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8. Jahrhundert

8. Jahrhundert

Das 8. Jahrhundert begann am 1. Januar 701 und endete am 31. Dezember 800.
In Europa ist es die Epoche des Frühmittelalters.

Zeitalter/Epoche


- Islamische Expansion:
  - Eroberung des Westgoten-Reichs auf der iberischen Halbinsel (Schlacht am Guadalete, 711)
    - Asturien kann sich als "Widerstandsnest" behaupten (Schlacht von Covadonga, 722)
  - Endgültiges Ende der arabischen Expansion im Westen nach der Niederlage gegen die Franken (Schlacht bei Tours und Poitiers, 732)
  - Zweite Belagerung Konstantinopels scheitert (717/18)
  - Industal wird erobert; Zentralasien wird nach der Schlacht am Talas gehalten; die Zerstörung der indischen Hochkultur durch die islamischen Eroberer beginnt
- Als Reaktion auf die Einfälle islamischer Eroberer in Indien wird der indische Mahayana -und Vajrayana-Buddhismus in Tibet eingeführt, durch König Trisong Detsen, den tantrischen Meisters Padmasambhava und den indischen Abts Santarakshita. Aus dieser Zeit geht die Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus hervor.
- Tod des tibetischen Königs Ligmincha, Untergang der tibetischen Bön-Königsdynastie von Zhang Zhung
- Byzantinischer Bilderstreit: Theologische Auseinandersetzung über die Anbetung von Ikonen
- Fortschreitende Entmachtung der merowingischen Könige durch die karolingischen Hausmeier; Absetzung des letzten Merowingers 751 durch Pippin.
- Beginn der Wikinger-Raubzüge nach West- und Südeuropa; Überfall auf das Kloster Lindisfarne im Sommer 793

Ereignisse/Entwicklungen


- Der fränkische König Karl der Große wird am 24. Dezember 800 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt.

Persönlichkeiten


- Beda Venerabilis (dt. Beda der Ehrwürdige) (
- um 673 bei Wearmouth in Northumbria; † 26. Mai 735 Kloster Jarrow), englischer Benediktinermönch, Theologe und Geschichtsschreiber
- Leo III. (
- um 680; † 741) byzantinischer Kaiser
- Karl Martell (Karl der Hammer) (
- um 689; † 22. Oktober 741 in Quierzy) war ein fränkischer Hausmeier aus dem nach ihm benannten Geschlecht der Karolinger
- Hischam (
- 691; † 741) Kalif der Umayyaden
- Du Fu (
- 712; † 770), einer der bedeutendsten Dichter der chinesischen Tang-Dynastie
- Alkuin von York (
- 732; † um 804), Bischof von Tours und Berater Karls des Großen
- Karl der Große (
- um 748; † 814), König der Franken, römischer Kaiser
- Hrabanus Maurus (
- um 750; † 856), Mainzer Gelehrter und Erzbischof
- Harun ar-Raschid (Harun der Rechtgeleitete) (
- um 768; † 809), Kalif aus dem Geschlecht der Abbasiden
- Einhard (
- 770; † um 840), fränkischer Geschichtsschreiber und Biograph Karls des Großen.
- Hadrian I. († 795) Papst der römisch-katholischen Kirche
- Guru Rinpoche (Geburts- und Sterbedaten unbekannt), Meister des tantrischen Buddhismus, er führte den Vajrayana-Buddhismus im 8. und 9. Jahrhundert in Tibet ein
  - König Trisong Detsen(† 858), regierender König von Tibet, auf dessen Wunsch die Übertragung des Buddhismus aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische erfolgte
  - Abt Santarakshita, Abt der indischen Klosteruniversität von Nalanda, führte die Übersetzung der buddhistischen Sutren aus und weihte die ersten sieben buddhistischen Mönche in Tibet
  - Vairocana, bedeutendste Übersetzter buddhistischer Lehren zur Zeit der ersten Übersetzungsphase buddhistischer Schriften aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische
- Vimalamitra, großer buddhistischer Gelehrter des 7./8. Jahrhunderts

Erfindungen und Entdeckungen


- Im Kaiserreich China wird von Bi Sheng die Technik des Setzens von Büchern mit beweglichen Lettern erfunden. Mit Hilfe von Wachs werden dabei einzeln hergestellte Druckstempel aus Keramik auf einer Eisenform angeordnet.
- In der Schlacht am Talas (östlich von Samarkand gelegen) geraten im Jahr 751 Chinesen in persische Kriegsgefangenschaft, mit denen die Kenntnis der Papierherstellung in den arabischen Raum gelangt sein soll.
- Die karolingische Minuskel setzt sich im Handschriftenwesen als Schrifttype durch. 01-08 ! ja:8世紀 ko:8세기 simple:8th century th:คริสต์ศตวรรษที่ 8

701

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Johannes VI. wird Papst als Nachfolger von Sergius I.
- Raginpert erhebt sich gegen den minderjährigen König der Langobarden, Liutpert, und dessen Regenten Ansprand, den er bei Novara besiegt. Raginpert stirbt noch im selben Jahr, sein Nachfolger wird sein Sohn Aripert II., der brutal gegen Ansprand und seine Familie vorgeht und mehrere seiner Verwandten verstümmeln lässt. Ansprand flieht nach Baiern.
- Sieg der Araber über die Berber in der Schlacht von Taharqa; die Anführerin der Berber, Al-Kahina, stirbt auf der Flucht.
- Durch den Taiho-Kodex kommen die Taika-Reformen in Japan zu einem Höhepunkt. Die Regierung des Landes ist nun streng zentralistisch ausgerichtet.

Geboren


- Yazid III., Kalif der Umayyaden († 744)
- Shomu, japanischer Kaiser, regierte 724-749 († 759)

Gestorben


- 8. September - Sergius I., Papst
- Al-Kahina, Königin der Berber
- Perctarit, König der Langobarden
- Raginpert, 22. Langobardenkönig in Italien ko:701년 simple:701

800

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 24. November - Karl der Große trifft in Rom ein, um auf einer am 1. Dezember beginnenden Synode die Vorgänge um das Attentat auf Papst Leo III. im April 799 zu klären. Leo leistet am 23. Dezember einen Reinigungseid, um die Anschuldigungen seiner Gegner zu entkräften. Diese, angeführt von den Adligen Paschalis und Campulus, werden daraufhin zum Tode verurteilt, dann aber zu Verbannung ins Frankenreich begnadigt.
- 25. Dezember - Karl der Große wird von Papst Leo III. in der Petersbasilika von Rom zum römischen Kaiser ("Augustus" und "Imperator") gekrönt, wobei das anwesende Volk mit den Worten "Karl, dem Augustus, dem von Gott gekrönten großen und friedbringenden Kaiser der Römer, Leben und Sieg!" die Akklamation leistet. Als Begründung dient dem Papst die angebliche Thronvakanz in Konstantinopel, wo seit 797 mit Irene erstmals eine Frau Alleinherrscherin ist. Karl bleibt die Anerkennung als weströmischer Kaiser durch Konstantinopel zunächst versagt ("Zweikaiserproblem"). Faktisch bedeutet die Krönung die Begründung des abendländischen Kaisertums, das sich als Fortsetzung des römischen Kaisertums versteht (Translatio imperii). Unklar ist, ob die Krönung in dieser Form von Karl selbst gewollt war.
- Gemeinsamer Feldzug Asturiens (unter Alfons II. und des Frankenreiches (Heerführer: Ludwig der Fromme) gegen die Mauren. Lérida und Huesca werden erobert, Barcelona belagert und 803 eingenommen; die Eroberungen bilden die Grundlage für die Spanische Mark.
- Die Aghlabiden erringen als Emire von Ifriqiya/Tunesien faktisch die Unabhängigkeit von den Kalifen der Abbasiden in Bagdad. Die Dynastie regiert bis 909 im Maghreb.
- Liudger gründet das Kloster Werden (heute zu Essen), das sich in der Folge zum bedeutendsten Kloster der Region entwickelt. Es ist Eigenbesitz der Familie Liudgers.
- König Kulasekhara begründet in Kerala in Südindien das zweite Chera-Reich.
- In Schweden löst die Wikingerzeit die Vendelzeit ab.
- um 800 - Esslingen am Neckar erhält das Marktrecht.
- um 800 - Gründung des Frauenklosters Herford.
- um 800 - Die Kariben dringen vom amerikanischen Kontinent auf die karibischen Inseln vor.

Geboren


- Abu al-Kindi; islamischer Philosoph
- um 800 - Harald Klak, König von Dänemark († um 846)

Gestorben


- ko:800년 simple:800

Frühmittelalter

Unter dem Begriff Frühmittelalter wird ein in der Mediävistik gebrauchter, nicht exakt umrissener Zeitraum zwischen dem Ende des 6. Jahrhunderts und dem Beginn des 11. Jahrhunderts verstanden, wobei die Anfangszeit höchst umstritten ist. Man spricht daher lieber von einer Übergangsphase, die, je nach Interpretation und betrachteter Region, zwischen dem späten 5. und dem frühen 7. Jahrhundert liegt. In diesem Zeitraum wandelte sich die spätantike-mediterrane Welt hin zu einer, die man als das so genannte europäische Mittelalter bezeichnet.

Die Transformationsphase der spätantiken Welt

In der Zeit der ausgehenden Spätantike und der Völkerwanderung stießen germanische und slawische Stämme nach Westen vor und wurden mit der Kultur der Antike und dem Christentum konfrontiert. Dort, wo die Kultur des Römischen Reiches lange Zeit bestanden hatte, wurde sie von den Germanen zumindest teilweise aufgenommen, so dass, obwohl der römische Staat im Westen langsam zerfiel, die antike Kultur weiterbestand und mit ihr auch einige wirtschaftliche und soziale Strukturen. Auch nach dem Ende des weströmischen Kaisertums 476 bzw. 480 blieb die Idee des Imperium Romanum lebendig. Der oströmische Kaiser Justinian konnte weite Teile des alten Westreichs zeitweilig wieder seiner Herrschaft unterwerfen, und noch bis etwa 600 sahen sich die germanischen Nachfolgestaaten im Westen nominell als Untertanen des einzig souveränen Herrschers, des oströmischen Kaisers. Erst danach ist ein beschleunigtes Verschwinden spätantiker Elemente zu beobachten. Und noch 200 Jahre später war die Idee des weströmischen Kaisertums so wirkmächtig, dass Karl der Große seine Erneuerung versuchte. Der spätrömische Staat war recht stark bürokratisiert und zentralisiert gewesen (siehe dazu Spätantike). Da mit ihm auch die übergeordnete Herrschaftsgewalt und die vereinheitlichten Verwaltungsstrukten verloren gingen, bildeten sich neue Herrschaftsstrukten heraus, die auf der germanischen Tradition der Personenverbände basierten. Eine Adelsschicht bildete sich heraus, die auf der Grundherrschaft gründete, d.h. auf Recht über Haus und Grund und allen darauf lebenden Personen. Diese Macht wurde auf die Verwandtschaft ausgedehnt, später auch über die eigentlichen Familien hinaus, bis hin zu hierarchischen Strukturen, an dessen Spitze der König stand.

