Buddhismus
Der Buddhismus ist eine Religion, deren Gründung auf Siddhartha Gautama, den historischen Buddha, zurückgeht.
Mit weltweit etwa 300 bis 450 Millionen Anhängern zählt er zu den fünf Weltreligionen (Jüdische Religion, Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam ).
Einleitung
Islam
Islam
Der Buddhismus entwickelte sich ursprünglich auf dem indischen Subkontinent, wo Siddhartha Gautama (Sanskrit; Pali: Siddhattha Gotama; ca. 563 v.Chr. bis 483 v.Chr) als Prinz im lokalen Königsgeschlecht der Shakya in Lumbini, im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, zur Welt kam. Im Alter von 35 Jahren erlangte er nach der Lehre des Buddhismus Bodhi ("Erleuchtung", "Erwachen") und wurde in der Folge als "der Buddha" bezeichnet, der "Erleuchtete" oder "Erwachte".
Seit seiner Entstehung entwickelte der Buddhismus hinsichtlich seines Dogmatismus unterschiedliche Varianten zwischen Philosophie und Glaubenslehre mit unterschiedlichen Graden an religiöser Toleranz gegenüber anderen Glaubenssystemen. Im Hinblick auf seine Ursprünge und auf das auch heute zu findende Zulassen anderer Glaubenssysteme einiger buddhistischer Schulen kann der Buddhismus nicht nur als Religion, sondern auch als Weltanschauung bzw. Philosophie oder Weisheitslehre verstanden werden (s. Karl Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, 1919). Das gilt insbesondere dort, wo grundlegende Lehren des Buddhismus sich nicht auf überirdischen Autoritäten berufen (z.B. die Mahasatipatthana Sutta in Dígha Nikaya (DN 22)).
Denn erst Buddhas Nachfolger haben aus der ursprünglich philosophischen Lehre, die keinen Gott, keine Seele, keine Wiedergeburt, keine Kasten und keine sozialen Unterschiede kennt und somit als Gegenteil zum indischen Brahmanismus gesehen werden kann, eine Lehre unter religiösen Aspekten gemacht.
Im Laufe der Zeit und durch Vermischung mit Religionen und Philosophien in den Regionen, in die sich der Buddhismus verbreitete, entwickelten sich viele religiöse Elemente des Buddhismus, wie er heute bekannt ist. Wie in anderen Religionen trug zur Entwicklung der volksreligiösen Elemente auch die Instrumentalisierung des Buddhismus in der Politik bei. Starke Wechselwirkungen findet man heute insbesondere noch in Bhutan, aber auch in Sri Lanka und Thailand. Eine sichtbare Rolle spielt der Buddhismus, als im Rahmen des Parlamentarismus wirkende Kraft, noch heute in Japan. In der Volksrepublik China wird versucht, den Buddhismus politisch nutzbar zu machen und ihn im Sinne der Politik der Partei zu führen, z.B. 1995 in Tibet durch den Austausch des Panchen Lama durch ein Kind, dessen Eltern Parteimitglieder sind.
Ziel eines Buddhisten ist es, sich durch ethisches Verhalten und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit vom ewigen Kreislauf des Leidens (Samsara) zu befreien und in den erleuchteten Zustand des Nirvanas einzutreten. Für Buddhisten, die von der Wiedergeburt ausgehen, ist dies auch die Befreiung von der selben. Im Buddhismus erlangt man die Befreiung vom Samsara aufgrund eigener Anstrengung. Die buddhistische Lehre (Pali: Dhamma, Sanskrit: Dharma) kann in ihrer Essenz wie folgt beschrieben werden:
- Der vom Leiden (Dukkha) befreiende Weg soll begangen werden. Leiden entsteht durch die Illusion des "ICH" und die Anhaftung an das "ICH", weil Wandel und Lebensdurst dem "ICH" Schmerzen zufügen.
- Ein Leben gemäß den sittlichen Prinzipien (Silas) soll geführt werden.
- Aufhebung des Leidens wird durch Meditation und Selbstbeobachtung (Achtsamkeit, Sati gegenüber den eigenen Gedanken, Gefühlen und Taten) angestrebt.
Siddhartha Gautama
Siehe Hauptartikel: Siddhattha Gotama
Siddhattha Gotama (Pali) bzw. Siddhartha Gautama (Sanskrit) wurde, gemäß der Überlieferung, 563 v.Chr. in Lumbini, im heutigen Nepal, als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren (daher der Beiname Shakyamuni, „Schweigender aus dem Hause Shakya“). Im Alter von 29 Jahren wurde ihm bewusst, dass Reichtum und Luxus kein Garant für Glück sind und er brach auf, verschiedene Religionslehren und Philosophien zu erkunden, um die wahre Natur menschlichen Glücks zu finden. Sechs Jahre der Askese, des Studiums und danach der Meditation führten ihn schließlich auf den Weg der Mitte und er erlangte in Bodh-Gaya im heutigen Nordindien, unter einer Pappelfeige „Erleuchtung“. Danach verbrachte der Buddha den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren mit der Unterweisung und Weitergabe der buddhistischen Lehre, des Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit) an die von ihm begründete „Vierfache Gemeinschaft“, bestehend aus den Mönchen (bhikkhu) und Nonnen (bhikkhuni) des buddhistischen Mönchtums, dem Sangha, und von männlichen (Upasaka) und weiblichen (Upasika) Laien.
Grundlagen des Buddhismus
Laie
Buddha war weder ein Gott noch der Überbringer einer göttlichen Wahrheit, sondern er stellte klar, dass er die Lehre, Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit), nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch eigene meditative Schau (Kontemplation) ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge erkannt hatte. Diese Erkenntnis ist jedem zugänglich, wenn er seiner Lehre und Methodik folge. Dabei ist die von ihm aufgezeigte Lehre nicht dogmatisch zu befolgen. Im Gegenteil warnte er vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor. Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen und mahnte eine Skepsis gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren ein, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist.
Zu den grundlegenden buddhistischen Überzeugungen gehört u. a. die Reinkarnation und das Gesetz des Karma (Sanskrit) bzw. Kamma (Pali). Buddha selbst hat keine metaphysischen Aussagen, z.B. über das, was nach dem Tode geschieht, wer die Welt erschuf, etc. gemacht.
Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad
Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Achtfacher Pfad
Kern der Lehre des Buddha sind die von ihm benannten Vier Edlen Wahrheiten (Sacca), aus der vierten der Wahrheiten folgt als Weg aus dem Leiden der Achtfache Pfad.
Ursache und Wirkung - "Karma"
Hauptartikel: Karma
Kamma (Pali) bzw. Karma (Sanskrit) bedeutet Tat, Wirken und bezeichnet das sinnliche Begehren, und das Anhaften an die Erscheinungen der Welt (Gier, Hass, Ich-Sucht), die Taten die dadurch entstehen und die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in moralischer Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Es entspricht dem Prinzip von Ursache und Wirkung, wie es die westliche Welt als Grundlage der klassischen Physik und der Naturwissenschaft allgemein kennt. Während das westliche Denken dieses Prinzip jedoch nur im materiellen Bereich kennt, bezieht Karma sich auf alles Tun und Handeln sowie die nicht-materiellen Ebenen des Denkens und Fühlens. All das erzeugt entweder gutes oder schlechtes Karma oder kann karmisch gesehen neutral sein.
Gutes wie schlechtes Karma erzeugt die Folge der Wiedergeburten, das Samsara. Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, diesem Kreislauf zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird - Handlungen hinterlassen dann keine Spuren mehr in der Welt. Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirvana bezeichnet.
Der Kreislauf des Leidens - "Samsara"
Hauptartikel: Samsara
Samsara
Samsara, "beständiges Wandern", bezeichnet den fortlaufenden Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt; Werden und Vergehen. Das Ziel der buddhistischen Praxis ist, diesen Kreislauf zu verlassen. Samsara umfasst alle Ebenen der Existenz, sowohl jene die wir als Menschen kennen wie auch alle andere, von den Höllenwesen (Asuras) bis zu den Göttern (Devas). Alle Wesen sind im Kreislauf des Lebens gefangen, daran gebunden durch Karma: ihre Taten, Gedanken und Emotionen, durch Wünsche und Begierden. Erst das Erkennen und Überwinden dieser karmischen Kräfte ermöglicht ein Verlassen des Kreislaufs.
Reinkarnation
Hauptartikel: Reinkarnation
Reinkarnation (Pali: Punabbhava) und Karma waren Begriffe, die in der indischen Philosophie bereits vor Erscheinen des Buddha bekannt waren. Wie der westlichen Rezeption meist entgeht, widersprach der Buddha diesen vedischen Konzepten grundlegend und ersetzte sie entsprechend seiner Erfahrung:
Die indische Philosophie kannte Atman (Sanskrit) bzw. Atta (Pali), das „Selbst“, vergleichbar mit der persönlichen Seele der westlichen Gedankenwelt. Buddha verneinte deren Existenz als individuelle und konstante Einheit die auch wiedergeboren werden könnte. Im Gegensatz dazu sprach er von Anatman (Sanskrit) bzw. Anatta (Pali), dem „Nicht-Selbst“. Die Vorstellung von Atman ist demnach Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt. Gemäß der Lehre Buddhas entsteht die Persönlichkeit, mit all ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Welt, erst aus den Fünf Aneignungsgruppen, den Skandhas (Sanskrit) bzw. Khanda (Pali): Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein. Was in der vedischen Tradition Atman genannt wurde, ist demnach aus buddhistischer Sicht keine konstante Einheit, sondern in beständigem Werden, Wandel und Vergehen begriffen. Es kann somit auch nicht als solches wiedergeboren werden.
Reinkarnation wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ (Transmigration) verstanden, sondern als eine Kontinuität der Geistesprozesse. Sie ist Folge der beim Ableben eines Individuums noch nicht erloschenen mentalen Kräfte, die sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen erneut manifestieren. Eine bekannte Allegorie vergleicht diesen Prozess mit der Flamme einer Kerze, die weitere Kerzen anzündet. Weder die Kerze selbst, noch die Flamme, sind die selben, aber ohne die ursprüngliche Kerzenflamme gäbe es auch die ihr folgenden nicht.
Die Ursache der Wiedergeburt liegt im Begehren nach Sinnesbefriedigung, im Trieb nach Sein und Verwirklichung, dem Karma.
:Wenn du wissen willst, wer du warst, dann schau, wer du bist.
:Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust.
:(Padmasambhava, 8.-9. Jahrhundert)
Das bedingte Entstehen
Wiedergeburten vollziehen sich, solange verursachende, nach Realisierung drängende Triebkräfte vorhanden sind. Diese "bedingte Entstehung", auch "Entstehen in Abhängigkeit", (Pali: Paticcasamuppada, Sanskrit: Pratityasamutpada) ist eines der zentralen Konzepte des Buddhismus. Es beschreibt die Seinsweise aller Phänomene in ihrer dynamischen Entwicklung und gegenseitigen Bedingtheit.
Die Lehre - „Dharma“
Hauptartikel: Dharma
Dharma, Tibet)]]
Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus zweierlei:
- Die Lehre Buddhas (im Theravada auf Buddha beschränkt, im Mahayana und Vajrayana schließt das auch die Lehren der Bodhisattvas und großer verwirklichter Meister mit ein). Basis des Dharma sind die Vier edlen Wahrheiten. Es bildet eines der 3 Juwelen, der so genannten "Zufluchtsobjekte", bestehend aus dem Lehrer, der Lehre und der Gemeinschaft der Mönche - Buddha, Dharma und Sangha. Es ist auch Teil der 10 Betrachtungen (Anussati).
- Die Gesamtheit aller weltlichen Phänomene, der Natur, an sich und der ihr zu Grunde liegenden Gesetzmäßigkeiten (siehe oben Das bedingte Entstehen).
