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Aikidō
Aikidō (jap. 合氣道) ist eine moderne japanische Kampfkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Morihei Ueshiba als Synthese verschiedener Aspekte unterschiedlicher Budō-Disziplinen, vor allem aber als Weiterentwicklung des Daitoryu Aiki Jutsu begründet wurde.
Das Ziel beim Aikidō ist es, Aggressionen abzuwehren und die Kraft des Angreifers zu nutzen, um diesen in eine Situation zu bringen, in der er ohne weiteres keinen erneuten Angriff starten kann.
Dies geschieht in der Regel durch Würfe und Hebel, welche den Großteil der Aikidō-Techniken ausmachen.
Prinzipien und Wirkung
Beim Aikidō beruhen alle Techniken auf physikalischen Prinzipien und dem Fluss des Ki (z.B.: Achsen, Hebel, Kinetik und der Kokyū), die dem Ausführenden weniger Kraft sondern vielmehr Genauigkeit, Konzentration und Zentriertsein abverlangen.
Die Angriffsenergie wird im Gegensatz zu vielen anderen Kampfkünsten nicht geblockt, sondern so umgelenkt, dass der Verteidiger daraus einen Vorteil erlangt. Dabei werden im Wesentlichen zwei Prinzipien, (irimi und tenkan) verwendet, die in ihrer Wirkung auch in den philosophischen Prinzipien Yang und Ying wiederzufinden sind. Irimi ist das Prinzip des „in den Angriff Eintretens und mit ihm Harmonisierens“, während man mit tenkan den Angriff mit einer Drehbewegung vorbeilässt und dabei mit ihm harmonisiert.
Die zentrale Kraft im Aikido ist Kokyū (呼吸), die Atemkraft, die der Muskelkraft des körperlich Stärkeren überlegen ist. Genauer bezeichnet ist Kokyū (呼吸) der Atem, Kokyū dōsa (呼吸動作) heißt Atemkraftbewegung aus dem Seiza und Kokyū hō (呼吸法) ist eine Übung zur Entwicklung der Atemkraft. Die Atemkraft und das Ki gehören zusammen. Wenn die Atemkraft richtig geübt wird, wird auch der Fluß des Ki positiv beeinflußt.
Aikidō kann von Menschen jeder Größe und jeden Alters praktiziert werden.
Es ist eine der schwerer erlernbaren Kampfkünste, und es benötigt mehrere Jahre Übung, bis ein Schüler in der Lage ist, sich damit wirksam zu verteidigen.
Dass Aikidō geeignet ist, in einer entsprechenden Situation effektiv zur Verteidigung eingesetzt zu werden, wird selten bestritten, obwohl Aikidō von außen betrachtet meist sehr harmonisch, wenn nicht gar tänzerisch und choreografiert wirkt.
Da Ueshiba, der von den Aikidōka O-Sensei (翁先生, japanisch: Altehrwürdiger Lehrer, oft auch Großer Lehrer, 大先生) genannt wird, ein Experte in der Handhabung von Schwert (Katana), Speer, Stab/Stock (Bō, Jō) und auch im Jiu-Jitsu und anderen Kampfkünsten war, beinhalten die Techniken des Aikidō viele fließende Bewegungen und werden zum Teil mit entsprechenden Namen bezeichnet.
In seiner besten Zeit (im Alter von ca. 55 Jahren) galt Ueshiba (der nur ungefähr 1,55 m groß war) in den einschlägigen Kampfkunstkreisen Japans als unbesiegbar. Eine Anekdote berichtet, wie der damals berühmteste Ringer Japans in Ueshibas Dōjō kam und ihn bat, ihm seine Kunst zu demonstrieren. Dieser forderte den Ringer daraufhin auf, ihn hochzuheben, welches demselben nicht möglich war. Auf die Frage nach dem Trick der dahintersteckt antwortete Ueshiba: „Ich bin in Einheit mit dem Universum. Wer kann das bewegen?“ Ueshiba wird auch der Satz zugeschrieben „Wenn du angegriffen wirst, so schließe den Angreifer in dein Herz.“, welcher sehr gut die Philosophie des Aikidō widerspiegelt.
Verbreitung
Die zentrale Stadt für Aikidō ist Tokio in Japan, in der das Hombu Dōjō (jap.: Haupt-Übungshalle) angesiedelt ist.
Im Jahre 1951 stellte Meister Mochizuki Minoru in Frankreich zum ersten Mal Aikidō in einem europäischen Land vor.
Im folgenden Jahr kam Meister Abe Tadashi in Marseille an und begann Aikidō in Europa zu verbreiten. 1961 kam Meister Masamichi Noro nach Paris.
Im Jahre 1953 führte Koichi Tohei Aikidō auf Hawaii ein.
1956 kam André Nocquet als erster Franzose nach Tokio, um im Aikikai zu trainieren.
Um etwa 1960 wurde die Kampfkunst nach Deutschland gebracht.
Als wichtigste Einzelpersonen sind hier Katsuaki Asai, der 1965 23-jährig vom Aikikai als offizieller Vertreter für Deutschland gesandt wurde, und Gerd Wischnewski zu nennen, der sich Anfang der 1970er Jahre vom Aikidō und Kendō zurückzog.
1965 folgte Australien.
In Europa wurde die Verbreitung vor allem von Nobuyoshi Tamura und Masamichi Noro, beide waren Uchideshi von Morihei Ueshiba, von Frankreich aus vorangetrieben.
In den sechziger Jahren zerstreuten sich die Uchideshi der Nachkriegszeit über die ganze Welt.
Heute gibt es fast in allen Ländern der Welt Aikidō-Dōjōs.
Die internationale Aikidō-Föderation (I.A.F.) wurde 1975 gegründet und umfasst sechs kontinentale Verbände und mehr als vierzig nationale Aikidō-Verbände.
Daneben gibt es viele weitere Verbände und Dojos innerhalb und außerhalb des Aikikai.
Der Name und seine Interpretation
Der Name setzt sich wie folgt zusammen:
:Ai - „passen, zusammenbringen, vereinen (Harmonie)“,
:Ki - „Geist, (Lebens-)Energie“ (der Begriff ist verwandt, aber nicht gleichzusetzen mit dem chinesischen Qi),
:Dō - „Weg, Pfad, Tao“
Der Name Aikidō wird aus drei sinojapanischen Schriftzeichen geformt (合氣道), die oft als Harmonie, Energie und Weg (oder Methode) übersetzt werden und kann daher in etwa mit dem Begriff „Der Weg der Harmonie im Zusammenspiel mit Energie“ oder „Der Weg der Harmonie mit der Energie des Universums“ bezeichnet werden.
Diese Bezeichnung bezieht sich darauf, dass Aikidōtechniken darauf ausgelegt sind, Angriffe durch die Kontrolle ihrer Energie und nicht durch das Abblocken derselben zu kontrollieren. Ein häufig genanntes Gleichnis hierfür ist, dass die flexible Trauerweide einem Sturm durch Biegen widerstehen kann, während die viel stabilere Eiche brechen wird, wenn der Wind zu stark ist.
Als Schriftzeichen für Ki kann man sowohl 氣 als auch 気 finden, wobei 気 die vereinfachte und aktuell verwendete japanische Form des ursprünglichen chinesischen Zeichens 氣 ist, das Morihei Ueshiba verwendete.
Obwohl oft zu finden ist, dass 合 (Ai) mit Liebe zu übersetzen ist, ist dies nicht korrekt. Das Missverständnis geht auf ein Zitat von Morihei Ueshiba zurück, in dem dieser feststellt, dass er sich unter anderem deshalb entschlossen hat, seine Kampfkunst Aikidō zu nennen, weil 合 genauso ausgesprochen wird wie 愛, was eben Liebe bedeutet. Während der Versuch einer wörtlichen Übersetzung von Aikidō etwa das Prinzip ideal koordinierter Energie liefert, sind die in Aikidō vorkommenden Begriffe nicht zuletzt durch die Ausführungen von Morihei Ueshiba sehr stark mit Konnotationen belegt, was die vielen sehr freien Übersetzungen erklärt.
Der Ausdruck Aiki (合氣) wurde bereits in älteren japanischen Kampfkünsten benutzt, insbesondere im Daitō-Ryū Aiki-Jujutsu, und hatte dort die Bedeutung der „angemessenen Kraft“ im Sinne des Mitgehens mit dem Angreifer. Erst Ueshiba erweiterte die Deutung auf eine auch spirituelle Harmonie.
Das Training
Aikidō wurde von dem Gründer Morihei Ueshiba nicht als Sport angesehen, und Wettkämpfe waren im traditionellen Aikidō nicht vorgesehen. Die Partner arbeiten zusammen, damit jeder einzelne seine Technik perfektionieren kann. Neue Ränge werden durch Vorführung dieser Techniken erreicht, ohne dass die Partner dabei als Gegner kämpfen.
Am Anfang besteht das Training zum überwiegenden Teil aus Kata-ähnlichen Formen: Die Rollen von Angreifer und Verteidiger sind festgelegt, so wie Angriff und Verteidigung meist vorgegeben werden. Erst im Fortgeschrittenentraining beginnt man sich langsam von der Form zu lösen; zunächst sind, z.B. im freien Training, Angriff und Verteidigung nicht mehr streng vorgeschrieben, später beginnt man, die Rollenaufteilung in Uke und Nage/Tori zu überwinden.
Während in einigen Stilen nur im Zusammenhang mit Waffentraining von Kata gesprochen wird, sind in anderen Stilen Kata mit Partnern (Kata Geiko) zentrale Übungsform.
Der Aikidōka achtet darauf, in den eigenen Bewegungen frei zu werden und nicht mehr über jeden einzelnen Schritt nachzudenken.
Die Bewegungsabläufe sollen sich im Unterbewusstsein festigen.
Aikidō-Training verbessert die Beweglichkeit und fördert durch komplexe Bewegungsabläufe Konzentration, Koordination, Grob- und Feinmotorik sowie das körperliche und geistige Wohlbefinden.
Trainingskleidung
Als Trainingskleidung wird im Aikidō der Ende des 19. Jahrhunderts von Jigorō Kanō, dem Begründer des Jūdō, eingeführte Keiko-Gi getragen.
Fortgeschrittenere Schüler tragen darüber eine Art Hosenrock, Hakama genannt.
Im Gegensatz zu heute, wo in verschiedenen Stilrichtungen Aikidōka erst ab dem 1. Dan einen Hakama tragen, war es früher üblich, dass jeder Aikidōka von Anfang an einen Hakama trug.
Diese Veränderung stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Da während dieser Zeit die Stoffe für viele Schüler Morihei Ueshibas zu teuer waren, baten sie bei Ueshiba um Erlaubnis ohne einen Hakama teilnehmen zu dürfen. Deshalb ist es in sehr vielen Dōjō üblich, dass die Schüler bis zum Erreichen des ersten Dan ohne Hakama trainieren.
Die Farbe des Hakama war ebenfalls unerheblich, wobei heutzutage beim Aikidō zumeist schwarze oder dunkelblaue Hakama getragen werden.
Das letzte Wort darüber, ab wann ein Hakama zu tragen ist, liegt bei der jeweiligen Schule oder dem jeweiligen Verband.
Das bedeutet ebenfalls, dass der Hakama kein Rangabzeichen ist.
Ausrüstung
Traditionelles Aikidōtraining findet größtenteils unbewaffnet statt, doch die drei Waffen Bokken, Jō und Tantō, üblicherweise hölzerne Trainingswaffen, spielen dennoch eine wichtige Rolle. Sie werden verwendet, da viele Bewegungen und Techniken im Aikidō von Waffentechniken wie z.B. Schwerttechniken abgeleitet sind und dadurch die Techniken selbst besser verstanden und verinnerlicht werden können. Bei manchen Stilrichtungen wird dem Waffentraining weniger Bedeutung zugemessen als im traditionellen Aikidō.
Ablauf
Es trainieren meistens zwei Partner zusammen. Eine Person ist Angreifer (Uke), und die andere Person (Nage oder Tori) übt eine verteidigende Aikidōtechnik gegenüber Uke aus.