Gesellschaft, Kirche, "Staat"

Die frühmittelalterliche Gesellschaft war agrar- und naturalwirtschaftlich geprägt. Im Vergleich zur Antike verloren Handel und Geldwirtschaft an Bedeutung, wenn auch die moderne Forschung betont, dass es neben den Brüchen in bestimmten Bereichen durchaus auch Kontinuität zur Spätantike gegeben hat. Nachdem der Staat zerfiel, blieb die Kirche die einzig übergeordnete Institution. Allerdings wurde auch hier die Macht fragmentiert; viel Macht lag bei den Bischöfen, die oft von den lokalen Grundherren eingesetzt wurden, und das Papsttum hatte sich noch nicht herausgebildet. Die wesentlichen Träger der Kultur und des Wissens waren die Klöster der Benediktiner und die Kirche. Das Lesen und Schreiben beherrschten meist nur Angehörige des Klerus. Kultur hieß überwiegend Bereitstellung und Systematisierung des vorhandenen Wissens und das Kopieren von Werken antiker Autoren. Beim Wissen wurden auch praktische Aspekte aus der Antike tradiert, z.B. Obstbau und Weinbau. Die geschichtlichen Personen und Ereignisse des 7. bis 10. Jh. (siehe dazu unter anderem Frankenreich, Angelsachsen, Deutschland im Frühmittelalter) sind größtenteils aus den vielen handschriftlichen und datierten Dokumenten der Mönche aller Länder Europas bekannt, die in mühsamer Fleißarbeit die geschichtlichen Zusammenhänge aufschrieben. Ihnen sind im Grunde genommen unsere Erkenntnisse über die Geschichte zu verdanken, ebenso, dass die uns bekannten Ereignisse jener Zeit dokumentiert wurden, so dass größtenteils ihre Sicht unser Bild dieser Epoche (wie auch jeder anderen) geprägt hat und kritisch hinterfragt werden muss. Auch die zeitliche Einordnung bedeutender Gelehrter des frühen Mittelalters wie beispielsweise Beda Venerabilis, Einhard usw., deren Werke nur in Abschriften späterer Zeiten vorliegen, ist wissenschaftlich nicht unumstritten. Auch im Oströmischen Reich (Byzanz) fand der Übergang zur frühmittelalterlichen Kultur statt, wenn er sich auch in anderen Bahnen vollzog, da im Osten die antike Kultur stärker fortbestand als im Westen. Beschleunigt wurde die Entwicklung des oströmischen Reiches hin zum "Byzantinischem Reich" durch die Islamische Expansion, wodurch Byzanz seinen spätantiken Charakter weitgehend verlor.

Literatur


- Hans-Werner Goetz: Europa im frühen Mittelalter. 500-1050. Ulmer, Stuttgart 2003 (Handbuch der Geschichte Europas, 2), ISBN 3-8001-2790-3 (Eine ganz vorzügliche Einführung mit Forschungsteil und reichhaltigen Literaturangaben, die zudem Europa als gesamtgeschichtlichen Raum wahr nimmt.)

Weblinks


- [http://www.oeaw.ac.at/gema/fm Arbeitsgruppe Frühmittelalter, Uni Wien (Betreuung: Walter Pohl, einer der anerkanntesten Historiker auf diesem Gebiet ]
- [http://72.rapidforum.com Diskussionsforum zur Frühmittelaltergeschichte] Kategorie:Zeitalter Kategorie:Mittelalter

Goten

Die Goten waren ein germanisches Volk, das zur Zeitenwende im Bereich der Weichselmündung siedelte. Damals war es den antiken Geographen unter dem Namen Gotonen (Gutonen; gotisch Gutans) bekannt. Der Name wird vom gotischen Wort giutan ("gießen") bzw. gutans ("gegossen") abgeleitet und als "Ausgießer" gedeutet. In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts zog ein Teil der Goten nach Südosten zum Schwarzen Meer. Nach ersten Auseinandersetzungen mit dem Römischen Reich in Südosteuropa in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts kam es am Ende des 3. Jahrhunderts zur Spaltung in Ost- und Westgoten (Ostrogothi, glänzende Goten, und Visigothi, gute Goten). Während der nächsten einhundert Jahre sprach man von den Westgoten als Terwingen, von den Ostgoten als Greutungen. Die Ostgoten wurden 375 von den Hunnen unterworfen. Sie wurden nach deren Niedergang zu römischen Foederati und eroberten 488 unter Theoderich Italien, vorgeblich im Auftrag von Byzanz. Nach Theoderichs Tod zerfiel das Ostgotenreich. Die Westgoten, die noch im Jahre 378 das oströmische Heer unter Kaiser Valens in der Schlacht von Adrianopel schlugen, wurden 382 Föderierte und gründeten Anfang des 5. Jahrhunderts ein Reich in Gallien, das von den Franken nach Spanien verdrängt wurde. Das Westgotenreich unterlag 711 den Mauren.

Stammesnamen

Um Verwirrung vorzubeugen, müssen zunächst einmal die Namen der Gotenvölker, die im Folgenden verwendet werden, geklärt werden. Die Westgoten hießen auch Tervingi (hauptsächlich in ihren Siedlungsgebieten nördlich der Donau) oder Vesi- bzw. Visigothi (hier jeweils die lateinischen Formen). Terwingen bedeutet „Waldleute“ (gotisch triu = Baum); Vesi ist eine prunkende Selbstbezeichnung, die so viel bedeutet wie „die Edlen“. Für die Ostgoten stehen auch die Namen Greutungi (hauptsächlich vor dem Hunneneinfall 375) und Ostrogothi, wobei Greutungen frei übersetzt Steppen- oder Strandbewohner heißt; Ostrogothi ist, wie weiter unten ausgeführt, ein mythologischer Name aus der Ahnenreihe der Amaler. Später wurden die Namen Vesi- und Ostrogothi von Cassiodor, einem Minister Theoderichs des Großen, in anachronistischer Weise in West- und Ostgoten umgedeutet. Die Trennung der Stämme war von nun an deutlich. Die Gepiden, die sich dem Südzug der Goten angeschlossen hatten, waren ursprünglich wohl ein eigenes Volk, auch wenn Cassiodor sie neben Ost- und Westgoten als dritte Volksgruppe nennt. Sie blieben größtenteils im Hinterland, nahe der Karpaten – sie sollten von da an eine politisch eher untergeordnete Rolle spielen. Die Westgoten siedelten nördlich der Donau, und die Ostgoten breiteten sich an der Mündung des Dnjepr aus, unter anderem auch auf der Krim. Die Westgoten konstituierten sich in einer von vielen Kleinkönigen beherrschten Oligarchie, während sich das abgedrängte Königshaus der Amaler bei den Ostgoten seine Macht erhalten konnte.

Geschichte

Gemeinsame Geschichte der Goten vor der Trennung

Anfänge

Die ersten Erwähnungen der Goten finden sich bei den antiken Geschichtsschreibern Tacitus, Strabon und Ptolemäus als Gotonen. Aus deren Nachrichten ergibt sich das Bild eines Stammes mit einem für germanische Verhältnisse bemerkenswert starken Königtum, der zur Zeitenwende nördlich des Weichselknies im Machtbereich der Markomannen siedelte. Seine Nachbarn waren die Lugier im Süden und Rugier im Norden. Die Herkunft gotischer Tradition aus dem südskandinavischen Raum gilt als möglich, wird aber von der modernen Forschung zunehmend zurückgewiesen. Der Sage nach gelangten zuerst zwei Boote der Goten und einige Zeit später das der Gepiden, ihrem Brudervolk, aus Skandza (Skandinavien) im Norden Polens an. Die Küste dort hieß angeblich noch im 6. Jh. Gothiskandza ("Skandza (=Küste) der Goten"). Auch gab es eine Insel in der Weichselmündung, „Geped oios“ genannt, was so viel bedeutet wie "Insel der Gepiden". Ob die Goten jedoch tatsächlich aus Skandinavien stammten, wie damals alle germanischen Völker in ihren Ahnenreihen angaben, ist jedoch sehr fraglich (siehe dazu auch Jordanes und Cassiodor). Es galt als schicklich, von dort zu kommen, aus der „Gebärmutter der Völker“, da man damit Stärke und Fruchtbarkeit assoziierte. In Skandinavien gibt es nur wenige Hinweise, dass einst Goten dort lebten. Auf Grund der modernen Forschung wäre es wahrscheinlicher, wenn sich die Goten als polyethnischer Stammesverband bereits auf dem Festland, das heißt im Gebiet des heutigen Polen, gebildet hätten. Archäologisch ist eine nicht sehr starke Zäsur um 150 v. Chr. an der Weichselmündung belegt, die wahrscheinlich mit der Ankunft der möglicherweise aus Skandinavien gekommenen Gutonen zusammenhängt. Fest steht jedenfalls, dass sie kein homogenes Volk waren. Sie setzten sich aus vielen einzelnen Stämmen unterschiedlicher Abstammung zusammen. Unter ihnen gab es im frühen Stadium, vor ihrer Wanderung, baltische Gruppen, den Stamm der Aesten, Gepiden, Gauten, und natürlich die eigentlichen Goten. Die Namen der letzten zwei Stämme (und möglicherweise auch der der Gepiden) haben dieselbe Bedeutung, was auf einen gemeinsamen Ursprung schließen lässt, und zwar „Ausgießer“. Damit könnte irgendeine Flussmündung gemeint sein, oder aber auch einfach nur Männer. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie ihren Verstorbenen keine Waffen ins Grab legten, was für Germanen untypisch ist. Die erste bezeugte historische Aktivität war eine Verwicklung in eine gegen den Markomannenkönig Marbod gerichtete römische Intrige zwischen 16 - 18, die im Zusammenhang mit dem Cheruskeraufstand stand.

Gotensturm

Als nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts die Zahl des Volkes immer mehr zunahm, fasste der Sage nach König Filimer den Entschluss, mit Heer, Frauen und Kindern auszuwandern. Jedenfalls zogen die Goten entlang der Weichsel flussaufwärts bis ans Schwarzen Meer und die Donau. Pro Generation wanderten sie nur etwa 50 bis 60 km Richtung Südosten. Auf ihrem Weg verdrängten sie die Markomannen, die im böhmischen Raum siedelten, und lösten dadurch die Markomannenstürme aus, mit denen die Römer schwer zu kämpfen hatten. Schwarzen Meer Sie tauchten dann um 238 an der Nordküste des Schwarzen Meeres auf. Archäologisch nachgewiesen ist eine Verschiebung von Teilen der Wielbark-Kultur in den Raum der so genannten Cernjachov-Kultur (größtenteils in der heutigen Ukraine). Es begann der so genannte Gotensturm, er fiel in die Zeit der bis dahin größten Krise des römischen Imperiums (Soldatenkaiser). 238 überfielen die Goten, die in den Quellen anfangs noch anachronistisch als Skythen bezeichnet wurden, und Carpen das römische Histros südlich der Donaumündung. Nach Plünderung der Stadt und Erpressung von Jahresgeldern zogen sie wieder ab. Als zehn Jahre später Kaiser Philippus Arabs nach Siegen über die Carpen die Zahlung der Jahresgelder einstellte, fielen die Goten unter Kniva 250 mit mehreren Heeresgruppen nach Dakien, Thrakien, Mösien und Illyrien ein. Der mittlerweile neue Kaiser Decius wurde in mehreren Schlachten besiegt und fiel schließlich in der Schlacht von Abrittus 251. Der nächste Kaiser Trebonianus Gallus gestand den Goten wieder Jahresgelder zu, wurde jedoch von Aemilianus gestürzt, der die Zahlung wieder einstellte. Wieder griffen die Goten in Thrakien und Mösien an, wurden jedoch diesmal geschlagen. Nach erneutem Kaiserwechsel drangen die Goten 254 bis Thessaloniki vor. Mittlerweile waren viele Städte im Dauerkriegsgebiet stark befestigt, das Land litt unter den starken Verwüstungen. Die Goten gingen ab 255 zu seegestützten Angriffen, zunächst im Raum des östlichen Schwarzen Meeres über, 256 wurden Pityus und Trapezunt erobert. Ab 257 durchfuhren die Goten erstmals den Bosporus und nehmen eine ganze Reihe kleinasiatischer Städte ein. Die zweite Welle begann 268, als eine große gotisch-herulische Armada unterstützt von Landstreitkräften gegen Byzanz zog, die Dardanellen durchquerte und plündernd in die Peloponnes einfiel. Claudius II. besiegte die Angreifer und nahm als erster römischer Kaiser den Ehrentitel Gothicus an.

