden im Laufe der Zeit immer mehr zurückgedrängt. Das japanische Schriftsystem verwendet die chinesischen Schriftzeichen (漢字 Kanji), sowie zwei davon abgeleitete Silbenschriften, Hiragana (für den indigenen Wortschatz) und Katakana (für neuere Lehnwörter). Mit der Schrift wurden auch viele chinesische Begriffe in das Japanische übernommen. Doch in Aussprache und Grammatik unterscheiden sich Japanisch und Chinesisch grundlegend: Anders als die chinesischen Sprachen kennt das Japanische keine Töne und auch weniger Konsonanten, daher ist der Silbenvorrat des Japanischen mit rund 150 Silben im Vergleich zu den rund 4000 des Chinesischen viel geringer. In der Grammatik ist Japanisch, im Gegensatz zu den isolierenden chinesischen Sprachen, eine agglutinierende Sprache, besitzt also eine Vielzahl von grammatischen Suffixen – so genannten Partikeln und Funktionalnomen –, die eine vergleichbare Funktion wie die Flexionsformen, Präpositionen und Konjunktionen der europäischen Sprachen haben. Noch im heutigen Japanisch werden „altjapanische“ und chinesische Elemente voneinander abgegrenzt. Bei den Schriftzeichen wird zwischen 音読み (On-yomi) und 訓読み (Kun-yomi) unterschieden. On-yomi ist die sinojapanische Lesung, eine Übertragung der chinesischen Lesung (meist aus Sung- oder Tangzeit) in den Lautvorrat des Japanischen, bei der Kun-yomi wurde ein „urjapanisches“ Wort mit der Bedeutung des Schriftzeichens verbunden. Einige Lautfiguren finden sich nur in jeweils einem der beiden Bereiche. Aus dem Chinesischen stammende japanische Verben und Adjektive, die wie alle chinesischen Wörter nicht flektierbar sind, funktionieren auch grammatikalisch anders als ihre flektierbaren „urjapanischen“ Gegenstücke.

Grammatik

Die Satzstellung des Japanischen ist SOP, Subjekt - Objekt - Prädikat. Das heißt, das Verb steht immer am Ende des Satzes bzw. Nebensatzes. Das Japanische ist eine agglutinierende Sprache. Grammatische Formen werden gebildet, in dem das Verbende verändert wird, andere Satzteile werden durch Partikel verändert.

Nomen

Nomen werden im Japanischen nicht dekliniert. Japanisch kennt im Gegensatz zum Deutschen auch keinen grammatischen Genus (Geschlecht), keine Artikel, keinen Plural (Mehrzahl) und keinen Kasus (Fall).

Partikel

Die Funktion von Fällen und Präpositionen in der deutschen Sprache übernehmen Partikel, die an das Nomen angefügt werden. Eine zweite Gruppe von Partikeln wird an Sätze angefügt und dient als Satzverbinder.

Numerus

Bei japanischen Nomen ist der Numerus nicht festgelegt, mit geta (Sandale) kann eine einzelne Sandale, ein Paar, ein ganzes Regal voll oder Sandalen im Allgemeinen gemeint sein. Wenn es notwendig ist, die Menge näher zu bestimmen, muss dies durch zusätzliche Bestimmungen im Satz geschehen, z.B. ’’takusan’’ = "viele". Weiterhin gibt es Suffixe, mit denen sich der Plural bei Menschen ausdrücken läßt: -tachi (höflicher: -gata, informell: -ra)

Adjektive

Das Japanische kennt zwei Formen von Adjektiven: na-Adjektive (keiyōshi 形容詞) und i-Adjektive (keiyōdōshi 形容動詞). na-Adjektive sind nicht konjugierbar und werden mit Nomen durch den Partikel "na" verbunden. Sie können auch mit dem Verb "da" als Partizip verwendet werden. i-Adjektive lassen sich konjugieren und werden im Satz wie Verben verwendet.

