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7. Jahrhundert

7. Jahrhundert

Das 7. Jahrhundert begann am 1. Januar 601 und endete am 31. Dezember 700.
Es ist die Epoche des Frühmittelalters.

Zeitalter/Epoche


- Beginn der Arabischen Expansion -9. Jahrhundert

Ereignisse/Entwicklungen


- Der japanische Prinzregent Shōtoku Taishi erlässt 604 die 17-Artikel-Verfassung (憲法十七条 Kenpō-jūshichi-jō).
- Erste christliche Missionierungsversuche der Alemannen im Bodenseegebiet durch irische Wandermönche.
- Die erste Einwanderungswelle der Friesen besiedelt die Nordseeinseln Amrum, Föhr, Sylt und Helgoland.
- 16. Juli 622: Hedschra, Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina.
- 8. Juni 632: Tod Mohammeds.
- Die südlichen Provinzen des Byzantinischen Reiches werden von arabischen Heeren überrannt, und die Mauren bringen die islamische Kultur an die gesamte europäische Mittelmeerküste.
- 643: Eroberung Tripolitaniens durch die Araber.
- 645 Das japanische Adelshaus der Nakatomi beendet die politische Herrschaft der Familie Soga. Im Jahr darauf werden die Taika-Reformen erlassen die Verwaltung, Steuerrecht und die Grundbesitzverhältnisse neu ordnete.
- 656: Das Gebiet des heutigen Irak, ursprünglich Teil des Persischen Reiches, wird muslimisch.
- 681: Gründung des Bulgarischen Reiches auf der östlichen Balkan-Halbinsel durch die Wolgabulgaren.
- 687: Durch seinen Sieg in der Schlacht bei Tertry gewinnt Pippin der Mittlere das Hausmeieramt im gesamten Frankenreich und legt damit die Grundlage zum Aufstieg der Pippiniden, der späteren karolinigschen Dynastie.
- Der Kalif Abd al-Malik macht in den 690er-Jahren Arabisch zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.
- Ende der Mochica-Kultur in Peru, Südamerika.
- Das buddhistische Königreich Srivijaya wird auf Sumatra errichtet.
- Entwicklung der Khmer-Kultur in Kambodscha.
- Ōsaka wird japanische Hauptstadt.
- Huayan wird gegründet

Persönlichkeiten


- Mohammed, Gründer des Islam
- Sri Singha, buddhistischer Meister und Linienhalter der Dzogchen-Tradition
- Vimalamitra, großer buddhistischer Gelehrter des 7. und 8.Jahrhunderts

Erfindungen und Entdeckungen


- Im Kaiserreich China kommt erstmals in kleineren Mengen Papiergeld in Umlauf.
- Araber verkochten erstmals Öl und Lauge miteinander und schufen somit die Seife in ihrer heute bekannten Form.
- Entwicklung der Windmühle in Persien.
- Die Masoreten (jüdische Schriftgelehrte) entwickeln ein Vokalpunktierungssystem, um die korrekte Aussprache des Hebräischen fest zu halten.
- 622: Beginn des islamischen Kalenders.
- Erforschung Indiens auf dem Landweg durch den chinesischen Entdecker Xuanzang.
- In der chinesischen Provinz Jiangsu wird zwischen dem Chang Jiang und dem Huang He der "Kaiserkanal" erbaut.
- Erste schriftliche Zeugnisse der altmalaiischen Sprache. 01-07 ! ja:7世紀 ko:7세기

601

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Liuva II. wird Nachfolger von Rekkared I. als König der Westgoten.
- Papst Gregor I. schickt Mellitus, Justus, Honorius und weitere Missionare nach England, die Augustinus von Canterbury unterstützen sollen. Sie bringen ihm das Pallium mit, sodass Canterbury nunmehr zum Erzbistum erhoben wird; auf der Insel sollen eine Reihe von Suffraganbistümern entstehen, von denen allerdings zuerst nur die Bistümer in London unter Mellitus und in Rochester unter Justus verwirklicht werden können (beide 604).
- Arnual wird Bischof von Metz.
- 10. März - Totale Sonnenfinsternis in Ägypten und Persien.

Geboren


- Dai'man Konin, 5. Patriarch des Zen-Buddhismus († 674)

Gestorben


- 31. Mai - Rekkared I., König der Westgoten ko:601년

700

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Willibrord gründet Emmerich als Missionsstation.
- Rupert wird erster Bischof von Salzburg.
- Nach dem Tod Cunincperts wird dessen minderjähriger Sohn Liutpert sein Nachfolger als König der Langobarden, der unter der Regentschaft des Ansprand steht.

Geboren


- 22. Oktober um 700 - Willibald von Eichstätt, erster Bischof von Eichstätt († 781 oder 787)
- um 700 - Virgilius, Bischof von Salzburg († 784)

Gestorben


- Cunincpert, König der Langobarden als:700 ko:700년

Frühmittelalter

Unter dem Begriff Frühmittelalter wird ein in der Mediävistik gebrauchter, nicht exakt umrissener Zeitraum zwischen dem Ende des 6. Jahrhunderts und dem Beginn des 11. Jahrhunderts verstanden, wobei die Anfangszeit höchst umstritten ist. Man spricht daher lieber von einer Übergangsphase, die, je nach Interpretation und betrachteter Region, zwischen dem späten 5. und dem frühen 7. Jahrhundert liegt. In diesem Zeitraum wandelte sich die spätantike-mediterrane Welt hin zu einer, die man als das so genannte europäische Mittelalter bezeichnet.

Die Transformationsphase der spätantiken Welt

In der Zeit der ausgehenden Spätantike und der Völkerwanderung stießen germanische und slawische Stämme nach Westen vor und wurden mit der Kultur der Antike und dem Christentum konfrontiert. Dort, wo die Kultur des Römischen Reiches lange Zeit bestanden hatte, wurde sie von den Germanen zumindest teilweise aufgenommen, so dass, obwohl der römische Staat im Westen langsam zerfiel, die antike Kultur weiterbestand und mit ihr auch einige wirtschaftliche und soziale Strukturen. Auch nach dem Ende des weströmischen Kaisertums 476 bzw. 480 blieb die Idee des Imperium Romanum lebendig. Der oströmische Kaiser Justinian konnte weite Teile des alten Westreichs zeitweilig wieder seiner Herrschaft unterwerfen, und noch bis etwa 600 sahen sich die germanischen Nachfolgestaaten im Westen nominell als Untertanen des einzig souveränen Herrschers, des oströmischen Kaisers. Erst danach ist ein beschleunigtes Verschwinden spätantiker Elemente zu beobachten. Und noch 200 Jahre später war die Idee des weströmischen Kaisertums so wirkmächtig, dass Karl der Große seine Erneuerung versuchte. Der spätrömische Staat war recht stark bürokratisiert und zentralisiert gewesen (siehe dazu Spätantike). Da mit ihm auch die übergeordnete Herrschaftsgewalt und die vereinheitlichten Verwaltungsstrukten verloren gingen, bildeten sich neue Herrschaftsstrukten heraus, die auf der germanischen Tradition der Personenverbände basierten. Eine Adelsschicht bildete sich heraus, die auf der Grundherrschaft gründete, d.h. auf Recht über Haus und Grund und allen darauf lebenden Personen. Diese Macht wurde auf die Verwandtschaft ausgedehnt, später auch über die eigentlichen Familien hinaus, bis hin zu hierarchischen Strukturen, an dessen Spitze der König stand.

Gesellschaft, Kirche, "Staat"

Die frühmittelalterliche Gesellschaft war agrar- und naturalwirtschaftlich geprägt. Im Vergleich zur Antike verloren Handel und Geldwirtschaft an Bedeutung, wenn auch die moderne Forschung betont, dass es neben den Brüchen in bestimmten Bereichen durchaus auch Kontinuität zur Spätantike gegeben hat. Nachdem der Staat zerfiel, blieb die Kirche die einzig übergeordnete Institution. Allerdings wurde auch hier die Macht fragmentiert; viel Macht lag bei den Bischöfen, die oft von den lokalen Grundherren eingesetzt wurden, und das Papsttum hatte sich noch nicht herausgebildet. Die wesentlichen Träger der Kultur und des Wissens waren die Klöster der Benediktiner und die Kirche. Das Lesen und Schreiben beherrschten meist nur Angehörige des Klerus. Kultur hieß überwiegend Bereitstellung und Systematisierung des vorhandenen Wissens und das Kopieren von Werken antiker Autoren. Beim Wissen wurden auch praktische Aspekte aus der Antike tradiert, z.B. Obstbau und Weinbau. Die geschichtlichen Personen und Ereignisse des 7. bis 10. Jh. (siehe dazu unter anderem Frankenreich, Angelsachsen, Deutschland im Frühmittelalter) sind größtenteils aus den vielen handschriftlichen und datierten Dokumenten der Mönche aller Länder Europas bekannt, die in mühsamer Fleißarbeit die geschichtlichen Zusammenhänge aufschrieben. Ihnen sind im Grunde genommen unsere Erkenntnisse über die Geschichte zu verdanken, ebenso, dass die uns bekannten Ereignisse jener Zeit dokumentiert wurden, so dass größtenteils ihre Sicht unser Bild dieser Epoche (wie auch jeder anderen) geprägt hat und kritisch hinterfragt werden muss. Auch die zeitliche Einordnung bedeutender Gelehrter des frühen Mittelalters wie beispielsweise Beda Venerabilis, Einhard usw., deren Werke nur in Abschriften späterer Zeiten vorliegen, ist wissenschaftlich nicht unumstritten. Auch im Oströmischen Reich (Byzanz) fand der Übergang zur frühmittelalterlichen Kultur statt, wenn er sich auch in anderen Bahnen vollzog, da im Osten die antike Kultur stärker fortbestand als im Westen. Beschleunigt wurde die Entwicklung des oströmischen Reiches hin zum "Byzantinischem Reich" durch die Islamische Expansion, wodurch Byzanz seinen spätantiken Charakter weitgehend verlor.