Die Angriffe bestehen aus Schlägen, Halte- und Würgegriffen. Die Aikidōtechnik selbst ist zumeist in drei Teile gegliedert. Dem Aufnehmen/Vorbeileiten der Angriffsenergie, der Weiterführung der Energie bis zum Verlust des Gleichgewichts und der Abschlusstechnik, die aus einem Wurf – auch mit anschließender Haltetechnik – oder nur einer Haltetechnik bestehen kann.
Dabei kann das Aufnehmen und Vorbeileiten des Angriffs auf mehrere Weisen erfolgen. Nage (der Verteidiger) kann durch eine Ausweichbewegung (sabaki oder tenkan – „drehen in versch. Richtungen“) und einen anschließenden Schritt nahe zum Angreifer hin (omote oder ura – „eintreten in verschiedene Positionen zum Uke hin“) sich mit der Energie des Angriffs harmonisieren.
Danach wird, durch die Weiterführung der Angriffsenergie in eine durch Nage bestimmte Richtung, das Gleichgewicht von Uke gestört. Einige Aikidorichtungen verwenden zur Störung des Gleichgewichts auch Schläge (atemi). Sobald Uke die eigene Kontrolle über seinen Körper verloren hat, ist es nicht mehr schwer die Verteidigung durch einen Wurf oder einen Hebel zu beenden.
Nach ein bis vier Wiederholungen der jeweiligen Technik vertauschen die Partner ihre Rollen als Uke und Nage.
Es gibt auch Übungen, in denen die Verteidigung gegen mehrere Partner gleichzeitig trainiert wird (randori) und Übungen bei denen die Technik frei gewählt werden kann (jiyuwaza).
Stile
randori
Morihei Ueshiba begann als Jugendlicher Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Studium einzelner Budo-Disziplinen. Nachweislich studierte er Anfang des 20. Jahrhunderts Tenjin Shinyo ryu Jujutsu, Goto-ha Yagyu Shingan ryu Jujutsu, kurzzeitig Judo und vor allem ab 1915 Daitō-Ryū Jujutsu. 1919 kam er mit der neo-shintoistischen Omoto-Kyo Religion in Berührung, deren Lehren seine Interpretation von Budō entscheidend mitbeeinflusst haben und von daher für die Entstehung des Aikido als wesentlich anzusehen sind.
Bis zu seinem Tode entwickelte Ueshiba sein Aikido weiter, wobei seine Kunst immer weicher und harmonischer wurde, ohne an Effektivität zu verlieren. Da er im Laufe seines Lebens viele Schüler hatte und diese ihn zu verschieden Zeitpunkten verließen, entwickelten sich daraus verschiedene Stilrichtungen, die auf verschiedene Interpretationen des Aikidō zurückgehen. Es gibt Stilrichtungen, welche einem einzigen Lehrer folgen, und Stilrichtungen, welche mehr einem Verbund von Lehrern folgen. Die folgende Tabelle stellt bekannte Stile und ihre Begründer dar:
Philosophie
Aikidō gilt als friedfertige Kampfkunst. Der Aikidōka versucht in der Regel den Angreifer nicht zu verletzen, sondern ihn in eine Situation zu führen, in der sich dieser beruhigen kann. Somit wird dem Angreifer die Chance gegeben, Einsicht zu erlangen und von einem weiteren Angriff abzusehen. Dennoch verfügt ein Aikidoka über Möglichkeiten, einen Angreifer erheblich zu schädigen oder ihn zu töten, was aber nicht im Vordergrund des Aikidō steht. Morihei Ueshiba formulierte dies wie folgt:
:„Wahres Budō dient jedoch nicht einfach dazu den Gegner zu zerstören; es ist viel besser einen Angreifer geistig zu besiegen [indem man ihn die Torheit seines Handeln erkennen lässt], so dass er seinen Angriff gerne aufgibt“ (Morihei Ueshiba – Budō)
Literatur
- Morihei Ueshiba: Budō. Das Lehrbuch des Gründers des Aikidō. ISBN 3921508576
- Kisshōmaru Ueshiba: Der Geist des Aikidō. ISBN 3932337379
- Kisshōmaru Ueshiba, Moriteru Ueshiba: Best Aikido - The Fundamentals. Kodansha International, ISBN 4770027621
- Morihiro Saito: Takemusu Aikido. 5 Bände, published by Aiki News, 1994 - 1997
- Nobuyoshi Tamura: Aikido. ISBN 2950135501
Weblinks (ohne Dojos)
- http://www.aikido.de/
- http://www.aikidojournal.de/
- http://www.aikido-fellbach.de/Kinder - kindgerechte Aikido-Seiten in 7 Sprachen
Weiterführende Weblinks in englischer Sprache
- http://www.aikidofaq.com
- http://www.aikiweb.com
- http://www.stenudd.com/ - Literatur über "die friedliche Kampfkunst" zum herunterladen
- http://www.aikidojournal.com/
Kategorie:Kampfkunst (Japan)
Kategorie:Aikidō
ja:合気道
ms:Aikido
Japanisches Schriftsystem:Dieser Artikel enthält japanische Schriftzeichen. Möglicherweise muss eine spezielle [http://www.travelphrases.info/gallery/Fonts_Japanese.html Schriftart] installiert werden.
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Das Schriftsystem der modernen japanischen Sprache besteht aus den Kanji, die der chinesischen Schrift entstammen und als Logogramme meist den Wortstamm bilden, den Silbenschriften Hiragana (oft für grammatikalische Formen) und Katakana (hauptsächlich für Fremdwörter) und dem lateinischen Alphabet, das in Japan als Rōmaji bezeichnet wird. Diese Schriftarten haben unterschiedliche spezifische Funktionen und werden in Alltagstexten parallel verwendet.
Schreibweise und -richtung
Im Japanischen werden die Wörter gewöhnlich ohne Leerzeichen aneinandergereiht und am Zeilen- oder Spaltenende an beliebigen Stellen ohne Bindestrich getrennt (nur nicht direkt vor einem Satzzeichen). Die Zeichen werden in gedachte Quadrate geschrieben: Anders als z.B. in der lateinischen Schrift, wo ein „i“ viel schmaler ist als ein „m“, erhält in der japanischen Schrift jedes Zeichen (einschließlich Satzzeichen) gleich viel Platz, rund um schmalere oder kleinere Zeichen bleibt also etwas mehr Leerraum.
Im traditionellen Japanisch wird, wie auch im klassischen Chinesisch, von oben nach unten geschrieben, wobei die Spalten von rechts nach links aneinandergereiht werden. Diese Schreibrichtung findet heutzutage bei literarischen Texten und Manga Anwendung. Hieraus ergibt sich auch, dass japanische Bücher und andere mehrseitige Druckwerke auf der (nach westlichem Verständnis) „falschen“ Seite aufgeschlagen werden: sieht man auf die Titelseite, so liegt der Buchrücken rechts.
Bei Sachtexten und Texten, die viele Rōmaji enthalten, wird meist nach westlichem Vorbild in horizontalen Zeilen von links nach rechts geschrieben. Dies gilt auch für (waagerechte) Hinweisschilder.
In Zeitungen kommen abhängig vom jeweiligen Artikel beide Schreibrichtungen vor.
Schriftarten
Kanji
Zeitung
Zeitung
Kanji (漢字) bedeutet Han-Zeichen, wobei Han als Synonym für China bzw. Chinesen steht.
Die Kanji haben (im Gegensatz zu den Kana) eine eigenständige Bedeutung und werden auch als Logogramme bezeichnet, die wiederum in drei Gruppen aufgeteilt werden können: Piktogramme, Ideogramme und Phonogramme. Viele Kanji sind dabei aus mehreren (oft zwei) verkleinerten Zeichen zusammengesetzt. Diejenigen Ideogramme unter diesen Bestandteilen, die oft für die Kernbedeutung der jeweiligen Kanji stehen und nach denen sie in Kanji-Lexika geordnet werden, nennt man Radikale bzw. Bushu; das andere Element in zweiteiligen Zeichen bezeichnet oft die originale chinesische Aussprache. Die Lesung (Aussprache-Art) wurde dabei dem japanischen Lautsystem angepasst. In der Folge wurden auch eine relativ kleine Zahl eigener japanischer Kanji entwickelt, die sogenannten Landeszeichen oder Kokuji (国字), wie z. B. 働 (dō, dt. Arbeit), 辻 (tsuji, dt. Straße) und 峠 (tōge, dt. Bergpass).
Viele Kanji haben zwei oder noch mehr unterschiedliche Lesungen, die man in zwei Gruppen zusammenfassen kann:
- Die ON-yomi (音読み, wörtlich: Klang-Lesung) nennt man auch sino-japanische Lesung. Sie wurde aus dem Chinesischen abgeleitet (es handelt sich um eine ans Japanische angepasste Variante der originalen chinesischen Aussprache des Zeichens) und wird daher auch oft chinesische Lesung genannt. Die ON-yomi wird meistens (aber nicht immer) verwendet, wenn ein Zeichen zusammen mit anderen Kanji steht, um ein zusammengesetztes Wort zu ergeben. ON-yomi werden in Aussprachelisten (etwa in Lexika) meist mit Katakana oder mit lateinischen Großbuchstaben angegeben.
- Die kun-yomi (訓読み, wörtlich: Begriff-Lesung) heißt auch reinjapanische Lesung. Bei einer solchen Lesung handelt es sich i.d.R. um ein altjapanisches Wort (das also nicht aus dem Chinesischen stammt), für das das Schriftzeichen nur von seiner Bedeutung her übernommen wurde, aber nicht vom Klang her. Diese Lesung wird meistens (aber nicht immer) benutzt, wenn ein Kanji alleine steht und selbst ein ganzes Wort bildet. kun-yomi werden in Aussprachelisten meist mit Hiragana oder mit lateinischen Kleinbuchstaben wiedergegeben.
Fast alle Kanji, mit Ausnahme einiger weniger Kokuji, haben eine oder mehrere On-Lesungen, aber nicht alle haben Kun-Lesungen. Die oft mehreren verschiedenen On-Lesungen eines einzigen Zeichens entstanden dadurch, dass viele Zeichen mehrmals zu verschiedenen Zeiten aus verschiedenen Landesteilen Chinas übernommen wurden, und damit auch die verschiedenen Aussprachen des Zeichens in den unterschiedlichen chinesischen Sprachen. Welche der Lesungen jeweils zu verwenden ist, richtet sich nach der Kanji-Kombination, in der das Zeichen jeweils auftaucht.
Es heißt in japanischen Legenden, dass ein in Paekche (Baekje) wirkender chinesischer Gelehrter namens Wani (王仁, koreanisch Wang-In, chin. Wang-Ren) die chinesischen Schriftzeichen im späten 4. Jahrhundert nach Japan brachte, als er an den Hof des Yamato-Reiches eingeladen wurde, um den Konfuzianismus zu lehren, und dabei die chinesischen Bücher die Analekte des Konfuzius und den Tausend-Zeichen-Klassiker nach Japan brachte. Wani wird im Kojiki und im Nihon Shoki erwähnt. Ob Wani wirklich lebte oder nur eine fiktive Person ist, ist unklar, denn die heute bekannte Version vom Tausend-Zeichen-Klassiker ist zur Zeit der Regentschaft von Kaiser Liang Wu Di (502-549) entstanden.
Es wird von einigen Wissenschaftlern für möglich gehalten, dass bereits im 3. Jahrhundert chinesische Werke ihren Weg nach Japan fanden. Als gesichert gilt, dass spätestens ab dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Kanji in mehreren Wellen aus verschiedenen Teilen Chinas importiert wurden.
Heute nennt man die klassische Schreibweise der chinesischen Texte für Japan Kanbun.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anzahl der „für den Alltag gebräuchliche Schriftzeichen“ vom Bildungsministerium auf zuerst 1.850 und im Jahr 1981 auf 1.945 (Tōyō- bzw. Jōyō-Kanji) festgelegt, die auch in der Schule gelehrt werden. Amtliche Texte und viele Zeitungen beschränken sich auf diese Zeichen und geben alle anderen Begriffe in Kana wieder. Daneben gibt es weitere ca. 580 sogenannte Jinmeiyō Kanji, die nur für die Verwendung in japanischen Eigennamen offiziell sind.
Grundsätzlich entsprechen die Kanji den traditionellen chinesischen Langzeichen. Einige Zeichen wurden mit der Tōyō-Reform aber in einer ähnlichen Weise vereinfacht wie die Kurzzeichen bei der chinesischen Schriftreform von 1955.