Spaltung der Goten und Grundzüge der späteren Ethnogenese

Mit dem Ende der Krise des Imperiums unter Diokletian beruhigte sich vorerst auch die Lage an der Donau wieder. In diese Zeit (um das Jahr 290) fiel auch die Spaltung der Goten in die Terwingen-Vesier/Westgoten und Greutungen-Ostrogothen/Ostgoten. Es ist wichtig in diesem Kontext darauf hinzuweisen, dass die Terwingen nicht einfach die späteren Westgoten und die Greutungen nicht einfach die späteren Ostgoten waren. Vielmehr fand die Ethnogenese differenzierter statt: Teile der Terwingen verschmolzen später mit Greutungen und Teilen anderer Völkerschaften zu den Ostgoten, wie auch Teile der Greutungen an der Ethnogenese des Hauptteils der Terwingen zu den Westgoten teilnahmen. Zeitlich kann man grob sagen, dass die Westgoten in der Zeit der Ansiedlung im römischen Reich in den Jahren ab 376 bis zum Königtum von Alarich I., die Ostgoten im Zeitraum von dem Niedergang des hunnischen Reiches (Mitte des 5. Jahrhunderts) bis zur Übersiedlung nach Italien unter Theoderich den Großen (489) entstanden sind . In der Forschung herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, inwiefern man beispielsweise bei den späteren Ostgoten von einem Gemeinschaftsgefühl sprechen kann (vergleiche die Positionen von Peter J. Heather und Herwig Wolfram). Zum historischen Hintergrund der folgenden Zeit vgl. vor allem: Spätantike.

Greutungen

Das Herrschaftsgebiet der Greutungen, das der greutungische König Ermanarich beherrschte, soll vor dem Einfall der Hunnen 375 n. Chr. beachtlich gewesen sein; genaueres läßt sich jedoch kaum sagen, da auch Ammianus Marcellinus, unsere wichtigste Quelle für diese Zeit, dazu kaum Angaben macht. Die höchste Schätzung geht von einem gotischen Einflussbereich vom Baltikum bis zum Ural aus, was aber wohl übertrieben ist, zumal nicht sicher ist, ob Ermanarich über alle Greutungen herrschte . Das Zentrum der greutungischen Herrschaft lag jedenfalls in der heutigen Ukraine und umfasste neben den Goten auch andere Volksgruppen. Der Einfluss der iranischen Steppenvölker hatte zur Folge, dass der gepanzerte Lanzenreiter einen bedeutenden Teil der Streitkraft der Greutungen ausmachte - im Gegensatz zu den Terwingen, bei denen der Fußsoldat überwog. Der gotische Reiterkrieger trug Zweikämpfe zu Pferde aus und konnte große Entfernungen überwinden. Im Jahre 375 überschritten die Hunnen den Don und unterwarfen das Reich der Alanen. Damit war Ermanarich der Krieg erklärt. Die hunnischen Reiter waren mit ihren damals hochmodernen Reflexbögen und ihrer Überfalltaktik den gotischen Kriegern weit überlegen. Der König selber, so erzählt es Ammianus Marcellinus, wollte das weder erleben noch verantworten. Nach mehreren Niederlagen, angesichts der Schrecklichkeit der drohenden Gefahren und aus Furcht vor den großen Entscheidungen, setzte er selbst seinem Leben ein Ende. Sein Volk gab den Kampf aber noch nicht auf und wählte aus der Königsfamilie einen Nachfolger. Dieser fiel bereits nach einem Jahr, und der ostrogothische Widerstand brach zusammen. Der Großteil des Volkes geriet unter die Oberherrschaft der Hunnen, doch gelang es einer starken Gruppe von Greutungen und Alanen, sich mit abtrünnigen Hunnen zu verbinden und der Unterwerfung zu entziehen, worauf sie Zuflucht im römischen Reich suchten. Diese Gruppe war es, die den Terwingen/Westgoten ein Jahr später in der Schlacht gegen die Römer zum Sieg verhalf. Der Großteil der Greutungen, auch die Gepiden, unterwarf sich den Hunnen und wanderte mit ihren Herren in den Westen. Nur eine Minderheit blieb auf der Krim zurück, welche sich aber äußerst lange als selbständige Kultur behaupten konnte. Noch im 16. Jahrhundert wurde dort Gotisch gesprochen. Der flämische Gesandte Ogier Ghislain de Busbecq traf in Istanbul solche Krimgoten, von denen er einige Wörter überlieferte, wie z.B. „reghen“ für Regen, „stul“ für Stuhl und „handa“ für Hände. Die so genannten „Gotenburgen“, die Städte der Goten, sind direkt in den Stein gehauen. In ihrer Hauptstadt Dori sind alle Straßen und Häuser mitten in den Fels gehauen. (Siehe Krimgoten) Allerdings konnten sich offenbar immer wieder einige Gruppen von Goten der hunnischen Herrschaft entziehen bzw. unternahmen einen Versuch, dies zu erreichen (vgl. Radagaisus).

Ostgoten

Im Zuge des Niedergangs der Hunnenherrschaft nach dem Tode Attilas drängten viele Völker ins Reich, darunter auch die Ostgoten. Ein Teil erhielt schließlich einen Föderatenvertrag und siedelte sich in Pannonien an. Der Sohn des Ostgotenkönigs Valamir, Theoderich, kam als Geisel an den Hof in Byzanz (459 - 469). Nach seiner Entlassung erkämpfte er sich die Herrschaft über einen Teil der Ostgoten auf dem Balkan und wurde 474 deren König. Dennoch gab es auch Ostgoten in oströmischen Diensten, wie etwa den Heermeister Theoderich Strabo, dem Rivalen des vorher genannten Theoderich. Erst nach dem Tod Strabos 481 konnte sich Theoderich der Große endgültig durchsetzten. Im Auftrag des Kaisers Zenon zog Theoderich 488 mit dem Großteil der Ostgoten nach Italien, um Odoaker zu vertreiben, welcher 476 Romulus Augustulus abgesetzt hatte und als Patricius das Land regierte. Theoderich sollte Rom für das Imperium zurückzuerobern, bis Zenon selbst in den Westen kommen würde. Die fünfjährige Rabenschlacht (Schlacht um Ravenna) begann. Am 5. März 493 ermordete Theoderich Odoaker in Ravenna, obwohl sich beide bereits verständigt hatten. Fortan herrschte Theoderich als princeps Romanus und an Stelle des Kaisers über Italien - Ostrom musste dies wohl oder übel hinnehmen. Nach Ausschaltung der Konkurrenz im eigenen Lager war die Herrschaft Theoderichs gekennzeichnet von der Anknüpfung an die spätantike Verwaltungspraxis in Italien, vom Bestreben um einen Ausgleich zwischen Goten und Römern (die Arianer bzw. Katholiken waren) und die Konsolidierung der Macht (Heirats- und Bündnispolitik). Er konnte jedoch nicht die Etablierung der fränkischen Herrschaft über Gallien verhindern. 511 machte er sich zum König über die von den Franken besiegten Westgoten, während es im Inneren zu einer kulturellen Spätblüte Italiens kam. Die letzten Jahre des Theoderich wurden überschattet von Fehlleistungen, wie die Ermordung des Boethius. Theoderich starb schließlich am 30. August 526, wobei zahlreiche Legenden über seinen Tod entstanden. Die Zeit danach war chaotisch: Als Vormund des designierten, aber nur 10-jährigen Nachfolgers Athalarich, regiert Amalasuntha, Theoderichs Tochter. Ihr Vetter Theodahad entmachtete sie jedoch 534. Ostrom griff in den Kampf ein: Der oströmische Feldherr Belisar landete 535 in Sizilien und stieß rasch bis nach Rom vor. Die rebellierenden Goten stürzten Theodahat und erhoben 536 Witichis zum König, der Belisar bis 540 standhalten konnte. Im Mai 540 marschierte Belisar in Ravenna ein und nahm den König gefangen: Die Ostgoten schienen besiegt. Die Reste des Gotenheeres erhoben Totila 541 zum König, dem es dann völlig überraschend gelang, innerhalb kurzer Zeit größere Teile Italiens zurückzuerobern. Offenbar hatten sich die kaiserlichen Beamten in kürzester Zeit so unbeliebt gemacht, dass Totila viele Anhänger fand. In den folgenden zehn Jahren wurde das Land durch den Krieg so gründlich verwüstet, dass diese Katastrophe das Ende der spätantiken Kultur Italiens bedeutete; es tobte ein grausamer Krieg mit wechselndem Glück. Auch der erneut entsandte Belisar konnte aufgrund zu geringer Truppenstärke keine Entscheidung herbeiführen und wurde schließlich wieder abberufen. 552 wurde die neue oströmischen Italienarmee (etwa 30.000 Soldaten) dann von Narses angeführt, der Totila 552 in der Schlacht von Busta Gallorum schlug (Tod Totilas). Mit Teja endete 552 in der Schlacht am Milchberg die ostgotische Agonie. Die meisten Goten unterwarfen sich Narses. Die überlebenden Goten wurden teils zu oströmischen Untertanen, teils leisteten sie an einigen Orten noch hinhaltenden Widerstand, und teils schlossen sie sich den Franken und Langobarden an (siehe dazu auch: Justinian I.).

Westgoten

auch: Visigoten

Terwingen

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts begannen die Terwingen, die den Quellen jener Zeit als westlicher Teil der Goten gelten, das von den Römern aus strategischen Gründen aufgegebene Dakien zu besiedeln. Bis kurz vor Beginn der Hunnengefahr blieb die Situation, bis auf kleinere gelegentliche Raubzüge der Terwingen, ruhig. Konstantin der Große hatte 332 einen Vertrag mit den Donaugoten geschlossen, die sich damit zur Waffenhilfe verpflichteten. Mit der Ära Athanarichs verschärften sich jedoch ab 365 die römisch-terwingischen Auseinandersetzungen. Athanarich, der einen römischen Usurpator unterstützt hatte, wurde 369 vom oströmischen Kaiser Valens entscheidend geschlagen, konnte aber dennoch einen günstigen Vertrag aushandeln. Die mittlerweile begonnene Christianisierung der Terwingen (hervorzuheben ist hier besonders Wulfila) führte zu Christenverfolgungen und der Bildung einer Opposition unter dem zum Arianismus übergetretenen Fritigern gegen Athanarich. Obwohl Fritigern von Valens unterstützt wurde, behielt Athanarich vorerst die Oberhand. Dies änderte sich jedoch mit dem Anwachsen der Hunnengefahr, die Athanarich nicht abwenden konnte. Große Teile der Terwingen flohen 376 unter Fritigern mit Erlaubnis der Römer unter chaotischen Bedingungen ins Reich.