Literatur


- Hans-Werner Goetz: Europa im frühen Mittelalter. 500-1050. Ulmer, Stuttgart 2003 (Handbuch der Geschichte Europas, 2), ISBN 3-8001-2790-3 (Eine ganz vorzügliche Einführung mit Forschungsteil und reichhaltigen Literaturangaben, die zudem Europa als gesamtgeschichtlichen Raum wahr nimmt.)

Weblinks


- [http://www.oeaw.ac.at/gema/fm Arbeitsgruppe Frühmittelalter, Uni Wien (Betreuung: Walter Pohl, einer der anerkanntesten Historiker auf diesem Gebiet ]
- [http://72.rapidforum.com Diskussionsforum zur Frühmittelaltergeschichte] Kategorie:Zeitalter Kategorie:Mittelalter

9. Jahrhundert

Das 9. Jahrhundert begann am 1. Januar 801 und endete am 31. Dezember 900.
In Europa ist es die Epoche des Frühmittelalters.

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen


- Besiedlung der Färöer durch Spelleraner
- Beginn des historischen Khmer-Reiches in Angkor (Kambodscha) durch Vereinigung zuvor eigenständiger Königreiche
- In Japan beginnt 858 die Herrschaft der Familie Fujiwara die das Kaiserhaus kontrolliert und somit zur tatsächlichen Regierung wird.
- Durch den Bau der Hammaburg wird die Stadt Hamburg begründet.
- Nach 884: Gründung der Theelacht zu Norden (Niedersachsen) - die wohl älteste und heute noch blühende Genossenschaft
- Die Wikinger fallen in der zweiten Hälfte des 9.Jh in Frankreich ein
- Einweihung des ersten buddhistischen Klosters Samye in Tibet durch den tantrischen Meister Padmasambhava im Jahr 814

Persönlichkeiten


- Karl der Große, fränkischer Kaiser
- Photius der Große, byzantinischer Patriarch
- Nikolaus I., römisch-katholischer Papst

Erfindungen und Entdeckungen


- Entdeckung Islands durch Gardar Svavarsson (um 875)
- Erste Windmühle um 900 01-09 ! ja:9世紀 ko:9세기

604

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 26. Mai - Nach dem Tod von Augustinus wird Laurentius sein Nachfolger als Erzbischof von Canterbury.
- 13. September - Sabinianus wird offiziell neuer Papst als Nachfolger des im März verstorbenen Gregor I.; zwar war Sabinianus unmittelbar nach dessen Tod gewählt worden, die Amtseinführung erfolgte allerdings erst nach der Anerkennung durch Kaiser Phokas.
- 11. November - Das neustrische Heer des Hausmeiers Landerich kann die burgundischen Truppen von Hausmeier Bertoald in Orléans einschließen; zunächst kommt es zu keiner Entscheidung, Bertoald wird am Weihnachtstag getötet. Austrasien unter Theuderich II. hält sich aus dem Konflikt heraus, was die beginnende Entfremdung Theuderichs von Theudebert dokumentiert.
- 25. Dezember - Schlacht von Stampä (heute Etampes): Das austrasische Heer Theuderichs II. besiegt die Neustrier unter Chlothar II. und zieht daraufhin in Paris ein.
- Beginn der Umgestaltung Japans in eine Vasallen-Monarchie; Kreation des Titels Tennō
- Der japanische Prinzregent Shōtoku Taishi erlässt 604 die 17-Artikel-Verfassung (憲法十七条 Kenpō-jūshichi-jō).
- Saebert wird Nachfolger von Sledda als König von Essex. König Ethelbert von Kent, Saeberts Onkel, kann diesen für das Christentum gewinnen. Gründung der Bistümer London und Rochester.
- Aethelfrith, König von Bernicia vereinigt durch die Eroberung Deiras beide Reiche zu Northumbria ("Land nördlich des Humber"), das im 7. Jh. Hegemonialmacht innerhalb der angelsächsischen Heptarchie wird. Der bisherige König von Deira, Aethelric, wird getötet, der Thronfolger Edwin flieht zu König Iago von Gwynedd.
- Den Sassaniden gelingt die Zerstörung der byzantinischen Festung Dara.

Geboren


- um 604 Oswald, König von Northumnria, Heiliger († 642)

Gestorben


- 12. März - Gregor I., genannt der Große, Papst und Kirchenlehrer (
- 540)
- 26. Mai - Augustinus von Canterbury, erster Erzbischof von Canterbury
- Bertoald, burgundischer Hausmeier
- Sledda, König von Essex von 587-604
- Aethelric, letzter König von Deira
- Wen Di, erster chinesischer König der Sui-Dynastie ko:604년

Alemannen

Die Alamannen oder Alemannen sind ein westgermanischer Stammesverband. Ihr Siedlungs- und Herrschaftsgebiet wurde im Frühmittelalter als Alamannien bezeichnet. Die Bedeutung des Namens, der erstmals 289 n. Chr. in seiner lateinischen Form Alamanni (später auch Alemanni) erscheint, ist umstritten. Wahrscheinlich bedeutet er einfach «die Männer allgemein». Denkbar sind jedoch auch «alle (wehrfähigen) Männer» oder abwertend «zusammengelaufene, vermischte Männer». Der historische Stammesverband der Alamannen ging über in den altdeutschen Stamm der Schwaben. Heute bezeichnen sich ein Teil der Bewohner im süddeutschen Raum als «Alemannen». Sie sprechen Dialekte, welche in der Linguistik als Alemannischen Dialekte bezeichnet werden und pflegen «alemannisches» Brauchtum wie die Alemannische Fasnacht. In Baden-Württemberg grenzen sich die Bewohner des alten Baden oft als «Alemannen» gegen die «Schwaben» aus Württemberg ab.

Herkunft der Alamannen

Die Alamannen bildeten sich wahrscheinlich im 3. Jahrhundert n. Chr. aus verschiedenen elbgermanischen und suebischen (verm. Semnonen, Juthungen usw.) Stammesgruppen, Heerhaufen und Gefolgschaften im Gebiet zwischen Rhein, Main und Lech. Die früher oft geäusserte Vermutung, die Alamannen hätten sich im inneren Germaniens gebildet gilt heute als überholt. Gesicherte Erkenntnisse darüber gibt es jedenfalls keine, da nur archäologische Funde und keine schriftlichen Quellen vorliegen. Die Deutung des Namens als «die Männer allgemein» nach dem römischen Historiker Asinius Quadratus wäre so zu deuten, dass damit ein Unterschied zu den nach spezifischen Stämmen unterschiedenen Männern gemacht wurde. Er verweist also auf die Entstehung des Volkes durch die Vermischung von Männern (mit ihren Sippen) aus verschiedenen Stämmen. Die Alamannen gliederten sich in die Bucinobantes, Brisigavi, Lentienses, Raetovarii und Juthungen. Bis um 500 wurden Alamannen und Sueben ebenfalls unterschieden. Es ist anzunehmen, dass der alte Name Sueben zum Teil weiter verwendet wurde. Er taucht später wieder auf, als das Siedlungsgebiet der Alamannen, das bis dahin als Alamannia betitelt worden war, im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zum Herzogtum Schwaben wurde. Der Name Alamannen wird pars pro toto (ein Teil [steht] für das Ganze), im Französischen (les Allemands), im Türkischen (Almanlar), im Spanischen (los alemanes) und im Portugiesischen (os alemães) als Bezeichnung für die Deutschen verwendet. Siehe auch: Liste der germanischen Stämme, Schwaben