Personalpronomen

Das historische Japanisch kennt genaugenommen gar keine Personalpronomen. Noch heute ist es üblich, von sich selbst mit dem eigenen Namen oder der Stellung gegenüber dem Gesprächspartner zu reden. Genauso kann man den Gesprächspartner im Satz mit dessen Namen bezeichnen. Für die Selbstbezeichnung gibt es eine Reihe von Ausdrücken, die von "selbst" oder "persönlich" abgeleitet sind. Eines dieser Wörter ist watakushi (私; wörtlich "privat") das die höchste Höflichkeitsstufe im modernen Japanisch für "ich" darstellt und eine Reihe von informellen Verkürzungen kennt (watashi; atashi; ashi usw.). boku (僕) und ore (俺) sind weitere informellere Wörter, die "ich" bedeuten, dazu kommen dialektale Ausdrücke. Wo im Deutschen immer das Personalpronom nötig ist, um zu bezeichnen, um wen es geht, wird es im Japanischen eher weggelassen und aus dem Kontext geschlossen, um wen es eigentlich geht. Was in Japanisch-Lehrbüchern als Personalpronomen aufgeführt wird, hat in der japanischen Umgangssprache leider ganz andere Verwendungen. Mit kare (彼, höflicher kareshi 彼氏) und kanojo 彼女 ist immer der Freund und meistens die Freundin gemeint. Ob jemand Single ist, fragt man also mit "kare / kanojo ga imasu ka?" anata あなた Ist das einzige im aktuellen Japanisch verwendete Wort mit der Bedeutung "du" das in neutralen Zusammenhängen als "Sie" gebraucht werden kann z.B. in Hinweisschildern und Durchsagen: "Bitte benutzen Sie die Yamanote-Linie bis zur Station Shinjuku und steigen Sie dann...". Es stammt von einer gleichnamigen Anrede von Frauen für ihre Ehemänner. Anreden von unbekannten oder höhergestellten Erwachsenen mit anata ist ausgeschlossen! Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass ehemalige sehr höfliche Sie-Wörter in der Geschichte der Sprache oft unhöflich geworden sind. Beispiele dafür sind:
- kimi 君 ursprünglich Bezeichnung für den Tenno (ookimi 大君) in der Edo-Periode, jetzt Ausdruck für "du" in der Männersprache
- omae お前 (ehrenhafter Gegenüber) früher Sie, jetzt "hey du!" (Ausruf, unhöflich) oder im vertrauten Zusammenhang ein einfaches "du" (ebenfalls Männersprache)
- kisama 貴様 (Ehrenwerter hochverehrter [Herr]) bedeutet in heutiger Verwendung ironischerweise "du Arschloch"