Mit und gegen das Imperium – Vom Donauübergang 376 bis zur Ansiedlung in Aquitanien 418

Kaiser Valens hatte 376 den Goten unter Fritigern erlaubt, die Donau zu überschreiten und sich in Teilen Thrakiens anzusiedeln. Sie wurden jedoch wegen des Versagens der dortigen Verwaltung nicht entwaffnet; dadurch gelangten schließlich zehntausende Goten über die Donau, sodass die Römer aufgrund von logistische Problemen mit der Versorgung vollkommen überfordert waren, zumal es auch zu Misswirtschaft auf römischer Seite kam. Die römische Armee war ebenfalls völlig überfordert und konnte nicht verhindern, dass mit den Goten etliche andere Stämme teils ungeordnet die Donau passierten; kurz darauf kam es auch zu Kampfhandlungen. Die römische Regionalarmee wurde geschlagen und römische Sklaven und bereits romanisierte Goten gingen zu Fritigern über. Eine Gruppe von Greutungen, die sich zum selben Zeitpunkt ganz in der Nähe befand, nahmen mit den Terwingen Kontakt auf, ebenso wie einige Alanen und flüchtige Hunnen (so genannte Drei-Völker-Konföderation). Die römische Reaktion war, dass Kaiser Valens die gesamte östliche Hofarmee von ca. 30.000 Mann nach Thrakien führte. Sein Neffe Gratian sollte von Norden mit seinen Elitetruppen anrücken, wurde jedoch durch einen plötzlichen Einfall der Alamannen aufgehalten und traf erst 378 im Nordwesten des heutigen Bulgarien ein. Valens entschloss sich dennoch, am Morgen des 9. August 378 anzugreifen bevor sein Neffe eintraf. Ihm wurde gemeldet, dass das Gotenheer nur aus 10.000 Mann bestehen würde; als Valens jedoch ankam, fand er ein vielfach größeres Heer hinter einer gewaltigen Wagenburg verschanzt vor. Man wollte nochmals verhandeln, um eine friedliche Lösung herbeizuführen, doch begannen zwei römische Einheiten wegen Disziplinlosigkeit ohne Befehl den Angriff und zogen den Rest mit hinein. Die Goten wehrten ab, sodass die Römer gezwungen waren, sich neu zu formieren. Das schwierige Manöver gelang und sie griffen erneut in konzentrischen Wellen die Wagenburg an. In diesem Moment kehrten jedoch die Reiter der Greutungen von ihrer Nahrungssuche zurück und griffen sofort ein, während Fritigern einen Ausfall startete. Die Römer wurden in die Zange genommen und wurden nun von zwei Seiten angegriffen. Der linke Flügel schaffte es jedoch weiter vorzudringen, wurde jedoch von den greutungischen Reitern abgefangen, woraufhin die römische Kavallerie und die taktische Armeereserve floh. Zwei Drittel des römischen Heers, ihr Kaiser und fast alle Generäle und Stabsoffiziere wurden getötet. Die kampfstärksten Teile der römischen Armee waren damit weitgehend vernichtet. Die Folgen dieser Schlacht waren vielfältig. Die Terwingen/Westgoten wurden nun zu Reitern, die Christianisierung gefördert und die römische Politik gegenüber reichsangehörigen Barbaren musste geändert werden, dass heißt, sie wurden von nun an integriert und dementsprechend wurden wirtschaftliche, politische und rechtliche Maßnahmen getroffen. Ob Adrianopel der Anfang vom Ende des Imperiums war, wie manchmal in der älteren Forschung vermutet, wird inzwischen stark angezweifelt. Vielmehr kam es zu einer Umorientierung der römischen Germanenpolitik, was allerdings auch die Barbarisierung des Heeres förderte. 378 382 kam es zu einer vertraglichen Einigung zwischen den Westgoten und dem römischen Kaiser Theodosius I., der seit 379 im Osten herrschte. Demnach wurden die Goten als Foederati zwischen Donau und Balkangebirge angesiedelt, erhielten steuerfrei Land und Jahresgelder, mussten dafür aber, allerdings unter eigenen Führern, als Soldaten dienen. Außerdem wurde ein Eheverbot zwischen Römern und Goten erlassen. Dieser Vertrag setzte eine Entwicklung in Gang, die letztendlich dazu führte, dass die Goten zu einem Staat im Staate wurden, wobei diese Entwicklung allerdings nicht vorher in ihrer ganzen Tragweite absehbar gewesen ist - zumal Theodosius das Gotenproblem wenigstens vorläufig gelöst hatte und nun auch wieder über eine schlagkräftige Armee verfügte, in welche die Goten nun eingebunden wurden. Insgesamt betrachtet wich dieser Gotenvertrag nicht wesentlich von der römischen Vertragspraxis ab; es war vielmehr die spätere Entwicklung, welche die Auswirkung des foedus offen zu Tage treten ließ. Möglicherweise aufgrund des immer stärker gewordenen hunnisches Drucks, drangen ab 391 westgotische Verbände plündernd nach Süden vor. Als dann 394 die Hunnen in großem Stil die Donau überschritten, verließen die Goten ihre Wohnsitze und zogen unter Alarich I. plündernd über den Balkan bis nach Byzanz und die Peloponnes, zumal sie sich nach dem Tod des Kaisers Theodosius I. nicht mehr an ihre mit ihm geschlossenen Verträge gebunden fühlten. Nachdem sie von dem römischen Feldherrn Stilicho geschlagen wurden, erhielten sie 397 einen neuen Föderatenvertrag und wurden in Makedonien angesiedelt. Dort blieben sie aber nur vier Jahre, denn Alarich hatte noch immer keine Position im römischen Staat erlangt, die seinen Vorstellungen entsprach. 401 gingen die Goten erneut auf Wanderschaft und zogen kreuz und quer durch das Ostreich (Balkan) und Italien, um sich schließlich 408 vor Rom festzusetzen. Am 24. August 410 nahmen die Westgoten, die bereits zuvor zweimal mit einer solchen Aktion gedroht hatten, Rom ein und plünderten es drei Tage lang. Wegen der prekären Versorgungslage versuchte Alarich vergeblich nach Nordafrika zu gelangen: Auf dem Rückzug nach Norditalien starb er. Sein Nachfolger Athaulf führte die Westgoten nach Gallien. Nach weiteren militärischen Konflikten (Vorstöße nach Spanien, ein weiterer Versuch nach Nordafrika vorzustoßen), erhielten die Goten nach einer Niederlage 418 wieder einmal einen Föderatenvertrag und wurden in Aquitanien angesiedelt: Das Tolosanische Reich um Tolosa (dem heutigen Toulouse) der Westgoten entstand.

Das Tolosanische Reich

In den nächsten Jahrzehnten kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Römern und Westgoten bzw. zwischen Römern und diversen anderen Germanenstämmen und schließlich mit der immer massiver werdenden Hunnengefahr. 451 kam es dann zur Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Dort standen sich auf der einen Seite Hunnen, Gepiden, verschiedene andere Germanenstämme sowie Ostgoten, auf der anderen Seite Römer, Gallier, ebenfalls diverse Germanenstämme und Westgoten gegenüber. Die Schlacht endete zwar unentschieden, aber der Nimbus der Unbesiegbarkeit Attilas ist dahin. Der Legende nach starb der damalige König der Westgoten Theoderid durch einen Speerwurf des Ostgoten Andagis. Attila In der Folgezeit konsolidierte sich das Westgotenreich zunehmend, besonders unter Eurich, der in den 460er Jahren angesichts der Schwäche des weströmischen Kaisers den Föderatenvertrag kündigte und sich an die Eroberung der umliegenden gallischen Gebiete machte. Dabei trafen die Goten offenbar auf wenig Widerstand; vielmehr rückten sie vielerorts wohl einfach in die Position, die der Kaiser nicht mehr ausfüllen konnte. Dabei kam es sowohl zur Konfrontation als auch zur Kooperation mit der gallorömischen Oberschicht. Auch Spanien geriet zunehmend in den Fokus westgotischer Aktivitäten, wo Eurich sich auch festsetzen konnte. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahre 476 wurde das Tolosanische Reich faktisch eigenständig und reichte in der Zeit seiner größten Ausdehnung bis nach Spanien, das in den 490er Jahren zwei große Einwanderungswellen erlebte, und Mittelfrankreich (an der Loire). Gegen die vordringenden Franken unter Chlodwig I. verloren die Westgoten unter Alarich II., insbesondere durch die Niederlage bei der Schlacht von Vouillé im Jahr 507, weitgehend ihre gallischen Länder und waren danach auf die Iberische Halbinsel und einen schmalen, aber sehr wertvollen Streifen an der französischen Mittelmeerküste (Septimanien) eingeschränkt. Der Staat befand sich in Auflösung und konnte nur mit ostgotischer Hilfe gegen die Franken verteidigt werden. 511 gerieten die Westgoten dann zeitweilig unter ostgotische Herrschaft: Theoderich, die westgotische Anarchie ausnutzend, erklärte sich zu ihrem König. Einige Jahre nach seinem Tod 526, nach dem die Ost- und Westgoten wieder von unterschiedlichen Herrschern regiert wurden, wurden sie endgültig von den Franken über die Pyrenäen zurückgedrängt.

Die Neuorientierung der Westgoten nach Spanien – Das Toledanische Reich

König Leovigild gelang es nach einer längeren Zeit der Wirren, die iberische Halbinsel völlig unter westgotische Kontrolle zu bringen. Er besiegte die Sueben im Nordwesten und konnte die Oströmer, die unter Justinian I. seit 552 zwischenzeitlich den Süden um Cordoba und Carthago Nova erobert hatten, wieder zurückdrängen. Die letzten kaiserlichen Festungen in Spanien kapitulierten aber erst in den 620er Jahren. Die folgenden Jahrhunderte waren wesentlich geprägt von Auseinandersetzungen um die Thronfolge. Aus dem alten germanischen Heerkönigtum hatte sich ein Wahlkönigtum entwickelt, es konkurrierten mächtige Adelige und Militärs um die Krone. Das jeweilige Königshaus versuchte dagegen eine Erbmonarchie durchzusetzen. Ein weiterer Machtfaktor war die katholische Kirche. Nachdem Versuche der Könige gescheitert waren, die Mehrheit der Bevölkerung zum Arianismus zu bekehren, wählten sie schließlich den umgekehrten Weg: Auf dem 3. Konzil von Toledo 589 wurde der Katholizismus Reichsreligion, womit der Arianismus endgültig verdrängt wurde. Dadurch wurde auch die bis dato verbotene Vermischung der bisher arianischen Westgoten (nur etwa 2-3 % der Gesamtbevölkerung Spaniens) mit den übrigen Bevölkerungsgruppen möglich. Als Folge schwand der Gebrauch der gotischen Sprache schnell zugunsten einer frühspanischen bzw. spätlateinischen Umgangssprache. Zum Zeitpunkt der arabischen Invasion 711 wird mit Ausnahme der höchsten Adelskreise niemand mehr die gotische Sprache verwendet haben. Das 6. Jahrhundert war eine kulturelle Blütezeit des westgotischen Spaniens, die durch eine zunehmende Verdrängung der gotischen zugunsten der spätantiken Elemente gekennzeichnet war; auch kam es zu einer Rechtkodifikation, die bereits unter Eurich begonnen hatte und sich bis ins 7. Jahrhundert fortsetzte. Doch brachen in der darauffolgenden Zeit die Thronkämpfe nicht ab, was mit zur schnellen arabischen Eroberung beitrug. König Wamba (672-680) war der erste westeuropäische Herrscher, von dem sicher bekannt ist, dass er sich unter Imitation biblischer Bräuche zum König salben ließ - ein Weg, die eigene Position zu stärken, der einige Jahrzehnte auch im Frankenreich nachgeahmt werden sollte. 710 wurde Roderich (Rodrigo) zum König gewählt, seine Konkurrenten ließen sich angeblich mit den islamischen Mauren ein, die in einem Sturmlauf sondergleichen ganz Nordafrika an sich gerissen hatten (vgl. auch Islamische Expansion). Die Araber überquerten mit einem Expeditionscorps von mindestens 8000 Mann bei der Meerenge von Gibraltar das Mittelmeer. Bald folgten weitere Einheiten nach. König Roderich (Rodrigo) eilte mit nahezu dem gesamten gotischen Heerbann aus Asturien, wo er die renitenten Basken bekämpfte, zum Schauplatz. Entgegen anderslautenden Behauptungen in späteren Quellen deutet nichts darauf hin, dass der König von Adligen aus den eigenen Reihen verraten wurde; allerdings wurde er offenbar dazu genötigt, die Schlacht anzunehmen, bevor sein Heer vollzählig war. In der Schlacht am Rio Guadalete in der Nähe des heutigen Jerez de la Frontera unterlag er den Invasoren. Der König fiel in einem der Schlacht folgenden kleineren Gefechte. Die westgotische Hauptstadt Toletum (heute Toledo) fiel kampflos. Sevilla und einige große Städte konnten sich noch fast zwei Jahre gegen die in der Folge in großer Zahl ins Land strömenden Araber halten. Von Asturien aus begann unter dem Gotengrafen Pelagius (Don Pelayo) die so genannte Reconquista (Sieg Pelayos über eine arabische Streitmacht bei Covadonga im Jahr 722).