Geschichte

Die Stammesbildung der Alamannen fand wahrscheinlich erst im fortgeschrittenen 3. Jahrhundert statt. Der Einfall der Alamannen nach Italien und Gallien unter dem König Chrocus 268 n. Chr. soll gemäss den Berichten von Gregor von Tours (Historia Francorum, lib. I, 32-34) das Land völlig verwüstet zurückgelassen haben. Kaiser Gallienus gelangen es mehrmals (259 bei Mailand und 260 bei Augsburg) die Alamannen zu bezwingen, dennoch konnte das Römische Reich danach den Limes und damit das Gebiet nördlich und östlich des Rheins in Süddeutschland, das Dekumatland nicht mehr halten. Das Dekumatland war wohl schon zuvor von verschiedenen germanischen bzw. alamannischen Sippen unter römischer Duldung oder Förderung besiedelt worden, da es sich hier um ein vernachlässigtes, strukturschwaches und krisengeschütteltes Grenzgebiet handelte. Die alamannischen Ansiedlungen entstanden oftmals in oder bei den Ruinen der römischen Kastelle und Villen. Vereinzelt wurden auch so genannte Höhenburgen errichtet wie auf dem Glauberg und Runden Berg bei Bad Urach. Am 21. April 289 n. Chr. hielt Mamertinus in Augusta Treverorum (Trier) eine Lobrede auf Kaiser Maximianus und erwähnte dabei die Alamanni. Dies ist die erste zeitgenössische Erwähnung der Alamannen. Ab 289 ist für das Gebiet nördlich des Rheins die Bezeichnung Alamannia nachweisbar. Eine erste Nennung der Alamannen zum Jahr 213, als nach dem römischen Historiker Dio Cassius Kaiser M. Aurelius Antoninus Caracalla nach einem Sieg über die Alamannen den Beinamen Alamannicus angenommen haben soll, ist nicht zeitgenössisch und deshalb unzuverlässig. Vom ehemaligen Dekumatland aus unternahmen die Alamannen wiederholte Raubzüge in die angrenzenden Provinzen des römischen Reiches Raetia und Maxima Sequanorum, aber auch bis weit nach Gallien hinein. Sie erlitten dabei wiederholt Niederlagen gegen römische Heere, so durch Kaiser Constantius 298 bei Langres und bei Vindonissa (Windisch). Nach der verlustreichen Schlacht bei Mursa 351 zwischen dem gallischen Usurpator Magnentius und Kaiser Constantius II. brachen die Franken und Alamannen gemeinsam über die Rheingrenze. Die Alamannen besetzten die Pfalz, das Elsass und die Nordostschweiz. Erst der Sieg des Caesar (Unterkaiser) Julian in der Schlacht von Argentoratum (Straßburg) 357 gegen die vereinigten Alamannen unter Chnodomar sicherte die Rheingrenze erneut. Während der Regierungszeit Kaiser Valentinians I. gelang es den Alamannen zweimal, 365 und 368, ins Reichsgebiet einzudringen und unter anderem Mogontiacum (Mainz) zu plündern. Nach einem Vergeltungsfeldzug, der 369 Valentinian I. den Beinamen Alamannicus einbrachte, ließ er die Rheingrenze durch eine neue Reihe von Kastellen sichern, so in Altrip, Breisach am Rhein und gegenüber von Basel (Robur). Die Grenze am Hochrhein wurde mit einer Kette von Wachttürmen (burgi) verstärkt. 374 schlossen die Alamannen unter ihrem König Makrian einen dauerhaften Frieden mit Valentinian I. Dennoch musste sein Nachfolger, Kaiser Gratian 378 wiederum einen Feldzug gegen die Alamannen führen, der als letzter Vorstoß römischer Truppen über die Rheingrenze gilt. Danach standen die Alamannen in einem Foederaten-Verhältnis mit dem römischen Reich. Die Usurpation durch Magnus Maximus in Britannien und der Krieg mit den Franken erlaubte 383 einen Einbruch der Alamannen in Rätien, das Kaiser Valentinian II. nur mit Unterstützung der Alanen und der Hunnen wieder sichern konnte. Weitere interne römische Machtkämpfe unter Kaiser Theodosius I. schwächten die römische Position am Rhein. Dem Heermeister Stilicho gelang es zwar 396/398, die Verträge mit den Alamannen zu erneuern, dennoch musste er zum Schutz Italiens vor den Goten ab 401 die römischen Truppen von der Reichsgrenze abziehen. Es scheint nach neuesten Erkenntnissen danach jedoch nicht zu einem sofortigen «Alamannensturm» in die ehemals römischen Gebiete gekommen zu sein. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die föderierten Alamannen zumindest eine Zeit lang noch die Grenze schützten. Insbesondere Rätien wurde als «Schutzschild Italiens» noch bis Mitte des 5. Jahrhunderts verteidigt: Römische Truppen wehrten 430 unter Flavius Aetius und 457 unter Kaiser Majorian alamannische Einfälle nach Rätien und Italien ab. Gallien war den Plünderungszügen der Alamannen hingegen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert und wurde gemäss dem Chronisten Fredegar nach 406 wiederholt verwüstet. Ab 455 setzte eine West- und Ostexpansion der Alamannen nach Gallien und Noricum ein, über die nur ungesicherte Informationen vorliegen. Ein Konflikt mit den benachbarten Franken führte nach Gregor von Tours zwischen 496 und 507 zur entscheidenden Niederlage der Alamannen bei Zülpich gegen den fränkischen König Chlodwig I.. Chlodwig habe danach in Zusammenhang mit diesem Sieg den christlichen Glauben angenommen. Die Alamannen fielen danach unter die Hoheit der Franken und der Ostgoten. 536/537 überließ der Ostgotenkönig Witigis dem Frankenkönig Theudebert I. unter anderem Churrätien und das Protektorat über «die Alamannen und andere benachbarte Stämme». Damit befanden sich alle Alamannen unter fränkischer Herrschaft. Siehe auch: Römisches Reich, Spätantike, Fränkisches Reich, Heiliges Römisches Reich, Geschichte der Schweiz

Alamannien – Königreich und Herzogtum

Geschichte der Schweiz Bis 496/497 herrschte ein König (rex) oder ein Herzog (dux) über die Alamannen, manchmal auch mehrere gleichzeitig über verschiedene Teile des Stammes. Die Titel wurden ihnen von römischen Chronisten zugeordnet. Mit der Unterwerfung der Alamannen durch die Franken endete deren Souveränität und es wurden unregelmäßig durch den fränkischen König Herzöge für das alamannische Gebiet eingesetzt. Eine lückenlose lineare Liste zu erstellen ist aufgrund der Quellenlage jedoch nicht möglich. Alamannien wurde durch seinen autonomen Status im Frankenreich als Herzogtum in einem Gebiet gefestigt, das wohl grösstenteils mit dem späteren Herzogtum Schwaben übereinstimmt. Das Elsass wurde jedoch meist als eigenes Herzogtum geführt und gehörte eigentlich nicht zu Alamannien. Die Herzöge stammten verschiedentlich noch aus vornehmen alamannischen Familien und standen nicht immer in Konkurrenz zu fränkischen Adligen. So gründete z.B. ein alamannischer Herzog zusammen mit dem fränkischen Hausmeier das Kloster Reichenau. Der Schwerpunkt des fränkischen Herzogtums lag im Gebiet südlich des Hochrheins und im Bodenseegebiet. Die Franken mussten wiederholt gegen aufständische alamannische Herzöge ins Feld ziehen. Im so genannten Blutsgerichtstag zu Cannstatt 746 wurde der Widerstand endgültig gebrochen: Das Herzogtum Alamannien wurde aufgehoben und direkt von den Franken beherrscht. Damit verschwand der alamannische Herzogstitel längere Zeit. Allerdings versuchte Kaiser Ludwig der Fromme seinem Sohn Karl zwischen 829 und 838 ein KönigreichAlamannia zu schaffen. Im 10. Jahrhundert wurde das ostfränkisch/deutsche Herzogtum Schwaben gegründet, für das die lateinischen Bezeichnungen Suevia und Alamannia bis weit ins Hochmittelalter gleichbedeutend verwendet wurden. Dieses Herzogtum lässt sich einigermassen eingrenzen. Auch ist seine fränkische Gaueinteilung einigermassen gesichert. Umstrittene Gebiete waren nach wie vor das Elsass und der Aargau, die vom benachbarten Herzogtum Lothringen bzw. vom Königreich Burgund beansprucht wurden. Nach dem Schwabenkrieg 1499 wurde Alamannien nur noch für den südlich des Rheins gelegenen, eidgenössischen Teil des alten Herzogtums verwendet. Siehe weiter: Herzogtum Schwaben, Geschichte der Schweiz

Die Religion der Alamannen

Die Alamannen verehrten noch im 5. Jahrhundert die altgermanischen Gottheiten, hauptsächlich den Ziu. Nach der Eroberung durch die Franken setzte die Missionierung der Alamannen ein, insbesondere durch den irischen Missionar Kolumban und seine Gefolgsleute. Sie gründeten die Klöster St. Gallen (614), St. Trudpert, Säckingen und Reichenau (724). In Alamannien bestanden noch aus römischer Zeit Bischofssitze in Basel (früher in Augusta Raurica bei Basel), Konstanz, Straßburg und Augsburg. Die kirchlichen Verhältnisse wurden zum ersten Mal in der Lex Alamannorum, einer frühen Kodifikation des alamannischen Rechts im 7. Jahrhundert festgelegt. Es gab wahrscheinlich eine ununterbrochene Existenz von Christen in den alten römischen Gebieten südlich und westlich des Rheins, zumindest in den Städten und in den Alpentälern. Untergegangen war in Alamannien seit der Römerzeit nur der Bischofssitz in Vindonissa (Windisch). Siehe weiter: Germanische Mythologie