Erleuchtung - „Bodhi“
Hauptartikel: Bodhi und Erleuchtung
Bodhi ist der Vorgang des "Erwachens", der "Erleuchtung". Voraussetzungen sind das vollständige Begreifen der "Vier edlen Wahrheiten", die Überwindung aller an das Dasein bindenden Bedürfnisse und Täuschungen und somit das Vergehen aller karmischen Kräfte. Durch Bodhi wird der Kreislauf des Lebens, Samsara, verlassen und Nirvana erlangt.
Die buddhistische Tradition nennt drei Arten von Bodhi:
- Pacceka-Bodhi wird durch eigene Bemühungen, ohne die Hilfe von Lehrern, erreicht. Ein derart Erleuchteter wird als Pratyeka-Buddha bezeichnet.
- Savaka-Bodhi bezeichnet die "Erleuchtung" jener, die mit Hilfe von Lehrern Bodhi erlangen. Ein so Erwachter wird als Arhat bezeichnet.
- Samma-Sambodhi wird von einem Samma-Sambuddha ("Vollkommen Erwachter") erlangt. Ein solcher "Vollkommen Erwachter" gilt als die perfekte, mitfühlendste und allwissende Form eines Buddha.Der historische Buddha Shakyamuni (aus dem Geschlecht von Shakya) war ein solcher Samma-Sambuddha.
Siehe auch: Bodhipakkhiyadhamma - Die 37 erforderlichen Dinge zur Erleuchtung
Nirvana - „Verwehen“
Hauptartikel: Nirvana
Nirvana (Sanskrit) bzw. Nibbana (Pali) bezeichnet das Verlassen von Samsara, dem Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Nirvana kann letztlich mit Worten nicht beschrieben werden, es kann nur erlebt und erfahren werden als Folge intensiver meditativer Übung und Erkenntnis. Es ist auch kein Ort, nicht vergleichbar mit Paradies-Vorstellungen anderer Religionen. Es ist kein Himmel und keine greifbare Seligkeit in einem Jenseits. Nirvana ist ein Abschluss, kein Neubeginn in einer anderen Sphäre. Somit ist es ein Zustand der Zustandslosigkeit, in dem alle Vorstellungen und Wunschgebilde - alle karmischen Kräfte - überwunden und gestillt sind. Auch ist Nirvana nicht gleichbedeutend mit Tod. Buddha selbst lebte und unterrichtete noch 45 Jahre nachdem er Nirvana erreicht hatte. Das endgültige Aufgehen oder "Verwehen" im Nirvana nach dem Tod wird als Parinirvana bezeichnet.
Religion und/oder Philosophie bzw. Weltanschauung
Während der Buddhismus zu den Weltreligionen gezählt wird, gibt es Buddhisten, die sich nicht als Anhänger einer Religion ansehen, sondern den Buddhismus als Weisheitslehre oder Philosophie bzw. Weltanschauung betrachten, die den Glauben an eine Religion nicht ausschließt. Dabei spielt die neuere Entdeckung des Buddhismus im Westen eine große Rolle, da der Kontakt des Westens mit dem Buddhismus zu einer Zeit geschah, als Aufklärung, Säkularisation und Atheismus eine Gegenposition zur christlich-monotheistischen bildeten.
Oft wird angeführt, dass der Buddhismus keine Götter kenne, was der in Asien gelebten Volksreligion, die die Götter der asiatischen Mythologie mit Glauben an Geister und Formen des Animismus verbindet, zu widersprechen scheint. Dies zeigt aber eher, dass der Buddhismus, der Verhaltens- und Lebensregeln aufstellt, mit anderen Religionen nicht konkurriert. Wer die buddhistischen Regeln einhält, ist nicht gehindert, eine andere Religion zu praktizieren und sich trotzdem als Buddhist zu bezeichnen.
Viele Buddhisten in Asien sind gleichzeitig Mitglieder anderer, auch christlicher Religionsgemeinschaften. Da der Buddhismus menschliche Verhaltensregeln und nicht den Glauben an einen bestimmten Gott nahe legt, missioniert er auch nicht, sondern überlässt es dem einzelnen Menschen seinen Weg zur Wahrheit zu finden.
Neben der Gottesfrage besitzt der Buddhismus sehr viele Eigenschaften einer Religion, deren Formen sich allerdings je nach Tradition stark unterscheiden: Ritual, Gemeinschaft, Liturgie, Askese und Mönchtum, Mystik und Dogmatismus - und eine jahrhundertealte Tradition in Asien, die der Kirchengeschichte der christlichen Konfessionen in vielem ähnelt, vor allem in ihrer Position zwischen Macht, Ethik und Glauben.
Allerdings bleibt es eine Glaubensfrage, ob die asiatische Weisheitslehre nun letztendlich mit dem europäischem Wort "Religion" übersetzt wird, oder nicht, da sie gewisse kulturelle Eigenheiten besitzt.
Verbreitung des Buddhismus
Glauben
Drei Monate nach dem Tod des Buddha traten seine Schüler in Rajagarha (heute Rajgir) zum ersten Konzil zusammen um den Dhamma (die Lehre) und die Vinaya (die Mönchsregeln) zu besprechen und gemäß den Unterweisungen des Buddha festzuhalten. Die weitere Überlieferung erfolgte mündlich. Etwa 100 Jahre später fand in Vesali das zweite Konzil statt. Diskutiert wurden nun vor allem die Regeln der Mönchsgemeinschaft da es bis dahin bereits zur Bildung verschiedener Gruppierungen mit unterschiedlichen Auslegungen der ursprünglichen Regeln gekommen war. Während des zweiten Konzils und den folgenden Zusammenkünften kam es zur Bildung von bis zu 18 verschiedenen Schulen (Nikaya-Schulen) die sich auf unterschiedliche Weise auf die ursprünglichen Lehren des Buddha beriefen. Daneben entstand auch die Mahasanghika, die für Anpassungen der Regeln an die veränderten Umstände eintrat und als früher Vorläufer des Mahayana betrachtet werden kann.
Im 3. Jahrhundert v. Chr. trat in Pataliputra (heute Patna), unter der Schirmherrschaft des Königs Ashoka und dem Vorsitz des Mönchs Moggaliputta Tissa, das 3. Konzil zusammen. Ziel der Versammlung war es, sich wieder auf eine einheitliche buddhistische Lehre zu einigen. Insbesondere Häretiker sollten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und falsche Lehren widerlegt werden. Im Verlauf des Konzils wurde zu diesem Zweck das Buch Kathavatthu verfasst, das die philosophischen und scholastischen Abhandlungen zusammenfasste. Dieser Text wurde zum Kernstück des Abhidhammapitaka, einer philosophischen Textsammlung. Zusammen mit dem Suttapitaka, den niedergeschriebenen Lehrreden des Buddha, und dem Vinayapitaka, der Sammlung der Ordensregeln, bildet es das in Pali verfasste Tipitaka (Sanskrit: Tripitaka, deutsch: "Dreikorb", auch "Pali-Kanon"), die älteste große Zusammenfassung buddhistischen Schriftgutes.
Pali-Kanon
Nur diese Schriften wurden vom Konzil als authentische Grundlagen der buddhistischen Lehre anerkannt, was die Spaltung der Mönchsgemeinschaft besiegelte. Während der Theravada, die Lehre der Älteren, sich auf die unveränderte Übernahme der ursprünglichen Lehren und Regeln einigte, legte die Mahasanghika keinen festgelegten Kanon von Schriften fest und nahm auch Schriften auf, deren Herkunft von Buddha nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte.
In den folgenden Jahrhunderten verbreitete sich die Lehre in Süd- und Ostasien. Während der Regierungszeit des Königs Ashoka (3. Jahrhundert v. Chr.) verbreitete sich der Buddhismus über ganz Indien und weit darüber hinaus. Auch Teile von Afghanistan gehörten zu seinem Reich. Im Grenzgebiet zu Pakistan entstand dort, beeinflusst von griechischen Bildhauern, die mit Alexander dem Großen ins Land gekommen waren, in Gandhara die graeco-buddhistische Kultur, eine Mischung von indischen und hellenistischen Einflüssen. In deren Tradition entstanden unter anderem die Buddha-Statuen von Bamiyan.
Buddha-Statuen von Bamiyan
Ashoka schickte Gesandte in viele Reiche jener Zeit. So verbreitete sich die Lehre allmählich über die Grenzen jener Region, in der Buddha gelebt und gelehrt hatte, hinaus. Im Westen reisten Ashokas Gesandte bis in den Nahen Osten, Ägypten, zu den griechischen Inseln und nach Makedonien. Über Sri Lanka gelangte Buddhas Lehre zum malayische Archipel (Indonesien, Borobudur) und nach Südostasien, also Kambodscha (Funan, Angkor), Thailand, Myanmar (Pegu) und Laos. Im Norden und Nordosten wurde der Buddhismus im Hochland des Himalaya (Tibet), sowie in China und Japan bekannt.
Während der Buddhismus so weitere Verbreitung fand wurde er in Indien ab dem 10. Jahrhundert allmählich zurückgedrängt. Zum einen wandten sich viele Menschen dem Hinduismus zu, und zum anderen war es relativ leicht, die Dharma-Anhänger durch Tötung der Mönche entscheidend zu schwächen und dann zwangsweise zu islamisieren. Deshalb gehören die letzen Hochburgen des Buddhismus auf den indischen Subkontinent (Sind, Bengalen) auch schnell zu den islamisierten Gebieten. Auch auf dem malayischen Archipel (Malaysia, Indonesien) sind heute - mit Ausnahme Balis - nur noch Ruinen zu sehen, die zeigen, dass hier einstmals buddhistische Kulturen geblüht hatten.
Eine vielfältige Weiterentwicklung der Lehre war durch die Worte Buddhas vorbestimmt: Als Lehre, die ausdrücklich in Zweifel gezogen werden darf hat der Buddhismus sich natürlicherweise mit anderen Religionen vermischt, die auch Vorstellungen von Gottheiten kennen oder die die Gebote der Enthaltsamkeit weniger streng oder gar nicht handhabten.
Das "kleine Fahrzeug" (Hinayana) hält sich an die Lehre Buddhas wie sie auf dem Konzil von Patna festgelegt wurde, es wird in Sri Lanka und in Thailand, Kambodscha, Burma und Laos befolgt. Das "grosse Fahrzeug" (Mahayana) durchmischte sich mehr mit den ursprünglichen Religionen und Philosophien der Kulturen, in denen der Buddhismus einzog. So kamen z.B. in China Elemente des Daoismus hinzu, wodurch schließlich die Ausprägung des Chan-Buddhismus und später in Japan Zen entstand.
Heute leben weltweit circa 450 Millionen Buddhisten. Diese Zahl ist jedoch nicht verbindlich, da es starke Schwankungen zwischen einzelnen Statistiken gibt. Die Länder mit der stärksten Verbreitung des Buddhismus sind China, Bhutan, Japan, Kambodscha, Laos, Myanmar, Sri Lanka, Südkorea, Thailand, Tibet und Vietnam. In Indien beträgt sein Anteil an der Bevölkerung heute weniger als ein Prozent. Neuerdings erwacht jedoch wieder ein intellektuelles Interesse an der buddhistischen Lehre in der gebildeten Schicht. Auch unter den Dalit ("Unberührbaren") gibt es initiiert durch Bhimrao Ramji Ambedkar, den "Vater der indischen Verfassung" seit 1956 eine Bewegung, die in der Konversion zum Buddhismus einen Weg, der Unterdrückung durch das Kastensystem zu entkommen, sieht.