Kultur der Goten in Grundzügen

Zu beachten ist, dass es nach der Ansiedlung der Westgoten bzw. der Ostgoten auf römischen Gebiet zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Aneignung der römischen Kultur durch die Goten kam, wenngleich freilich immer noch Unterschiede bestanden.

Sprache

Siehe auch Hauptartikel Gotische Sprache Die Goten sprachen eine germanische Sprache. Da sie durch Wulfila mehrere Jahrhunderte früher als alle anderen germanischen Sprachen eine Schrift erhielt und somit den Rang einer Schriftsprache erreichte, ist das überlieferte Gotisch altertümlicher (d.h. es steht in manchem dem Gemeingermanischen näher) als etwa das Altenglische oder das Altnordische. Das Gotische gilt als Hauptvertreter des ostgermanischen Sprachzweiges, zu dem auch Wandalisch und Burgundisch gezählt werden. Heute ist das Gotische, bis auf Spuren, die es im Wortschatz romanischer Sprachen hinterlassen hat, ausgestorben. Bis zum 17./18. Jahrhundert existierten auf der Krim noch Reste: das Krimgotische.

Religion

Grundlage des religiösen Lebens war die dörfliche Kultgemeinschaft mit Ahnenverehrung und Opfergaben. Die Religion der Goten war ursprünglich heidnisch-germanisch. Leider ist jedoch darüber kaum etwas bekannt, nur der Getica des Jordanes können wir weniges entnehmen, während die erhaltenen gotischsprachigen Quellen erst nach der Bekehrung zum arianischen Christentum durch Wulfila entstanden und überdies grötenteils aus christlichen Texten bestehen. Jordanes berichtet so z.B., dass die Goten ihre Könige nach einem Sieg nicht mehr als bloße Menschen, sondern als Halbgötter, auf Gotisch ansis, bezeichneten (Getica XIII). Beim Namen „ansis“ scheint es sich um die gotische Form des Namens der Asen zu handeln. Bei den Westgoten stand möglicherweise der Kriegsgott Tyz an erster Stelle. Ein gotischer Wodan-Odin ist nicht sicher überliefert. Daneben wurden die Donau und andere Flüsse als Gottheiten verehrt. Der Flussgott empfing Menschenopfer, und Eide wurden auf seinen Namen geleistet. Schlachten wurden mit Preisliedern auf die Ahnen und die Götter und dem Trinken von Met eröffnet. Die Priester und Schamanen (auch Priesterinnen) der einzelnen Stämme verehrten auch lokale Gottheiten. Athanarich, bis 375 unter dem Titel eines Richters (lateinisch iudex) gewählter Sprecher der westgotischen Kleinkönige, ein erklärter Feind Roms, verfolgte vor 346 und 369-372 die gotischen Christen im Namen dieser Gottheiten, denn der christliche Glaube war bereits über die römischen Provinzen den Goten bekannt geworden und hatte auch einige Anhänger. Da das Christentum sich sozial gesehen von unten nach oben verbreitete, sah die terwingische Oberschicht, wie einst auch die römische, eine Bedrohung der religiösen und sozialen Ordnung in den Christen und verfolgte sie in einer Weise, wie es in der germanischen Welt keinen Vergleich gibt. Dabei kam es durchaus zu brutalen Ausschreitungen, so ließ Athanarich die Christen mitsamt ihren Häusern verbrennen, ein anderer Gote, Wingurich, zündete volle Kirchen an. Die Christen wurden als Römerfreunde und Leugner der gotischen Überlieferung geächtet. Jedoch war dies rein politischer Natur. Kein Priester oder Geistlicher beteiligte sich an den Gräueltaten und Vertreibungen. Im Laufe dieser Konflikte, die eine starke innenpolitische Zerrüttung zur Folge hatten, verbündete sich Athanarichs Gegenspieler, der zum arianischen Christentum übergetretene Fritigern, mit Kaiser Valens und stand damit auf Seiten Roms. Bei innergotischen Kämpfen im Jahre 367 zwischen Athanarich und Fritigern konnte sich ersterer durchsetzen. Dies hatte folgenreiche Auswirkungen auf das Verhältnis zu Rom und auch die Christen mussten stark darunter leiden. 367 Der gotische Bischof Wulfila schrieb mit seinen Helfern die erste germanische Bibel (Wulfilabibel), nachdem er bei der ersten Christenverfolgung aus dem Gotenreich vertrieben und vom römischen Kaiser Konstantius II. im Landstreifen rechts der unteren Donau angesiedelt worden war. Er schrieb sie teils mit Hilfe von bereits von lateinischen und griechischen Missionaren übersetzten Stücken, ab 350 bis zum Jahre seines Todes 383. Das besterhaltene Exemplar ist der Codex Argenteus – ein königliches Stück auf purpurn gefärbtem Kalbspergament, mit silberner und goldener Tinte geschrieben. Es beweist die Wertschätzung, die diesen identitätsstiftenden Bemühungen noch im 6. Jahrhundert entgegengebracht wurden. Wulfila selbst wurde wahrscheinlich schon bei seiner Geburt getauft, dreisprachig erzogen und erhielt eine rhetorische Bildung. Um 341 etwa muss er seine Weihe zum Bischof der Christen im gotischen Land erhalten haben. Über die Christianisierung der Ostgoten ist nicht viel bekannt. Spätestens die pannonischen Goten unter Theoderich galten als arianisch.

Stammeslegende und Sippen

In den Horizont der römischen und griechischen Geschichtsschreiber traten die Goten 238, als sie die Donau überschritten. Ab diesem Zeitpunkt kann man von einer gotischen Geschichte sprechen. Aber als Cassiodor im ersten Drittel des 6. Jahrhunderts im Auftrag Theoderichs die Gothorum Historia (Geschichte der Goten) abfasste, griff er zeitlich viel weiter zurück. Da Cassiodors zwölfbändige Fassung nicht erhalten ist, steht nur die kürzende Überarbeitung durch den Goten Jordanes (um 550, De origine actusque Getarum, kurz Getica) als Quelle für die frühen Stammeslegenden zur Verfügung – Stammeslegenden, die mündlich überliefert worden waren, aber von Cassiodor auch nach einflussreichen historiographischen Modellen (Tacitus' Germania) geordnet und zum Teil erfunden wurden. Cassidor trug zahlreiche skandinavische und skythische Völkerschaften, deren Namen der klassisch-antiken Geographie und Ethnographie teils schon seit Herodot bekannt waren (insbesondere die häufig mit den Goten verwechselten Geten), und offenbar auch ihre Königslisten zu einer Gotengeschichte zusammen. Gemäß der von Jordanes überlieferten Stammeslegende stammten die Goten vom sagenhaften Stammesgründer Gapt auf der Insel Scandza (Skandinavien) ab. Von dort seien sie unter König Berig mit drei Schiffen in Gothiscandza (baltische Küste) gelandet und hätten sich nach fünf Generationen unter Filimer auf den Weg Richtung Süden gemacht. Die Spaltung des Volkes in West- und Ostgoten sei passiert, als während der Überquerung eines großen Flusses die Brücke eingestürzt sei. Diese Darstellung enthält kaum historische Wahrheiten. Dagegen konnte die Archäologie zeigen, dass die Sachkultur, der die frühen Goten zugerechnet werden (Wielbark Malbork/Willenberg-Kultur), ohne signifikante Zuwanderung östlich der Weichsel entstanden ist und sich von dort aus seit dem 1. Jahrhundert langsam nach Südosten verschob, bis sie um 200 n. Chr. in der heutigen Ukraine ankam, während an der Weichselmündung einige Siedlungen noch bis ins 4. Jahrhundert fortbestanden. Es sind vier Königssippen der Goten überliefert: die Amaler, die Balthen, die Berig- und die Geberich-Sippe. Stammvater der halbgöttlichen Amaler war Amal, legendärer Urenkel des Gapt, dessen Urenkel wiederum Ostrogotha war, der „Vater der Ostgoten“. Cassiodor bringt sie mit den A(n)ses (vgl. die nordischen Asen), den Göttern, in Verbindung. Der erste historische Amaler war Ermanarich, ein weiterer prominenter Vertreter dieses Geschlechts war Theoderich der Große. Die deutsche Heldensage bewahrt den Namen des Königsgeschlechts als Amelungen. Die visigotischen Balthen (die „Kühnen“, vgl. engl. bold) nahmen den zweiten Rang ein. Zu ihnen zählten Alarich I., Rikimer und Gesalech. Aus der Berig-Sippe sind nur Berig selbst, ein ansonsten unbekannter Gadarig, sowie Filimer bekannt. Zur Geberich-Sippe gehörte neben dem Namensgeber möglicherweise auch Kniva. Die politisch motivierte Überlieferung sieht die Amaler und Balthen als legitime Herrscher der Ost- bzw. Westgoten.

Herrschaftsaufbau

Das Herrschaftgebiet der Goten war die gutþiuda, unterteilt in Kleinstämme, die kunja. Letzteren standen die Häuptlinge reiks vor, die in dem Rat, gafaúrds, zusammentraten. Bei Gefahr wurde ein Richter, kindins, bestellt. Richter oder Rat bestellten für militärische Unternehmungen einen Heerführer, drauhtins. Das Land wurde beherrscht von der Aristokratie in Haus gards und Burg baúrgs in Konkurrenz zum genossenschaftlichen Dorf haims. Im Laufe der Zeit, besonders mit den Wanderungen, setzten sich immer stärker die Elemente des germanischen Heerkönigtums durch: Der König þiudans wurde von der Versammlung der Krieger auf den Schild gehoben. Diese Entwicklung mündete schließlich in der Konkurrenz von Wahlkönigtum und Erbmonarchie der spanischen Westgoten. Theoderich d. Gr. verstand sich hingegen als römischer Bürger und latinischer König, Flavius rex. Sein Bestreben war es, die gotische Geschichte zu einem Teil der römischen zu machen.

Zitat

: Frankreich ist ebenso verschieden von Spanien wie die Franken von den Westgoten. - José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens)

Was bleibt?