Siedlungsgebiet der historischen Alamannen und der heutigen Alemannen

Germanische Mythologie Betreffend das Siedlungsgebiet der Alamannen gilt es klar zu unterscheiden zwischen denjenigen Gebieten, in denen archäologische Funde und Flurnamen auf eine mindestens zeitweise Ansiedlung von alamannischen Sippen deuten und denjenigen Gebieten, die von den Sprechern der modernen alemannischen Dialekte bewohnt werden. Die Flurnamen und Funde liegen zwischen Mainz, Würzburg, Alpennordkamm, Vogesen und jenseits der Burgundischen Pforte in der Franche-Comté bis Dijon. In der Schweiz bildet der Raum zwischen Bern und Freiburg im Üechtland im Westen und der Walen- und Bodensee die Grenze. Die Linguistik bezeichnet eine Reihe von heutigenoberdeutschen Sprachen bzw. Großdialekten, die auf den Volksstamm der Alamannen zurückgehen als «Alemannisch». Die Alamannen vermischten sich in den von ihnen besiedelten Gebieten mit der bereits ansässigen romanisierten keltischen Bevölkerung, wobei sich meist das Alamannische als Umgangssprache durchsetzte. Vor allem das Rätoromanische wurde und wird bis heute von den alamannischen Dialekten im Alpenraum stark zurückgedrängt. Manche Gebiete wie das Wallis wurden erst im Mittelalter von alamannischsprechenden Siedlern erschlossen. Gegenüber dem Französischen ist eher ein umgekehrter Trend festzustellen, insbesondere im Elsass und im Raum Neuenburg und Freiburg im Üechtland scheint sich das Alemannische eher zurückzuziehen. Siehe weiter: Alemannische Dialekte, Schwäbisch-alemannische Fastnacht, Alemannischer Separatismus

Museen


- Alamannenmuseum Ellwangen
- Alamannenmuseum Weingarten
- Württembergisches Landesmuseum in Stuttgart

Literatur


- R. Christlein: Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes, Stuttgart u.a. 1978.
- K. Fuchs, M. Kempa, R. Redies: Die Alamannen (Ausstellungskatalog), Verlag Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3806215359.
- D. Geuenich: Geschichte der Alemannen, Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3170182277 / ISBN 3170120956.
- D. Geuenich: Die Franken und die Alemannen bis zur "Schlacht bei Zülpich" (496/497), Reallexikon der Germanischen Altertumskunde - Ergänzungsband 19, Mainz 1998.
- W. Müller: Zur Geschichte der Alamannen (Wege der Forschung), Darmstadt 1979.
- Lexikon des Mittelalters, Bd. 1, Sp. 263 ff. (mit Literaturübersicht).
- P. Paulsen: Alamannische Adelsgräber von Niederstotzingen Kr. Heidenheim, Bd. I und II Veröffentlichungen des staatlichen Amtes für Denkmalpflege Stuttgart, Verlag Müller & Gräff, Stuttgart.
- H. Siebenmorgen u.a.: Imperium Romanum. Römer, Christen, Alamannen - Die Spätantike am Oberrhein. Herausgegeben vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe, Stuttgart 2005.
- B. Krusch (Hg.): Fredegarii et aliorum Chronica. Vitae sanctorum. Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 1888, Nachdruck 1984
- Gregor von Tours: Zehn Bücher Geschichten, Bd.1, Buch 1-5, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1991, ISBN 3534068092
- R. Wörner: Das alamannische Ortsgräberfeld von Oberndorf-Beffendorf, Kreis Rottweil / Renate Wörner, Stuttgart 1999. (=Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg ; 44) Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 1996.

Weblinks


- [http://www.archaeologie-online.de/thema/2001/01/index.php3 Archäologie Online: An der Schwelle von der Antike zum Mittelalter: Die Alemannen]
- [http://www.uni-duisburg.de/FB1/GESCHICHTE/AleZeit.htm Zeittafel zur Geschichte der Alamannen]
- [http://www.novaesium.de/glossar/alamannen.htm Geschichte der Alamannen]
- [http://www.alamannenmuseum-ellwangen.de Alamannenmuseum Ellwangen]
- [http://www.weingarten-online.de/kultur/f_museen.html Alamannenmuseum Weingarten]
- [http://www.cityinfonetz.de/alamannen/inhalt.html Landesausstellung Die Alamannen]
- [http://www.mittelalter-genealogie.de/alamannen_herzoege/alamannen.html Mittelalter-Genealogie: Alamannen]
- [http://www.mittelalter-genealogie.de/alamannen_herzoege/familie_der_alamannen_herzoege.html Mittelalter-Genealogie: Alamannenherzöge]
- [http://www.mittelalter-genealogie.de/alamannen_koenige/familie_der_alamannen_koenige.html Mittelalter-Genealogie: Alamannenkönige]
- [http://www.lexhist.ch/externe/protect/textes/d/D8027-1-39.html Historisches Lexikon der Schweiz: Alemannen]
- [http://www.archaeologie-online.de/thema/2001/01/ Archaeologie-online – Die Herkunft der Alamannen]
- [http://als.wikipedia.org/ Alemannische Wikipedia]
- [http://www.alemannisch.de Muettersproch-Gsellschaft]
- [http://www.alemannisches-institut.de Alemannisches Institut Freiburg]
- [http://www.bad-bad.de/gesch/alaman.htm Alemannen im Gebiet von Baden-Baden]
- [http://www.deheim.de/alemannisch/ Alemannisch und Alemannen: Infos & Alemannische Gedichte] ! Kategorie:Schweizerische Geschichte Kategorie:Germanischer Stamm Kategorie:Historisches Territorium Kategorie:Europäische Ethnie als:Alamannen

Bodensee

Der Bodensee ist ein See in Europa. Seine Anrainerstaaten sind die Schweiz (Kantone Thurgau, St. Gallen), Österreich (Bundesland Vorarlberg) sowie Deutschland (Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern).

Der Name

Sein Name leitet sich ab von einem der ältesten Orte am See, dem Dorf Bodman am westlichen Ende des Überlinger Sees. Früher hieß der See auch Bodman- und Bodansee; der Name taucht erstmals um 830 auf. Der Höhenzug, der den Überlinger See vom Untersee trennt, heißt auch heute noch Bodanrück. In der Römerzeit hieß er nach dem Ort Bregenz Lacus Brigantia oder Lacus Brigantinus. In anderen europäischen Sprachen wird der See nach Konstanz, der größten Stadt an seinem Ufer benannt: franz. Lac de Constance, engl. Lake Constance, ital. Lago di Costanza, port. Lago de Constança. Im Schwäbischen wird er heute auch das Schwäbische Meer genannt.

Territoriale Zugehörigkeit

Die Wasserfläche des Bodensees (mit Ausnahme des Überlinger Sees, der vollständig zum deutschen Hoheitsgebiet zählt) wird als so genanntes Kondominium von den Anrainerstaaten (Deutschland, Österreich, Schweiz) verwaltet, sodass alle drei Staaten dort gleichzeitig Hoheitsrecht ausüben. Als 1648 die Schweizerische Eidgenossenschaft durch den Westfälischen Frieden aus dem Reichsverband des Heiligen Römischen Reiches ausschied, hatte man es versäumt, die Grenze durch den See vertraglich festzulegen; so gibt es bis heute keine offizielle, völkerrechtlich anerkannte Grenze durch den See. Sowohl die auf Karten oft zu sehende Grenzziehung, entsprechend der von der Schweiz favorisierten Realteilung mit Grenzlinien in Seemitte (nach der 32 Prozent der Seefläche auf die Schweiz entfallen), wie auch der Kondominiumstatus (von Österreich vertreten), beruhen lediglich auf Gewohnheitsrecht. Deutschland wiederum hat keine eigene Position. Es heißt, der Bodensee sei der größte See Deutschlands: Etwa 62% seines Ufers sind deutsches Hoheitsgebiet, rund 27% des Ufers sind schweizerisches und etwa 11% sind österreichisches Hoheitsgebiet. Wegen der fehlenden Grenzziehung auf dem See lässt sich nicht sagen, wieviel Quadratmeter Wasserfläche jeweils zu den Anrainerstaaten gehören. Aber er ist jedenfalls der größte See im deutschsprachigen Raum – eben ein Gemeinschaftssee.

Geschichte

Die ersten Siedlungen datieren aus der Jungsteinzeit, ab etwa 3000 v. Chr. Aus der Jungsteinzeit gibt es mehrere Überreste von Pfahlbauten am Schweizer und am deutschen Ufer. Bei Unteruhldingen ist ein Pfahlbaudorf rekonstruiert worden. Etwa um 400 v. Chr. siedelten sich Kelten an den Ufern des Bodensees an. Aus dieser Zeit sind noch einige Fluchtburgen erhalten. Bedeutendster keltischer Ort war Brigantion (röm. Brigantium), das heutige Bregenz. Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer das Bodenseegebiet. Damals ereignete sich auch die größte Seeschlacht auf dem Bodensee – Kelten aus Bregenz gegen Römer. Auf der Insel Mainau wurden vermeintliche Reste eines römischen Marinestützpunkts gefunden. Der spanische Geograf Pomponius Mela erwähnt als erster um das Jahr 43 den Bodensee als Lacus Venetus (Obersee) und Lacus Acronius (Untersee), die beide vom Rhein durchflossen würden. Plinius der Ältere bezeichnet den Bodensee erstmals als Lacus Brigantinus. Wichtigster römischer Ort wurde Bregenz, das bald römisches Stadtrecht bekam und später zum Sitz des Präfekten der Bodenseeflotte wurde. Die Römer waren auch in Lindau (Bodensee), besiedelten dort allerdings nur die Hügel rund um Lindau, da am Ufer viel Sumpfgebiet war. Weitere römische Städte waren Constantium (Konstanz) und Arbor felix (Arbon). Weitere Seeschlachten auf dem Bodensee ereigneten sich während des Dreißigjährigen Krieges (1634 Schweden gegen Österreicher) und der Koalitionskriege (1799 Franzosen gegen Österreicher). Seit dem Jahr 875 ist der Bodensee insgesamt 32 mal vollständig zugefroren, so dass man den See überall sicher zu Fuß überqueren konnte. Die letzte so genannte Seegfrörne war im Jahre 1963.