Gebildete Japaner beherrschen nicht selten (zumindest passiv) über 5.000 Kanji, was vor allem zum Lesen von literarischen Texten notwendig ist. Insgesamt gibt es mehr als 50.000, in der Mehrzahl aber ungebräuchliche Kanji. In manchen Berufsfeldern, etwa Jura, Medizin oder buddhistischer Theologie, wird die Beherrschung von bis zu 1.000 weiteren Kanji, die in diesem Bereich eine Rolle spielen, vorausgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch um Fachbegriffe.
Japanische Texte für Erwachsene lassen sich bei Bedarf mit hoher Geschwindigkeit „querlesen“. Da der wesentliche Inhalt mit Kanji geschrieben wird und auch komplexe Begriffe mit nur wenigen Kanji dargestellt werden können, kann man durch Springen von Kanji zu Kanji unter Nichtbeachtung der anderen Zeichensysteme den Sinn eines Textes rasch erfassen. Andererseits kann man am Gesamtanteil und dem Schwierigkeitsgrad der Kanji eines Textes erkennen, für welche Alters- bzw. Bildungsgruppe er vorzugsweise geschrieben wurde.
Durch den starken chinesischen Einfluss auf Korea waren Kanji (kor. Hanja) traditionell auch in Korea gebräuchlich, seit der Kabo-Reform Ende des 19. Jh. sind diese aber weitgehend durch die Hangul-Zeichen ersetzt.
Insgesamt geht die Anzahl der verwendeten Kanji immer mehr zurück, was möglicherweise auch daran liegt, dass aufgrund der heute vorhandenen elektronischen Schreibhilfen japanischer Textverarbeitungssysteme die jüngeren Japaner sie zwar noch lesen, aber besonders die selteneren Kanji immer öfter nicht mehr handschriftlich schreiben können, so dass in zahlreichen Printmedien inzwischen über komplizierten Kanji die dazugehörigen Kana (Furigana) abgedruckt werden.
Kana
Höfische Dichter des 7. bis 8. Jahrhunderts begannen, die chinesischen Zeichen unabhängig von ihrer Bedeutung nur mehr als Lautzeichen zu verwenden, um bestimmte ästhetische Effekte für ihre Poesie zu erzielen.
Langsam kristallisierten sich dadurch jeweils ein oder wenige „Standardzeichen“ für jede mögliche japanische Silbe heraus. Diese Schreibart (Man'yōgana) war jedoch sehr aufwändig – für die oft vielsilbigen japanischen Wörter benötigte man jeweils mehrere komplizierte chinesische Zeichen.
Dies führte zur Bildung der so genannten Kana aus den Kanji. Sie sind Silbenalphabete, bei denen die einzelnen stark vereinfachten Zeichen keine eigenständige Bedeutung haben und nur Laute wiedergeben. Je nach Entstehungsgeschichte und Schreibstil unterscheidet man bei den Kana zwischen Hiragana und Katakana.
Siehe auch: Ableitungstafel der Kana-Zeichen
Hiragana
Ableitungstafel der Kana-Zeichen
Hiragana (ひらがな oder auch 平仮名) wurden im 9. Jahrhundert entwickelt und zuerst vor allem von adeligen Frauen verwendet, da für Frauen sowohl das Studium der chinesischen Sprache als auch das Erlernen der Kanji als unangemessen galt. Bei Hiragana handelt es sich um abgeschliffene Kursivformen der oben beschriebenen Man'yōgana, daher wirken sie relativ einfach geformt und abgerundet. Im Laufe der Jahre setzte sich jeweils ein einziges Zeichen für jede mögliche japanische Silbe durch. Dieses wurde in ein Alphabet eingeordnet, das man nach dem Vorbild der Siddham-Schrift des damaligen Sanskrit systematisch aufbaute, der einzigen alphabetischen Schrift, die durch den Buddhismus in Japan einigen Gelehrten bekannt war. Dieses Alphabet, die Fünfzig-Laute-Tafel, dient auch heute noch in Japan zur alphabetischen Anordnung, etwa in Wörterbüchern; in Kanji oder Katakana geschriebene Wörter werden dabei entsprechend ihrer Hiragana-Umschrift eingeordnet.
Japanische Kinder lesen und schreiben alles zuerst in Hiragana, bevor sie zum Lernen der Kanji übergehen (Beispiel: ひらがな bedeutet Hiragana in Hiragana geschrieben und 平仮名 bedeutet Hiragana in Kanji geschrieben). Bei Texten für Erwachsene werden Hiragana vor allem für Prä- und Suffixe, für grammatikalische Partikel (Okurigana) und für solche japanischen Wörter verwendet, für die es kein Kanji gibt oder für die das Kanji so selten ist, dass man es mit Rücksicht auf die Leser nicht benutzen möchte. Auch in Privatbriefen werden viele Hiragana verwendet, da es gegenüber dem Empfänger als unhöflich gilt, diesen durch die eigene Bildung beeindrucken zu wollen.
Bei Verwendung von wenig bekannten oder noch nicht gelernten Kanji (z. B. in Schulbüchern) wird die korrekte Aussprache in Form von kleinen Hiragana über (bei senkrechter Schreibweise rechts neben) das entsprechende Zeichen geschrieben. Solche Hiragana werden als Furigana (ふりがな) bezeichnet.
Katakana
Furigana
Katakana (カタカナ oder auch 片仮名) wurden von buddhistischen Mönchen, besonders der Shingon-Sekte, entwickelt und dienten zunächst als Lesehilfe für chinesische religiöse Texte sowie als eine Art Stenografie. Sie sind zumeist aus Einzelelementen komplizierter Kanji entstanden und fallen als besonders einfach geformt und eckig auf. Aufgrund ihres futuristischen Aussehens werden sie außerhalb Japans manchmal für Design-Effekte oder sogar für Sciencefiction-Filme verwendet (z. B. bestehen die grünen Zeichenkaskaden, die in den drei US-Filmen der Matrix-Trilogie über den Bildschirm laufen, neben Ziffern auch aus spiegelverkehrten Katakana).
Heute werden Katakana meistens für Lehnwörter aus anderen Sprachen verwendet, für die es keine chinesischen Schriftzeichen gibt (hauptsächlich aus dem Englischen, Deutschen und Portugiesischen, aber auch aus allen anderen Sprachen außer Chinesisch und Koreanisch). Dabei wird das fremdsprachige Wort anhand der Aussprache umgesetzt, nicht anhand der originalgetreueren Schriftübertragung. Ein Beispiel: Internet wird in Katakana インターネット, also i-n-ta-(Verlängerungszeichen)-ne-(Verschärfungszeichen)-to geschrieben und somit intaanetto ausgesprochen.
Daneben dienen Katakana der Hervorhebung, ähnlich den Kursiven im Deutschen.
Verweis: Gairaigo
Rōmaji
Gairaigo
Bei den Rōmaji (ローマ字, römische/lateinische Zeichen) handelt es sich um das lateinische Alphabet.
Die lateinischen Schriftzeichen kamen hauptsächlich durch portugiesische Jesuiten-Missionare nach Japan, die bereits kurz nach der Landung der ersten Europäer im Jahr 1544 nach Japan reisten um das „Wort Gottes“ zu verbreiten. 1590 wurde die erste Druckpresse von Portugal nach Japan gebracht. Diese und weitere eingeführte Pressen brachten 20 Jahre die kirishitanban (Christen-Drucke) hervor, die in Latein, Portugiesisch oder romanisiertem Japanisch verfasst waren.
Danach verschwanden die Rōmaji aufgrund des politischen Klimas fast vollständig aus Japan und gewannen erst wieder nach der Öffnung des Landes an Bedeutung. Der US-amerikanische Arzt und Missionar Dr. James Curtis Hepburn verfasste 1867 das erste Japanisch-Englische Wörterbuch, das wa eigo rin shūsei (和英語林集成), und entwickelte dafür ein lateinisches Transkriptionssystem, das nach ihm benannte Hepburn-System.
Rōmaji werden heute zu Marketing-Zwecken benutzt, weil in Rōmaji geschriebenes Japanisch besonders modern und international wirken soll, und zur Umschrift von japanischen Schildern verwendet, damit sich Ausländer besser zurechtfinden. Da alle Schüler in Japan Englisch lernen, lernen auch alle Rōmaji. Es gibt drei anerkannte Transkriptionssysteme von japanischen Schriftsätzen nach Rōmaji: Neben dem Hepburn-System gibt es noch das Nippon-System sowie das Kunrei-System. Das Nippon-System ist eine modifizierte Form des Hepburn-Systems und nach ISO 3602 Strict standardisiert. Das Kunrei-System ist wiederum eine modifizierte Form des Nippon-Systems und nach ISO 3602 standardisiert.
Daneben gibt es noch einige andere Transkriptionssysteme, die geringere Bedeutung haben, wie z.B. JSL. Da die sich i.d.R. von einem der anerkannten Systeme ableiten, können diese ohne große Probleme von Kundigen eines anderen Systems gelesen werden.
Unterschiede zwischen den japanischen Romanisierungssystemen
Rōmaji sind für Japaner mittlerweile zur Standardmethode für Computer-Eingaben geworden, da in Japan fast alle Computer englische Tastaturen haben. Um auf einem japanischen Computer japanisch zu schreiben, buchstabiert man die einzelnen Silben gewöhnlich in Rōmaji, die auf dem Bildschirm zunächst als Kana erscheinen. Sobald genügend Silben eingegeben sind, bietet der Computer eine Liste mit möglichen Kanji bzw. Kanji-Kombinationen an, aus der man den richtigen Begriff auswählen kann. Nach der Bestätigung werden die Silben durch den ausgewählten Begriff ersetzt.
Fünfzig-Laute-Tafel
Die alphabetische Reihenfolge der Silben, wie sie etwa in japanischen Telefonbüchern oder Lexika benutzt wird, folgt den Zeilen einer Tabelle, die auf japanisch 五十音 gojūon (Fünfzig-Laute-Tafel) genannt wird.
Es gibt sowohl bei Hiragana als auch bei Katakana nicht genau 50, sondern je 46 Grund-Kana (gerade Laute). Bis 1945 waren es je 48; zwei wurden abgeschafft (ゐ und ゑ bzw. ヰ und ヱ), da das w davor nicht mehr artikuliert wird und sie deshalb genau wie die Vokale i und e (い und え bzw. イ und エ) klingen.
Die seit 1945 nicht mehr üblichen Zeichen sind in der folgenden Tabelle in runde Klammern gesetzt. Die eingeklammerten (w) zeigen an, dass dort früher ein (englisches) w gesprochen wurde, im heutigen Japanisch aber nicht mehr.
50-Laute-Tafel (gerade Laute)
Diakritika
Etwa seit 1945 werden zwei Akzentzeichen und kleinere angehängte Vokalbuchstaben systematisch verwendet, vorher nur in Zweifelsfällen und nach Laune des Schreibers. Bei alphabetischer Anordnung werden sie den entsprechenden unakzentuierten Zeichen beigeordnet.
Stimmhaftigkeit / Trübung
Einige Kana können durch Hinzufügen zweier kleiner Striche (゛, ten ten, dakuten oder nigori) oder eines kleinen Kreises (゜, handakuten oder maru) in der Aussprache verändert werden, um weitere Silben zu erhalten. Nigori macht den Laut stimmhaft oder „getrübt“, Maru halbstimmhaft. So wird aus einem k ein g (z.B. in „Hiragana“), aus s z (englische Aussprache), aus t d und aus h/f erst p und schließlich b. (Beispiel: ふ = フ = hu/fu, ぷ = プ = pu, ぶ = ブ = bu.)
Getrübte und halbgetrübte Laute
Ligatur / Brechung
Bei den sogenannten gebrochenen Lauten (yō·on) folgt auf eine auf i auslautende Silbe (i·kō, zweite Spalte) eine (verkleinerte) mit y beginnende (ya·dan, achte Zeile). Zusammen bilden sie eine gemeinsame Silbe, so dass entweder nur ein einziger j-Laut gesprochen wird oder dieser ganz entfällt: aus pi und kleinem yu (ぴゅ / ピュ) wird pyu, ein s(h)i gefolgt von kleinem yo (しょ / ショ) würde ein Deutscher „scho“ schreiben.