Konversion
Insbesondere der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts hat paradoxerweise in vielen Ländern Asiens zu einer Renaissance des Buddhismus geführt. Die Schaffung einer Internationalen Buddhistischen Flagge 1885 ist dafür ein symbolischer Ausdruck. Besonders den Initiativen von Thailand und Sri Lanka ist die 1950 stattgefundene Gründung der World Fellowship of Buddhists (WFB) zu verdanken.
Seit dem 19. und insbesondere seit dem 20. Jahrhundert wächst auch in den industrialisierten Staaten USA, Europa, Australien die Tendenz, sich dem Buddhismus zuzuwenden.
Im Unterschied zu den asiatischen Ländern, gibt es im Westen die Situation, dass die zahlreichen und oft sehr unterschiedlichen Ausprägungen aller drei Fahrzeuge nebeneinander in Erscheinung treten.
Organisationen, wie die 1975 gegründete EBU (Europäische Buddhistische Union) haben sich zum Ziel gesetzt, diese Gruppen miteinander zu vernetzen und sie in einen Diskurs mit einzubeziehen, der einen längerfristigen Prozess zur Inkulturation und somit Herausbildung eines "Europäischen Buddhismus" begünstigen soll. Ein weiteres Ziel ist die Integration in die europäische Gesellschaft, damit die buddhistischen Vereinigungen ihr spirituelles, humanitäres, kulturelles und soziales Engagement ohne Hindernisse ausüben können.
In vielen Ländern Europas ist es gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu einer öffentlichen und staatlichen Anerkennung des Buddhismus gekommen. Während der Buddhismus in Österreich schon 1983 die volle staatliche Anerkennung erhalten hat, steht sie für Deutschland und die Schweiz noch aus.
Siehe auch: Zeittafel des Buddhismus
Buddhistische Schulen
Hauptartikel: Buddhismus - Schulen und Systeme
Es existieren drei Hauptrichtungen des Buddhismus: Hinayana ("Kleines Fahrzeug"), aus dessen Tradition heute nur noch die Form des Theravada ("Lehre der Älteren") existiert, Mahayana ("Großes Fahrzeug") und Vajrayana (im Westen meist als Tibetischer Buddhismus bekannt oder irreführender Weise als Lamaismus bezeichnet). In allen drei 'Fahrzeugen' sind die monastischen Orden Hauptträger der Lehre und für ihre Weiterreichung an die nächsten Generationen verantwortlich.
Theravada
Hauptartikel: Theravada
Theravada
Theravada bedeutet wörtlich Lehre der Älteren. Der Theravada-Buddhismus ist die einzige überlebende Schule der verschiedenen Richtungen des ursprünglichen Buddhismus (Hinayana). Die Theravada-Tradition bezieht sich in Ihrer Praxis und Lehre ausschließlich auf die ursprünglichen Aussagen des Buddha. Grundlage dafür sind die ältesten erhaltenen Schriften der buddhistischen Überlieferung, die im Tipitaka (Pali), auch Tripitaka (Sanskrit) oder Pali-Kanon, zusammengefasst sind. Dieser "Dreikorb" (Pitaka: Korb) besteht aus folgenden Teilen:
- Die Regeln für die Gemeinschaft (Sangha) der buddhistischen Mönche und Nonnen - Vinaya, siehe auch: Vinayapitaka
- Die Lehrreden des Buddha - Sutta, siehe auch: Suttapitaka
- Eine philosophische Systematisierung der Lehren Buddhas - Abhidhamma, siehe auch: Abhidhammapitaka
Die Betonung liegt im Theravada auf dem Befreiungsweg des einzelnen aus eigener Kraft nach dem Arhat-Ideal. Theravada ist vor allem in den Ländern Süd- und Südostasiens verbreitet: Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos, und Kambodscha.
Mahayana
Hauptartikel: Mahayana-Buddhismus
Mahayana-Buddhismus
Der Mahayana-Buddhismus ("großes Fahrzeug") geht zentral auf die Mahasanghika ("große Gemeinde") zurück, eine Tradition, die sich in der Folge des zweiten buddhistischen Konzils (etwa 100 Jahre nach dem Tod Buddhas) entwickelt hatte. Der Mahayana verwendet, neben dem Tripitaka, auch eine Reihe ursprünglich in Sanskrit abgefasster Schriften ("Sutren"), die zusammen den "Sanskrit-Kanon" bilden. Zu den bedeutendsten Texten gehören das Diamant-Sutra, das Herz-Sutra und das Lotos-Sutra. Ein Teil dieser Schriften ist heute nur noch in chinesischen oder tibetischen Übersetzungen erhalten.
Im Unterschied zur Theravada-Tradition, in der das Erreichen der "Erleuchtung" durch eigenes Bemühen im Vordergrund steht, nimmt im Mahayana das Bodhisattva-Ideal eine zentrale Rolle ein. Bodhisattvas sind Wesen, die als Menschen bereits Bodhi erfuhren, jedoch auf das Eingehen in das Parinirvana verzichteten, um statt dessen allen anderen Menschen, letztlich allen Wesen, zu helfen, ebenfalls dieses Ziel zu erreichen.
Bedeutende Schulen des Mahayana sind beispielsweise der Zen-Buddhismus und der Amitabha-Buddhismus.
Vajrayana
Hauptartikel: Vajrayana
Vajrayana
Vajrayana, im Westen meist als Tibetischer Buddhismus oder auch Lamaismus bekannt, ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Schulen. Er beruht auf den Philosophischen Grundlagen des Mahayana, ergänzt diese aber um tantrische Techniken, die den Pfad zur Erleuchtung deutlich beschleunigen sollen. Zu diesen Techniken gehören neben der Meditation unter anderem Visualisierung (geistige Projektion), das Rezitieren von Mantras und weitere tantrische Übungen, zu denen Rituale, Einweihungen und Guru Yoga (Einswerden mit dem Geist des Lehrers) gehören. Der tibetische Buddhismus legt besonderen Wert auf direkte Übertragung von Unterweisungen von Lehrer zu Schüler. Eine wichtige Autorität des tibetischen Buddhismus ist der Dalai Lama, selbst Oberhaupt der Gelug-Schule und politisches Oberhaupt der Exiltibeter.
Die vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus sind:
- Nyingma ("Rotmützen-Schule"): Die älteste tibetische Schule, zurückgehend auf Padmasambhava (8. Jahrhundert).
- Kagyü: Gegründet von Marpa und dessen Schüler Milarepa (11. Jahrhundert).
- Sakyapa ("Graue Erde"): Nach dem, von Khön Könchog Gyalpo gegründeten, Kloster benannt (11. Jahrhundert).
- Gelugpa ("Schule der Tugendhaften"): Gegründet von Tsongkhapa (14. Jahrhundert).
Tibetischer Buddhismus ist heute in Tibet, Bhutan, Nepal, Indien, Ladakh, Sikkim, der Mongolei, Burjatien und Kalmükien verbreitet.
Nach der Einführung des Vajrayana in Tibet hat sich im 9. Jahrhundert diese Art des Buddhismus in China als
- Mi-tsung oder auch Chen-yen (esoterischer Buddhismus) genannt, etabliert.
Er wurde noch im gleichen Jahrhundert nach Japan übertragen. Dort wird Vajrayana in der
- Shingon-Schule gelehrt.
Siehe auch
- Portal Buddhismus
Literatur
Portal Buddhismus, die Verkörperung der Worte des Buddha]]
- W. Rahula (1963) Was der Buddha lehrt ISBN 3282000383
- Heinz Bechert: Der Buddhismus I: Der indische Buddhismus und seine Verzweigungen. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3170153331
- Heinz Bechert, R. Gombrich: Der Buddhismus: Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3406421385
- Edward Conze: Der Buddhismus: Wesen und Entwicklung. 10. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1995, ISBN 3170135058
- Francesco Ficicchia: Buddhismus: Handlexikon der Namen und Begriffe in Tradition und Glaubenspraxis. IKS GmbH, Jena 2004, ISBN 3934601898
- David Fontana: Discover Zen - A Practical Guide to Personal Serenity. 2001, ISBN 0811831965
- Klaus K. Klostermaier: Buddhism - A Short Introduction. 1999, ISBN 1851681868
- Klaus Mylius (Hg.): Die Vier Edlen Wahrheiten. Texte des ursprünglichen Buddhismus. Bechtermünz Verlag Augsburg, 2000. ISBN 382894843x
- Hansjörg Pfister: Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus. Verlag Reith & Pfister, Bötzingen 2004, ISBN 3980562999
- Verena Reichle: Die Grundgedanken des Buddhismus. 11. Auflage. Fischer, Frankfurt 2003, ISBN 3596121469
- Hans W. Schumann: Handbuch Buddhismus: Die zentralen Lehren - Ursprung und Gegenwart. Diederichs, München 2000, ISBN 3720521532
- Gerhard Szczesny: Die eine Botschaft und die vielen Irrwege. 2004, ISBN 3826027078 (kritische Auseinandersetzung mit dem Buddhismus)
- P. Williams, A. Tribe: Buddhist thought: A complete introduction to the Indian tradition. Routledge, London 2000, ISBN 0415207010
- Stephen Batchelor: Buddhismus für Ungläubige, Spirit Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3596140269 (eine Einführung in den Buddhimus ohne östliche Konzepte)
- Volker Zotz: Geschichte der buddhistischen Philosophie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 3-499-55537-9
- Jean-François Revel / Matthieu Ricard: Der Mönch und der Philosoph (Buddhismus und Abendland; ein Dialog zwischen Vater und Sohn). Kiepenheuer & Witsch ISBN 3-462-02783-2
Weblinks
Volker Zotz]
Organisationen
- [http://www.buddhismus-deutschland.de Deutsche Buddhistische Union]
- [http://www.buddhismus-austria.at Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft]
- [http://www.sbu.net Schweizerische Buddhistische Union]
Allgemein
- [http://www.palikanon.com Der Text des Pali Kanon]
- [http://12koerbe.de/hanumans/buddha.htm Samanyaphala-suttam, Große Lehrrede von der Frucht des Mönchslebens, pali/ deutsch]
- [http://www.theravadanetz.de Information über Theravada]
- [http://www.dhamma-dana.de Dhamma Dana-Projekt] (Literatur zum Buddhismus)
- [http://www.buddhanetz.org Information über den Engagierten Buddhismus]
- [http://www.eurasien.net/kurz/ Virtuelle Sangha] („Buddhismus kurz und verständlich erklärt“)
- [http://www.retreat-infos.de Buddhistische Retreats]
- [http://www.gestalt.de/shanti.html Die Entfaltung des liebenden Klarblicks. Mettâ-Vipassanâ-Bhâvanâ]
- [http://www.navayana.ch Statements zur Thematik Westlicher Buddhismus]
Kritisches
- [http://www.buddhistische-sekten.de Information über problematische Tendenzen in buddhistischen Gruppen]
Englischsprachig
- [http://www.buddhanet.net BuddhaNet]
- [http://www.suanmokkh.org/ds/dhamsoc.htm Dhammic Socialism] - a Buddhist response to social suffering
- [http://www.siddharthasintent.org/Pubs/West.htm Tibetan Buddhism in the West by Dzongsar Khyentse Rinpoche]
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Siddhartha Gautama]]
Siddhartha Gautama (Sanskrit, m., सिद्धार्थ गौतम, Siddhārtha Gautama) wurde um 563 v. Chr. in Lumbini, nahe der Stadt Kapilavastu (im heutigen Nepal) geboren. Als Buddha, wörtlich: Erwachter (siehe auch Bodhi), lehrte er das Dharma (die Lehre) und wurde damit der Begründer des Buddhismus. Er lebte 80 Jahre lang, sein Tod wird allgemein auf das Jahr 483 v. Chr. datiert. Allerdings gibt es in der Forschung auch andere, zum Teil deutlich abweichende Einschätzungen über seine Lebenszeit.