Geographie

Der Raum wurde wesentlich während der Würm-Eiszeit durch den aus dem alpinen Rheintal herausragenden Rhein-Gletscher geformt, in dessen fluvioglazial erodiertem Zungenbecken der heutige Bodensee liegt. Er kann insofern als würmglazial bezeichnet werden. Der Bodensee ist der drittgrößte See in Mitteleuropa. Nur der Plattensee (Balaton) in Ungarn und der Genfersee auf der schweizerisch-französischen Grenze sind größer. Genfersee

Zuflüsse

Durch den Bodensee fließt der Rhein. Daneben gibt es zahlreiche, kleinere Zuflüsse (236) wie die Bregenzer Ach, die Argen, die Radolfzeller Aach, die Steinach und die Schussen.

Gliederung

Der Bodensee besteht aus
- dem Obersee, er bildet die größte Wasserfläche,
- dem Überlinger See bei Überlingen.
- sowie dem Untersee, bestehend aus dem Rheinsee, dem Zeller See und dem Gnadensee.

Inseln

Im Bodensee gibt es drei größere Inseln:
- Insel Mainau, eine vielbesuchte Blumeninsel
- Insel Reichenau, mit dem ehemaligem Kloster (Welterbe der UNESCO). Heute sind die Haupterwerbsquellen der Gemüsebau und der Tourismus
- Altstadtinsel von Lindau, zu etwa 75% im mittelalterlichen Stil bebaut Außerdem gibt es folgende kleine Inseln:
- Dominikaner-Insel vor der Altstadt von Konstanz
- Zwei kleine Inseln vor dem Wollmatinger Ried (Triboldingerbohl und Mittlerer Langbohl)
- Eine Insel vor der Halbinsel Mettnau bei Radolfzell
- Werd im Ausfluss bei Stein am Rhein, mit dem gleichnamigen Kloster
- Hoy bei Lindau an der Mündung der Ach

Abmessungen

An seiner tiefsten Stelle (zwischen Friedrichshafen-Fischbach und Uttwil) ist der Bodensee 254 m tief. Seine Fläche beträgt 536 km² und seine gesamte Uferlänge 273 km. Er ist 63,3 km lang und 14 km breit mit einer Aufwölbung, aufgrund der Erdkrümmung, von 44,24 m. Der durchschnittliche Wasserinhalt des Sees beträgt 50 Milliarden Kubikmeter. Die Bezugs-Pegel werden in Konstanz, in Romanshorn sowie in Bregenz ermittelt.

Trinkwassergewinnung

Jährlich werden dem Bodensee rund 180 Millionen Kubikmeter durch 17 Wasserwerke zur Trinkwasserversorgung von insgesamt ca. 4,5 Millionen Menschen in den Anrainerstaaten Deutschland, Österreich und Schweiz entnommen. Grösster Wasserversorger ist der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) mit Sitz in Stuttgart. Die Wasserentnahme befindet sich in Sipplingen. Von ihm allein werden etwa 4 Millionen Bürger in großen Teilen von Baden-Württemberg (bis Bad Mergentheim ganz im Nordosten des Bundeslandes) versorgt. Der Anteil der BWV mit einer Entnahme von etwa 135 Millionen Kubikmeter pro Jahr beträgt ungefähr 75 Prozent der Gesamt-Trinkwasserentnahme. Andere Wasserwerke versorgen z.B. die Bewohner von Friedrichshafen (D), Konstanz (D) und St. Gallen (CH/seit 1895 und damit ältestes Wasserwerk am Bodensee). Am 9. November 2005 wurde ein Giftanschlag auf die Bodensee-Wasserversorgung mit Pflanzenschutzmitteln entdeckt. Zwei geöffnete Kanister mit je 5 Liter Inhalt, von denen einer mit Atrazin, der andere mit einem Gemisch anderer Pflanzenschutzmittel befüllt war, wurden dann am 11. November 2005 bei Sipplingen (Baden-Württemberg) unweit der Trinkwasser-Entnahmestelle der Bodensee-Wasserversorgung in ca. 75m Tiefe, ca. 300m vom Ufer entfernt geborgen. Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung wurden dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt überschritten, was entsprechende Kontrolluntersuchungen ergaben.

Wetter

Trinkwasserverordnung TrinkwasserverordnungTrinkwasserverordnungTrinkwasserverordnung Die Uferbereiche sind rundum mit Pfosten an der 2-m-Tiefenlinie markiert. Der Bodensee ist für Sturmwarnung in drei Warnregionen (West, Mitte, Ost) aufgeteilt. Für jede Region kann eine Starkwind- oder Sturmwarnung ausgegeben werden. Eine Starkwindwarnung erfolgt bei erwartenden Windböen zwischen 25 und 33 Knoten beziehungsweise 6 bis 8 Windstärken nach der Beaufortskala. Eine Sturmwarnung kündet die Gefahr von Sturmwinden mit Geschwindigkeiten ab 34 Knoten beziehungsweise 8 Windstärken nach der Beaufortskala an. Um diese Warnungen bekannt zu machen, sind rundum den See orangefarbige Blinkscheinwerfer installiert, die bei Starkwindwarnung 40 mal pro Minute und bei Sturmwarnung 90 mal pro Minute blinken. Gefährlichster Wind ist der so genannte Föhn, ein warmer Fallwind aus den Alpen, der sich insbesondere durch das Rheintal auf das Wasser ausbreitet und bei teils orkanartigen Windstärken typische Wellenberge mit mehreren Metern Höhe vor sich her treibt. Ähnlich gefährlich sind die für Unkundige völlig überraschend auftretenden Sturmböen bei Sommergewittern, die immer wieder Opfer unter den Wassersportlern fordern. Entlang des Bodenseeufers zwischen der Mündung des alten Rheinlaufes bis zur Dornbirner Ach bei Hard liegt das Naturschutzgebiet Rheindelta, das größte Feuchtgebiet am Bodensee.

Freizeit & Tourismus

Im Freizeitbereich bietet der Bodensee eine Fülle von Möglichkeiten im Bereich Wassersport. Über 100 Vereine sind dem Segelsport verbunden und veranstalten Regatten, wo dem sportlichen Wettkampf auf dem Wasser gefrönt wird. Der Bodensee Radwanderweg ist einer der beliebtesten und meist befahrenen Radwanderwege Europas. Die gut ausgebauten Radwege lassen sich zu vielen schönen Touren kombinieren. Der Klassiker unter ihnen ist sicherliche die 268 km lange Runde um den gesamten See, aber auch kleinere Touren wie z.B. die Runde um den Untersee sind sehr beliebt. Die meisten Radler fahren am Bodensee übrigens "rechts herum", weil dann der Radweg stets auf der Seeseite der Straßen verläuft.

Verkehr

Regatten Regatten Es existieren unter anderem folgende Fährverbindungen:
- FriedrichshafenRomanshorn, Länge 13 km.
- MeersburgKonstanz, Länge 4 km.
- KonstanzFriedrichshafen, Personenfähre (Katamaran), Länge 24 km. Vorläufer der heutigen Autofähren waren Eisenbahnfähren (Trajekte), die 1869 zwischen Romanshorn und Friedrichshafen – später auch Lindau, sowie Bregenz – eingerichtet wurden. Der Trajektverkehr wurde – von kriegsbedingten Unterbrechungen abgesehen – bis 1976 zwischen Romanshorn und Friedrichshafen aufrecht erhalten, bis er schließlich aus Kostengründen eingestellt wurde. Aus diesem Grund gehörten die Bodenseeflotten der Anrainerstaaten bis vor Kurzem den jeweiligen Staatsbahnen, welche auch gemeinsam die unzähligen Kursschiffe betreiben, die ein gutes und funktionierendes Netz bilden. Für Deutschland verkehren die Bodensee-Schiffsbetriebe (ehemals DB, heute Stadtwerke Konstanz), für die Schweiz die Schweizerische Bodensee-Schiffahrtsgesellschaft (SBS) und für Österreich die ÖBB. Nach dem Willen der SBB, welchen die SBS gehört, soll diese ebenfalls an die Stadtwerke Konstanz gehen, ähnliche Bestrebungen einer Privatisierung der österreichischen Bodenseeflotte gibt es auch bei den ÖBB. Zusätzlich sind seit Juli 2005 zwei Katamarane zwischen Konstanz und Friedrichshafen ganzjährig unterwegs. Die Katamaran-Reederei Bodensee gehört zu gleichen Teilen den Technischen Werken Friedrichshafen (TWF) und den Stadtwerken Konstanz.

Wirtschaft

Der Bodensee wird wirtschaftlich genutzt. Als Verkehrsweg mittels Fähren, zur Kursschifffahrt, für Ausflugsfahrten, als Kies-Förderstätte, zur Fischerei und zur Sport-Schifffahrt mit Segel- und Motorbooten. Rechtliche Grundlage für die gesamte Schiffahrt auf dem See ist die "Verordnung über die Schifffahrt auf dem Bodensee" (kurz: Bodensee-Schifffahrtsordnung). Für den Bodensee gibt es einen eigenen Segelschein, das Bodenseeschifferpatent, das für Deutschland von Konstanz aus verwaltet und vergeben wird. In der Schweiz wird der Schiffsführerausweis von den kantonalen Behörden vergeben. Für Sportschiffer sind die Klassen A und D sowie kurzzeitige Gast-Lizenzierungen von Interesse.