Die Westgoten in Asturien wurden zum Teil der spanischen Geschichte, der spanische Thronfolger trägt noch heute den Titel „Prinz von Asturien“. Im Mittelalter diente die Berufung auf die Goten teils der Herrschaftlegitimation der Reconquista; später (im 15. Jahrhundert) wurden die Goten auch von Schweden vereinnahmt (mit Berufung auf Jordanes). Das berühmteste Artefakt der Goten ist sicher der Codex Argenteus, die Silberbibel, geschrieben mit Silber- und Goldtinte auf Pergamentseiten, die mit dem Rot der Purpurschnecke gefärbt wurden: ein unendlich wertvolles Manuskript und eine der wichtigsten Handschriften der Spätantike. Es entstand im frühen 6. Jahrhundert in Italien und liegt heute in Uppsala. Der Gotenschatz in Bukarest, 1837 von einem Bauern gefunden, gehört zu den Dingen, welche die Terwingen auf der Flucht vor den Hunnen zurückließen. Im Schatz enthalten sind auch die berühmten Adlerfibeln. Der Adler war seit der Zeit am Schwarzen Meer das gotische Symbol schlechthin. Hunnen] Das Mausoleum Theoderichs in Ravenna ähnelt ein wenig dem Grabmal Konstantins. Theoderichs Gebeine sind jedoch verschollen. Hinweise: Die Gotik ist eine Epoche der Kunstgeschichte und hat mit den Goten selber nichts zu tun. Der Name kommt daher, dass dieser mittelalterliche Baustil in Südeuropa als barbarisch – eben „gotisch“ – empfunden wurde; in Deutschland wurde der Begriff dann neutral verwendet. Einige Wissenschaftler zweifeln die Identität
- Greutungen = Ostgoten
- Terwingen = Westgoten an, doch bilden diese eine Minderheit. Allerdings lassen sich in der Tat nicht unbedingt wirkliche ethnische Kontinuitätslinien nachweisen, da Ethnizität besonders in der Spätantike zahlreichen Schwankungen unterlag und möglicherweise vor allem die Namen wanderten.

Siehe auch


- Völkerwanderung
- Spätantike
- Ethnogenese
- Liste westgotischer Könige
- Liste ostgotischer Könige
- Bautastein

Quellen

Die Quellensituation bezüglich der Goten ist teils sehr lückenhaft. Eine wichtige Quelle stellt Jordanes' Getica dar, wenn auch die Informationen mit gebührender Vorsicht verwendet werden müssen. Ammianus Marcellinus ist für die Zeit von der Zerschlagung des Ostrogoten-Reiches bis zur Schlacht von Adrianopel 378 unsere mit weitem Abstand beste Quelle; dies wird besonders deutlich, wenn man die nachfolgenden erzählenden Quellen als Vergleich heranzieht. Zosimos und die Fragmente mehrerer Historiker (wie Olympiodoros von Theben) oder die Consularia Constantinopolitana bieten nur vereinzelt Einblicke in die nachfolgende Entwicklung. Prokopios von Caesarea bietet uns dafür eine detaillierte Geschichte der Gotenkriege Kaiser Justinians. Dazu treten diverse spätantike Kirchengeschichten (wie etwa die von Sozomenos), aber auch Orosius' Historiae adversum Paganos, Cassiodors Variae (dessen Gotengeschichte uns bedauerlicherweise nur in Auszügen bei Jordanes erhalten ist) sowie die Briefe des Sidonius Apollinaris, eines Gallo-Romanen, der uns Einblicke gewährt in das Westgotenreich von Toulouse und den Beziehungen zwischen Romanen und Goten, sind von Bedeutung. Außerdem sei auf das Geschichtswerk Isidors verwiesen (Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Suevorum). Hinzu kommen diverse Gesetzestexte (z.B. die Lex Visigothorum). Daneben kommt vor allem der Archäologie große Bedeutung zu, besonders in Hinblick auf die Frühgeschichte der Goten .

Literatur

Siehe auch die Überblickswerke in der Bibliographie Spätantike.
- Artikel Goten, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), diverse Verfasser, 2. Aufl., Bd. 12 (1998), S. 402-443.
- Volker Bierbrauer: Archäologie und Geschichte der Goten vom 1.-7. Jahrhundert, in: Frühmittelalterliche Studien 28, 1994, S. 51-171.
- Wolfgang Giese: Die Goten, Kohlhammer-Urban Taschenbücher, Stuttgart 2004. ISBN 3170176706 Gut verständliche und konzise Darstellung, basierend auf der aktuellen Forschungslage.
- Peter J. Heather: Goths and Romans 332-489, Oxford 1991, ISBN 019820535X Von Bedeutung vor allem in Hinblick auf die gotisch-römischen Beziehungen; vertritt teils andere Ansichten als Wolfram.
- Ders.: The Goths (The Peoples of Europe), Oxford 1996, ISBN 0631209328
- Herwig Wolfram: Die Goten, C.H. Beck, München 2001, ISBN 3406337333 Grundlegendes Werk, das auf den Studien von R. Wenskus fußt.
- Ders.: Gotische Studien. Volk und Herrschaft im Frühen Mittelalter, München 2005.
- José Orlandis: Historia del Reino Visigodo Español, Madrid 1988, Grundlegend für das toledanische Reich.

Weblinks


- [http://www.dmgh.de/dmghband.html?bsbbandname=00000792&frameaction=bandansicht Jordanes, lateinisch]
- [http://www.ucalgary.ca/~vandersp/Courses/texts/jordgeti.html Jordanes, englisch]
- [http://www.geschichte.hu-berlin.de/bereiche/ag/Hartmann/mat/ss03/gotlit.htm Bibliografie zu den Goten und weiterführende Links, erstellt vom Historischen Seminar der HU Berlin]
- [http://www.ub.uu.se/arv/codexeng.cfm Die Silberbibel]
- [http://extranet.ufsia.ac.be/wulfila/ Project Wulfila]
- [http://www.reimar.de/gotisch.html Gotisch im WWW]
- [http://www.reconquista.wisis.de/text/458.htm Die Westgoten in Spanien als Teil des Reconquista-Projektes]
- [http://www.historialago.com/leg_visigodos.htm Westgoten/Visigodos, eine ausführliche Seite auf spanisch]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,2005964,00.html Westgoten im ZDF]
- [http://perso.wanadoo.es/ralf55/history/Toledo1.html Das Westgotenreich von Toledo] ! Kategorie:Germanischer Stamm ja:ゴート族 ko:고트족

Iberische Halbinsel

Die Iberische Halbinsel ist der Teil Europas südwestlich der Pyrenäen. Spanien und Portugal sind die beiden heutigen Staaten auf der Halbinsel. Das Fürstentum Andorra liegt im Nordosten, an der Grenze zu Frankreich. Gibraltar an der Südspitze ist eine britische Kronkolonie. Die Iberische Halbinsel führt ihren Namen auf die Volks- oder Stammesgruppe der Iberer zurück, die dort in der Antike gelebt haben. Der Ebro (Lateinisch Iberus) fließt vom Norden aus ins Mittelmeer. Iberia war auch die griechische Bezeichnung dieser Gegend. Im Lateinischen wurde die Region Hispania genannt, wovon España und Spanien abgeleitet sind. Im Frühmittelalter waren große Teile der Iberischen Halbinsel islamisch und färbten durch die Vermischung die iberische Kultur auf nachhaltige Art und Weise. ! ja:イベリア半島 ko:이베리아 반도

Schlacht am Guadalete

Die Schlacht am Rio Guadalete wurde im Jahr 711 zwischen Arabern, Berbern und Westgoten ausgetragen. Die westgotische Niederlage besiegelte deren Herrschaft über die iberische Halbinsel.

Verlauf

Die Quellen zu der Schlacht am Rio Guadalete - manche sprechen auch von der Schlacht am Rio Barbate - sind leider ungenau, da die Angaben erst Jahrzehnte später schriftlich festgehalten wurden, und im Laufe der Jahrhunderte weiter verfälscht wurden. So ist der genaue Ort nicht bekannt. Sicher ist nur das Datum: Der Kampf fand am 19. Juli 711 vermutlich zwischen den beiden Flüssen, aber nicht wie häufig angenommen bei Jerez de la Frontera, sondern eher bei Arcos de la Frontera statt. Die unterschiedlichen Ortsangaben rühren daher, dass die Araber ihre Lager am Rio Barbate und die Europäer am Rio Guadalete aufgeschlagen haben. Damit war die Wasserversorgung für die Truppen gewährleistet. Eine Römerstraße führte von Norden dorthin, und Tariq kam auf dieser Straße von Süden aus Gibraltar. Der Grundstein der Niederlage Roderichs wurde viel früher gelegt und ist in den Kämpfen um die Krone, in dem nicht nur Adlige, sondern auch Heerführer mitmischten, zu sehen. Nur so wäre nachvollziehbar, dass die Konkurrenten Roderichs, die Mauren um Hilfe riefen. Diese Angabe ist aber - wenn sie auch oft genannt wird - nicht belegbar. Sicher ist, dass eine Streitmacht von Arabern und vor allem Berbern aus Marokko unter der Führung von Tāriq ibn Ziyād, den Bürgerkrieg im westgotischen Königreich ausnutzten und über die Straße von Gibraltar übersetzten (zu den Hintergründen der arabischen Eroberungszüge siehe Islamische Expansion). Zu dieser Zeit war König Roderich wegen eines Aufstandes der Basken im Norden. Er eilte in den Süden und so standen sich im Sommer 711 die Westgoten unter der Führung ihres Königs Roderich und das muslimische Heer (welches etwa 12.000 Mann zählte; das westgotische Heer dürfte in etwa gleichstark gewesen sein) unter dem Oberbefehl von Musa ibm Nusair gegenüber. Neben Roderich befehligten die beiden Brüder Witizas Teile des Gotenheeres; dennoch gingen sowohl die Anhänger Roderichs als auch dessen politische Gegner gemeinsam in den Kampf gegen die Invasoren und fanden auch gemeinsam den Tod. Berichte in den Quellen vom Verrat von Witizas Gefolgsleuten gehen auf eine spätere Überlieferung zurück. Genaueres über den Ablauf ist nicht bekannt, nur dass König Roderich in dieser Schlacht schließlich fiel, womit auch der organisierte Widerstand der Westgoten zusammenbrach. Obwohl nur wenig über die Schlacht bekannt ist, hatte sie weitreichende Folgen. Das durch den Bürgerkrieg und dessen Folgen geschwächte Land war endgültig zerschlagen und die islamischen Kämpfer konnten in kurzer Zeit die iberische Halbinsel besetzen, bis die Reconquista begann. Allerdings hielten sich im Norden der Halbinsel auch weiterhin gotische Truppen; dort blieben auch gotische Traditionen noch lange Zeit bestehen.