Namen
Siddhattha, der ursprüngliche Name, den er von seinen Eltern erhielt, bedeutet "der sein/das Ziel erreicht hat". Siddhartha Gautama ist die Sanskrit-Form des Namens. In Pali, der Sprache der ältesten überlieferten Texte des Buddhismus, lautet er Siddhattha Gotama. Den Namen Gotama bzw. Gautama nahm er erst später, gegen Ende seiner Zeit als Asket, an. Er bezog sich damit einerseits auf ein altes Brahmanengeschlecht und wandte sich zugleich von den Göttern ab, um den Weg zur Erleuchtung aus eigener Kraft zu finden.
Neben der Bezeichnung als Buddha - der "Erleuchtete" oder "Erwachte" - wurden Siddharta Gautama auch andere Ehrennamen verliehen, darunter Tathagata (Sanskrit, तथागत, tathāgata, "der So-Dahingelangte") und Shakyamuni (Sanskrit, शाक्यमुनि, śākyamuni, "der Weise aus dem Geschlecht der Shakya").
Leben
Berichte über das Leben Siddhartha Gautama wurden erst nach seinem Tod, seinem endgültigen Eingehen in das Nirvana (Parinirvana), von den Mitgliedern der Sangha, der Gemeinschaft der Dharma-Praktizierenden, gesammelt und über lange Zeit ausschließlich mündlich weitergegeben.
Überlieferte Lebensgeschichte
Der folgende Text gibt die traditionellen Erzählungen über das Leben des Buddha wieder:
Gemäß der Überlieferung entstammte Siddhattha dem nordindischen Adelsgeschlechts von Shakya. Seine Eltern, König Shudhodana und dessen Gemahlin Mahamaya, gehörten einer Kshatriya-Kaste an und regierten in der Hauptstadt Kapilavastu (heute in Nepal gelegen). Vor seiner Geburt soll Siddhattha seiner Mutter in einer Vision in Gestalt eines weißen Elephanten erschienen sein. Geboren wurde er in einer Vollmondnacht im Mai in Lumbini. An diesem Tag wird heute noch in vielen buddhistischen Ländern das Vesakh-Fest begangen, der höchste buddhistische Feiertag an dem seiner Geburt, seinem Erwachen und seinem Eingang in das Parinirvana gedacht wird. Während seiner Geburt verkündete nach der Legende ein Seher, dass dieses Kind einmal ein großer König oder ein großer heiliger Mann werden würde. Daraufhin ließ Shudhodana seinen Sohn, den er zu einem König machen wollte, weder religiös unterweisen, noch ließ er zu, dass Siddhatha menschliches Leid zu Gesicht bekommen sollte.
Schon als Kind zeigte Siddhatha außergewöhnliche Begabungen und Klugheit. Im Alter von 16 Jahren wurde er mit der Prinzessin Yasodhara vermählt. Sie lebten in einem Palast, wo ihnen alles was zum Wohlleben gehörte zur Verfügung stand und den er kaum jemals verließ.
Dennoch war er unzufrieden und unausgefüllt. Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula, verließ er das vermeintlich sorglose Leben in dem Palast und unternahm Wanderungen durch die Umgebung. Dabei sah er sich erstmals der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenübergestellt. Die Legende berichtet von Begegnungen mit einem verkrüppelten Greis, einem Fieberkranken, einem verwesenden Leichnam und schließlich einem Asketen („Vier Zeichen“). Er erkannte, dass diese Realitäten – Altern, Krankheit, Tod und Schmerz – untrennbar mit dem Leben verbunden sind, dass auch Wohlstand und Reichtum dagegen keinen Bestand haben und beschloß nach einem Weg aus dem allgemeinen Leid zu suchen.
So verließ er den Palast und das Reich seiner Eltern und begann das Leben eines Asketen zu führen. Er erlernte die yogische Praxis und Meditation als Schüler zweier angesehener brahmanischer Eremiten, Alara Kalama und Udaka Ramaputta. Zunächst wandte er sich der in Indien zu jener Zeit verbreiteten Schmerzaskese zu. Sechs Jahre verbrachte er so im Tal des Ganges, doch er fand weder innere Ruhe noch die ersehnten Antworten. Nahe am Hungertod erkannte er, dass auch dies nicht der Weg zur Befreiung sein kann. So gab er die überlieferten Religionen und ihre Methoden auf und widmete sich auf der Suche nach seinem eigenen Weg von diesem Zeitpunkt an der Meditation, das besitzlose Leben eines Bettelmönchs führend, aber nicht länger in strenger Askese.
Bettelmönchs).]]
Im Alter von 35 Jahren saß er in einer Vollmondnacht in tiefster Versenkung unter einer Pappelfeige (heute, in Erinnerung an das Erwachen des Buddha, als Bodhi-Baum bekannt), als er Bodhi („Erwachen“, „Erleuchtung“) erlangte. Hass, Begierde und Unwissenheit fielen von ihm ab. Er wurde zum „Buddha“, zum Erwachten.
Nach seinem Erwachen hielt Gotama, der Buddha, im Wildpark bei Isipatana (dem heutigen Sarnath) nahe Benares vor einer Gruppe von fünf Asketen, seinen früheren Gefährten, seine erste Lehrrede. Diese fünf wurden damit die ersten Mitglieder der buddhistischen (Mönchs-)Gemeinschaft (Sangha). Von jenem Tage an lehrte er 45 Jahre lang im Nordosten Indiens diesen "mittleren Pfad", zwischen Luxus und Askese, den achtfachen Pfad von Tugend, Meditation und Weisheit der zum Erwachen führen würde. Dabei sprach er vor Menschen aller Gesellschaftsschichten, vor Königen und Bauern, Brahmanen und Ausgestoßenen, Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern. Die Unterscheidungen der Kastenordnungen oder die Verschiedenheiten der sozialen Gruppierungen erkannte er nicht an. Der Weg, den er lehrte, stand allen Männern und Frauen offen, die bereit waren, ihn zu verstehen und zu gehen.
Von seinem Tod berichtet das Mahaparinirvanasutra, das "Große Sutra vom Pari-Nirvana": 80-jährig bricht der Buddha zu seiner letzten Reise auf, wohl um in seine Heimatstadt Kapilavastu zurückzukehren. Er wird begleitet von Anhängern, die seinen Lehrreden lauschen.
Eine (wahrscheinlich legendäre) Geschichte erzählt, wie er kurze Zeit vor seinem Ableben auf dem Geierberg vor den versammelten Mönchen eine Lotosblume schweigend in der Hand dreht. Alle Mönche sind ratlos, bis auf Mahakasyapa, welcher darüber lächelt und damit die Qualität seiner inneren Wesensschau zum Ausdruck bringt. Daraufhin erklärt Buddha, all seine Weisheit und sein Geist seien nun auf Mahakasyapa übergegangen. Damit wird das Rad (Dharma) der Buddha-Lehre in Bewegung gesetzt und Mahakasyapa ist der erste einer Folge von buddhistischen Patriarchen. Diese Geschichte ist der Gründungsmythos des Zen-Buddhismus.
In einem Wald bei Kushinagara, einem kleinen, unbedeutenden Städtchen, stirbt er und geht in das Pari-Nirvana (das endgültige Nirvana) ein.
Hagiographische Quellen
Was über das Leben des Buddha Shakyamuni bekannt ist, entspringt der hagiographischen Tradition. Die Autoren früher Shakyamuni-Viten waren nicht daran interessiert, historische Fakten über das Leben Shakyamunis zu tradieren. Vielmehr ging es hier um die Schöpfung eines religiösen Ideals. Streng genommen ist also eher von der Buddha-Hagiographie als von der Buddha-Biographie zu sprechen. Im Folgenden werden kurz die wesentlichen Quellen vorgestellt, die zum Leben Shakyamunis vorliegen.
Mahavastu
Das Mahavastu (dt.: Große Begebenheit; der vollständige Titel lautet Mahavastu-Avadana), das in der Mahasanghika-Schule der Hinayana-Tradition entstand, erzählt den Weg Shakyamunis durch seine früheren Existenzen bis zum Beginn seiner auf die Erleuchtung folgenden Lehrtätigkeit in seiner Geburt als Gautama Siddhartha. Der Lebensabschnitt von Shakyamunis Lehrtätigkeit wird hier wohl deshalb nicht behandelt, weil er aus den Sutren erschlossen werden kann. Die Haupterzählung setzt zur Zeit des Buddha Dipankara ein und berichtet, wie Shakyamuni ihm gegenüber gelobt, später selbst Buddhaschaft zu erlangen. Im Anschluß springt die Erzählung in die jüngere Vergangenheit und berichtet von Shakyamunis Wiedergeburt im Tushita-Himmel, wo sich alle zukünftigen Buddhas auf ihre Buddhaschaft vorbereiten. Als nächstes wird dargestellt, wie Shakyamuni sich entschied, in den Mutterleib Mahamayas einzutreten, um in menschlicher Gestalt geboren zu werden. Diese Haupterzählung wird an vielen Stellen durch allegorische Nebenerzählungen, doktrinäre Erörterungen usw. unterbrochen.
Buddhacarita
Beim Buddhacarita handelt es sich um ein in Sanskrit verfasstes Epos des Ashvaghosa (2. Jh. n.Chr.), eines zum Buddhismus bekehrten Brahmanen, der zu den bedeutendsten Kunstdichtern des antiken Indien zählt. Das Leben Buddhas wird unter Verwendung aller Schmuckmittel (skr.: alamkara) der indischen Kunstdichtung von der Geburt bis zum Parinirvana dargestellt. Die für ein Kunstepos obligatorische Schlachtenschilderung wird im 13. Gesang mit Shakyamunis Kampf gegen den Versucher Mara und seine Heerscharen geboten. Literarisch enge Beziehungen verbinden das Epos mit dem Ramayana, dem indischen „Ur-Kunstgedicht“, das Ashvaghosa gekannt haben muß. Das Sanskrit-Original des Buddhacarita ist nur teilweise erhalten. Der Inhalt des Werkes ist jedoch vollständig aus der tibetischen und der chinesischen Übersetzung ersichtlich.
Lalitavistara
Das Lalitavistara ist eine Buddha-Biographie des Mahayana-Buddhismus, die im 2. bzw. 3 Jahrhundert n.Chr. entstand. Das Lalitavistara ist nicht das einheitliche Werk eines Verfassers, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger redaktioneller Tätigkeit. Junge Partien stehen neben alten, die nahe an die Zeit Buddhas heranreichen mögen.
Das Lalitavistara setzt sich zusammen aus Episoden, die in Pali und in Sanskrit überliefert sind. Der Indologe Moritz Winternitz (1863-1937) erklärte dies dadurch, dass das Lalitavistara ursprünglich auf einen Text der hinayanistischen Sarvastivada-Schule zurückgehe und später von einem mahayanistischen Autor überarbeitet und im Sinne des Mahayana umgestaltet worden sei. So wird Shakyamuni hier nicht, wie in der hinayanistischen Tradition, als gewöhnlicher Mensch dargestellt. Vielmehr wird betont, dass er gewissermaßen a priori erleuchtet gewesen sei und den Weg zur Erleuchtung nur zum Schein nocheinmal durchlaufen habe, um den Menschen den Weg zu weisen. Auch das Gelübde, das er als Sumegha vor Buddha Dipankara ablegte und seine Vorbereitung auf die Buddhaschaft im Tushita-Himmel sind, dieser Auffassung zufolge, Teil der Demonstration durch die er allen Wesen den Weg zur Buddhaschaft aufzeigt. Diese doketistische Position des Mahayana-Buddhismus wurde vor allem durch das Lotos Sutra gefestigt. Auf Grund der Umformung des Stoffes im Sinn des Mahayana, erlangte das Werk in Nordindien, dem Entstehungsgebiet dieser Tradition, große Popularität. Auch außerhalb Indiens erlangte das Lalitavistara große Bekanntheit. So wurde der Text mehrfach ins Chinesische, Tibetische und Mongolische übersetzt.