Lehnwörter

Seit dem 3. Jahrhundert übernahm das Japanische zusammen mit der chinesischen Schrift zahlreiche chinesische Lehnwörter, die jedoch an die japanische Aussprache angepasst wurden. Ein großer Teil des heutigen japanischen Wortschatzes besteht aus diesen angeglichenen Begriffen. Als portugiesische Jesuiten im 16. Jahrhundert in Japan eine kurzlebige christliche Mission einrichteten, übernahm die japanische Sprache einige Wörter aus dem Portugiesischen. Dazu gehören beispielsweise パン pan (Brot) und テンプラ tempura (in Backteig frittiertes Gemüse und Fisch, von lateinisch tempora, [Fasten]zeiten). Zu dieser Zeit wurden diese Wörter in chinesischen Schriftzeichen phonetisch wiedergegeben, z.B. Kaffee = 珈琲 kōhi-, mittlerweile werden die praktischeren Silbenschriften dafür verwendet. Seit der Öffnung zum Westen 1853 und dem Beginn der Meiji-Zeit 1868 sind die Japaner mit einer Vielzahl westlicher Konzepte konfrontiert worden, für die neue Wörter geschaffen werden mussten. Als erste Möglichkeit wurden Begriffe in chinesischen Schriftzeichen neu geschaffen, z.B. minshushugi 民主主義 = Demokratie. (Interessanterweise finden sich diese Wörter heutzutage vielfach als japanische Lehnwörter im Chinesischen.) Andere Wörter wurden phonetisch übertragen, ihr Anteil an der japanischen Sprache beträgt mittlerweile ca. 10-15% und variiert je nach Sachgebiet stark. Die Aussprache in lateinischer Schrift geschriebener englischer Wörter ist für Japaner oft nur schwer nachzuvollziehen, zumal andere europäische Sprachen wie Französisch, Deutsch, Spanisch die lateinischen Buchstaben wieder anders lesen und damit die Schwierigkeiten vergrößern. Um die Lesung zu vereinheitlichen, werden phonetische Lehnwörter daher im Japanischen in der Silbenschrift Katakana wiedergegeben. Bei der Übertragung ins Japanische werden dabei allerdings oft die Laute verändert, so unterscheidet das japanische nicht zwischen l und r. Dass es sich bei タワー tawā um einen tower = Turm handelt und bei タオル taoru um ein towel illustriert die Schwierigkeiten vielleicht. Zu lange Begriffe werden dabei zusätzlich auf „japanische Weise” abgekürzt. So ist aus dem englischen Begriff personal computer durch Verkürzung und Angleichung das Wort パソコン pasokon geworden, ラブホ rabuho bezeichnet ein love hotel. Außerdem sind diese Wörter durch Umdeutung häufig nicht mehr mit ihrer ursprünglichen Bedeutung gleichzusetzen. Auch deutsche Lehnwörter sind im Japanischen zu finden (z. B. アルバイト arubaito von Arbeit, im Sinne von Teilzeitjob). Von Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein orientierte sich die ärztliche Ausbildung in Japan an deutschen Dozenten und Lehrbüchern, und die Krankenberichte wurden auf deutsch in lateinischer Schrift geschrieben. Daher haben sich vor allem in der Medizin viele Begriffe erhalten (z. B. ルンゲ runge von Lunge, クランケ kuranke von Kranke, カルテ karute von Karte im Sinne von Patientenkartei). Auch in der Philosophie (z. B. ゲシュタルト geshutaruto von Gestalt, イデー idē von Idee) und beim Bergsteigen (z. B. シュタイクアイゼン shutaikuaizen von Steigeisen, エーデルワイス ēderuwaisu von Edelweiß) finden sich im Japanischen zahlreiche deutsche Lehnwörter, Recht und Militärwesen sind weitere Bereiche. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt das Japanische große Mengen von Wörtern aus dem Englischen, die meisten Begriffe des „modernen Lebens” fallen im heutigen Japanisch in diese Kategorie. Besonders sind dabei die Bereiche Wirtschaft, Computer, Popkultur, Medien und Werbung zu nennen.

Weiterführende Informationen

Vokal

Verwandte Sprachen und Sprachfamilien


- Ryūkyū-Sprachen
- Koreanische Sprache
- Polynesische Sprache
- Altaische Sprachen

Schrift


- Japanisches Schriftsystem
- Kaibun

Zahlen


- Japanische Zahlen

Kultur


- Japanische Wochentage
- Japanische Namen
- Japanische Anrede

Literatur


- 大野晋 日本語の起源 (Ōno Susumu: Nihongo no kigen = Die Entstehung der Japanischen Sprache), Tokyo 1957
- Roy Andrew Miller: Die japanische Sprache. iudicium, München. ISBN 3-891-29484-0 (aktuelle Auflage 2000)
- Jens Rickmeyer: Japanische Morphosyntax.Groos, Heidelberg ISBN 3-872-76718-6 (Auflage 1995)
- Association for Japanese-Language Teaching: Japanisch im Sauseschritt 1 Universitätsausgabe mit Kana und Kanji. Doitsu Center Ltd., Tokyo 2002 ISBN 4-9900384-5-2 (offiziell an den deutschen Volkshochschulen verwendetes Lehrbuch)

Sprachzertifizierung


- JLPT - Japanese Language Proficiency Test
- ToJFL - Test of Japanese as Foreign Language