Katakana bietet darüberhinaus weitere Möglichkeiten für Fremdwörter, im Japanischen nicht vorkommende Silben abzubilden, indem auch Silben auf andere Vokale mit kleinen Versionen der Vokale (ァ, ィ, ゥ, ェ, ォ) kombiniert werden. Die 1945 weggefallenen ヰ (wi) und ヱ (we) können so bspw. durch ウ (u) plus Vokal ersetzt werden (ウィ und ウェ), wenn die Laute in einer anderen Sprache vorkommen; außerdem hat ウォ im Gegensatz zu ヲ das double-u. Mit Nigori wird aus dem Vokal endgültig eine Konsonantensilbe: ヴ = vu (dt. wu), die wiederum mit den anderen Vokalen kombiniert werden kann, z.B. ヴィ = vi. Aus su und zu (ス, ズ) plus i wird si und zi. Sche/she/še, –/je/že und tsche/che/če werden aus den Silben auf i (シ = s(h)i, ジ = z(h)i/ji, チ = ti/chi) mit kleinem e (ェ) gebildet. Bei t und d werden einerseits die Silben auf e (テ, デ) mit kleinem i zu ti bzw. di verbunden, andererseits die auf o (ト, ド) mit kleinem u (ゥ) zu tu und du. Die Silben ツ (tsu, dt. zu) und フ (fu/hu) können schließlich mit a, i, e und o kombiniert werden, so dass das u wegfällt. Letztere kann außerdem auch vom kleinen yu gefolgt werden: フュ (fyu).
Iroha-jun
Neben der Fünfzig-Laute-Tafel wird zur Festlegung einer Reihenfolge gelegentlich noch die iroha-jun (いろは順) verwendet. Sie ist ein aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts stammendes „Alphabet“ in Form eines Liedes, in dem jede mögliche Silbe genau einmal vorkommt (伊呂波歌 iroha-uta):
Die angegebenen Katakana geben dabei die damalige Originalaussprache wieder, im heutigen Japanisch klingen einige der Wörter etwas anders. Das Zeichen n fehlt, da es erst vor relativ kurzer Zeit als eigenständiges Zeichen eingeführt wurde; früher schrieb man für ein gesprochenes n als Behelf mu, was auch in diesem Gedicht der Fall ist. Dafür finden sich aber die beiden nach 1945 abgeschafften Zeichen.
Das Lied ist eine freie, poetisierte japanische Übertragung der folgenden chinesischen Passage des mahayana-buddhistischen Textes Daihatsunehangyō (大般涅槃経; Sutra des Nirvana): 諸行無常 / 是正滅法 / 生滅滅己 / 寂滅為楽 (Chinesisch mit japanischer Aussprache, wie die heiligen Texte im japanischen Buddhismus gewöhnlich gelesen werden: Shogyōmujō / Zeshōmeppō / Shōmetsumetsuï / Jakumetsuïraku)
Reformgedanken
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das japanische Schriftsystem zu dem wohl kompliziertesten Schriftsystem der Welt entwickelt. Vielen Kanji können mehr als fünf verschiedene Lesungen entsprechen, wobei auch zehn verschiedene keine Seltenheit sind. Umgekehrt kann ein gesprochenes Wort, ohne dass es hierfür allgemeine Regeln gäbe, sowohl mit verschiedenen Kanji als auch mit verschiedenen Okurigana-Varianten (Kana für die „Endungen“ eines Wortes) geschrieben werden. Schließlich gibt es noch Wörter, die rebusartig aus verschiedenen Kanji zusammengesetzt werden können: Zum Beispiel wurde das aus dem Portugiesischen übernommene Wort tabako (Zigarette, Tabak) mit den Kanji für Rauch und Gras wiedergegeben, aber nicht so ausgesprochen, wie diese Kanji normalerweise gelesen werden. Diese Entwicklung erreichte in der Meiji-Zeit ihren Höhepunkt, wobei es damals verbreiteter war als heutzutage, den Kanji Furigana (kleine Kana neben oder über den Kanji zur Ausspracheanleitung) beizufügen.
Seit der Meiji-Ära hat es in Japan daher mehrmals Überlegungen gegeben, die japanische Schrift radikal zu reformieren. Die Vorschläge reichen von einer Beschränkung auf die Silbenschriften (wie z. B. im Koreanischen) mit weitgehendem Verzicht auf Kanji bis zu einer vollständigen Umstellung auf die lateinische Schrift (ähnlich wie es z. B. im Türkischen geschehen ist).
Dies scheiterte bisher jedoch an zahlreichen Faktoren:
- Anders als die Türkei, wo Analphabetismus bis zum Ende des Osmanischen Reiches der Normalfall war und die Lateinschrift für die meisten Türken ihre erste erlernte Schrift war, hat Japan seit mehreren Jahrhunderten eine weitreichende Alphabetisierung (es war im 19. Jahrhundert sogar eine Zeitlang das am stärksten alphabetisierte Land der Welt).
- Die japanische Sprache hat ungewöhnlich viele Homonyme, die sich in Lateinschrift oder in Kana nicht mehr unterscheiden lassen würden. Die japanische Sprache ist mit nur etwa 105 Silben relativ „arm“ an Lauten. Das kommt vor allem daher, dass Japanisch anders als Chinesisch keine Tonsprache ist und keine Triphthonge und viel weniger Diphthonge hat als das Chinesische. Aus dem Chinesischen übernommene Wörter, die sich im Original durch Di- oder Triphthonge oder durch die Tonhöhe unterscheiden lassen, klingen im Japanischen oft völlig gleich, werden aber im Schriftbild durch verschiedene Kanji auseinandergehalten. Oftmals ist deswegen im Japanischen der Kontext eines Wortes wichtig um dessen Bedeutung zu bestimmen. (In Gesprächen kommt es deshalb nicht selten vor, dass bei einem fraglichen Wort das richtige Kanji dazu mit dem Finger auf die Handfläche „gemalt“ wird, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.)
- Die großen Bibliotheken und die Jahrtausende alte umfangreiche Schriftkultur wären nur noch wenigen Gelehrten zugänglich.
- Beim Schreiben nur mit Kana würde ein Text länger werden und die Möglichkeit zum schnellen Querlesen verschwinden.
- Die vorhandenen Kanji-Kenntnisse ermöglichen den Japanern das leichte Erlernen der in Ostasien immer wichtiger werdenden chinesischen Sprache.
- Auch manche Eigenheiten der japanischen Kultur gingen dann verloren. So gibt es etwa für viele Vornamen mehrere verschiedene Schreibweisen, aus denen die Eltern nach ästhetischen Überlegungen eine auswählen: Beispielsweise kann der japanische Vorname Akira in Hiragana als あきら, in Katakana als アキラ und in Kanji u. a. als 明, 光, 旭, 玲, 日明, 彰, 晶, 彬, 明朗, 晄, 徴 oder 亜喜良 geschrieben werden.
Im Jahr 1945 wurden im Zuge einer Schriftreform die Anzahl der „Alltags-Kanji“ auf ca. 2.000 reduziert, die Zahl der Lesungen eines Kanji deutlich verringert und neue Regeln für die Verwendung von Hiragana, Katakana, Okurigana und Furigana aufgestellt. Dennoch bleibt das Lesen der japanischen Schrift komplizierter als das Lesen einer alphabetischen Schrift.
Das Lehren der Schriftarten an japanischen Schulen
Siehe Schule in Japan
Literatur
- Harald Suppanschitsch und Jürgen Stalph: Japanische Sprache und Schrift. IUDICIUM, München 2001, ISBN 3-89129-399-2
- Christopher Seeley: A History of Writing in Japan.
- Brill Academic Publishers, Leiden 1991, ISBN 90-04-09081-9 (Gebundene Ausgabe)
- University of Hawaii Press, Honolulu 2000, ISBN 0-8248-2217-X (Taschenbuch)
- Wolfgang Hadamitzky und Mark Spahn: Langenscheidts Großwörterbuch Japanisch - Deutsch (Zeichenwörterbuch). Langenscheidt, München 1997, ISBN 3-468-02190-9
- Volker Grassmuck: Die japanische Schrift und ihre Digitalisierung. In: Winfried Nöth und Karin Wenz (Hrsg.), Intervalle 2: Medientheorie und digitale Medien. Kassel University Press, Kassel 1999, ISBN 3-933146-05-4 – [http://waste.informatik.hu-berlin.de/Grassmuck/Texts/jp-schrift.html (Kapitel auch online)]
Weblinks
- [http://www.japanische-sprache.de/schrift.html Weitere Informationen zur japanischen Schrift und Sprache]
- http://www.nihongo4u.de
- [http://www.csse.monash.edu.au/~jwb/wwwjdic.html Japanese-English Dictionary Server]
Computerprogramme
- [http://www.physics.ucla.edu/~grosenth/jwpce.html JWPce (Freeware, GPL). Spezielle Textverarbeitung für Japanisch, inkl. Wörterbuch]
- [http://members.aol.com/JapAlpha/private/japa10.htm JapAlpha (Freeware) zum Erlernen der phonetischen Buchstaben]
- [http://www.theiling.de/schrift/#kanatop Hiragana und Katakana online lernen]
- [http://moji.mozdev.org/ Moji] ist eine Erweiterung für Mozilla Firefox mit der man Worte und Kanji nachschauen kann. Wörterbücher sind für Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Chinesisch-Englisch verfügbar. (Freeware, GPL)
- [http://www.kanji.de KanjiQuick Wörterbuch Kanji-Deutsch, Deutsch-Kanji mit Übersetzungs- und TTS- (Text To Speech) Modul]
- [http://web.uvic.ca/kanji-gold/ Kanji Gold (Freeware) zum Erlernen der Kanji]
- [http://www.physics.ucla.edu/~grosenth/jfc.html JFC (Freeware, GPL) zum Erlernen der Kanji] ([http://jfcmac.sourceforge.net/ Auch für Mac OS X])
- [http://www.steffen.jp/cambrium.htm Multiple-Choice-Kanji-Lernprogramm (online)]
- Mozilla Firefox [http://en.wikibooks.org/wiki/Japanese:Software Längere Liste an weiteren Computerprogrammen auf der englischen Wikibooks-Seite]
Kategorie:Kultur (Japan)
ja:日本語の表記体系
Morihei UeshibaMorihei Ueshiba (jap. 植芝盛平 Ueshiba Morihei; 14. Dezember 1883 in der Präfektur Wakayama, † 26. April 1969) war der Begründer der modernen japanischen Kampfkunst Aikidō.
Von Aikidōka wird er häufig Ō Sensei (翁先生) genannt, was soviel wie Altmeister bzw. altehrwürdiger Lehrer bedeutet. Dieser Titel wurde allerdings vor allem im gesprochenen Japanisch verwendet. Dadurch kam es zu einer anderen Interpretation von Ō sensei als 大先生, also großer Meister, die heute im Westen vorherrschend ist und teilweise auch in Japan Verwendung findet.
Er war das vierte Kind und ältester Sohn einer wohlhabenden Famlilie. Der Vater Yoroku Ueshiba war ein angesehender Bauer und seine Mutter Yuki Itokawa stammte aus einer adligen, landbesitzenden Familie.
Mit ungefähr sieben Jahren studierte Morihei Ueshiba auf Geheiß seines Vaters konfuzianische Klassiker und buddhistische Schriften. Aufgrund wiederkehrender Träume unterwies Ueshibas beunruhigter Vater ihn dann in Sumo und Schwimmen.
Ueshiba absolvierte die höhere Grundschule in Tanabe und ging anschließend im Alter von sieben Jahren auf die Mittelschule, die er allerdings nicht lange besuchte und sich stattdessen entschloss, sein Studium auf der Handelsschule von Yoshida neu aufzunehmen.