Literatur


- Dietrich Claude, Geschichte der Westgoten, Stuttgart 1970.
- Dieter Lechner: Der Angriff, in: G/Geschichte 7/2005, S. 20-21. Rio Guadalete Rio Guadalete Kategorie:711

Schlacht von Covadonga

In der Schlacht von Covadonga (südöstlich von Gijón) im Jahr 722 besiegte Asturien unter Pelayo eine maurische Streitmacht. Dies war der erste Sieg eines christlichen Heeres auf der iberischen Halbinsel, nachdem diese 711-715 von den Muslimen erobert worden war. Die Schlacht, die tatsächlich eher ein Gefecht war, kann damit als Beginn der Reconquista gelten. Unsicher ist zudem, wann und ob diese Schlacht um Asturien tatsächlich stattgefunden hat. Denn alle Aufzeichnungen darüber wurden erst 200 Jahre später getätigt und die Ereignisse wurden im Sinne des am asturischen Hof vorherrschenden Neogotismus legendenhaft verklärt. Pelayo, der für sich eine Abstammung vom westgotischen Königshaus geltend machte, gelang es, im Nordwesten Spaniens den Widerstand gegen die arabischen Eroberer zu organisieren, auch wenn diese ihn kurzzeitig gefangennehmen konnten. In der gebirgigen und unzugänglichen Gegend Asturiens gelang es ihm und seinen Kämpfern, in einer Art Guerilla-Taktik den Widerstandsgeist in dieser Gegend wachzuhalten, womit er vor allem deshalb Erfolge erzielte, weil den Mauren um 720 eher an einer Expansion in das Frankenreich hinein gelegen war als an mühseligen Einzelaktionen gegen Bergvölker. Die arabische Niederlage am 9. Juni 721 vor Toulouse gegen Eudo von Aquitanien warf sie aber zunächst wieder auf Spanien zurück, sodass nunmehr der arabische General Alkama damit beauftragt wurde, Asturien zu befrieden, um diesseits der Pyrenäen eine stabile Herrschaft als Voraussetzung für eine erneute Expansion sicherzustellen. Pelayo standen wohl nur rund 300 Mann zur Verfügung, denen eine zahlenmäßig deutlich überlegene Streitmacht entgegenstand, doch hatten sie den Vorteil der besseren Geländekenntnis, zumal Covadonga in einer engen Schlucht am Rio Sella liegt. Somit hatten die Mauren kaum Spielraum, um ihre zahlenmäßige Überlegenheit zu entfalten, während Pelayo sich mit seinen Kämpfern zunächst, vor den Blicken der Mauren verborgen, in einer Höhle verschanzte und dann den Gegner von den Hängen herab attackierte und weitgehend vernichtete; auch Alkama kam in den Kämpfen um. Pelayo wurde als Held gefeiert. Ein weiterer Versuch, die Asturier zu schlagen, wurde wenig später von ihm bei Proaza ebenfalls abgewehrt, sodass die Mauren fortan die Unabhängigkeit Asturiens nicht mehr gefährden konnten. Der Ort der Schlacht ist heute ein Marien-Wallfahrtsort. Pelayos Gebeine wurden in der genannten Höhle aufbewahrt und ein mit Edelsteinen geschmücktes Kreuz errichtet, das als das Cruz de la Victoria zu einem der Nationalsymbole Asturiens wurde.

Weblinks


- [http://reconquista.wisis.de/text/15.htm Die Schlacht von Covadonga 722] Kategorie:722 Covadonga

Franken (Volk)

Zu den Franken (wörtlich: die Freien) im ethnologischen Sinn zählt man gewöhnlich die westgermanischen Stämme der
- Salfranken (seit 420) (ungleich Salier)
- Ripuarier (bzw. Rheinfranken),
- Chamaven,
- Chattuarier,
- Sigambrer (bzw. Sugambrer),
- Brukterer,
- Usipiter,
- Ampsivarier
- später auch die Chatten (heute Hessen)

Geschichtlicher Abriss

Seit etwa 200 n. Chr. begannen sich einige der kleinen westgermanischen Stämme entlang der römischen Grenze, etwa die Usipiter, Tenkterer, Sugambrer und Brukterer, zu einem größeren Stammesverband zusammenzuschließen, der sich selbst als "die Franken" (= die Freien, Kühnen) bezeichnete. Die Franken wurden erstmals um 250 n. Chr. als Francii von römischen Quellen erwähnt, anlässlich eines ihrer vielen Raubzüge über die Grenze in die römische Provinz Gallien hinein. Während der Völkerwanderung drangen diese Stämme in Gebiete ein, die heute dem fränkischen Sprachraum zugeordnet werden (Region Franken in Nord-Bayern und Nord-Württemberg, Süd-Thüringen, Hessen, Nord-Baden, Rheinland-Pfalz, das nördliche Elsass, Lothringen, Saarland, Luxemburg, das Rheinland, die deutschsprachigen Gebiete Ostbelgiens, der Niederrhein, Limburg, Holland, Seeland, Brabant sowie Flandern). Siehe dazu auch Spätantike. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts befand sich das Zentrum der Frankensiedlungen in und um Köln. Im Jahr 420 überschritt (nach viel späteren und unzuverlässigen Quellen) Herzog Pharamond mit seinen Anhängern den Rhein Richtung Westen und begründete damit die, in den folgenden Jahrhunderten noch bedeutsame, Teilung der Franken in die westlichen Salfranken und die östlichen Rheinfranken. Die archäologischen Quellen weisen dagegen auf eine zunächst friedliche, allmähliche Aufnahme ins römische Gallien, wo sie als laeti bzw. foederati angesiedelt wurden. Der Zug der Franken nach Südwesten wurde vermutlich auch durch die Wanderung der Angelsachsen nach England um 450 über die heutige niederländische Küste und entsprechende Konflikte mit den fränkischen Bewohnern ausgelöst. Zur Großmacht wurden die Franken durch die Eroberungen des Merowingers Chlodwig I., der nacheinander das nordgallische Reich des Syagrius, die Alamannen und die Westgoten besiegte und somit die Grenze des Frankenreichs bis zu den Pyrenäen vorschob. Entscheidend war auch der Übertritt Chlodwigs, und mit ihm weiter Teile seines Volkes, zum katholischen Christentum. Seine Söhne setzten seine Eroberungen fort, indem sie Burgund und das Thüringerreich dem Frankenreich angliederten, sodass ihr Reich im wesentlichen die Gebiete des heutigen westlichen Deutschlands, der Beneluxstaaten und Frankreichs umfasste. Chlothar I. vereinigte noch einmal das Frankenreich, unter seinen Söhnen kam es dann zur Bildung der fränkischen Teilreiche Austrasien und Neustrien, was die spätere Teilung im (Vertrag von Verdun 843) vorwegnahm, der zur Entstehung der Staaten Frankreich und Deutschland (deutscher Sprachraum) führte, wobei die politischen Grenzen bis in die Neuzeit zumeist keine Mundartgrenzen (Sprachgrenzen) waren.

heutiger Abriss

In großen Teilen Frankreichs und dem eher romanisch-keltisch geprägten Südteil Belgiens (Wallonien) ging die fränkische Sprache verloren, das Altfranzösische setzte sich durch; der Name Frankreich (France) blieb als einziges Relikt des Frankenreiches erhalten. Von der fränkischen Kultur blieb nur noch wenig übrig, unter anderem das Fränkische Gehöft. Als Franken werden heute nur noch Leute bezeichnet, die fränkische Mundarten innerhalb des deutschstämmigen Sprachraums sprechen.

Literatur


- Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts, auf der Grundlage des Werkes von Ludwig Schmidt unter Mitwirkung von Joachim Werner neu bearbeitet, München 1970. Standardwerk.
- Die Franken. Wegbereiter Europas. 5. bis 8. Jahrhundert. Mainz, 1997. - 2. durchges. und erg. Aufl.

Verwandte Artikel


- Fränkisches Reich
- Geschichte Frankreichs
- Herzogtum Franken
- Franken (Region)
- Fränkische Sprache
- Niederfränkisch
- Moselfränkische Dialektgruppe
- Ostfränkische Dialektgruppe
  - Mainfränkische Dialekte
- Ripuarische Franken

Weblinks


- [http://www.franken-im-mittelalter.de/ Edel und Frei. Franken im Mittelalter] (Website zur Landesausstellung 2004 in Forchheim) ! Kategorie:Germanischer Stamm als:Franken (Volk) ja:フランク人

Belagerung von Konstantinopel (717-718)

Die Belagerung von Konstantinopel von 717 bis 718 war der zweite schwere Angriff der Araber auf die byzantinische Hauptstadt. Er endete mit der erfolgreichen Behauptung der Stadt durch die Byzantiner und setzte damit einen Wendepunkt in der Islamischen Expansion.

Hintergrund

Trotz der gescheiterten ersten Belagerung Konstantinopels (674–678) ging die Islamische Expansion in Ost und West beinahe unaufhaltsam weiter. Mit Karthago fiel 698 der letzte byzantinische Außenposten in Nordafrika, knapp zehn Jahre später unterlag das Westgoten-Reich in der Schlacht am Guadalete (711). Im Osten wurden Indus und Oxus überschritten. Das Umayyaden-Kalifat fühlte sich stark genug für einen erneuten Angriff auf die byzantinische Hauptstadt. Bereits Al-Walid I. traf entsprechende Vorbereitungen, starb allerdings vor Verwirklichungen seiner Pläne. Sein jüngerer Bruder und Nachfolger auf dem Thron, Sulayman, führte die Anstrengungen fort. Unterdessen registrierte auch Byzanz, dass es erneut in den Blickpunkt der Araber geraten war. Einige Jahre der Thronwirren nach dem Tod Justinians II. verhinderten wirksame Maßnahmen, erst Anastasios II. traf ab 713 Vorbereitungen für eine bevorstehende Belagerung. Die Mauern wurden verstärkt, die Flotte aufgerüstet und die Speicher der Stadt gefüllt. Anastasios befahl den Bewohnern Konstantinopels, entweder Vorräte für drei Jahre anzulegen oder die Stadt zu verlassen. Seine vorausschauenden Schritte erwiesen sich als richtig, doch wurde er 715 nach nur zwei Jahren Amtszeit gestürzt. Sein Nachfolger wurde Theodosios III., der ebenfalls nur zwei Jahre regierte, bis im März 717 Leo III. zum Kaiser gewählt wurde. Im Sommer 715 ließ Kalif Sulayman bei Halab ein Heer versammeln. Unter dem Befehl seines Bruders Maslama sollte es Kleinasien Richtung Konstantinopel durchqueren. Zeitgleich machte sich eine Flotte von 1800 Schiffen unter Sulaymans Befehl auf den Weg. Den Winter 716/17 ankerte sie jedoch vor der kilikischen Küste, während sich das Heer ins östliche Anatolien zurückzog. Im Frühjahr machte sich Maslama schließlich auf den Weg, eroberte Pergamon und überquerte bei Abydos die Dardanellen. Am 15. August erreichte es die Mauern von Konstantinopel, errichtete eine befestigtes Lager und wartete auf die Flotte, die schließlich am 1. September eintraf.