Weblinks


- [http://www.japanisch-netzwerk.de/ Japanisch Netzwerk] (Großes Forum für Japanischlernende)
- [http://www.nihongo4u.de/ Nihongo4u Japanisch für Alle] (Infos zur Sprache und Kultur für Groß und Klein.)
- [http://www.japanische-sprache.de/ www.japanische-sprache.de]
- [http://www2.rz.hu-berlin.de/japanologie/studium/dohlus.pdf Deutsche Lehnwörter im Japanischen] (Magisterarbeit in Japanologie, mit einer Liste von fast 500 Begriffen im Anhang)
- [http://www.wadoku.de/ Freies Japanisch-Deutsches Wörterbuch] (sehr umfangreich mit rund 200.000 Einträgen)
- [http://bunmei7.hus.osaka-u.ac.jp:591/WadokuJT/search.htm Japanisch-Deutsches Wörterbuch der Universität Osaka] (auch Eingabe von japanischen Wörtern in Romaji/Schreibung in lateinischer Schrift möglich)
- [http://www.bibiko.de/kanji/ Kanji-Lexikon] (12.168 Kanji, davon ca. 6.650 mit deutscher Übersetzung)
- [http://www.suteki.nu/translator Japanese-Translator] (Gute Übersetzungen aus dem Englischen)
- [http://www.sf.airnet.ne.jp/~ts/japanese/ Teach Yourself Japanese] (Sprachkurs in englischer Sprache)
- [http://www.sauseschritt.com/tombeck Japanisch-Trainer]
- [http://www.cjmweb.de/japtrain.php OJT - Der Japanisch-Trainer]
- [http://lrnj.com/ Slime Forest] - mit einem typischen japanischen PC-Rollenspiel die japanischen Schriftsysteme lernen
- [http://www.kuroitenshi.de/ KuroiTenshi] Das Wissensportal um und über die japanische Kultur. (deutsch - Private Homepage mit vielen Informationen aus dem Bereich Kultur, Sprache und Geschichte Japans. Mit detaillierten Angaben zu Kimonos).
- [http://www.din1031.de/verben/ Japanische Verben] - Eine kleine Seite mit Informationen zu Japanischen Verben
- [http://www.ganbattehora.de/ Ganbatte Hora] - Japanischwebsite zur Japanischübung
- [http://www.steffen.jp/cambrium.htm Multiple-Choice-Kanji-Quiz] Kategorie:Einzelsprache ! ja:日本語 ko:일본어 ms:Bahasa Jepun simple:Japanese language th:ภาษาญี่ปุ่น zh-min-nan:Ji̍t-pún-oē