1902 schied er aus der lokalen Steuerbehörde aus, bei der er seinen Dienst während seines Schulbesuchs aufnahm, und ging nach Tōkyō, wo er als Händler ein Geschäft für Schreibwaren und Schulbedarf im Handelsviertel von Nihombashi betrieb. Zur selben Zeit begann er mit dem Kampfstudium des traditionellem Jūjutsu und Kenjutsu; wegen einer Beriberi-Erkrankung musste er dies jedoch abbrechen und nach Tanabe zurückkehren. Dort heiratete er sehr bald Hatsu Itokawa ( - 1881). 1903 trat Morihei Ueshiba als Freiwilliger der Armee in Ōsaka bei und nahm wenige Jahre später am russisch-japanischen Krieg teil. Nachdem er wegen seiner Tapferkeit und seinem Mut auf dem Schlachtfeld zum Feldwebel befördert wurde, schickte man Ueshiba auf Heimaturlaub. Diesen nutzte er, um im Nakai Masakatsu Dōjō den Gotō-Stil des Yagyū-ryū Jūjutsu zu erlernen.
1907 entließ ihn die Armee. Er kehrte nach Tanabe zurück, wo er auf dem Hof der Familie Ueshiba arbeitete. Zeitgleich engagierte Yoroku Ueshiba den Jūdōka Kiyo'ichi Takagi, um Morihei in der eigens zum Dōjō umgebauten Scheune unterrichten zu lassen.
1912 nahm Morihei Ueshiba an einem Programm der Regierung Teil und siedelte mit weiteren Mitstreitern auf den nördlichen Teil der Insel Hokkaidō um. Ueshiba setzte sich neben seiner Betätigung als Landwirt in den kommenden Jahren für die sozialen Lebensumstände wie verbesserte Wohnbedingungen und die Bildung einer Grundschule in der Siedlung ein. Während dieser Zeit lernte er den Daitō-ryū-Meister Sōkaku Takeda kennen, bei dem er nach intensivem Training sein Daitō-ryū Aiki-Jūjutsu-Diplom erlangte.
Morihei Ueshiba pflegte Freundschaft zu Ōnisaburō Deguchi, dem Gründer der religiösen Ōmoto-kyō-Sekte. Besonders nach dem Tod seines Vaters am 2. Januar 1920 ließ er sich von Deguchi auf der Suche nach spirituellem Leben leiten. Ueshiba zog zu Deguchi nach Ayabe, wo Deguchi ihn beim Bau eines Dōjōs unterstützte, das als Ursprung für die Ueshiba-Akademie dienen sollte. Zuerst unterrichtete Ueshiba nur die Anhänger der Ōmoto-kyō-Sekte. Nach einiger Zeit sprach sich herum, dass ein außerordentlicher Budō-Meister in Ayabe unterrichte. Somit schrieben sich immer mehr Leute, die nicht der Sekte angehörten, in der Akademie ein.
Ungefähr 1921 nach dem ersten Ōmoto-Vorfall, bei dem Deguchi und weitere Sekten-Anhänger festgenommen wurden, begann Ueshiba seine Übungen mehr spirituell zu gestalten. Er wich immer mehr vom klassischem Stil des Yagyu-ryū und Daitō-ryū ab und entwickelte auf der Basis bewährter Prinzipien seinen eigenen Stil. Offiziell nannte er diesen Stil Aiki-Bujutsu. In der Bevölkerung war er aber als Ueshiba-ryū Aiki-Bujutsu bekannt.
Von dem Zeitpunkt an verfeinerte Morihei Ueshiba seine Kampfkunst bis zu seinem Tode. Die spirituelle Entwicklung trat dabei immer mehr in den Vordergrund und wirkte sich auch auf die Techniken aus, was nicht zuletzt auf diverse einschneidende Erlebnisse zurückzuführen ist. So änderte er etwa um 1925 den Namen von Aiki-Bujutsu in Aiki-Budō, da das Dō auf in der Kampfkunst enthaltenen philosophischen Prinzipien hinweist. Um 1941 fand der Namen Aikidō erstmals Erwähnung.
Nach seinem letzten Kriegseinsatz in der Mandschurei entwickelte sich Morihei Ueshiba zu einem sehr friedfertigen Menschen. Eine Haltung, die auch in die Philosophie des Aikidō einfloss. 1961 besuchte Morihei Ueshiba auf Einladung Hawaii und sagte, dass er nach Hawaii gekommen sei, um eine „silberne Brücke” zu bauen. Er sähe die im Aikidō enthaltene Harmonie und Liebe als ein Mittel, die Menschen der Welt zu vereinen.
Jahreszahlen
- 1883 geboren in Tanabe
- ca.1890 Studium konfuzianischer Klassiker und buddhistischer Schriften
- 1902 beginnt Jūjutsu- und Kenjutsu-Kampfkunststudium in Tōkyō. Heiratet Hatsu Itokawa ( - 1881)
- 1903 Eintritt in die japanische Armee und Einsatz im russisch-japanischem Krieg. Vertiefung verschiedener Jūjutsu-Stile
- 1907 Entlassung aus der Armee und Rückkehr nach Tanabe. Unterricht durch den Jūdoka Kiyo'ichi Takagi.
- 1912 Umsiedlung nach Hokkaido. Erlangt während der Zeit sein Diplom beim Jūjutsu-Meister des Daitō-ryū Sōkaku Takeda.
- 1920 lässt sich vom Sektengründer Ōnisaburō Deguchi spirituell unterweisen/leiten. Zieht nach Ayabe und erbaut ein Dojo, in dem er Jujutsu unterrichtet. Sieht selbst den Ackerbau und Budo als Einheit an.
- 1922 nennt seine Kampfkunst erstmals Aiki-Bujutsu.
- 1924 Aufbruch in die Mandschurei und Mongolei. Anführung der mongolischen Unabhängigkeitsarmee. Drohende Exekution durch China. Begnadigung durch Einschreiten des japanischen Konsulats.
- 1925 berichtet Morihei Ueshiba über seine persönliche Erleuchtung. Unterrichtet den Kronprinzen in Tōkyō
- 1927 Umzug nach Tōkyō um seinen Ruf als Budō-Lehrer auszubauen.
- 1930 Gründung des heutigen Hombu-Dōjō in Tōkyō
- 1932 Gründung der Gesellschaft zur Förderung Japanischer Kampfkünste
- 1933 wurde Ueshiba der Präsident der Gesellschaft zur Förderung Japanischer Kampfkünste
- 1939 öffentliche Kampfkunst-Vorführung, bei der Ueshiba seinen Gegner mit einem Finger auf dem Boden hielt.
- ca.1941 erste Erwähnung des Begriffs Aikidō
- 1944 Fertigstellung der Bauarbeiten am Aiki-Schrein in Iwama
- 1950 reist Ueshiba durch ganz Japan um Aikidō zu unterrichten.
- 1961 Besuch in Hawaii
- 1969 verstorben und beigesetzt in Tanabe
Weblinks
Literatur
- Morihei Ueshiba: Budo. ISBN 3921508576
- John Stevens: Unendlicher Friede. Die Biographie des Aikido-Gründers Morihei Ueshiba. Kristkeitz, Heidelberg 1995 ISBN 3-921508-89-4
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
ja:植芝盛平
BudōBudō (jap. 武道, dt. Militär-Weg, Kriegskunst) ist der Oberbegriff für alle traditionellen japanischen Kampfkünste, die – im Gegensatz zu Bujutsu – außer der Kampftechnik noch eine „innere” Lehre oder auch Philosophie beinhalten.
Das sino-japanische Kanji Bu (武) entspricht dem alt-japanischen Takeshi und bedeutet Militär oder kriegerisch; das Kanji Dō (道) hat die Semantik des Wortes "Weg".
Während Bujutsu der Oberbegriff der reinen Kampftechniklehre ist, die die Effizienz nach außen als Priorität hat, ist das Budō eine auf das Innere des Übenden abzielende Tätigkeit. Wie in vielen japanischen Künsten liegt im Budō der Sinn eher im „Tun” als im Ergebnis; es ist ein Prozess, dessen Ergebnis offen und oft auch nebensächlich ist.
Die Begriffe „Budō” und „Bushidō” (Weg des Kriegers) haben auch noch eine übertragene Bedeutung: als Methode zur Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle.
Anekdote
Als der berühmte Kämpfer Tsukahara Bokuden alt war, rief er seine drei Söhne zu sich, um zu prüfen, welcher von ihnen seine Nachfolge antreten sollte und legte einen Schemel über die Eingangstür zu seinem Raum so, dass er bei Berührung der Tür herunterfallen musste.
Der älteste Sohn näherte sich der Tür, griff nach oben, nahm den Schemel herunter und stellte ihn an seinen Platz.
Der zweite Sohn öffnete die Tür, sah den Schemel fallen, fing ihn auf und stellte ihn ebenfalls an seinen Platz.
Der dritte Sohn stürmte zur Tür herein, der Schemel fiel herunter, doch rasch zog er sein Schwert und spaltete ihn, noch ehe der Schemel zu Boden gefallen war. Als er selbstgefällig lächelte, sprach der Vater jedoch:
:«Du bist ein Unglück für die Kunst des Budo und eine Schande für die ganze Familie. Die Haltung ist wichtiger als die Technik. Verlass mein Haus und komm erst zurück, wenn du das verstanden hast.»
Zu seinem zweiten Sohn sagte Bokuden:
:«Du musst weiter üben, bis du einen Geist entwickelst, der dich selbst und andere vor Unglück bewahren kann.»
Zum ältesten Sohn aber sagte Bokuden:
:«Nun kann ich in Frieden abtreten, denn du hast verstanden, was in den Kampfkünsten von Bedeutung ist.»
Siehe auch
- Portal:Budō - Bushido
Kategorie:Kampfkunst (Japan)
Kategorie:Wegkunst
Kategorie:Samurai
ja:武道
DaitoryuDaitō-Ryū (jap. 大东流, Daitōryū; auch Daitō-Ryū Aiki-jutsu, 大东流合气術) ist eine traditionelle, dem Jiu-Jitsu verwandte, waffenlose Kampfkunst, welche auf die Familie des japanischen Kaisers Seiwa zurückgeführt wird. Ein General des Kaisers (Yoshimitsu) entwickelte die Kunst zu hoher Effektivität weiter und gab ihr den Namen Daito-Ryu nach seinem Wohnsitz. Die Kunst wurde nur innerhalb des Takeda-Zweiges (des Minamoto-Clans) als Familiengeheimnis weitergegeben. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Daito-Ryu durch Sokaku Takeda auch öffentlich unterrichtet.
Yukiyoshi Sagawa (1902 - 1998) war einer der ersten Schüler von Sokaku und galt wohl als bekanntester Daito-Ryu-Meister im 20. Jahrhundert. Kodo Horikawa (1895 - 1980) und Takuma Hisa (1896 - 1980) waren zwei weitere Schüler von Sokaku Takeda. Sokakus zweiter Sohn, Tokimune Takeda (1916 - 1993) gründete 1953 in Abashiri (auf Hokkaidō) das Daito-Ryu Aiki Budō Hauptquartier mit einer umfangreichen Bibliothek. Tokimunes Schüler Katsuyuki Kondo ( - 1945) propagiert heute Daito-Ryu v. a. in Tōkyō.
Der prominenteste Schüler von Sokaku war Morihei Ueshiba (1883 - 1969), der Begründer des Aikidō. Dieser trainierte unter Sokaku von 1915 bis 1922, als er selbst eine Lizenz zum unterrichten von Daito-Ryu erhielt. Ueshiba passte die Techniken des Daito-Ryu in Verbindung mit seinen Kenntnissen der Schwertkunst an und entwickelte daraus zunächst sein eigenes Aikijutsu und schließlich (durch Erweiterung um eine spirituelle Dimension) das Aikido.
Daito-Ryu wird heute von einer vergleichsweise kleinen Gemeinschaft (vor allem in Japan) weiter unterrichtet.
Weblinks
- [http://www.daito-ryu.org/ daito-ryu.org]
- [http://www.niagara.com/~zain/ Daito Ryu Aiki Bujutsu]
Kategorie:Kampfsport
HebelDer Ausdruck Hebel bezeichnet:
- den mechanischen Hebel, eine einfache Maschine im Sinne der Mechanik. Der einfachste denkbare Hebel wird auch zweiarmiger Hebel genannt (z.B. ein Spaten), siehe Hebelgesetz.
- den Schalthebel oder Fußhebel, z.B. an einer Maschine oder in einem Fahrzeug,
- den Hebel als Kampftechnik im Kampfsport, siehe Hebel (Kampftechnik),
- ein Begriff an der Börse in Zusammenhang mit sogenannten Hebelprodukten, siehe Hebel (Börse).