Jataka-Erzählungen
Im Pali-Kanon findet sich ein Werk des Titels „Jataka“. Es handelt sich hier um eine Sammlung von 547 Erzählungen, die aus den früheren Leben Buddha Shakyamunis berichten. Der Begriff Jataka hat seine etymologische Wurzel in jati (Sanskrit), was soviel wie Geburt bedeutet, und ist daher zu übersetzen als „Vorgeburtsgeschichte“.
In ihrem formalen Aufbau bestehen alle Erzählungen dieser Sammlung aus fünf verschiedenen Textteilen:
#der „Gegenwartsgeschichte“, in der mitgeteilt wird, bei welcher Gelegenheit Shakyamuni die Erzählung aus der Vergangenheit mitgeteilt hat
#der „Vergangenheitsgeschichte“, also der Erzählung aus der früheren Existenz Shakyamunis
#den „Gathas“, d. h. Strophen, die meist in die Vergangenheitsgeschichte, seltener in die Gegenwartsgeschichte eingebettet sind
#einem grammatischen und lexikographischen Kommentar zu den Gathas und
#der so genannten „Identifikationserzählung“ (skr.: samodhana), in der die Personen der Vergangenheitsgeschichte mit denen der Gegenwartsgeschichte identifiziert werden.
Von diesem Gesamtwerk gelten nur die Gathas als kanonisch. Die übrigen Teile werden als Kommentar angesehen und tragen den Titel Jatakatthakatha (dt.: Darlegung des Sinnes des Jataka) oder Jatakavannana (dt.: Erläuterungen des Jataka). Während die Gathas traditionell als Buddha-Wort betrachtet werden, gilt der große Kommentator Buddhaghosa (5. Jahrhundert n. Chr.) als Verfasser der übrigen Teile des Gesamtwerks. Diese Zuordnung ist in der modernen Forschung bezweifelt worden. Allerdings ist sicher, daß das Werk zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert seine heutige Form erhalten hat. An manchen Stellen wird deutlich, daß der Verfasser des so genannten. Kommentars die, oft sprachlich schwierigen, Gathas nicht richtig verstanden hat.
Die didaktische Intention der Jataka-Erzählungen besteht darin, die Ermahnung der Befolgung der sechs Paramitas in Paradigmen aus den früheren Leben Buddhas zu kleiden. Die Popularität der Jataka-Erzählungen, von der auch der chinesische Indienpilger I-Tsing (auch Yijing) berichtet, erkennt man daran, daß sie nicht nur schriftlich niedergelegt, sondern auch in Reliefform an den bedeutenden Stupas Indiens und Südostasiens dargestellt waren.
Am Anfang des Jataka-Buches findet sich die als Einleitung konzipierte Nidanakatha. Sie ist die älteste ausführliche und zusammenhängende Shakyamuni-Biographie in der Pali-Sprache und bis heute eine der Hauptquellen der traditionellen Buddhabiographie der Theravada-Schule geblieben.
Des weiteren ist Jataka auch die Bezeichnung einer Literaturgattung. So finden sich nicht nur im Pali-Kanon, sondern auch in der buddhistischen Sanskrit-Literatur Jataka-Erzählungen. Die berühmteste der in Sanskrit verfaßten Jataka-Sammlungen ist das Jatakamala des Dichters Aryashura (4. Jahrhundert n. Chr.). In Südostasien wurden seit der Einführung des Buddhismus diverse weitere Jataka-Erzählungen verfaßt. Berühmt ist insbesondere die Sammlung Pannasajataka (dt.: Fünfzig Jatakas). Darüber hinaus werden in Thailand, Laos und Kambodscha zahlreiche weitere Jatakas als Einzeltexte überliefert.
Literatur
- Ulrich Schneider: Der Buddhismus. Eine Einführung, Darmstadt: Primus Verlag, 1997.
- Hans Wolfgang Schumann: Der historische Buddha. Leben und Lehre des Gotama. München: Diederichs Gelbe Reihe, 1994.
- Hermann Hesse: Siddhartha. Eine indische Dichtung. Berlin, S. Fischer, 1922. (eine belletristische Interpretation vedischer und buddhistischer Philosophien)
Weblinks
- [http://www.hdamm.de/buddha/ahthblix.php Das Leben des Buddha (thailändische Version)]
- [http://www.beste-texte.com/searchdetails.php?conid=1262 Frühere Leben (Jatakas) Buddhas (Kurzfassung)]
- [http://www.hdamm.de/buddha/ahthjtix.php Die letzten 10 Leben (Jatakas) des Buddha (illustrierte Fassung)]
Kategorie:Buddha
Gautama,Siddhartha
Gautama,Siddhartha
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Weltreligion
Bei der Bezeichnung Weltreligion handelt es sich um einen Begriff, der ein grobes Raster über vielfältige Religionen stülpt, die sich beispielsweise durch die hohe Anzahl ihrer Anhänger, die überregionale Verbreitung und/oder ihren universalen Anspruch auszeichnen.
Eine klare Definition ist schwer zu leisten und daher sind Auflistungen der Weltreligionen stets einer gewissen Willkür unterworfen.
In der Religionswissenschaft wird die Anwendung des Begriffes vermieden, um Definitionsproblemen zu entgehen.
Weltreligionen
Die folgenden fünf Religionen werden im allgemeinen als Weltreligion bezeichnet:
- Jüdische Religion (Anhänger: ca. 15 Mio.)
- Hinduismus (Anhänger: ca. 900 Mio.)
- Buddhismus (Anhänger: ca. 375 Mio.)
- Christentum (Anhänger: ca. 2 Mrd.)
- Islam (Anhänger: ca. 1,3 Mrd.)
Während Christentum und Islam aktive Missionierung betreiben, ist dies in Buddhismus, Hinduismus und jüdischer Religion nicht der Fall. In den beiden letzteren ist auch heute noch das Hineingeboren werden in die Gemeinschaft der übliche Weg, Hindu bzw. Jude zu werden. In diesem Sinne liegt eine gewisse Koppelung an die Sozialstruktur vor: im Judentum ist vom "auserwählten Volk" die Rede, im Hinduismus ist die Ethik an die Kastenzugehörigkeit gebunden. Aus diesem Grunde ist es nachvollziehbar, dass der Hinduismus trotz der hohen Anzahl der Gläubigen regional stark gebunden ist. Die religiöse Institutionalisierung ist im Hinduismus relativ wenig ausgeprägt. Das Judentum hat insofern eine Sonderstellung, da ein Großteil der Juden im 20. Jahrhundert durch den Holocaust vernichtet wurden und das Judentum die Wurzeln der beiden Weltreligionen Christentum und Islam darstellt. Eine Konversion zur jüdischen Religion (Gijur) ist prinzipiell möglich, wenngleich keine aktive Missionierung betrieben wird.
Aufgrund des universellen Anspruchs kann jeder Interessierte einer Weltreligion beitreten. Da keine Verbindung mit Verwandtschaftstrukturen vorliegt, ist nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm, Klan oder Volk erforderlich. Die wesentlichen Inhalte der Religion sind kanonisiert und liegen als Heilige Schrift vor. Theologische Reflexion und metaphysische Spekulation gehören zum Wesen einer Weltreligion. Bei den meisten Weltreligionen haben sich im Laufe der Zeit religiöse Institutionen herausgebildet. Zu der Frage, wieviele Anhänger eine Religion haben muss, um als Weltreligion zu gelten, gibt es keinen Konsens. Verschiedentlich wird auch das Alter einer Religion als Kriterium genannt (demnach werden im 19./20. Jh. entstandene Religionen als Neue religiöse Bewegungen definiert).
Eine minimalistische Auffassung des Begriffes Weltreligion würde nur den Buddhismus, das Christentum und den Islam umfassen: der universelle Geltungsanspruch war bereits bei Gründung der Religion präsent, eine weltweite Verbreitung liegt vor, die Anzahl der Anhänger ist sehr hoch und die Religion ist bereits sehr alt.
Erweitertes Schema:
- Daoismus
- Konfuzianismus
- Baha'i
Von etlichen Wissenschaftlern wird aufgrund seiner großen Bedeutung in China und Korea auch der Daoismus dazugezählt. Die Einordnung des Konfuzianismus ist insofern umstritten, als der religiöse Konfuzianismus nicht sehr viele Anhänger aufweist. Es wird auch darauf hingewiesen, dass das westliche Verständnis von Religion beim Konfuzianismus (der primär eine Sittenlehre ist) ohnehin nicht ganz greift. Vereinzelt werden die Baha'i aufgeführt, jedoch nur von Autoren, die nicht alle Religionen, die nach dem Sikhismus entstanden sind, grundsätzlich als Neue religiöse Bewegungen einklassifizieren. Ohne Zweifel handelt es sich bei den Baha'i um eine Religion mit universellem Anspruch, religiösen Institutionen, einer heiligen Schrift etc. Lediglich die nicht sehr hohe Anhängerschaft spricht gegen ein Hinzurechnen zu den Weltreligionen. Beim Sikhismus wird der universelle Anspruch in Zweifel gezogen.
Die Argumente zeigen, dass der Begriff "Weltreligion" nicht sehr trennscharf ist bzw. inkonsequent angewandt wird. In der Religionswissenschaft wird der Begriff Weltreligion aus diesem Grunde immer mehr ersetzt durch Religionen der Welt. Dieser orientiert sich primär an der Anzahl der Anhänger und schließt schriftlose Religionen nicht aus. Der Begriff der Weltreligion hingegen setzt auf den Begriff der Hochreligion auf.
Forschungsgeschichte
Der Soziologe Max Weber definiert 1915 fünf Weltreligionen: die konfuzianische, hinduistische, buddhistische, christliche und islamische Ethik. Als sechste Religion komme das Judentum mit hinzu, weil es für das Verständnis der beiden letzten Religionen wichtig sei. Auf den Daoismus geht er ein, jedoch bezeichnet er ihn als "Heteredoxie" zum Konfuzianismus.
Der Religionswissenschaftler Gustav Mensching betont 1938, dass in der Frühgeschichte des Menschen die Volksreligionen, die sich auf Familie, Sippe, Stamm oder Volk begrenzen, vorherrschend waren. Erst wenn sie den "Menschen schlechthin und nicht den bestimmten Volksgenossen" ansprechen, werden sie zur Universal- oder Weltreligion. Für Mensching haben fünf Religionen diesen Status erreicht: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus.
Der Indologe Helmuth von Glasenapp geht 1963 von acht "ethischen Hochreligionen" (Hinduismus, Jainismus, Buddhismus, chinesischen Universismus, Parsismus, Judentum, Christentum und Islam) aus, von denen er fünf als Weltreligion beschreibt (Hinduismus, Buddhismus, den chinesischen Unversismus, Christentum und Islam), da sie "zusammen neun Zehntel der religiösen Menschheit ausmachen". Den Sikhismus betrachtet er als hinduistische Reformsekte. Unter dem Begriff "chinesischer Universismus" fasst er Konfuzianismus und Daoismus (sowie andere relevante Aspekte der chinesischen Religiosität) zusammen.
Der Theologe Gerhard Wehr geht 2002 von sieben Weltreligionen aus (Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus). Er sieht Weltreligionen als Kontrapunkt zu Natur- und Stammesreligionen, die keine Trennung zwischen Gott und Welt und keine Häresie (Ketzerei) kennen. Eine genaue Begründung zur Auswahl der Religionen bringt Wehr nicht.