Weinbau

Schiffsführerausweis Rund um den Bodensee wird Wein angebaut, zumeist der Rebsorten Spätburgunder, Müller-Thurgau oder Weißburgunder. Durch die politischen Grenzen innerhalb der Region werden die Weine in verschiedenen Weinanbaugebieten angebaut, die Ähnlichkeiten innerhalb der Region sind jedoch größer als die mit den teils weit entfernten "Mutter"-Anbaugebieten. Die Region ist das höchstgelegene deutsche Weinanbaugebiet mit Lagen zwischen 400 und 700 Metern ü.d.M. Weinanbaugebiete um den Bodensee sind:
- Region Bodensee des Weinanbaugebiets Baden
- Bereiche Württembergischer Bodensee und Bayerischer Bodensee des Weinanbaugebiets Württemberg
- Regionen Rheintal (im Kanton St. Gallen) und Untersee (im Thurgau) im Weinbaugebiet Ostschweiz
- Einzelne Betriebe in Vorarlberg in der kleinsten österreichischen Weinbauregion Bergland Österreich

Weblinks


- [http://www.bodenseecam.com/ Webcams rund um den Bodensee]
- [http://www.bsb-online.com/ BSB Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH]
- [http://www.regol-wt.de/sehensw/sehenshaupt.php Ausflugsziele Bodensee]
- [http://www.bodenseeweb.net/ BodenseeWeb des Ministeriums für Umwelt Baden-Württemberg]
- [http://www.bodensee-tourismus.com/ Internationale Bodensee Tourismus GmbH]
- [http://www.bodenseeschifffahrt.de/ Schifffahrt auf dem Bodensee]
- [http://www.bodensee-katamaran.de/de/ Katamaran-Reederei Bodensee GmbH]
- [http://www.lexhist.ch/externe/protect/textes/d/D8655.html Historisches Lexikon der Schweiz]
- [http://www.vorarlberg.at/vorarlberg/umwelt_zukunft/umwelt/natur-undumweltschutz/weitereinformationen/rheindelta/naturschutzgebietrheindel.htm Naturschutzgebiet Rheindelta]
- [http://www.swr.de/regionen/bodensee/-/id=3298/nid=3298/did=732680/yrrkjs/index.html Von Erfindern, Ketzern und Schildbürgern - Städte zwischen Bodensee und Oberschwaben]
Kategorie:See in Deutschland Kategorie:See in der Schweiz Kategorie:See in Österreich Kategorie:Thurgau (Kanton) Kategorie:Sankt Gallen (Kanton) als:Bodensee ja:ボーデン湖 simple:Lake Constance

Friesen

Die Friesen sind ein germanischer Volksstamm, der an der Nordseeküste in den Niederlanden, Deutschland und Dänemark lebt. Die in den Niederlanden zwischen der Zuiderzee und der Lauwers lebenden Friesen werden als Westfriesen bezeichnet, die in Deutschland zwischen der Ems und der Harle in Niedersachsen lebenden als Ostfriesen, die südöstlich davon in der Gemeinde Saterland lebenden als Saterfriesen, die in Schleswig-Holstein und Dänemark lebenden als Nordfriesen. Als ethnische Minderheit, die sich über die friesische Sprache definiert, sind die Friesen heute noch im niederländischen Westfriesland wie im schleswigschen Nordfriesland anzutreffen. Die friesische Minderheit stellt zusammen mit der dänischen und der sorbischen Minderheit sowie den in Deutschland lebenden Roma und Sinti eine der vier in Deutschland ansässigen ethnischen Minderheiten. Die Größe der nordfriesischen Minderheit ist schwer einzuschätzen. Deren Zahl dürfte sich auf einige 10.000 Mitglieder schätzen lassen. Nordfriesisch sprechen heute noch 10.000 - 20.000 Nordfriesen, vor allem auf den Nordfriesischen Inseln und in der Nähe der deutsch-dänischen Grenze. Zusammen mit der dänischen Minderheit haben sie den Südschleswigschen Wählerverband als politische Interessenvertretung. Die friesische Minderheit in den Niederlanden hat weit über 100.000 Angehörige. Siehe auch Friesland.

Geschichte

Die Friesen sind vom römischen Historiker Tacitus in seiner Germania der Gruppe der Ingaevones zugeordnet worden. Ihr Land lag an der Küste der Nordsee von der Mündung des Rheins bis zur Ems, der östlichen Grenze. Plinius der Ältere schrieb, dass der römische General Drusus diesen Landstrich 12 v. Chr. von Region des heutigen Belgiens aus eroberte. Danach versanken die Friesen größtenteils in historischer Versenkung, bis sie mit den Merowingern und Karolingern in Kontakt kamen. Im 5. Jahrhundert, während der geschichtlichen Ruhe um die Friesen, haben sich wohl viele Friesen den Angeln und Sachsen angeschlossen, die über friesisches Land marschierten, um in Britannien einzufallen. Die Völker, die auf dem Kontinent blieben, drangen in die nun entvölkerten Gebiete der Angelsachsen ein. Am Ende des 6. Jahrhunderts besetzten die Friesen die Küste bis zur Mündung der Weser und verbreiteten sich bis ins 7. Jahrhundert weiter südwärts bis nach Dorestad und sogar bis nach Brügge. Danach, eroberte jedoch Karl Martell den westlichen Teil Frieslands und der letzte Gesamtherzog der Friesen Poppo fiel in einem Kampf gegen einen fränkischen Adeligen. Diese größte Ausbreitung des friesischen Territoriums ist bekannt als Frisia Magna. Das was heute von Frisia Magna übriggeblieben ist, ist klein und verstreut. Das meiste ist von den sich ausbreitenden Nachbarn erobert worden, von den Sachsen, die in den Norden und Westen vordrangen und den Franken, die den Norden und Osten besetzten. Bis zum Aufstieg der Hanse waren die Friesen das bedeutendste Handels- und Seefahrervolk der Nordseeküste. Nach dem Tod von Fürst Karl Edzard endete in Ostfriesland des Hauses Cirksena im Jahr [1744]. Anschließend wurde Ostfriesland von Friedrich der Große okkupiert. Das heute zu den Niederlanden gehörende Hauptgebiet der Friesen, West- und Mittelfriesland, erstreckt sich von Alkmaar in der Provinz Nordholland entlang der Küste der Provinzen Friesland und Groningen bis zur Mündung der Ems. Kulturell ist es allerdings auf die Provinz Friesland begrenzt. Die friesische Sprache wird nur noch dort und auf den Wattenmeerinseln Terschelling und Schiermonnikoog gesprochen. Letztes Refugium der ostfriesischen Sprache ist das Saterland (Niedersachsen). Ostfriesland selbst ist inzwischen vollständig niederdeutsch geprägt. Allerdings ist das ostfriesische Platt noch stark vom Friesischen geprägt und hebt sich von anderen niederdeutschen Dialekten deutlich hervor. Zudem ist das friesische Selbstverständnis vieler Ost-Friesen äußerst stark ausgeprägt. Lebendig ist die friesische Kultur und Sprache auch auf der Insel Helgoland, (Kreis Pinneberg), wo der Hallunder Dialekt gesprochen wird und in Nordfriesland (Schleswig-Holstein, Deutschland). Friesisch wird sowohl auf den Inseln Sylt, Föhr und Amrum als auch auf dem Festland, z.B. rund um Bredstedt gesprochen. Das Friisk Gesäts führt ab 2004 zu rechtlich klarerem Status. Es gibt auch noch einige Nachkommen der Friesen an der Küste von Jütland und angrenzenden Inseln. Es ist aber nicht bekannt, wann sie sich dort angesiedelt haben, nicht mal, ob sie erst auf den Inseln siedelten und dann ins Inland vordrangen oder umgekehrt. Die wenigen Menschen die heute noch Friesisch sprechen, bedienen sich im Alltag auch der angrenzenden Sprachen wie Niederdeutsch, Hochdeutsch oder Dänisch. Wie viele andere kleine Minderheitensprachen Europas auch, ist auch das Friesisch akut vom Aussterben bedroht.