Verlauf

Ab September 717 war Konstantinopel also sowohl auf dem Land- als auch auf dem Seeweg eingeschlossen. Die byzantinische Flotte lag, geschützt durch eine Eisenkette, die Leo III. quer über der Hafeneinfahrt hatte errichten lassen, im Goldenen Horn. Am 3. September rückte die muslimische Flotte vor, um die Byzantiner in den Propontis-Häfen von Osten und Norden einzuschließen. Die Nachhut von 20 schweren Schlacht-Schiffen verlor dabei den Anschluss, was der brillante Stratege Leo III. sofort ausnutzte. Unter seiner persönlichen Führung zerstörte ein Geschwader von Feuer-Galeeren die feindlichen Schiffe. Entmutigt von diesem Missgeschick sowie von einem vergeblichen Versuch, die Seemauern über die Enterbrücken zu stürmen, zog sich die Flotte nach Norden in den Bosporus zurück und ankerte etwa beim heutigen Rumeli Hisarı. Das Landheer unter Maslama scheiterte unterdessen an der Stärke der Theodosianischen Landmauer. Nach zahlreichen vergeblichen Angriffen beschränkte man sich auf eine Belagerung. Der Winter 717/18 begann unerwartet früh und wurde ungewöhnlich streng, über 100 Tage lang lag Thrakien unter einer Schneedecke. Die Versorgungslage der Angreifer verschlechterte sich dramatisch. Kamele und Pferde erfroren oder wurden geschlachtet und verzehrt, und selbst Soldaten fielen der Kälte zum Opfer. Im nächsten Frühjahr traf eine Versorgungsflotte aus Ägypten ein, darunter 400 schwere Schiffe mit zusätzlichem Belagerungsgerät. Im Gefolge dieser Flotte waren auch christliche Seeleute, die mit Beibooten zu den Byzantinern überliefen. Durch deren Informationen über Angriffspläne und Zustand der muslimischen Flotte ermutigt, eröffnete Leo den Kampf mit seinen Dromonen. Mit Hilfe des griechischen Feuers wurde die Hauptflotte direkt angegriffen und in einem Flammenmeer vernichtet. Durch diesen Sieg war die Seeversorgung Konstantinopels wieder offen. Währenddessen wurden Teile von Maslamas Truppe, die plündernd durch Bithynien zogen, zunehmend von beweglichen byzantinischen Einheiten in Schach gehalten, so dass auch die Versorgungswege über Kleinasien für Konstantinopel wieder offen standen. Schließlich gelang es Leo sogar, die Bulgaren von Norden her zu einem Angriff zu bewegen, was den arabischen Belagerern schwere Verluste beibrachte. Der unausweichliche Misserfolg des Unternehmens wurde immer deutlicher, und schließlich erfolgte der endgültige Abzug der Araber vom Bosporus am 15. August 718 – genau ein Jahr nach Beginn der Belagerung.

Folge

Für die Geschichte Europas war die Verteidigung Konstantinopels von herausragender Bedeutung. Durch den fast vollständigen Verlust ihrer Flotte war die Seeherrschaft der Araber im östlichen Mittelmeer auf Jahrzehnte hinaus gebrochen. Der Vormarsch der Muslime, die zu jener Zeit über die Hälfte der Mittelmeerküste unter ihrer Kontrolle hatten, war gestoppt worden. Wäre Konstantinopel gefallen, hätten die Araber ohne Probleme auf den Balkan und weiter bis an die Grenzen des Frankenreichs vordringen können. Und selbst den Franken wäre ein Sieg gegen die gesamte Macht des Kalifats schwerer gefallen, als der Sieg bei Tours und Poitiers gegen ein Expeditions-Heer des umayyadischen Statthalters von al-Andalus. Europa hätte womöglich eine Islamisierung statt einer Christianisierung bevorgestanden. Doch Konstantinopel hatte sich erneut als uneinnehmbare Festung gezeigt, was es bis zur Einnahme durch die Kreuzfahrer während des Vierten Kreuzzugs auch bleiben sollte. Siehe auch: Seeschlacht, Liste von Belagerungen

Literatur

Quellen


- Theophanes Confessor: Theophanis Chronographia
- Nikephoros Gregoras: Historia Rhomaïke

Sekundärliteratur


- Ekkehard Eickhoff: Seekrieg und Seepolitik zwischen Islam und Abendland. De Gruyter, Berlin 1966
- Georg Ostrogorsky: Byzantinische Geschichte 324 bis 1453. C.H. Beck, München 1996, ISBN 340639759X Kategorie:710er Konstantinopel 2 Konstantinopel 2

Schlacht am Talas

In der Schlacht am Talas bei Almaty siegte das arabische Abbasiden-Kalifat unter General Ziyad ibn Salih 751 über die unter dem koreanischen General Gao Xianzhi wieder nach Transoxanien vorgedrungenen Chinesen (Tang-Dynastie). Der Grund für die chinesische Niederlage war, dass die im chinesischen Heer kämpfenden Hilfstruppen (Karluken, Oghusen) zu den Arabern überliefen, weil Gao Xianzhi sie mit der selbstherrlichen Enthauptung des Fürsten von Taschkent gegen sich aufgebracht hatte. Es war eine der Entscheidungsschlachten der Weltgeschichte, da Mittelasien seitdem zur islamischen Welt zählt. Zu den chinesischen Gefangenen zählten Experten der Papierherstellung, die dieses Wissen somit in die arabische Welt gebracht haben sollen. (Faktisch gab es dort schon einige Jahrzehnte zuvor Papiermühlen, da chinesische Handwerker bereits ansässig waren.)

Weblinks


- [http://www.welt.de/data/2005/05/20/720424.html Die WELT: Schlacht am Talas] Kategorie:751 Kategorie:Zentralasiatische Geschichte Talas ja:タラス河畔の戦い

Mahayana

Mahayana (Sanskrit, n., महायान mahāyāna, "mahā" bedeutet "groß" "yāna" heisst "Fahrzeug", also Großes Fahrzeug) ist eine der zwei Hauptrichtungen des Buddhismus. Das Mahayana unterteilt den Buddhismus in Hinayana und Mahayana. Der Vajrayana zählt zum Mahayana.

Zur Unterscheidung

Hinayana & Mahayana

Hinayana bedeutet wörtlich übersetzt "Kleines Fahrzeug". "hina" - also "klein" bezieht sich auf die Motivation für den Weg. Aus der Erkenntnis des Leids (1. Edle Wahrheit) wünscht sich der Übende, Erlösung vom Leid zu erlangen. Wer diese Motivation für sich entwickelt (auch als "Entsagung" bezeichnet), wird gemäß Mahayana zum Hinayana gezählt. Dies deshalb, da der Wunsch sich nur auf ein Lebewesen bezieht und somit im Vergleich zum Leid der vielen Lebewesen eine kleine Motivation ist. Jemand der sich wünscht, dass alle Wesen Leiderlösung erlangen und dafür die persönliche Verantwortung übernimmt, hat eine größere Motivation und zählt zum Mahayana. Der Wunsch nach Leiderlösung bezieht sich im Mahayana also auf alle Lebewesen, einschliesslich die eigene Person. Das Wohl der eigenen Person wird allerdings dem Wohl aller anderen untergeordnet.

Leiderlösung und Erleuchtung

Leiderlösung findet gemäß des "Ersten Drehens der Lehre" durch den Buddha - zusammengefasst in den Vier Edlen Wahrheiten - durch das Verlöschen der Kleshas (skt., dt. Geistesplagen oder Geistesgifte) wie Wut, Begierde, Nichtwissen etc. statt. Mit diesem Erlöschen der geistigen Gifte, den Ursachen der Leiden (2. Edle Wahrheit), durch das praktizeren des Achgliedrigen Heilsweges (4. Edle Wahrheit) erlangt man Nirvana, die endgültige Befreiung vom Leiden (3. Edle Wahheit). Wer das erlangt, hat die "Hindernisse zur Befreiung vom Leid" überwunden und erfährt gemäß Buddhismus den beständigen Frieden der Befreiung. Solche Wesen werden als Arhats bezeichnet. Mit dieser Befreiung, auch als "Erleuchtung" bezeichnet, sind aber gemäß Mahayana nicht die "Hindernisse für die Allwissenheit" beseitigt, die nur ein Buddha überwunden hat. Diese Allwissenheit ermöglicht es dem Buddha, allen Lebewesen wesentlich besser helfen zu können. Ein Buddha kennt gemäß Mahayana die Anlagen, das Karma und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Lebewesen und kann ihnen dadurch wesentlich besser helfen als ein Arhat, der keine Allwissenheit erlangt hat. Man unterscheidet die Erleuchtung des Shravakas (Hörers), des Pratekyabuddhas (erlangt Erleuchtung ohne sich auf eine Lehrer zu stützen aus sich selbst heraus) und eines Buddhas. Nur in der letzteren Erleuchtung sind die "Hindernisse für die Allwissenheit" beseitigt. Die Erleuchtung eines Buddha wird deshalb im Mahayana als "Volle Erleuchtung" bezeichnet. Für alle drei Arten der Erleuchtung gibt es Pfade. Der Pfad zur "Vollen Erleuchtung" wird im Mahayana dargelegt und schließt den Pfad des Shravakas (also den Achgliedrigen Heilsweg) mit ein. Eine Person die dem Mahayana folgt, muss ebenso Nirvana erreichen, dies erlangt sie auf der Ersten Ebene eines Bodhisattvas, bzw. dem 3. der Fünf Pfade, dem "Pfad des Sehens".

Entstehung der Mahayana Lehren

Der Name bedeutet Großer (bzw. Alter) Weg und steht für das Ziel, alle fühlenden Wesen aus Samsara zu befreien. Die Lehren des Zweiten Drehens des Dharma-Rades durch Buddha Shakyamuni wurden von Nagarjuna und Asanga enthüllt und etwa ab dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, also etwa 500 Jahre nach Buddhas Tod, ausgiebig gelehrt. Der Weg des Mahayana hat zwei Linien, die Linie des Tiefgründigen Weges über Nagarjuna und die Linie des Weiten Weges über Asanga. Ersterer betont die Leehrheit (Shunyata), zweiterer das Entwickeln der altruistischen Motivation Bodhicitta und das Verhalten eines Bodhisattvas. Anhänger des Mahayana sagen, diese Belehrungen seien bis dahin nur im Geheimen weitergegeben worden, da die Zeit für ihre Verbreitung noch nicht gekommen sei. Das späte Hervorbringen der Lehren ist auch mystisch beschrieben: Nagarjuna hat die Lehren zur Leerheit bei den Nagas mittels seiner tantrischen Kräfte geborgen und Asanga nach zwölf Jahren Rückgezogenheit und dem Entwickeln wirklichen Mitgefühls, erhielt die Lehren direkt von Buddha Maitreya. Gemäß der Ansicht, dass Buddha direkt Unterweisungen für Schüler mit höherer Kapazität auch zu Lebzeiten gab, die anderen verborgen blieben, wird beschrieben, dass diese Lehren des Zweiten Drehens des Rades der Lehre, später als die Mahayana-Tradition und der Bodhisattva-Pfad bekannt wurden. Die Lehren des ersten Drehens des Dharma-Rades, aus denen sich die Hinayana-Tradition (Kleiner Weg) entwickelte, sind ebenso Teil des Mahayana und dienen der individuellen Leiderlösung und werden auch von einem Anhänger des Mahayana praktiziert. Zu den Lehren des Dritten Drehen des Rades des Dharma (es gibt insgesamt Drei Lehrzyklen, die als Räder bezeichnet werden), zählen das Vajarayana und die Erklärungen zur Buddha Natur, daregelgt z.B. im Uttara Tantra Shastra.

Motivation

Basierend auf der Erkenntnis des eigenen Leids, die aus der Praxis der Vier Edlen Wahrheiten (Erstes Dharmarad) hervortritt, entwicklt eine Person des Mahayana Mitgefühl für das Leid anderer Wesen und wünscht sich, diese von ihrem Leid vollständig zu erlösen. Im Mittelpunkt des Mahayanas steht dabei, dieses Mitgefühl unparteilich auf alle Lebewesen ohne eine einzige Ausnahme auszudehnen und stetig zu vergrößern, bis es die tiefe einer Liebe erlangt, wie sie eine Mutter für ihr einziges, liebstes Kind empfindet. Um wirklich allen Wesen zu Leidfreiheit (Erleuchtung) zu verhelfen, strebt der Übende des Mahayana selbst den vollkommenen Zustand eines Vollerwachten Buddhas an. Diese Motivation wird im Mahayana-Buddhismus als Bodhicitta = Erleuchtungsgeist bezeichnet. Dieser Geist hat zwei Wünsche:
- primär: anderen zu helfen
- sekundär dazu die Volle Erleuchtung eines Buddha zu erlangen Um sich diese Wünsch