- den Hebel als beliebtes Extraktionsinstrument in der Zahnmedizin.
Personen namens Hebel:
- Johann Peter Hebel, deutscher Dichter
- Friedrich Hebbel, deutscher Dramatiker
KampfkunstAls Kampfkunst bezeichnet man jedes System, das Fertigkeiten und Techniken der körperlichen Auseinandersetzung mit einem Gegner formalisiert. Dabei kann es sich um Regelwerke oder Unterrichtssysteme handeln.
Entwicklung und Motive der Kampfkunstausübung
Traditionelle Kampfkünste sind oft mit dem Ziel entwickelt worden, die Ausübenden für militärische Kampfeinsätze vorzubereiten. Daher werden in vielen tradtionellen Kampfkünsten Waffen und auch waffenlose Disziplienen gelehrt. Z.B ist auch der Umgang mit höher entwickelten Waffen in bestimmten Traditionen stark formalisiert worden (zum Beispiel im japanischen Kyūjutsu, Kenjutsu). In allen Kampfkünsten - nicht zu verwechseln mit Kampfsportarten - wird großes Gewicht auf die charakterliche Entwicklung des Praktizierenden gelegt. Dabei entwickeln sie sich nur von der Einübung echter Gewaltanwendung weg, hin zu rituellen Praktiken, die auch der Selbstvervollkommnung dienen.
Moderne Kampfkünste, sowie moderne Interpretationen der traditionellen Lehren, werden vor allem mit dem Ziel der körperlichen Ertüchtigung ausgeübt sowie der Selbstverteidigung. Teils steht hier auch der Sieg im Wettkampf als Endziel im Vordergrund. Hier ergibt sich ein unscharfer Übergang zum Begriff des Kampfsports, zu dessen Hauptmotiven der individuelle Sieg in Wettkämpfen,Turnieren gehört.
Hierin liegt das Hauptunterscheidungmerkmal zwischen Kampfsport und Kampfkunst: Im ersteren Fall Ausübung zur Ertüchtigung,Wettkampfteilnahme und Selbstverteidigung, im letzteren Entwicklung einer reineren, höheren Persönlichkeit sowie Selbstverteidigung(siehe auch Bushido).
Begriffsherkunft
Das Begriffselement Kampf kann je nach Tradition und Motiv jede der Bedeutungen annehmen, die mit dem Stammwort verbunden sind (siehe Kampf). Kunst ist als Können, Fertigkeit zu verstehen (im Gegensatz zu ästhetischem Schaffen; siehe Kunst). Daher erscheint der Begriff Kampfkunst als adäquate Übersetzung des lateinischen Begriffs 'Ars Martialis' (die Kunst des Mars, der bei den Römern der Kriegsgott war). Dieser Begriff hat in wenig abgewandelter Form Einzug in viele Neusprachen gehalten ('Martial Arts' (engl.), 'Arts Martiaux' (franz.), 'Artes marciales' (span.) oder 'Arti Di Martial' (ital.)).
Kampfkünste nach kultureller/geographischer Herkunft
Kampfkünste haben sich überall dort entwickelt, wo Menschen Auseinandersetzungen mit anderen Menschen hatten. Die ältesten Traditionen finden sich in Süd-, Südost- und Ostasien. Die von dort stammenden Kampfkünste sind besonders stark ritualisiert und mit philosophischem und religiösem Denken und Handeln verbunden. Dies steht im Zusammenhang mit einer in diesen Teilen der Welt dominierenden introspektiven Weltsicht.
In der westlichen Kultur richtete sich die Aufmerksamkeit des Menschen seit Alters her stärker auf die Außenwelt und das Machbare. So ist zu erklären, dass in Europa zwar hochentwickelte Waffen (insbesondere Schusswaffen), aber keine vergleichbare Kampfkunsttradition entstanden.
In Europa wurde der Kampf im Krieg als Waffenhandwerk oder als Kampfringen bezeichnet
Am ehesten können die drei olympischen Disziplinen Boxen, Ringen und Pankration im antiken Griechenland, sowie die Ritterorden des Mittelalters mit ihren Ehrenkodizes als entsprechende Ansätze gewertet werden.
- Brasilien: Capoeira, Brazilian Jiu-Jitsu, Luta Live, Vale Tudo
- Chile: Cai-Ten
- Deutschland: Esdo, MilNaKaDo, Ju-Jutsu, IFCM, Taekido, Weapon Defense System, Wing Tsun, Modern Self Defence
- England: Boxen, Fechten, Corno-breton, Defendu
- Finnland: MilFight
- Frankreich: Savate
- Griechenland: Ringen, Pankration
- Norwegen: Stav
- Polen: Combat 56
- Portugal: Jogo do pau
- Russland: Sambo, Systema
- Spanien: Zipota
- USA: Kickboxen, American Kenpo, Jeet Kune Do
- China: Wu Shu oder Wushu (der chinesische Begriff für Kampfkunst), Guoshu(Kuoshu) Xingyiquan, Kung Fu(Gong Fu), Wing Chun, Baguazhang, Tong Bei Chuan, Liu He Ba Fa Chuan (Wasserboxen), Lan Shou, Nord/Süd Shaolin, Taijiquan (Tai Chi, T'ai-Chi-Ch'uan), TaijiDao, Shuai Jiao (chinesisches Ringen) usw.
- Tibet: Tescao,Simhanada Vajramukti/Lama Pai (Lions Roar)
- Korea: Hwarang-do, Taekwondo, Tang Soo Do, Taekkyon, Subak (Sub-Yop-Chigi), Hapkido, Geomdo, Kyeoktooki,Kuksoolwon
- Japan: Aikido, Aikijutsu, Iaido/Iaijutsu, Jodo, Jūdō, Jiu-Jitsu/Ju-Jutsu, Jukendo/Jukenjutsu, Kendo/Kenjutsu, Kobudo, Kyudo/Kyujutsu, Naginatado/Naginatajutsu, Ninjutsu/Ninpo, Shorinji kempo, Sojutsu, Taijutsu, Kenpo, japanisches Karate
- Okinawa: traditionelles Karate, Kobudo, Kempo(Kenpo), Te(De)
- Indien: Kalarippayat, Vajramushti, Gatka,Shastar Vidiya, Silambam,Varma Kalai
- Indonesien: Pencak Silat, Kuntao
- Malaysia: Bersilat, Kuntao
- Kambodscha: Kbach Kun Pradal Khmer
- Myanmar (aka Burma, Birma): Bando (Thaing), Banshei, Lethwei
- Philippinen: Arnis, Eskrima, Kali (Kali Silat, Pekiti-Tirsia Kali, Arnis de mano, Estocada, Pagkalikali)
- Sri Lanka: Chinadi
- Thailand: Muay Thai, Krabi Krabong: Lerdrit, Muay Boran,
- Laos Muay Lao
- Vietnam: Co-Vô-Dao, Vo Thuat, Viet Vo Dao (越武道), Vovinam, Qwan Ki Do (Quan Khi Dao), Han Bai, Thanh Long , Viet Vu Dao, Tran Minh Long, Nguyen Trung Hoa, Binh Dinh (Tay Son) (平定), Kim Ke, Cuong Nhu, Yong Chun
- Persien: Varzesh-e pahlavani, Kutaeka Do
- Zentralasien: Kurasch/Kuresch
- Israel: Krav Maga, Hisardut
Siehe auch
- Kampfsport, Selbstverteidigung
- Liste der Kampfsportarten
Literatur
- Florian Markowetz, Uschi Schlosser Nathusius: Kampfkunst als Lebensweg. Werner Kritzkeitz Verlag, ISBN 3-932337-14-X
Weblinks
- [http://www.aikidolink.ch www.aikidolink.ch] Portal über die japanische Kampfkunst Aikido
- [http://www.kampfkunst-board.info www.kampfkunst-board.info] Diskussionsforum
- http://www.kampfkunstforum.de Diskussionen, Fragen und Wissen zu allen Kampfsportarten
- [http://www.ArsMartialis.de www.ArsMartialis.de] Kampfkunst und Kampfsport aus Sicht der Wissenschaft
- http://www.martialartsforum.org/ Diskussionen über Kampfkunst und Kampfsport aus aller Welt
- [http://www.selbstschutzakademie.de www.selbstschutzakademie.de]:Kampfsport bezogene Sportmedizin, Ernährungstipps und lesenswerte Artikel aus den verschiedensten Kampfkünsten und alles über Esdo und WDS.
!Kampfkunst
ja:格闘技
ChoreografieChoreografie (griech. "Tanzschrift") war ursprünglich die Notation der Bewegungen des Chores im Griechischen Drama und wurde dann zur Aufzeichnung überhaupt von Tanzbewegungen. Heute versteht man darunter in erster Linie die Komposition und Abfolge von Bewegungen beim Tanz, im erweiterten Sinne auch das Inszenieren von Bewegungsabläufen, beispielsweise bei Kampfsportsequenzen im Film. Jede Choreografie ist ein Kunstwerk und reicht vom kurzen Solo- oder Showtanz bis zur mehrstündigen Inszenierung eines Tanztheaterstückes mit vielen Personen und komplexer Handlung.
Die schriftliche Aufzeichnung von Tanzbewegungen wird heute als Tanznotation bezeichnet.
Ein Choreograf ist der kreative Gestalter einer Choreografie. Für das Tanztheater ist er gleichzeitig der Regisseur des Stückes (im Film oder Musical arbeitet er mit anderen zusammen), sucht die Musik dazu aus oder läßt sich von einem Musikwerk inspirieren, wie John Neumeier von der Dritten Symphonie von Gustav Mahler oder von Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion, oder Uwe Scholz von Haydns Schöpfung. Oder der Choreograf arbeitet mit einem Komponisten zusammen, der neue Musik für ein bestimmtes Tanzstück schreibt, z.B. auch Neumeier bei seinem Ballett Odyssee mit dem griechischen Komponisten George Couroupos oder Frederick Ashton mit Hans Werner Henze bei Undine oder Sergei Pawlowitsch Djagilew mit Igor Strawinsky für das Ballett Feuervogel. Die berühmtesten klassischen Ballette aus dem 19. Jahrhundert, die überall immer wieder inszeniert und aufgeführt werden, entstammen der überaus fruchtbaren Zusammenarbeit von Marius Petipa und Tschaikowsky. Dazu gehören Schwanensee, Nußknacker, Dornröschen.
Der Tanz kann ganz abstrakt, reine Form ohne konkreten Inhalt sein, wie besonders George Balanchine es liebte. Sehr oft hat Tanztheater jedoch einen Inhalt. Der kann ebenfalls die schöpferische Gestaltung des Choreografen sein, wie es beim Ausdruckstanz und Modern Dance sehr oft der Fall ist, oder eine literarische Vorlage haben. Beispiele dafür sind das Musical Kiss me, Kate nach der Shakespeare-Komödie Der Widerspenstigen Zähmung, wozu John Cranko wiederum ein Ballett choreografiert hat, oder My fair Lady nach George Bernard Shaws Theaterstück Pygmaleon, die oben erwähnten Ballette und viele andere.
Seit dem 20. Jahrhundert gibt es auch sehr viele bedeutende Choreografinnen wie z.B. Pina Bausch, denn der Moderne Tanz wurde hauptsächlich durch Frauen zu der vielfältigen, reichen Kunstform, die er am Anfang des 21. Jahrhunderts ist. Es entstehen neue Formen und Namen, z.B. nennt Johann Kresnik seine Stücke Choreographisches Theater.
Kategorie:Tanzbegriff
!
Kategorie:Musical
simple:Choreography
Morihei UeshibaMorihei Ueshiba (jap. 植芝盛平 Ueshiba Morihei; 14. Dezember 1883 in der Präfektur Wakayama, † 26. April 1969) war der Begründer der modernen japanischen Kampfkunst Aikidō.
Von Aikidōka wird er häufig Ō Sensei (翁先生) genannt, was soviel wie Altmeister bzw. altehrwürdiger Lehrer bedeutet. Dieser Titel wurde allerdings vor allem im gesprochenen Japanisch verwendet. Dadurch kam es zu einer anderen Interpretation von Ō sensei als 大先生, also großer Meister, die heute im Westen vorherrschend ist und teilweise auch in Japan Verwendung findet.