Herzöge Frieslands


- Sibbelt ???-???
- Ritzard ???-???
- Aldegisel ???-680
- Radbod 680-719
- Poppo 719-734 Siehe auch: Friesische Sprache, Eala Freya Fresena Kategorie:Germanischer Stamm Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Friesland Kategorie:Ostfriesland Kategorie:Nordfriesland

Föhr

Die Insel Föhr (friesisch Feer) gehört zur Nordfriesischen Inselgruppe in Schleswig-Holstein und ist ca. 6,8 km breit und 12 km lang. Sie liegt südöstlich von Sylt und ist die zweitgrößte deutsche Nordseeinsel. Unter den nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichenden deutschen Inseln ist Föhr die flächenmäßig größte Insel mit der höchsten Bevölkerungszahl. Die Insel Föhr gehört zum Kreis Nordfriesland. Auf der Insel liegen die Stadt Wyk, die ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad ist, sowie 16 Inseldörfer. Die Inseldörfer gehören politisch zu 11 Gemeinden, die verwaltungsmäßig im Amt Föhr-Land zusammengefasst sind. Föhr ist, wie auch die anderen Inseln, eine beliebte Urlaubsinsel. Auf Föhr wird eine Variante des Friesischen gesprochen, diese Sprache ist nach der Insel bezeichnet: Fering oder auch Föhring. Dennoch unterscheiden sich die Mundarten im Bereich von Osterlandföhr und Westerlandföhr. Föhr wird "Die grüne Insel" genannt, da sie durch ihre Lage hinter Amrum und Sylt vor den stürmischen Einflüssen der Nordsee relativ geschützt ist und sich daher die Vegetation gut entwickeln kann. Vom Fährhafen Wyk, dem Hauptort und Nordseeheilbad im Südosten der Insel, zieht sich am Südrand bis etwa zur Mitte der Westküste ein 15 km langer Sandstrand. Nördlich und nordwestlich der Insel befindet sich die Schutzzone I des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Verkehr und Verbindungen

Vom Fährhafen Wyk aus bestehen mehrfach täglich und unabhängig von der Tide regelmäßige Verbindungen zum Festland (Hafen Dagebüll - mit direktem Bahnanschluss Richtung Hamburg über Niebüll) und zur Nachbarinsel Amrum (Hafen Wittdün). Betreiber der Fährlinie ist die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) mit Sitz in Wyk auf Föhr. Während der Sommersaison werden Ausflugsfahrten nach den Halligen Langeness und Hooge sowie zur Insel Sylt (Hafen Hörnum) angeboten. Von Wyk aus bestehen Busverbindungen in alle Gemeinden der Insel Föhr. Die Insel ist über den Verkehrslandeplatz Wyk aber auch per Flugzeug zu erreichen.

Föhr in Zahlen

Die Insel hat eine Fläche von 82,82 km², bei einer maximalen Länge von 12 km und einer Breite von 8 km. Der Umfang beträgt etwa 37 km, davon sind 15 km Sandstrand. Die höchste Erhebung liegt 13 m über NN. Es handelt sich dabei um den Burgwall "Lembecksburg" südlich von Borgsum. Föhr hat 8.649 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2003).

Sehenswürdigkeiten

Folgende Plätze, Gebäude, Einrichtungen und Naturgegebenheiten gelten nicht nur in Reiseführern als Sehenswürdigkeiten: Reiseführern
- der Glockenturm in Wyk (erbaut 1886)
- die Seepromenade "Sandwall" in Wyk - eine der schönsten Seepromenaden Deutschlands mit Blick auf die benachbarten Halligen
- drei mittelalterliche Kirchen aus dem 12. und 13. Jh. in Boldixum, Nieblum und Süderende
- die dazugehörigen Friedhöfe mit Grabsteinen, die ganze Lebensgeschichten enthalten und bebildert sind
- fünf Mühlen, davon zwei in Wyk und jeweils eine in Wrixum, in Borgsum und in Oldsum
- die "Lembecks-Burg" bei Borgsum aus der Zeit der Völkerwanderung, mit über 100 m Durchmesser und 8 m Ringhöhe
- sechs Vogelkojen (z.B. Boldixumer Vogelkoje) auf dem Marschteil im Norden der Insel
- Schließlich auch das gesamte Wattenmeer. Geführte Wattwanderungen, wie zum Beispiel eine Wanderung zur Nachbarinsel Amrum, werden von den Fremdenverkehrsämtern angeboten

Politische Gemeinden auf der Insel Föhr

Siehe auch


- Deutsche Inseln
- Nordfriesische Inseln
- Friesische Inseln

Weblinks


- [http://www.foehr.de/ die Inselseite]
- [http://www.foehr-inside.de/ Insel Föhr]
- [http://www.inseldoerfer.de/html/index.html Übersicht - die Inseldörfer auf Föhr]
- [http://www.schutzstation-wattenmeer.de/verein/foehr.html Schutzstation Wattenmeer - Föhr]
- [http://www.foehrlieben.de foehrlieben.de] - Studienprojekt der Uni Kiel mit vielen Infos zur Insel
- Kategorie:Insel (Deutschland) Kategorie:Geographie (Schleswig-Holstein) Kategorie:Nordfriesland

Helgoland

Helgoland (niederdeutsch für Heiliges Land, friesisch und Halunder (Deät) Lun bzw. Hålilönj, englisch Heligoland, bei antiken Schriftstellern Abalus oder Basileia genannt) ist Deutschlands am weitesten vom Festland entfernte Nordsee-Insel in der Deutschen Bucht. Helgoland gehört nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union.

Geografie

Lage

Helgoland, dessen Hauptinsel zusammen mit der benachbarten "Strandinsel" Düne eine Gemeinde im Kreis Pinneberg im Bundesland Schleswig-Holstein bildet, stellt innerhalb der Deutschen Bucht die nordwestliche Begrenzung der Helgoländer Bucht dar und liegt etwa 70 km vom Festland entfernt. Beide Inseln liegen im Naturschutzgebiet Helgoländer Felssockel. Helgoland, das aus der rund 1,0 km² großen Hauptinsel sowie der etwa 0,7 km² großen Düne besteht, liegt etwa 70 km südwestlich der Südspitze von Sylt, 43 km westlich der Westküste der Eiderstedt-Halbinsel, 62 km nordwestlich der Elbemündung, 55 km nordwestlich der niedersächsischen Küste bei Cuxhaven, 43 km nördlich von Wangerooge, 70 km nordöstlich von Norderney und 95 km nordöstlich von Borkum. Die genaue Lage von Helgoland ist 54°10' nördliche Breite und 7°53' östliche Länge.

Hauptinsel

Länge Länge] Die Hauptinsel von Helgoland wird in das Oberland, das Mittelland und das Unterland unterteilt. Sie besitzt im Süden und im Norden einen kleinen Nicht-Bade-Strand und fällt im Norden, Westen und Südwesten in steilen Klippen gut 50 m zum Meer hin ab; im Meer fällt das Gelände im Südwesten im Helgoländer Becken bis 56 m unter NN ab. Am Nordwestende der Hauptinsel befindet sich das wohl bekannteste Wahrzeichen Helgolands - die Lange Anna.

Düne

Die benachbarte Insel Düne befindet sich jenseits der kleinen Meeresstraße Reede, die in Nord- und Südreede unterteilt wird, nur etwa 1,5 Kilometer östlich der helgoländischen Hauptinsel. Sie wird als so genannte Badeinsel bezeichnet bzw. als eine flache Strandinsel und war früher mit Helgoland verbunden.

Hochseeinsel

Helgoland wird oft als "Deutschlands einzige Hochseeinsel" bezeichnet, was nach der Definition von Hohe See nur rechtlich gesehen korrekt ist. Geografisch betrachtet muss beachtet werden, dass Helgoland zwar auf "auf offener See", nicht jedoch im Tiefsee-Bereich wie z.B. im Atlantik liegt.

Geologie

Geologische Entstehung der Felseninsel

Zechsteinmeer im ausgehenden Erdaltertum

Die geologisch relevante Geschichte der Entstehung Helgolands beginnt vor etwa 260 Millionen Jahren. Somit beginnt die Entstehung Helgolands im ausgehenden Erdaltertum, genauer im geologischen Zeitalter des Perm. Im beginnenden Zechstein, der zweiten Abteilung des Perm, kam es auf dem Urkontinent Pangäa zu Meereseinbrüchen in Europa und Amerika und so zum Vordringen des arktischen Meeres im Gebiet des heutigen Mitteleuropa. Die Region Helgolands lag in diesem Zechstein-Meer, im so genannten Elbe-Trog. Auf Grund des ariden Klimas verdampfte das Wasser jedoch wieder mit der Zeit und hinterließ Kalke, Dolomite, Anhydrite und Salze als Verdunstungsrückstände, so genannte Evaporite, die im Norddeutschen Raum als Zechstein-Sedimente untersucht und bestimmt worden sind.

Gesteinsbildung im Erdmittelalter

Sediment Im frühen Erdmittelalter fanden die für Helgoland wichtigsten gesteinsbildenden Prozesse statt. Das zu Beginn der Trias herrschende tropische und subtropische Klima dominierte die Verwitterung der variskischen Gebirge im umgebenden Festland. Das Klima begünstigt eine lateritische Verwitterung, die im Endprodukt hohe Eisen- und Aluminiumgehalte vorweist. Die Oxidation dieser Verwitterungsprodukte führt zu einer starken Rotfärbung der typischen Buntsandstein-Sedimente in Mitteleuropa. Im Buntsandstein wurden große Mengen des Verwitterungsmaterials in den Hochländern abgetragen und in tiefer liegenden Regionen sedimentiert. Im Gebiet Helgolands haben diese Ablagerungen eine Mächtigkeit von mehr als 1000 m. Sie bilden den sichtbaren Teil der heutigen Felseninsel. Auch in der folgenden erdgeschichtlichen Abteilung des Muschelkalk war das Gebiet Helgolands Sedimentationsgebiet. Die Ablagerungen aus dieser Zeit haben eine Mächtigkeit von mehr als 300 m. Eine große Zahl von Fossilienfunden aus dieser Zeit belegt zudem die günstigen Lebensbedingungen zu dieser Zeit. So wurden verschiedene Fische, Meeressäuger, Muscheln und Schnecken gefunden. Auch aus der vor 140 Millionen Jahren beginnenden Kreidezeit sind im Helgoländer Raum Sedimentschichten zu finden. In dieser Zeit war der gesamte Nordseeraum Meeresgebiet. Im marinen Bereich bildete sich unter warmen und feuchten Klimabedingungen eine reichhaltige Flora und Fauna, so dass die Kreideschichten heute äußerst fossilienreich sind.