Der Religionswissenschaftler Manfred Hutter beschreibt 2005 ebenfalls sieben Weltreligionen (Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Judentum, Christentum, Islam und Baha'i). Den Konfuzianismus schließt er aus, da die Anhängerzahl des religiösen Konfuzianismus zu gering sei. Den Sikhismus führt er nicht auf, da er den universellen Geltungsanspruch vermisst. Hutter weist darauf hin, dass der Begriff Weltreligion kein religionswissenschaftlicher, sondern ein (weitgehend verständlicher) Begriff des alltäglichen Sprachgebrauchs ist.
Siehe auch
- Interreligiöser Dialog
- Liste der Religionen und Weltanschauungen
Literatur
- Tworuschka, Martina und Udo: Religionen der Welt. Grundlagen, Entwicklung und Bedeutung in der Gegenwart, München 1996. ISBN 3-572-00805-0
- Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen, Diederichs Verlag, Düsseldorf, 1963
- Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen, 1920 - 1921
- Band 1: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Die protestantischen Sekten und der Geist des Kapitalismus sowie Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen (Teil 1: Konfuzianismus und Taoismus) ISBN 3-8252-1488-5
- Band 2: (Teil 2: Hinduismus und Buddhismus) ISBN 3-8252-1489-3
- Band 3: (Teil 3: Das antike Judentum) ISBN 3-8252-1490-7
- Gerhard Wehr: Die sieben Weltreligionen, Hugendubel Verlag, München, 2002
- Manfred Hutter: Die Weltreligionen, Beck Verlag, München, 2005
- Gustav Mensching: Volksreligion und Weltreligion, Leipzig, 1938
Weblinks
- http://www.adherents.com/Religions_By_Adherents.html (Weltreligionen nach Anhängerzahl)
- http://www.weltreligionen.at/ (im Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz)
Kategorie:Religion
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Jüdische ReligionDie jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen teilen sich auf in eine schriftliche (Torah) und die mündliche Lehre (Mischna, Talmud, Schulchan Aruch usw.).
Die schriftliche Lehre
Nach der jüdischen Religion hat Mosche am Sinai die ganze Torah von Gott erhalten. Diese besteht aus der schriftlichen und der mündlichen Lehre. In der schriftlichen Torah (auch Bibel genannt) ist beschrieben, welchen Bund Gott mit den Menschen und insbesondere mit dem jüdischen Volk geschlossen hat. Dieser Bund beinhaltet nach der jüdischen Lehre 613 Mitzwot (deut.: Gebote). Diese Mitzwot bestimmen das gesamte Leben eines frommen Juden.
Siehe auch: Torah, Tanach, 613 Gebote
Die mündliche Lehre
Nach dem jüdischen Glauben hat Mosche am Sinai nicht nur die schriftliche Torah (auch Bibel genannt) erhalten, sondern auch die mündliche Lehre. Diese Lehre wurde über Jahrhunderte von den Gelehrten mündlich überliefert und erst ca. 220 n. Chr. von Yehudah HaNasi (genannt Rebbe) in der Mischna schriftlich fixiert.
Diese Mischna bildet die Basis des Talmuds, in welchem Diskussionen von Rabbinern aus mehreren Jahrhunderten zur Mischna festgehalten wurden. Dieser Teil wird im Talmud Gemara genannt.
Neben dem Talmud (welcher aus Mischna und Gemara besteht) werden auch alle anderen späteren Werke von Rabbinern zur mündlichen Lehre gezählt.
Siehe auch: Mischna, Gemara, Talmud, Schulchan Aruch
Die 613 Mitzwot (Gebote)
In der Torah sind zahlreiche Mitzwot (deut. Gebote) an das jüdische Volk enthalten, welche von jedem Juden zu jeder Zeit beachtet werden müssen.
Im Talmud wird die Zahl dieser Mitzwot mit 613 genannt, ohne diese näher aufzuzählen. Erst spätere Gelehrte haben in ihren Werken diese 613 Mitzwot fixiert (die 10 Gebote sind ein Teil davon). Diese 613 Mitzwot teilen sich auf in 248 Gebote und 365 Verbote.
Das bekannteste Werk ist »Sefer HaMitzwot« von Maimonides. Spätere Werke haben diese 613 Mitzwot auf das tägliche Leben übertragen und so neu geordnet (siehe hierzu Schulchan Aruch).
Der jüdische Glaube
Der Glaube hat im Judentum keinen zentralen Stellenwert, sondern wird ebenso wie andere Bereiche des Lebens aus der Lehre abgeleitet und hier insbesondere aus den 613 Mitzwot. Dennoch haben sich verschiedene Gelehrte immer wieder daran versucht, den jüdischen Glauben zu kodifizieren.
Siehe auch: Jüdischer Glaube
Das jüdische Jahr
Ausgehend von der Torah werden die Jahre im Judentum basierend auf der Schöpfung der Welt gezählt. Der jüdische Kalender orientiert sich bei der Monatszählung am Mond (Mondkalender), und da 12 Monde kürzer sind als ein Sonnenjahr wird dieses durch zusätzliche Schaltmonate ausgeglichen. Aus diesem Grund fallen die jüdischen Feiertage immer wieder auf andere Kalendertage im weltlichen Kalender.
Siehe auch: jüdische Feiertage
Die Feiertage
Das jüdische Jahr beginnt mit Rosch haSchana (deut.: Kopf des Jahres) welchem sich Jom Kippur (deut.: Versöhnungstag) anschliesst. Eine Woche nach Jom Kippur feiern die Juden Sukkot (deut.: Laubhüttenfest) und dann im Frühjahr Pessach (deut.: Überschreitung, Auszug), welchem sich nach sieben Wochen Schawuot (deut.: Wochen) anschliesst. Diese Feiertage gehen alle auf die Torah zurück. Daneben gibt es noch Feiertage welche erst später von den Rabbinern festgelegt wurden. Hierzu zählen Purim (deut.: Lose) und Chanukka (deut.: Weihung).
Siehe auch: Jüdische Feste, Jüdischer Kalender
Die Fasttage
Aufgrund tragischer Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes haben die Rabbiner im Laufe der Zeit neben Jom Kippur einige zusätzliche Fasttage festgelegt.
Der am meisten der Trauer gewidmete Tag im jüdischen Jahr ist der Tischa beAw (deut.: 9. Tag des Monats Aw). An diesem Tag wurden nach der Überlieferung der erste und der zweite Tempel in Jerusalem zerstört, sowie die Juden aus Spanien vertrieben. An Tischa beAw gelten ähnliche Bestimmungen wie an Jom Kippur.
Die kleineren Fastentage sind der Schiwa Assar beTammus (17. Tammus), Zom Gedalja (3. Tischri) sowie Assara beTewet (10. Tewet). Auch diese Fastentage stehen im Zusammenhang mit der Zerstörung der Tempel sowie Jerusalems.
Daneben fasten die Juden noch einen Tag vor Purim, sowie alle Erstgeborenen einen Tag vor Pessach.
Das jüdische Leben
Genauso wie das Jahr richtet sich auch das ganze Leben eines frommen Juden nach der Torah.
Am achten Tag nach der Geburt eines Jungen wird dieser beschnitten und diese Brit milah (deut.: Bund der Beschneidung) feierlich begangen. Die Mädchen haben stattdessen eine Namensnennung in der Synagoge. Die Erstgeborenen müssen durch Pidjon haBen gegenüber einem Nachkommen eines Priesters ausgelöst werden.
Jungen feiern zu ihrem 13. Geburtstag Bar Mitzwa und Mädchen zu ihrem 12. Geburtstag Bat Mitzwa - ihre Religionsmündigkeit. Ab diesem Moment sind sie zu allen 613 Mitzwot (deut.: Gebote) verpflichtet, in welche sie bis dahin eingeführt wurden.
Eine jüdische Hochzeit besteht hauptsächlich aus der Ketuba (deut.: Ehevertrag) und der bei der Übergabe stattfindenden Feierlichkeit. Hierzu treffen sich Braut und Bräutigam unter der Chuppa (Baldachin) und der Bräutigam übergibt begleitet von sieben Brachot (deut.: Segenssprüchen) der Braut die Ketuba und einen goldenen Ehering. Anschließend wird in Erinnerung an die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem ein Glas zertreten und die Feierlichkeit beginnt.
Beim Tod eines Juden kümmert sich die Chewra Kadischa (deut.: Beerdigungsbruderschaft) um den Toten und ein möglichst schnelles Begräbnis. Anschließend beginnt eine 30-tägige Trauerzeit, die den Angehörigen ein langsames Verabschieden von dem Verstorbenen ermöglicht.
siehe auch: Jüdischer Friedhof
Die verschiedenen Richtungen des Judentums
Die unterschiedlichen Richtungen haben verschiedene Wege, wie sie mit der jüdischen Tradition umgehen. Innerhalb der Orthodoxie werden schriftliche wie mündliche Lehre als Offenbarung Gottes verstanden und sind somit zeitlos gültig.
Im Reformjudentum wird hingegen die Offenbarung als ständig stattfindender Prozess verstanden, weswegen Änderungen an der Tradition möglich und erwünscht sind. Aus diesem Grund unterscheidet sich heute in vielen Punkten das Reformjudentum von der Orthodoxie, so können auch Frauen aus der Torah öffentlich vortragen und Tefilin oder Tallit tragen.
Da einigen die Änderungen des Reformjudentums zu weit gingen, kam es zu einer Gegenbewegung und das konservative Judentum hat sich der Orthodoxie wieder angenähert.
Daneben gibt es noch zahlreiche andere Richtungen, welche jeweils ihre völlig eigene Sicht auf die Tradition haben.
Siehe auch: Die religiösen Strömungen des Judentums
Der Staat Israel
Seit der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer im Jahr 70 n.Chr. leben die Juden in der Galut (deut.: Vertreibung). Seit der Gründung des jüdischen Staates Israel gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob dieses gemäß der jüdischen Religion oder eigentlich dem jüdischen Volk verboten ist.
Durch die Erfolge des Staates vor allem seit dem Jom-Kippur-Krieg ist jedoch die Mehrheit der religiösen Juden der Ansicht, dass damit die messianische Zeit begonnen hat, weswegen sie diesen Staat unterstützen.
Daneben haben auch einige staatliche Feiertage Israels Eingang in die jüdische Religion gefunden. Hierzu zählen Jom haSchoah (Holocaustgedenktag), Jom haSikaron (Gedenktag für die gefallenen Soldaten) sowie Jom haAzma'uth (Unabhängigkeitstag).
Literatur
- Rabb. Israel M. Lau: Wie Juden leben.
- Rabb. Chajm Donin: Jüdisches Leben - Heute.
- Rabb. Samson Raphael Hirsch: Chorew - ein Versuch über Israels Pflichten.
- Rabb. Walter Rothschild: 99 Fragen zum Judentum .
- Elijahu Kitov: Das jüdische Jahr.
- S. Ph. De Vries: Jüdische Riten und Symbole.
Weblinks
- [http://www.payer.de/judentum/judentum.htm Materialien zur Religionswissenschaft]
Religion
Christentum Buchstaben Alpha und Omega ]]
Das Christentum (auch Christenheit genannt) ist mit etwa 2,0 Milliarden Anhängern vor dem Islam (ca. 1,2 Milliarden) und dem Hinduismus (ca. 900 Millionen) die größte Religion der Erde und eine der fünf Weltreligionen. Der Begriff Christentum (v. griech. christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia erwähnt. Die Anhänger des Christentums nennen sich selbst Christen, nach Jesus Christus. Die Apostelgeschichte erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Ungläubigen der syrischen Stadt Antiochia erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren.