Er war das vierte Kind und ältester Sohn einer wohlhabenden Famlilie. Der Vater Yoroku Ueshiba war ein angesehender Bauer und seine Mutter Yuki Itokawa stammte aus einer adligen, landbesitzenden Familie.
Mit ungefähr sieben Jahren studierte Morihei Ueshiba auf Geheiß seines Vaters konfuzianische Klassiker und buddhistische Schriften. Aufgrund wiederkehrender Träume unterwies Ueshibas beunruhigter Vater ihn dann in Sumo und Schwimmen.
Ueshiba absolvierte die höhere Grundschule in Tanabe und ging anschließend im Alter von sieben Jahren auf die Mittelschule, die er allerdings nicht lange besuchte und sich stattdessen entschloss, sein Studium auf der Handelsschule von Yoshida neu aufzunehmen.
1902 schied er aus der lokalen Steuerbehörde aus, bei der er seinen Dienst während seines Schulbesuchs aufnahm, und ging nach Tōkyō, wo er als Händler ein Geschäft für Schreibwaren und Schulbedarf im Handelsviertel von Nihombashi betrieb. Zur selben Zeit begann er mit dem Kampfstudium des traditionellem Jūjutsu und Kenjutsu; wegen einer Beriberi-Erkrankung musste er dies jedoch abbrechen und nach Tanabe zurückkehren. Dort heiratete er sehr bald Hatsu Itokawa ( - 1881). 1903 trat Morihei Ueshiba als Freiwilliger der Armee in Ōsaka bei und nahm wenige Jahre später am russisch-japanischen Krieg teil. Nachdem er wegen seiner Tapferkeit und seinem Mut auf dem Schlachtfeld zum Feldwebel befördert wurde, schickte man Ueshiba auf Heimaturlaub. Diesen nutzte er, um im Nakai Masakatsu Dōjō den Gotō-Stil des Yagyū-ryū Jūjutsu zu erlernen.
1907 entließ ihn die Armee. Er kehrte nach Tanabe zurück, wo er auf dem Hof der Familie Ueshiba arbeitete. Zeitgleich engagierte Yoroku Ueshiba den Jūdōka Kiyo'ichi Takagi, um Morihei in der eigens zum Dōjō umgebauten Scheune unterrichten zu lassen.
1912 nahm Morihei Ueshiba an einem Programm der Regierung Teil und siedelte mit weiteren Mitstreitern auf den nördlichen Teil der Insel Hokkaidō um. Ueshiba setzte sich neben seiner Betätigung als Landwirt in den kommenden Jahren für die sozialen Lebensumstände wie verbesserte Wohnbedingungen und die Bildung einer Grundschule in der Siedlung ein. Während dieser Zeit lernte er den Daitō-ryū-Meister Sōkaku Takeda kennen, bei dem er nach intensivem Training sein Daitō-ryū Aiki-Jūjutsu-Diplom erlangte.
Morihei Ueshiba pflegte Freundschaft zu Ōnisaburō Deguchi, dem Gründer der religiösen Ōmoto-kyō-Sekte. Besonders nach dem Tod seines Vaters am 2. Januar 1920 ließ er sich von Deguchi auf der Suche nach spirituellem Leben leiten. Ueshiba zog zu Deguchi nach Ayabe, wo Deguchi ihn beim Bau eines Dōjōs unterstützte, das als Ursprung für die Ueshiba-Akademie dienen sollte. Zuerst unterrichtete Ueshiba nur die Anhänger der Ōmoto-kyō-Sekte. Nach einiger Zeit sprach sich herum, dass ein außerordentlicher Budō-Meister in Ayabe unterrichte. Somit schrieben sich immer mehr Leute, die nicht der Sekte angehörten, in der Akademie ein.
Ungefähr 1921 nach dem ersten Ōmoto-Vorfall, bei dem Deguchi und weitere Sekten-Anhänger festgenommen wurden, begann Ueshiba seine Übungen mehr spirituell zu gestalten. Er wich immer mehr vom klassischem Stil des Yagyu-ryū und Daitō-ryū ab und entwickelte auf der Basis bewährter Prinzipien seinen eigenen Stil. Offiziell nannte er diesen Stil Aiki-Bujutsu. In der Bevölkerung war er aber als Ueshiba-ryū Aiki-Bujutsu bekannt.
Von dem Zeitpunkt an verfeinerte Morihei Ueshiba seine Kampfkunst bis zu seinem Tode. Die spirituelle Entwicklung trat dabei immer mehr in den Vordergrund und wirkte sich auch auf die Techniken aus, was nicht zuletzt auf diverse einschneidende Erlebnisse zurückzuführen ist. So änderte er etwa um 1925 den Namen von Aiki-Bujutsu in Aiki-Budō, da das Dō auf in der Kampfkunst enthaltenen philosophischen Prinzipien hinweist. Um 1941 fand der Namen Aikidō erstmals Erwähnung.
Nach seinem letzten Kriegseinsatz in der Mandschurei entwickelte sich Morihei Ueshiba zu einem sehr friedfertigen Menschen. Eine Haltung, die auch in die Philosophie des Aikidō einfloss. 1961 besuchte Morihei Ueshiba auf Einladung Hawaii und sagte, dass er nach Hawaii gekommen sei, um eine „silberne Brücke” zu bauen. Er sähe die im Aikidō enthaltene Harmonie und Liebe als ein Mittel, die Menschen der Welt zu vereinen.
Jahreszahlen
- 1883 geboren in Tanabe
- ca.1890 Studium konfuzianischer Klassiker und buddhistischer Schriften
- 1902 beginnt Jūjutsu- und Kenjutsu-Kampfkunststudium in Tōkyō. Heiratet Hatsu Itokawa ( - 1881)
- 1903 Eintritt in die japanische Armee und Einsatz im russisch-japanischem Krieg. Vertiefung verschiedener Jūjutsu-Stile
- 1907 Entlassung aus der Armee und Rückkehr nach Tanabe. Unterricht durch den Jūdoka Kiyo'ichi Takagi.
- 1912 Umsiedlung nach Hokkaido. Erlangt während der Zeit sein Diplom beim Jūjutsu-Meister des Daitō-ryū Sōkaku Takeda.
- 1920 lässt sich vom Sektengründer Ōnisaburō Deguchi spirituell unterweisen/leiten. Zieht nach Ayabe und erbaut ein Dojo, in dem er Jujutsu unterrichtet. Sieht selbst den Ackerbau und Budo als Einheit an.
- 1922 nennt seine Kampfkunst erstmals Aiki-Bujutsu.
- 1924 Aufbruch in die Mandschurei und Mongolei. Anführung der mongolischen Unabhängigkeitsarmee. Drohende Exekution durch China. Begnadigung durch Einschreiten des japanischen Konsulats.
- 1925 berichtet Morihei Ueshiba über seine persönliche Erleuchtung. Unterrichtet den Kronprinzen in Tōkyō
- 1927 Umzug nach Tōkyō um seinen Ruf als Budō-Lehrer auszubauen.
- 1930 Gründung des heutigen Hombu-Dōjō in Tōkyō
- 1932 Gründung der Gesellschaft zur Förderung Japanischer Kampfkünste
- 1933 wurde Ueshiba der Präsident der Gesellschaft zur Förderung Japanischer Kampfkünste
- 1939 öffentliche Kampfkunst-Vorführung, bei der Ueshiba seinen Gegner mit einem Finger auf dem Boden hielt.
- ca.1941 erste Erwähnung des Begriffs Aikidō
- 1944 Fertigstellung der Bauarbeiten am Aiki-Schrein in Iwama
- 1950 reist Ueshiba durch ganz Japan um Aikidō zu unterrichten.
- 1961 Besuch in Hawaii
- 1969 verstorben und beigesetzt in Tanabe
Weblinks
Literatur
- Morihei Ueshiba: Budo. ISBN 3921508576
- John Stevens: Unendlicher Friede. Die Biographie des Aikido-Gründers Morihei Ueshiba. Kristkeitz, Heidelberg 1995 ISBN 3-921508-89-4
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
Ueshiba, Morihei
ja:植芝盛平
Japanische Sprache
Japanisch (jap. 日本語 nihongo) ist die Amtssprache Japans.
Der Language Code nach ISO 639 ist ja bzw. jpn.
Verbreitung
Mit etwa 127 Mio. Sprechern und einem Anteil an der Weltbevölkerung von 2,4% steht Japanisch in der Liste der am häufigsten gesprochenen Sprachen auf Platz 8. Außer in Japan selbst wird es hauptsächlich in den USA (ca. 200.000 Sprecher auf dem nordamerikanischen Festland, ca. 220.000 Sprecher auf Hawaii) und in Südamerika (ca. 380.000 Sprecher, vor allem in Brasilien) gesprochen. Dies ist vor allem auf drei große Auswanderungswellen von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.
Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 4,9% aller Web-Seiten auf Japanisch sind (Platz 4 hinter Englisch, Deutsch und Französisch).
Herkunft
Aus den japanischen Inseln sind nur drei einheimische Sprachen bekannt: Japanisch, Ainu in Hokkaido und die Sprachen von Ryūkyū (Okinawa), die mit dem Japanischen relativ nahe verwandt ist; beide werden aus dem Proto-Japonisch hergeleitet. Dessen nächste (nicht: nahe) Verwandte sind vermutlich Sprachen in Korea, besonders das ausgestorbene Alt-Koguryo im Norden der Halbinsel.
Die Ainu-Sprache, die sich vom Japanischen stark unterscheidet, leiten viele Forscher von den Trägern der mesolithischen und neolithischen Jōmon-Kultur (1896) ab.
Der genaue Ursprung der japanischen Sprache ist jedoch bis heute unklar, eindeutig nachgewiesen werden kann eine Sprachverwandtschaft bisher nur zu den oben erwähnten Ryūkyū-Sprachen (sog. "Okinawa-Dialekte des Japanischen"). Eine sehr lange Periode der schriftlosen Isolierung (von mehreren tausend Jahren v. Chr. bis ca. 300 n. Chr.) hat die altjapanische Sprache weit von allen eventuellen Ursprüngen entfernt.
Während der Jōmon-Zeit (縄文時代) wurde im westlichen Teil Japans vermutlich eine austronesische Sprache gesprochen, die wohl mit den Inselsprachen Melanesiens und Mikronesiens verwandt gewesen sein dürfte.
Zu Beginn der Yayoi-Zeit (弥生時代) um etwa 300 v. Chr. gelangten die Technik des Reisanbaus und die Verwendung von Bronze von Südkorea nach Nord-Kyūshū und verbreiteten sich von dort über das gesamte westliche Japan. Zusammen mit der koreanischen Kultur -- eventuell aber auch schon merklich früher -- kam wohl auch die damalige Form einer oder mehrerer koreanischer Sprachen nach Japan, wodurch sich altaische (sibirisch-türkische) und austronesische Sprachelemente teilweise schon in Korea und später auch in Japan vermischten.
Im 3./4. Jahrhundert brachte eine neue Welle koreanischer Einwanderer die Japaner in Kontakt mit der in Korea schon länger einflussreichen chinesischen Kultur. Ab dem 4./5. Jahrhundert besuchten japanische Mönche für buddhistische Studien das Kaiserreich China und nahmen die chinesischen Schriftzeichen und andere Kulturgüter mit nach Japan. Dort vermischten sich diese Einflüsse, ausgehend von den religiösen Zentren, mit der lokalen Kultur.
Sprachaufbau
Die japanische Sprache ist in ihrer Entstehung etwas weitgehend Eigenständiges. Zwar entspricht ihre Grammatik – ebenso wie z. B. die des Koreanischen – dem Altaischen (Agglutination, Wortstellung), die Aussprache ist jedoch typisch austronesisch (wenig Konsonantenverdoppelungen, nur ein stimmhafter Endkonsonant "-n"), und im Wortschatz lassen sich kaum Ähnlichkeiten mit dem Koreanischen feststellen, sieht man von Begriffen aus dem landwirtschaftlichen Bereich und in beiden Sprachen vorhandenen chinesischen Lehnwörtern ab. Altaische Ausspracheelemente wie die Vokalharmonie wurden im Laufe der Zeit immer mehr zurückgedrängt.