Chinesische Sprache

Chinesisch – chinesisch: 汉语 und 中文 Pīnyīn: Hànyǔ und Zhōngwén – ist eine Untergruppe der sino-tibetischen Sprachfamilie. Es ist keine Einzelsprache, sondern aufgegliedert in verschiedene einzelne "Dialekte", die sich voneinander ebenso stark wie die verschiedenen slawischen oder die verschiedenen romanischen Sprachen unterscheiden. Manche sprechen daher lieber von den "sinitischen Sprachen". Andererseits bezeichnet man mit "chinesisch" mehr und mehr das weit verbreitete Mandarin, also eine klar abgegrenzte Sprache. __TOC__ Die mündliche Kommunikation zwischen einem Sprecher des Mandarin und beispielsweise einem des Kantonesischen ist sehr schwierig bis unmöglich. Ermöglicht wird die Kommunikation aber über die Hochsprache Pǔtōnghuà und die chinesische Schrift, die in ganz China benutzt wird und die aufgrund ihres besonderen Charakters als logographischer Schrift unabhängig von der Aussprache verständlich ist, regional jedoch durch Einflüsse der "Dialekte" durchaus variieren kann. Chinesisch in der einen oder anderen Variante wird heute von ca. 1,2 Milliarden Menschen gesprochen, von denen die meisten in der Volksrepublik China und Taiwan leben. Die verschiedenen chinesischen Sprachen werden oft auch als Dialekte bezeichnet, obwohl sich, wie beschrieben, Sprecher verschiedener chinesischer Sprachen nicht verstehen können und diese Sprachen selbst wieder in Dialekte zerfallen. Dies wird mit der gemeinsamen Schrift und der Koexistenz in einem gemeinsamen Staat begründet. In der Linguistik wird aber in diesem Zusammenhang oft statt von Dialekten auch von verschiedenen chinesischen Sprachen gesprochen und das Chinesische als eine Gruppe von mindestens sechs verschiedenen Sprachen angesehen. Die am weitesten verbreitete Variante ist Běifānghuà (北方话) (Mandarin, wörtl. "Sprache des Nordens"), welches die Muttersprache von ca. 850 Millionen Menschen ist. Weitere wichtige chinesische Sprachen sind Gan (20 Mio. Sprecher), Hakka (auf Mandarin: Kèjiā; 30 Mio. Sprecher), Jin (45 Mio. Sprecher), Min Bei (10 Mio. Sprecher), Min Nan (40 Mio. Sprecher), Wu (u.a. Shanghaiisch, 77 Mio. Sprecher), Xiang (36 Mio. Sprecher) und Yue (Kantonesisch, mehr als 80 Mio. Sprecher). [http://www.ethnologue.com/show_country.asp?name=China] [http://www.ethnologue.com/show_country.asp?name=Taiwan] Der Language Code ist zh bzw. chi oder zho (nach ISO 639). Für MIME e-mail und im HTTP-Protokoll wird optional eine genauere Unterscheidung mit einem angehängten Country Code (nach ISO 3166) vorgenommen, und damit zh-TW (Taiwan), zh-CN (VR China) und zh-SG (Singapur) unterschieden. Die chinesischen Sprachen – am stärksten ausgeprägt das klassische Chinesisch der Antike – sind isolierende Sprachen, das heißt, die einzelnen Worte stehen als isolierte Einheiten nebeneinander und werden nicht verändert (z. B. durch Deklination oder Konjugation). Grammatische Merkmale wie Anzahl, Fall oder Zeit werden durch hinzugefügte kennzeichnende Worte ausgedrückt, wo es nötig ist. Ist der Gebrauch dagegen aus dem Kontext eindeutig, entfällt die Kennzeichnung gewöhnlich. Im klassischen Chinesisch ist jede Silbe zugleich ein Morphem. Im modernen Chinesisch sind viele zwei- oder dreisilbige Wörter jedoch nur noch theoretisch in mehrere Morpheme zerlegbar, da sie durch langen, häufigen Gebrauch nicht mehr als zusammengesetzte Wörter empfunden werden. Die chinesischen Sprachen sind auch Tonsprachen, das heißt, die Tonhöhe und ihr Verlauf, in der ein Wort gesprochen wird, ist bedeutungsunterscheidend. Die Anzahl der Töne variiert unter den verschiedenen Varianten. Mandarin hat 4 bzw. 5 Töne, der Shanghai-Dialekt (Wu) nur 2 ausgeprägte Töne, Kantonesisch (Yue, gesprochen in Guangdong und Hong Kong) hat 6 Töne, Min Nan hat sogar 8. Neben der chinesischen Schrift gibt es mit dem Pīnyīn auch eine voll ausgebildete offizielle Romanisierung für das Mandarin-Chinesisch. Die anderen chinesischen Sprachen haben eigene Romanisierungs-Systeme. Die chinesischen Sprachen haben andere, eigentlich nicht verwandte ostasiatische Sprachen sehr stark beeinflusst, vor allem Koreanisch, Japanisch und Vietnamesisch.

Literatur


- Bernhard Karlgren: Schrift und Sprache der Chinesen. 2. Aufl., Springer 2001, ISBN 3-540-42138-6.
- Li Dejin, Cheng Meizhen: Praktische chinesische Grammatik für Ausländer. Beijing, Sinolingua 1993, ISBN 7-8005-2218-0
- Zhang Wei, Xu Denan: Grammatik des modernen Chinesisch. Beijing, Verlag für Fremdsprachige Literatur 1985.
- Qian Wencai: Chinesisch-deutsche kontrastive Syntax. Hamburg, Helmut Buske 1985, ISBN 3-87118-623-6.

Lehrbücher


- Wei Chiao: Grundstudium Chinesisch 1. 2. Aufl., Dürr + Kessler 2004, ISBN 3-8018-0064-4.
- Ning-ning Loh-John: Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Chinesisch. Ein Standardwerk für Anfänger, 5. Aufl., Langenscheidt 1999, ISBN 3-468-26090-3.
- Assimil: Chinesisch ohne Mühe Bd. 1, ISBN 2-7005-1093-3/ ISBN 2-7005-1350-9
- Assimil: Chinesisch ohne Mühe Bd. 2, ISBN 2-7005-1094-1/ ISBN 2-7005-1351-7
- Cremerius, Ruth: Chinesisch für Deutsche, ISBN 3-87548-384-7