Das Christentum ist eine monotheistische, gestiftete und missionierende Religion. Ihre Wurzeln liegen im Judentum des zweiten Tempels, in Palästina, zur Zeit der römischen Herrschaft vor circa 2.000 Jahren. Das Christentum geht zurück auf die Anhänger eines jüdischen Wanderpredigers namens Jesus von Nazaret. Jesus wird von den Christen als der Christus (der Gesalbte), also der jüdische Messias, verehrt sowie als der Mensch gewordene Sohn Gottes.
Der Kern der christlichen Religion rührt nach ihrem Selbstverständnis aus einer Zuwendung Gottes an den Menschen. In dieser Zuwendung, bei der sich Gott offenbart bzw. sich selbst erschließt, wird die Beziehung Mensch-Welt-Gott geklärt. Wie alle Religionen mit Exklusivitätsanspruch versteht sich das Christentum selbst entweder als der alleinige Ort, an dem sich Gott den Menschen zugewandt hat oder zumindest als der Ort, an dem er dies in angemessenster, geklärtester und unüberholbarer Weise getan hat. Nach der ersten Position werden alle anderen Religionen als unzulässige und unmögliche Versuche des Menschen angesehen, mit seinen Anstrengungen und „Werken“ Gott, oder das, was er dafür hält, zu gefallen und sich ihm zu nahen; die andere sieht diese Versuche als unzureichend geklärte an. Diese Klärung, die in Gottes Offenbarung geschieht, ist jedoch für beide dieser Positionen ein Geschenk (Gnade) Gottes, kein aktives Tun des Menschen.
Mehrheitlich herrscht im Christentum der Glaube vor, dass Gott sich in Jesus Christus der sündigen Menschheit zugewandt hat. Der Tod Jesu Christi am Kreuz wird dabei als dienende Erlösertat Gottes angesehen. In Jesus sei somit die Schuld und Sünde der gesamten Menschheit aufgehoben. Als Initialzündung des christlichen Glaubens gilt die Erschließung dieser Gewissheit an Ostern, dem dritten Tag nach Jesu Kreuzigung, an dem Gott an Jesus die Auferstehung bzw. Auferweckung als erstem von allen Menschen gewirkt und somit die Botschaft dieses Jesus von Nazareth bestätigt haben soll. Durch diesen Oster- bzw. Auferstehungsglauben entstand die christliche Gemeinschaft („Kirche“). Ein weiteres Kennzeichen des Christentums ist das Bekennen von Jesus von Nazareth als „Christus“, „Sohn Gottes“ etc. (Hoheitstitel). Diesen Glauben versuchte man, zusammen mit der Erinnerung an Jesus von Nazareth als dem Initiator der Gemeinschaft und dem Glauben an Jesus Christus, als dem Verkünder der Botschaft Gottes, im historisch gewachsenen und in mehreren Konsensbewegungen festgelegten neutestamentlichen Kanon authentisch festzuhalten und zu bewahren (Weiterführendes siehe „Christliche Lehre“).
„Christliche Lehre“
Verbreitung
„Christliche Lehre“
Die christliche Religion, alle Glaubensrichtungen zusammengenommen, ist die zahlenmäßig bedeutendste Weltreligion; es wird geschätzt, dass ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt einer der christlichen Kirchen angehören. Diese Zahlen beruhen jedoch nur auf Schätzungen, da die Definitionen, wer als Christ mitzuzählen sei und wer nicht, auseinandergehen. Die meisten staatlichen Statistiken werden auf Selbstbezeichnungen der einzelnen Staatsbürger oder Hochrechnungen zurückzuführen sein, manchmal auch auf amtliche Listen. Inwieweit andere Christen aufgrund dieser Merkmale in den dort gezählten Personen Christen sehen, kann auf statistischer Basis nicht geschätzt werden, da es meistens auf sehr individuelle Geisteshaltungen geprägt wird. In vielen Ländern der Erde werden Christen auch heute verfolgt, so dass von dort auch nur sehr ungewisse Zahlen vorliegen.
Christentum weltweit in Zahlen (2000)
Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen über Religionszugehörigkeit aus Gebet für die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998-2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995-2000, beruhen jedoch zum Teil auf einem Wechsel der Datenbasis.
Zusammenhalt, Organisation und Richtungen
- Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen
- Liste der christlichen Konfessionen
- Ekklesiologie
Die gesamte Christenheit wird als „die Kirche“ angesehen, als Leib Christi mit Christus als Kirchenoberhaupt und jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche christlichen Theologen unterscheiden zwischen der „unsichtbaren Kirche“, die alle gläubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der oder den sichtbaren Kirchen, deren Mitglieder mehr oder weniger gläubig sein können. Alle christlichen Kirchen und Gemeinden fühlen sich dem Leib Christi zugehörig. Die Meinungen darüber, wer außer der spezifischen Kirche auch noch dem Leib Christi zugehört, sind jedoch sehr unterschiedlich: das Spektrum geht von „alle getauften Mitglieder aller christlichen Kirchen“ über „wir wissen es nicht“ bis zu „nur wer so wie wir glaubt und in unserer Gemeinschaft getauft ist“.
Viele Kirchen sind in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begründet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und Bräuche aufzugeben. Beispiele für solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz, die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollständige gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele für solche Kirchengemeinschaften sind die anglikanische Kommunion oder die östlich-orthodoxen Kirche oder die evangelischen Unierten Kirchen.
Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geografische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen einteilen. Zu einer Konfession gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es heute auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal, oder charismatisch.
Historische Entwicklung
In der antiken Welt gab es fünf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. War über wesentliche Lehrfragen zu entscheiden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen; allerdings hatten auch diese nicht „das letzte Wort“, denn mehreren Konzilen, die sich selbst als „ökumenisch“ betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Bevölkerung später aberkannt. Insgesamt gab es zwischen 321 und 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von östlich-orthodoxen, katholischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; viele evangelische Kirchen erkennen allerdings das siebte Konzil nicht an wegen seiner Ikonenlehre.
Zu einer ersten Spaltung kam es 451 nach dem ökumenischen Konzil von Chalcedon, das die Natur Christi als sowohl menschlich als auch göttlich definierte. Die Patriarchate einschließlich Rom akzeptierten den Konzilsentscheid. Die henophysitischen Kirchen haben dagegen eine Auslegung gewählt, die nicht mit der des Konzils vereinbar ist. Die Koptische Kirche hält Jesus für fleischgewordenes Wort, d.h. er ist göttlich, jedoch in vollkommen fleischlicher Gestalt. Beide spalteten sich von ihren jeweiligen Patriarchaten Antiochia und Alexandria ab. Die Assyrische Kirche des Ostens vertrat eine dem Henophysitismus entgegengesetzte Position.
In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum definitiven Bruch. Die westliche Tradition entwickelte sich in der Spätantike und im frühen Mittelalter im west-römischen Reich, während die östliche Tradition in Konstantinopel, Kleinasien, Syrien und Ägypten entstand. Die eigentlich dogmatischen Unterschiede bleiben zwar bis heute gering, aber die römische Kirche hatte in dieser Zeit Lehren entwickelt, die nicht von ökumenischen Konzilen abgesegnet worden waren, z.B. bezüglich Primat des Papsttums und Filioque und forderte Jurisdiktion über die übrigen Patriarchate, was diese verweigerten. Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezüglich politischer Umgebung, Sprache und theologischen Ansätzen. Die Situation eskalierte und 1054 kam es zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel. Auf diesen Anlass wird üblicherweise das Morgenländische Schisma zwischen östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche datiert. Trotz einiger Versöhnungsversuche blieben die Traditionen von da an getrennt.
Die westliche Tradition (Römisch-katholische Kirche ohne unierte Ostkirchen) erfuhr durch die Reformation des 16. Jahrhunderts eine neue tief greifende Spaltung. Sie betraf vor allem das Kirchen- und Sakramentsverständnis und die Erlösungslehre. Die reformatorische Bewegung führte zu mehreren parallelen Kirchenbildungen, von denen sich im weiteren Verlauf neue Gruppierungen lösten, die sich aber auch wieder zu Kirchengemeinschaften zusammenfanden.
Während die verschiedenen Traditionen sich früher gegenseitig exkommunizierten, sind sie heute bei einer gewissen Akzeptanz und einer unterschiedlich stark ausgeprägten Zusammenarbeit in der Ökumene angelangt und sehen Konfessionen, die die zentralen Elemente der christlichen Lehre ebenfalls bejahen, als christliche Schwesterkirchen, oder zumindest christliche Kirchengemeinschaften (siehe Domine Jesu) an. In der evangelikalen Tradition ist die ökumenische Zusammenarbeit mit Kirchen, die dieser Tradition nicht angehören (z.B. im Weltkirchenrat), umstritten; auch die römisch-katholische Kirche arbeitet nicht in diesem Gremium mit.
Das folgende ASCII-Diagramm zeigt die geschichtliche Entwicklung der traditionellen christlichen Gruppen:
/----------------------Evangelische bzw. anglikanische Tradition
Reformation ----------------> /
Westliche Tradition -------------------Römisch katholisch (westliche Bräuche)
/ /---Griechisch katholisch (östliche Bräuche)
/ Großes Schisma /
Urgemeinde ...................../=
/
\
\
Östliche Tradition -------------Östlich-Orthodoxe Kirche
Kontroverse --------------->
von Chalcedon \ -----Nestorianer ) Orientalisch-
\-----Henophysiten ) Orthodoxe Kirche
Östliche Tradition
Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem und einige seither neu dazugekommene nationale Kirchen, haben bis heute die gleiche Theologie und Spiritualität, die sich, im Gegensatz zur protestantischen und katholischen Theologie, kaum verändert hat, und sehen sich als Teil der ursprünglichen, von Christus gegründeten Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie Bibel und Liturgie in der jeweiligen Landessprache haben. Die größte orthodoxe Kirche ist heute die Russisch Orthodoxe Kirche. Heute haben die orthodoxen Patriarchate oft auch Kirchen im Ausland, die ihnen unterstellt sind. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen den Orthodoxen und den westlichen Kirchen - dazu gehören z.B. die Interpretation der Dreieinigkeit und der Erlösungstat Christi, der Stellenwert der Liturgie, die Heiligungslehre, die Spiritualität, die Bedeutung von Ikonen, oder die Lehre über die Kirche. Die orthodoxen Kirchen haben ihre historischen Schwerpunkte in Osteuropa, im Balkan, im Nahen Osten, in Indien und in Nordostafrika, sind heute als Auswandererkirchen in allen Teilen der Welt zu finden.
Römisch-katholische Kirche und orthodoxe Kirchen unterscheiden sich also hauptsächlich darin, dass es in der orthodoxen Kirche keinen Papst gibt (obwohl der Patriarch von Konstantinopel einen Ehrenvorrang innehat) und die Orthodoxie von synodalen Prozessen geleitet wird. In beiden Kirchen gibt es 7 heilige Sakramente (Taufe, Heilige Eucharistie/Kommunion, Salbung bzw. Firmung, Sakrament der Versöhnung/Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe). In orthodoxen Kirchen werden die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung zusammen im Kindesalter gespendet, während dies in der römisch-katholischen Kirche zeitlich abgestuft wurde; in den katholischen Ostkirchen werden Eucharistie und Firmung ebenfalls unmittelbar nach der Taufe gespendet. Der Zölibat wird in der orthodoxen Kirche wie auch in den katholischen Ostkirchen nur für das Bischofsamt und für Ordensleute vorgeschrieben, während er in der westlichen katholischen Kirche für alle Priester vorgeschrieben ist. Die Lehre beider Kirchen basiert auf der Lehre Christi, deren Verständnis in der kirchlichen Tradition unter der Leitung des Heiligen Geistes fortschreiten kann, wobei eine „traditio constitutiva“ (unveränderbar) und eine „traditio divino-apostolica“ die sich in der menschlichen traditiones zeigt (Ausdruck, daher veränderbar) zu unterscheiden ist. Die Orthodoxie beschränkt die „traditio constitutiva“ auf die von ihnen anerkannten ökumenischen Konzilien.