Das japanische Schriftsystem verwendet die chinesischen Schriftzeichen (漢字 Kanji), sowie zwei davon abgeleitete Silbenschriften, Hiragana (für den indigenen Wortschatz) und Katakana (für neuere Lehnwörter). Mit der Schrift wurden auch viele chinesische Begriffe in das Japanische übernommen. Doch in Aussprache und Grammatik unterscheiden sich Japanisch und Chinesisch grundlegend: Anders als die chinesischen Sprachen kennt das Japanische keine Töne und auch weniger Konsonanten, daher ist der Silbenvorrat des Japanischen mit rund 150 Silben im Vergleich zu den rund 4000 des Chinesischen viel geringer. In der Grammatik ist Japanisch, im Gegensatz zu den isolierenden chinesischen Sprachen, eine agglutinierende Sprache, besitzt also eine Vielzahl von grammatischen Suffixen – so genannten Partikeln und Funktionalnomen –, die eine vergleichbare Funktion wie die Flexionsformen, Präpositionen und Konjunktionen der europäischen Sprachen haben.
Noch im heutigen Japanisch werden „altjapanische“ und chinesische Elemente voneinander abgegrenzt. Bei den Schriftzeichen wird zwischen 音読み (On-yomi) und 訓読み (Kun-yomi) unterschieden. On-yomi ist die sinojapanische Lesung, eine Übertragung der chinesischen Lesung (meist aus Sung- oder Tangzeit) in den Lautvorrat des Japanischen, bei der Kun-yomi wurde ein „urjapanisches“ Wort mit der Bedeutung des Schriftzeichens verbunden.
Einige Lautfiguren finden sich nur in jeweils einem der beiden Bereiche. Aus dem Chinesischen stammende japanische Verben und Adjektive, die wie alle chinesischen Wörter nicht flektierbar sind, funktionieren auch grammatikalisch anders als ihre flektierbaren „urjapanischen“ Gegenstücke.
Grammatik
Die Satzstellung des Japanischen ist SOP, Subjekt - Objekt - Prädikat. Das heißt, das Verb steht immer am Ende des Satzes bzw. Nebensatzes.
Das Japanische ist eine agglutinierende Sprache. Grammatische Formen werden gebildet, in dem das Verbende verändert wird, andere Satzteile werden durch Partikel verändert.
Nomen werden im Japanischen nicht dekliniert. Japanisch kennt im Gegensatz zum Deutschen auch keinen grammatischen Genus (Geschlecht), keine Artikel, keinen Plural (Mehrzahl) und keinen Kasus (Fall).
Die Funktion von Fällen und Präpositionen in der deutschen Sprache übernehmen Partikel, die an das Nomen angefügt werden.
Eine zweite Gruppe von Partikeln wird an Sätze angefügt und dient als Satzverbinder.
Bei japanischen Nomen ist der Numerus nicht festgelegt, mit geta (Sandale) kann eine einzelne Sandale, ein Paar, ein ganzes Regal voll oder Sandalen im Allgemeinen gemeint sein. Wenn es notwendig ist, die Menge näher zu bestimmen, muss dies durch zusätzliche Bestimmungen im Satz geschehen, z.B. ’’takusan’’ = "viele".
Weiterhin gibt es Suffixe, mit denen sich der Plural bei Menschen ausdrücken läßt: -tachi (höflicher: -gata, informell: -ra)
Das Japanische kennt zwei Formen von Adjektiven: na-Adjektive (keiyōshi 形容詞) und i-Adjektive (keiyōdōshi 形容動詞).
na-Adjektive sind nicht konjugierbar und werden mit Nomen durch den Partikel "na" verbunden. Sie können auch mit dem Verb "da" als Partizip verwendet werden.
i-Adjektive lassen sich konjugieren und werden im Satz wie Verben verwendet.
Das historische Japanisch kennt genaugenommen gar keine Personalpronomen. Noch heute ist es üblich, von sich selbst mit dem eigenen Namen oder der Stellung gegenüber dem Gesprächspartner zu reden. Genauso kann man den Gesprächspartner im Satz mit dessen Namen bezeichnen.
Für die Selbstbezeichnung gibt es eine Reihe von Ausdrücken, die von "selbst" oder "persönlich" abgeleitet sind. Eines dieser Wörter ist watakushi (私; wörtlich "privat") das die höchste Höflichkeitsstufe im modernen Japanisch für "ich" darstellt und eine Reihe von informellen Verkürzungen kennt (watashi; atashi; ashi usw.). boku (僕) und ore (俺) sind weitere informellere Wörter, die "ich" bedeuten, dazu kommen dialektale Ausdrücke.
Wo im Deutschen immer das Personalpronom nötig ist, um zu bezeichnen, um wen es geht, wird es im Japanischen eher weggelassen und aus dem Kontext geschlossen, um wen es eigentlich geht. Was in Japanisch-Lehrbüchern als Personalpronomen aufgeführt wird, hat in der japanischen Umgangssprache leider ganz andere Verwendungen. Mit kare (彼, höflicher kareshi 彼氏) und kanojo 彼女 ist immer der Freund und meistens die Freundin gemeint. Ob jemand Single ist, fragt man also mit "kare / kanojo ga imasu ka?"
anata あなた Ist das einzige im aktuellen Japanisch verwendete Wort mit der Bedeutung "du" das in neutralen Zusammenhängen als "Sie" gebraucht werden kann z.B. in Hinweisschildern und Durchsagen: "Bitte benutzen Sie die Yamanote-Linie bis zur Station Shinjuku und steigen Sie dann...". Es stammt von einer gleichnamigen Anrede von Frauen für ihre Ehemänner.
Anreden von unbekannten oder höhergestellten Erwachsenen mit anata ist ausgeschlossen!
Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass ehemalige sehr höfliche Sie-Wörter in der Geschichte der Sprache oft unhöflich geworden sind. Beispiele dafür sind:
- kimi 君 ursprünglich Bezeichnung für den Tenno (ookimi 大君) in der Edo-Periode, jetzt Ausdruck für "du" in der Männersprache
- omae お前 (ehrenhafter Gegenüber) früher Sie, jetzt "hey du!" (Ausruf, unhöflich) oder im vertrauten Zusammenhang ein einfaches "du" (ebenfalls Männersprache)
- kisama 貴様 (Ehrenwerter hochverehrter [Herr]) bedeutet in heutiger Verwendung ironischerweise "du Arschloch"
Lehnwörter
Seit dem 3. Jahrhundert übernahm das Japanische zusammen mit der chinesischen Schrift zahlreiche chinesische Lehnwörter, die jedoch an die japanische Aussprache angepasst wurden. Ein großer Teil des heutigen japanischen Wortschatzes besteht aus diesen angeglichenen Begriffen.
Als portugiesische Jesuiten im 16. Jahrhundert in Japan eine kurzlebige christliche Mission einrichteten, übernahm die japanische Sprache einige Wörter aus dem Portugiesischen. Dazu gehören beispielsweise パン pan (Brot) und テンプラ tempura (in Backteig frittiertes Gemüse und Fisch, von lateinisch tempora, [Fasten]zeiten). Zu dieser Zeit wurden diese Wörter in chinesischen Schriftzeichen phonetisch wiedergegeben, z.B. Kaffee = 珈琲 kōhi-, mittlerweile werden die praktischeren Silbenschriften dafür verwendet.
Seit der Öffnung zum Westen 1853 und dem Beginn der Meiji-Zeit 1868 sind die Japaner mit einer Vielzahl westlicher Konzepte konfrontiert worden, für die neue Wörter geschaffen werden mussten. Als erste Möglichkeit wurden Begriffe in chinesischen Schriftzeichen neu geschaffen, z.B. minshushugi 民主主義 = Demokratie. (Interessanterweise finden sich diese Wörter heutzutage vielfach als japanische Lehnwörter im Chinesischen.)
Andere Wörter wurden phonetisch übertragen, ihr Anteil an der japanischen Sprache beträgt mittlerweile ca. 10-15% und variiert je nach Sachgebiet stark. Die Aussprache in lateinischer Schrift geschriebener englischer Wörter ist für Japaner oft nur schwer nachzuvollziehen, zumal andere europäische Sprachen wie Französisch, Deutsch, Spanisch die lateinischen Buchstaben wieder anders lesen und damit die Schwierigkeiten vergrößern. Um die Lesung zu vereinheitlichen, werden phonetische Lehnwörter daher im Japanischen in der Silbenschrift Katakana wiedergegeben. Bei der Übertragung ins Japanische werden dabei allerdings oft die Laute verändert, so unterscheidet das japanische nicht zwischen l und r. Dass es sich bei タワー tawā um einen tower = Turm handelt und bei タオル taoru um ein towel illustriert die Schwierigkeiten vielleicht.
Zu lange Begriffe werden dabei zusätzlich auf „japanische Weise” abgekürzt. So ist aus dem englischen Begriff personal computer durch Verkürzung und Angleichung das Wort パソコン pasokon geworden, ラブホ rabuho bezeichnet ein love hotel. Außerdem sind diese Wörter durch Umdeutung häufig nicht mehr mit ihrer ursprünglichen Bedeutung gleichzusetzen.
Auch deutsche Lehnwörter sind im Japanischen zu finden (z. B. アルバイト arubaito von Arbeit, im Sinne von Teilzeitjob). Von Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein orientierte sich die ärztliche Ausbildung in Japan an deutschen Dozenten und Lehrbüchern, und die Krankenberichte wurden auf deutsch in lateinischer Schrift geschrieben. Daher haben sich vor allem in der Medizin viele Begriffe erhalten (z. B. ルンゲ runge von Lunge, クランケ kuranke von Kranke, カルテ karute von Karte im Sinne von Patientenkartei). Auch in der Philosophie (z. B. ゲシュタルト geshutaruto von Gestalt, イデー idē von Idee) und beim Bergsteigen (z. B. シュタイクアイゼン shutaikuaizen von Steigeisen, エーデルワイス ēderuwaisu von Edelweiß) finden sich im Japanischen zahlreiche deutsche Lehnwörter, Recht und Militärwesen sind weitere Bereiche.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt das Japanische große Mengen von Wörtern aus dem Englischen, die meisten Begriffe des „modernen Lebens” fallen im heutigen Japanisch in diese Kategorie. Besonders sind dabei die Bereiche Wirtschaft, Computer, Popkultur, Medien und Werbung zu nennen.
Weiterführende Informationen
Vokal
Verwandte Sprachen und Sprachfamilien
- Ryūkyū-Sprachen
- Koreanische Sprache
- Polynesische Sprache
- Altaische Sprachen
Schrift
- Japanisches Schriftsystem
- Kaibun
Zahlen
- Japanische Zahlen
Kultur
- Japanische Wochentage
- Japanische Namen
- Japanische Anrede
Literatur
- 大野晋 日本語の起源 (Ōno Susumu: Nihongo no kigen = Die Entstehung der Japanischen Sprache), Tokyo 1957
- Roy Andrew Miller: Die japanische Sprache. iudicium, München. ISBN 3-891-29484-0 (aktuelle Auflage 2000)
- Jens Rickmeyer: Japanische Morphosyntax.Groos, Heidelberg ISBN 3-872-76718-6 (Auflage 1995)
- Association for Japanese-Language Teaching: Japanisch im Sauseschritt 1 Universitätsausgabe mit Kana und Kanji. Doitsu Center Ltd., Tokyo 2002 ISBN 4-9900384-5-2 (offiziell an den deutschen Volkshochschulen verwendetes Lehrbuch)
Sprachzertifizierung
- JLPT - Japanese Language Proficiency Test
- ToJFL - Test of Japanese as Foreign Language
Weblinks
- [http://www.japanisch-netzwerk.de/ Japanisch Netzwerk] (Großes Forum für Japanischlernende)
- [http://www.nihongo4u.de/ Nihongo4u Japanisch für Alle] (Infos zur Sprache und Kultur für Groß und Klein.)
- [http://www.japanische-sprache.de/ www.japanische-sprache.de]
- [http://www2.rz.hu-berlin.de/japanologie/studium/dohlus.pdf Deutsche Lehnwörter im Japanischen] (Magisterarbeit in Japanologie, mit einer Liste von fast 500 Begriffen im Anhang)
- [http://www.wadoku.de/ | | |