Wörterbücher


- Das neue chinesisch-deutsche Wörterbuch. Beijing, Shangwu yinshuguan 1985, ISBN 7-100-00096-3 (Bis heute das beste chinesisch-deutsche Wörterbuch. Wortschatz etwas veraltet).
- Chinesisch-deutsches Wörterbuch. Akademie der Wissenschaften der DDR 1986, ISBN 3-05-000170-4, ISBN 3-05-000171-2. (Ein weiteres hervorragendes Werk, leider etwas unhandlich, da zweibändig. Die chinesischen Zeichen sind handschriftlich eingetragen, der deutsche Text und Pinyin sehen aus wie auf einer mechanischen Schreibmaschine geschrieben.)
- Wilfried Fuchsenberger: Chinesisch-deutsches Universalwörterbuch. Beijing, Verlag für Fremdsprachige Literatur 2001, ISBN 7-119-01864-7. (Das neueste Wörterbuch größeren Umfangs. Die Übersetzungen sind leider teilweise ungenau oder sogar irreführend, der Satz lässt zu wünschen übrig.)

Siehe auch


- Sprache
- Chinesische Familiennamen
- Chinesische Dialekte
- Deutsch-chinesisches Wort- und Satzlexikon auf Wikibooks

Weblinks


- [http://dehanci.vitadata.org Deutsch-chinesisches Wort- und Satzlexikon (Datenbank)]
- [http://www.chinese-tools.com/ Chinese-tools.com: Chinesisch-Kurse, Wörterbuch, Transkriptor und mehr] (engl.)
- http://vcdic.drgao.de/index.php?page=search.php Metasuchmaschine für Chinesisch
- http://www.xuexizhongwen.de/linksammlung.htm Linksammlung zu mehreren Online-Chinesisch/Mandarin-Kursen
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Chin.html Zur chinesischen Sprache]
- [http://www.xuexizhongwen.de/ Chinesische Sprache und Computer]
- [http://www.chinafokus.de/themen/themen.php?kaid=44 Themenseite chinesische Sprache bei Chinafokus]
- [http://www.zanhe.com/ Schanghaiisch (Wu Sprache): Introduction and Development] (engl.)
- http://www.zhongwen.com/
- http://www.hantrainerpro.de Kategorie:Sprachgruppe !Chinesische Sprache ja:中国語 ko:중국어 th:ภาษาจีน zh-cn:汉语 zh-min-nan:Hàn-gí zh-tw:漢語

Otto Neurath

Otto Neurath (
- 10. Dezember 1882 in Wien; † 22. Dezember 1945 in Oxford) war ein österreichischer Philosoph, Soziologe und Ökonom. Er studierte zuerst in Wien, dann in Berlin Mathematik, Ökonomie, Geschichte und Philosophie. Er promovierte 1907 in Berlin, war zwischenzeitlich im österreichischen Kriegsministerium in der Wirtschaftsabteilung tätig und habilitierte sich 1917 in Heidelberg. In der Münchner Räterepublik unter Kurt Eisner war er Präsident des Zentralwirtschaftsamtes, wurde aber nach deren Ende wegen Hochverrats zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Er wurde allerdings vorzeitig entlassen und nach Wien abgeschoben. Dort organisierte er mit dem Siedlungs- und Kleingartenverband Selbsthilfe gegen die Wohnungsnot. Eine Ausstellung führte zur Gründung des auch heute noch existierenden Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum.
Er gehörte dem linken Flügel des Wiener Kreis an als Vertreter eines pragmatischen wissenschaftstheoretischen Ansatzes und entwickelte zusammen mit dem Graphiker Gerd Arntz die Isotype, die Wiener Methode der Bildstatistik.
Nach den Ereignissen des 12. Februar 1934 und der Errichtung des Ständestaates emigrierte er zunächst in die Niederlande nach Den Haag, musste aber 1940 weiter nach England flüchten, um seine Arbeit fortzusetzen, wo er 1945 in Oxford verstarb.