Westliche Tradition
Im weströmischen Reich entwickelte sich eine Lehre, dass der Bischof von Rom (Papst) eine Autorität besitzt, die direkt auf den Apostel Petrus zurückgeführt werden kann und die ihn zum Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Jurisdiktions-, Lehr- und Hirtenamts in der christlichen Kirche macht. Diese Entwicklung, die schon unter Irenäus von Lyon angefangen hatte, vollzog sich schrittweise, bis im 1. Vatikanischen Konzil das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit promulgiert wurde. Um die Mitte des zweiten Jahrtausends entwickelte sich an verschiedenen Orten in Europa (Martin Luther und Ulrich Zwingli im deutschen Sprachraum, Johannes Calvin im französischen, und Thomas Cranmer im englischen) aus Protest gegen Missbräuche in der katholischen Kirche die Reformation. Nach der Reformation war die westliche Kirche weiter in eine römische Tradition (die in der Reformation zu Rom hielt) und eine reformatorische Tradition (die sich von Rom löste) gespalten. Im Ersten Vatikanischen Konzil trennten sich dann, unter Führung des Erzbischofs von Utrecht, die Altkatholische Kirche von der römisch-katholischen Kirche; weil ihre historische Tradition zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert mit Rom parallel lief, sie sich aber heute in ihrer Lehre mit der Anglikanischen Kirche, die aus der Reformation hervorging, einig ist, ist ihre Klassifizierung schwierig.
Römische Tradition
Die römisch-katholische Kirche sieht sich – gemeinsam mit der orthodoxen Kirche – als alleinige Verwalterin aller Sakramente, da sie in ihr die Kirche Christi subsistiert sieht (vgl. 2. Vatikanisches Konzil Lumen Gentium so wie Apostolicae Curae und Domine Jesu). Römisch-katholische Kirche und orthodoxe Kirchen unterscheiden sich also hauptsächlich darin, dass es in der orthodoxen Kirche keinen Papst gibt (obwohl der Patriarch von Konstantinopel einen Ehrenvorrang innehat) und die Orthodoxie von synodalen Prozessen geleitet wird. In beiden Kirchen gibt es 7 heilige Sakramente (Taufe, Heilige Eucharistie/Kommunion, Salbung bzw. Firmung, Sakrament der Versöhnung/Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe). In orthodoxen Kirchen werden die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung zusammen im Kindesalter gespendet, während dies in der römisch-katholischen Kirche zeitlich abgestuft wurde; in den katholischen Ostkirchen werden Eucharistie und Firmung ebenfalls unmittelbar nach der Taufe gespendet. Der Zölibat wird in der orthodoxen Kirche wie auch in den katholischen Ostkirchen nur für das Bischofsamt und für Ordensleute vorgeschrieben, während er in der westlichen katholischen Kirche für alle Priester vorgeschrieben ist. Die Lehre beider Kirchen basiert auf der Lehre Christi, deren Verständnis in der kirchlichen Tradition unter der Leitung des Heiligen Geistes fortschreiten kann, wobei eine „traditio constitutiva“ (unveränderbar) und eine „traditio divino-apostolica“ die sich in der menschlichen traditiones zeigt (Ausdruck, daher veränderbar) zu unterscheiden ist. Die Orthodoxie beschränkt die „traditio constitutiva“ auf die von ihnen anerkannten ökumenischen Konzilien.
Die römisch-katholische Kirche ist bei weitem die größte christliche Konfession und in regional unterschiedlicher Stärke weltweit vertreten. Die apostolische Sukzession spielt bei ihr, bei den Altkatholiken und bei den Anglikanern eine Rolle bei der Gültigkeit der Weihe von Bischöfen und daran anknüpfend Priestern. Im I. Vatikanischen Konzil trennten sich die Kirchen der römischen Katholiken und die der Altkatholiken; letztere lehnen die Unfehlbarkeit des Papstes ab und ebenso den Pflichtzölibat, während erstere die gegenteilige Position in diesen Fragen hat; die Leitung bei den Altkatholiken obliegt ähnlich der Orthodoxie einer Synode.
Römisch-katholische Gottesdienste sind, wie bei anderen Kirchen auch, für alle zugänglich; anders als bei vielen anderen Kirchen ist der Kommunion-Empfang jedoch nur für getaufte Christen, die sich in Einheit mit der römischen Lehre wissen, und auch nur nach Empfang der Erstkommunion möglich. Die Interkommunion ist untersagt und nur in Ausnahmefällen gestattet.
Evangelische Tradition
Die evangelischen Kirchen verstehen sich als aus der biblischen Schrift heraus begründet (Sola Scriptura), während die römisch-katholische Kirche sich durch die Schrift und die Überlieferung begründet sieht. Dennoch erkennen die evangelischen Kirchen die frühen kirchlichen Traditionen, ihre Synode, und die aus ihr stammenden Bekenntnisse (Apostolikum,
Nizäisches Glaubensbekenntnis) an. Diese beziehen ihre Autorität jedoch nur aus ihrem Einklang mit dem evangelischen Verständnis der Schrift, und nicht aufgrund der Ämter ihrer Autoren.
Die öffentliche Auseinandersetzung Luthers mit der römisch-katholischen Tradition begann – nach einer mehrjährigen theologischen Entwicklung – mit den 95 Thesen; seine Lehre ist in zwei von ihm verfassten Katechismen (Großer und Kleiner Katechismus) u.a. Schriften festgehalten. Luther selbst war noch Verfechter der Kindstaufe, des Bußsakraments und der Marienverehrung. Der als Augustinermönch ausgebildete Theologe verfasste allerdings eine neue, auf Augustin fussende Rechtfertigungslehre, die besagt, der „Glaube allein“ (Sola fide) würde den Menschen „coram Deo“ (vor Gott) gerecht machen und ihn so vor der gerechten Strafe Gottes erretten. Basierend auf dieser Rechtfertigungslehre, sowie dem Prinzip der Sola scriptura, erkennen evangelische Christen als Sakramente nur zwei Handlungen an: die Taufe Jesu, bei der er selbst nicht handelnder gewesen ist, sondern Johannes der Täufer, und das Abendmahl oder Herrenmahl, das Jesus selbst begründete. Für beide Handlungen sind ein Wort und ein Element konstitutiv, die in der biblischen Überlieferung mit dem Gebot Jesu verbunden sind, sie durchzuführen. In der evangelischen Tradition gibt es unterschiedliche Abendmahlsverständnisse, die jedoch in der Leuenberger Konkordie für nicht kirchentrennend gehalten werden. Außerhalb der lutherischen und anglikanischen Kirchen und Gemeinden stellt das Abendmahl in der (überwiegend reformierten Tradition ein rein symbolisches Gedächtnismahl dar (keine Realpräsenz Jesu in Brot und Wein). Es ist weiterhin möglich, die Beichte abzulegen und Absolution zu empfangen, aber dies sei weder notwendig, noch sei es ein Sakrament. In manchen evangelischen Kirchen (nicht jedoch den deutschen Landeskirchen, die in der Evangelische Kirche in Deutschland vereint sind) wurde die Kindstaufe oft durch die Gläubigentaufe ersetzt, da diese Kirchen davon ausgehen, es müsse ein aktiver Glaube zur Errettung vorhanden sein (Sola Fide). Die vielfältigen evangelischen Konfessionen sind institutionell autonom und haben keine offizielle gemeinsame Lehre, die über die Schrift hinaus geht, und kein gemeinsames Oberhaupt außer Christus.
Gemeinsam ist den evangelischen Kirchen die „vier Solas“: solus Christus, allein Jesus Christus als Herr der Kirche, sola scriptura allein die Bibel als „regula fidei“ (Regel/Richtschnur des Glaubens), sola gratia Erlösung allein aus Gnade, sola fide Rechtfertigung allein durch den Glauben.
Ein besonderer Fall ist die Anglikanische Kirche, die an der apostolischen Sukzession festhält (obwohl die römisch-katholische Kirche an der Gültigkeit der anglikanischen Bischofsweihe zweifelt), und an vielen katholischen Bräuchen in der Liturgie und an eucharistischem Verständnis festhält. Bezüglich Einstellung zur Kirchentradition gibt es alle Zwischenstufen von der Anglikanischen Kirche bis zu den calvinistisch-reformierten Kirchen, die alle Kirchentradition außerhalb der Bibel ablehnen.
Über Lehre und Praxis wird in den meisten Konfessionen durch Synoden oder Konferenzen auf internationaler Ebene entschieden, in anderen Konfessionen auf der Ebene der lokalen Kirche.
Heute sind die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Flügeln innerhalb einer Konfession oft größer als die Unterschiede zwischen einzelnen Liberalen bzw. zwischen einzelnen Konservativen aus verschiedenen Konfessionen.
Während die evangelischen Konfessionen früher sehr stark die Unterschiede betonten, gibt es heute einige Ansätze zur Annäherung: Viele evangelische Konfessionen in Europa haben sich in der Leuenberger Konkordie zusammengeschlossen, konservative Konfessionen arbeiten in der evangelischen Allianz zusammen, in einigen Fällen ist es sogar zu Wiedervereinigungen gekommen (United Church of Canada aus Lutheranern, Methodisten und Presbyterianern; Uniting Church of Australia aus Presbyterianern, Kongregationalisten und Methodisten; United Church of Christ aus sieben Konfessionen). Mit dem Weltkirchenrat gibt es auch ein Gremium der ökumenischen Zusammenarbeit nicht nur zwischen den verschiedenen evangelischen Kirchen, sondern auch mit den orthodoxen Kirchen zusammen.
Andere Konfessionen
Verschiedene andere Konfessionen, für die Jesus Christus ebenfalls eine zentrale Figur ist, sehen sich weder in der orthodoxen, katholischen noch in der evangelischen Tradition. Gruppen die sich selbst so einordnen, sind beispielsweise die Quäker, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“) die Freien Bibelforscher, die Vereinigungskirche und die Zeugen Jehovas. Diese Neureligiösen Gemeinschaften haben in der Regel sehr spezielle Auslegungen oder Strukturen, welche für Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar sind. Beispielsweise haben sie Ansichten über Dreieinigkeit, die nicht mit den ökumenischen Konzilen übereinstimmen oder gleichwertige Schriften neben der Bibel. Solche Gruppen haben oft die (allerdings unterschiedlich stark ausgeprägte) Tendenz, ihre eigene Sicht des Christentums absolut zu setzen und allen anderen Traditionen das Christsein abzusprechen oder intern undemokratische Strukturen zu etablieren. Die Unitarier bezeichnen sich als Grenzchristen (borderline Christians), da Jesus Christus keine zentrale Rolle in ihrem Glaubenssystem spielt.
Oberhäupter einiger christlicher Konfessionen
Geschichte
Siehe: Christentumsgeschichte
Christentum heute
Christentumsgeschichte
Nicht alle Menschen, die sich als Christen verstehen, akzeptieren sämtliche theologischen Positionen, die von ihren jeweiligen Kirchen vertreten werden, und nicht alle Menschen, die Kirchenmitglieder sind, glauben tatsächlich an Gott und haben das Gottesverständnis „ihrer“ Kirche.
Die Aufklärung hat das Christentum im 17. und frühen 18. Jahrhundert politisch in erheblichem Maße geschwächt. Der bedeutendste Wandel bestand in der teilweisen Distanzierung von Kirche und Staat. Seither ist es in vielen Staaten möglich, ein freies Mitglied der Gesellschaft zu sein und die Ansichten der jeweiligen Kirche in verschiedenen Bereichen abzulehnen od |