Weblinks


-
- [http://ezines.onb.ac.at:8080/ejournal/pub/ejour-97-II/neuemed/neurath.html Otto Neuraths revolutionäre Methode der Bildpädagogik von Frank Hartmann]
- [http://www.oegwm.ac.at/oegwm.htm Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum]
- [http://www.neurath.at Neuerscheinung zur visuellen Sprache Neuraths]
- [http://www.neurath.at/htm/neurath_set.html Biografie Neuraths] Neurath, Otto Neurath, Otto Neurath, Otto Neurath, Otto Neurath, Otto

Sozialphilosophie

Sozialphilosophie (auch Gesellschaftsphilosophie) beschäftigt sich mit Fragen zum Sinn und Wesen einer Gesellschaft. Insbesondere beleuchtet sie das Verhältnis zwischen dem einzelnen Menschen und der Gemeinschaft und die Strukturen des Zusammenlebens. Den Kern aller Fragen bildet dabei die Ethik. Dabei geht es um die grundlegende Klärung von Fragen wie:
- Was ist das Wesen einer Gesellschaft (Organismus, Prozess...)?
- Was sind ihre Funktionen (Gemeinwohl, Subsidiarität...)?
- Brauchen Menschen einen Gesellschaftsvertrag?
- Wozu brauchen Menschen überhaupt andere Menschen?
- Wie kann das Zusammenleben von Menschen geregelt werden? Auch wenn diese Fragen in den meisten Philosophien seit Platon in jeweils eigener Weise bearbeitet wurden, wird der Begriff Sozialphilosophie erst seit dem 19. Jahrhundert mit der Verwirklichung der bürgerlichen Revolution und dem Nachdenken über alternative Staatskonzepte verwendet. Einige konträre Positionen sind z.B.:
- Hobbes vertritt die Annahme, der absolutistische Staat sei notwendig, um den beständigen Kampf der Menschen gegeneinander zu unterbinden
- Stirner geht davon aus, dass der Einzelne vollkommen ungebunden sei (Solipsismus)
- Karl Marx formuliert die gesellschaftliche Bedingtheit des Menschen (Dialektischer Materialismus)
- Amitai Etzioni u.A. entwickeln Ideen zum Kommunitarismus Eine weitergehende Annäherung gewinnt man vielleicht am ehesten auf negative Weise: indem man zunächst bedenkt, was Sozialphilosophie nicht ist bzw. nicht sein will. So ist sie nicht einfach "Soziologie", eignet dieser doch, als arbeitsteilig eingerichteter Disziplin, in ihren verschiedenen Ausprägungen (zuweilen despektierlich als 'Bindestrich-Soziologie' bezeichnet) stets ein Moment des Instrumentellen. Während die Soziologie in ihrer Eigenschaft als gesellschaftlich verwertbare Wissenschaft in der Regel fact-finding betreibt und rahmenbezogene Hypothesen formuliert, führt die Sozialphilosophie ihr Eigenleben jenseits aller (pragmatistischen) Blickfeldverengung. Deren Medium sind denn auch nicht Daten, Definitionen und Hypothesen, sondern Gesamtzusammenhänge, Begriffe und Theorien. Darin spiegelt sich das Erbe der klassischen Philosophie: aufs Ganze aus zu sein, mitsamt einem notwendigen Rest an Spekulativem. Indem der "Gesamtzusammenhang" des Gesellschaftlichen gedacht werden soll – samt dessen historischen, politökonomischen, kulturellen, gesellschaftsmoralischen und zukunftsweisenden Bedingungen –, wohnt der Sozialphilosophie meist auch ein idealistisches Element inne; konstitutiv wird sie von einer (ihrerseits begründbaren) "Leitidee" getragen, welche, wie Adorno es einmal vereinfachend ausdrückte, in der "treibenden Sehnsucht, daß es endlich anders werde" ihr heimliches Kraftzentrum hat. So gesehen wäre die Sozialphilosophie nicht eigentlich "wertfrei", sondern kann durchaus – wenn auch wohlbegründet – parteiisch ausgerichtet sein. Dies ist auch klar, vergegenwärtigt man sich die historischen Wurzeln, worauf noch die moderneren Sozialphilosophien gründen. Will man den Beginn der abendländischen Sozialwissenschaften mit der Epoche der Aufklärung in Zusammenhang bringen und Saint-Simon als deren "Urvater" betrachten