Salz-Aufstieg im Tertiär

Kreidezeit Die große Mächtigkeit der Sedimentschichten im Nordseeraum – auch schon im Mesozoikum – sind auch darin begründet, dass der Nordseeraum Senkungsgebiet war. Somit konnten selbst in den flacheren Meeren des Buntsandstein und Tertiär diese Senkungsgebiete immer wieder von dem aus den Gebirgen verfrachteten Verwitterungsmaterial aufgefüllt werden. Unter dem Druck des auflagernden Materials verfestigten sich die darunter liegenden Schichten zunehmend. Im direkten Zusammenhang mit dieser Verfestigung und somit der Zunahme der Dichte sowie des Drucks auf die unteren Schichten ist auch die Heraushebung des Helgoländer Buntsandsteinfelsens zu sehen. Im Laufe der Zeit lagerten sich über den permischen Salzgesteinen im Erdmittelalter die Schichten des Trias, der Kreide sowie des Tertiär ab. Jede neue Sedimentationsschicht hatte auch zur Folge, dass die jeweils unterlagernden Sedimente durch die Last der darüber lagernden Sedimente weiter verfestigt und verdichtet wurden. Die unten liegenden Salzgesteine lassen sich jedoch nur bis zu einer Dichte von maximal 2,2 g/cm³ verdichten. Mit zunehmender Tiefe und somit mit zunehmendem Druck erhöht sich der Dichtewert einer Schicht, so dass es im Bereich der Zechsteinsalze zu einer Dichteanomalie kam. Das Salzgestein reagierte plastisch auf den immer stärkeren Druck und neigte dazu, bevorzugt an Schwächezonen, wie Verwerfungen, aufzusteigen, um so zu einer Druckentlastung zu gelangen. Beim Aufstieg kommt es aber auch dazu, dass die aufliegenden Schichten mit gehoben werden. Man spricht bei diesem Phänomen von Salzkissen, in dessen Scheitelbereich Helgoland sich befindet. Die Aufwölbung des Buntsandsteins sowie der weiteren Schichten durch den Aufstieg des Salzes (Salztektonik) wird auch in der heutigen tektonischen Struktur Helgolands sichtbar. Der Scheitel der Salzstruktur verläuft von Nordwesten (Nordnordwest - NNW) nach Südosten (Südsüdost - SSO). Dies gibt die Streichrichtung der auflagernden Deckschichten an, die an den Abrasions-Plattformen im nördlichen Felswatt zu erkennen sind. Die Schichten sind bei der Aufwölbung gekippt worden, so dass heute eine Neigung der Buntsandsteinfelsen von circa 17 bis 20° zu erkennen ist. Somit finden wir an der Westseite Helgolands nach oben zeigende Schichten, während die Schichten an der Ostseite nach unten zeigen.

Überprägung der neu entstandenen Felseninsel im Quartär

Ausgangspunkt der Überprägung im Quartär ist die Klimaverschlechterung im ausgehenden Tertiär. Drei große Vereisungen haben bis in den nordmitteleuropäischen Raum zu einer starken Veränderung der Landschaft geführt. Während der Elster-Eiszeit (vor etwa 480.000 bis 300.000 Jahren) und der Saale-Eiszeit (vor etwa 280.000 bis 130.000 Jahren) wurde auch Helgoland von der Vergletscherung erfasst, wovon abgelagerte Geschiebelehme bis heute zeugen. Das Vordringen des Eises dürfte in dieser Zeit auch zu einer starken Abtragung der gehobenen und gekippten Schichten bis hin zu einer Freilegung der Salzstruktur im Bereich des westlich vorgelagerten Görtels. Das zwischen den Kaltzeiten vordringende Meer hat weiter zur Abrasion dieser Schichten beigetragen. Erst lange nach dem Ende der letzten Kaltzeit begann Helgoland im Zuge des ansteigenden Meeresspiegels sich vor etwa 3.500 bis 4.000 Jahren vom Festland zu lösen, nachdem es zuvor lange Zeit über eine westlich verlaufende Landbrücke mit dem Festland Mitteleuropas verbunden war.

Heutige Inselform

Natürliche Veränderungen

Landbrücke]] Die hauptsächlichen gestaltenden natürlichen Kräfte, die auf die Felseninsel einwirken, sind die Verwitterung sowie die Abrasion durch die Meeresbrandung. Bei der Verwitterung ist besonders das kühle Winterklima von Bedeutung. Die Kälte fördert die physikalische Verwitterung des Gesteins. Die Frosteinwirkung zerklüftet und zersprengt das Gestein und fördert Gesteinsschutt als Verwitterungsrest zu Tage, der am Fuß der Klippen angelagert wird. Hierbei wird das Kliff langsam zurückgedrängt und so die Insel verkleinert. Typisch für Helgoland war hierbei auch die Entstehung von Felsvorsprüngen (Hörner) mit dazwischen liegenden Buchten (Slaps). Im Laufe der Zeit und unter weiterem Meeres- und Wettereinfluss können diese Vorsprünge von Brandungstoren durchbrochen werden, die beim Einsturz der Bogenverbindung einzelne Felstürme (Stacks) hinterlassen. Der "Hengst", heute als Lange Anna bezeichnet, ist mit einer Höhe von gut 48 m ein derartiger Stack, der einzige, der sich bis heute gehalten hat.

Anthropogene Veränderungen

Die ersten menschlichen Eingriffe auf Helgoland sind auf die Gewinnung von Rohstoffen zurückzuführen. So konnte das so genannte Helgoländer Kupfererz im Buntsandstein nachgewiesen werden. Hierbei handelt es sich um Rohkupfer in Sekundärlagerstätten, d.h. diese sind Restvorkommen, die sich in der Helgoländer Region in Folge der Umlagerung von Ablagerungsmaterial aus dem variskischen Gebirge des Erdaltertums akkumuliert haben. Auch geringe Eisenerzanteile konnten hier nachgewiesen werden. Von einer vorgeschichtlichen Nutzung zeugen die vor dem Südhafen entdeckten Reste eines Schmelzofens. Von größerer Bedeutung war jedoch ab dem Mittelalter der Muschelkalk- und Gipsabbau am damaligen Wittekliff. Dieser Abbau trug zu einer raschen Zerstörung der Steilfelsen bei, die 1721/1721 schließlich so instabil waren, dass sie einer Sturmflut nicht mehr standhalten konnten. Weitere Rohstoffprospektionen blieben erfolglos, so dass über die Vorkommen fossiler Brennstoffe im Bereich Helgolands bislang keine weiteren Angaben getroffen werden können. Weitere Veränderungen der Morphologie der Insel wurden durch Schutzmaßnahmen verursacht: Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Felseninsel ungeschützt und hatte durch Abrasion und Verwitterung einen Flächenverlust von jährlich ca. 0,37 km² zu verzeichnen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen im Zuge einer zunehmenden Bebauung Planungen für einen wirksamen Brandungs- und Sturmflutschutz. Vorangetrieben wurden diese Planungen durch eine starke militärische Nutzung der Insel. So wurde bereits im Jahr 1903 mit dem Bau einer Schutzmauer auf der stärker witterungs- und brandungsgefährdeten Westseite begonnen, die 1927 fertig gestellt war. Im weiteren Verlauf wurden auch der Norden und der Osten der Hauptinsel in die Schutzmaßnahmen einbezogen, die die Grundlage für die Erschließung des Ostlandes waren. Später wurde auch die Düne in die Schutzmaßnahmen mit einbezogen. Vor der weiterhin voranschreitenden Verwitterung können jedoch auch die Schutzmauern nicht schützen. Davon zeugt der Verwitterungsschutt am Sockel der Steilküsten, der stellenweise schon bis an die Schutzmauern angelagert ist. Wurde dieser früher noch von den Sturmfluten fortgetragen, so staut er sich heute an den Ufermauern. Infolge dieser Entwicklung wird Helgoland zwar nicht mehr flächenmäßig kleiner, doch nun droht es auf lange Sicht unter den Schuttkegeln der Verwitterung, die sich langsam begrünen, zu versinken. Der letzte bedeutende und bis heute markante Eingriff in die Gestalt der Insel hat während und nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden: Am 18. April 1945 war der damalige U-Boot-Stützpunkt Ziel eines massiven Luftangriffs der Engländer, die die Insel in den Folgejahren als Übungsziel für die britische Luftwaffe nutzten. Von den Bombardierungen zeugen die Bombenkrater im heutigen Oberland. Zwei Jahre später, am 18. April 1947, sollten in einer Sprengung sämtliche militärischen Anlagen auf und unter der Insel sowie alte Munitionsbestände vernichtet werden, um so eine weitere Nutzung Helgolands aus militärischer Sicht unmöglich zu machen. Die Sprengung von ca. 4.000 Tonnen Munition ließ die Insel mit ihrem Sockel bis in eine Tiefe von mehreren Kilometern erschüttern und führte zu einer nachhaltigen Veränderung ihres Aussehens, näheres im Abschnitt Militärische Bedeutung.

Geschichte

Frühzeit und Antike

Früheste Kulturspuren auf Helgoland reichen bis in die Jungsteinzeit zurück; auf dem Oberland sind mehrere Hügelgräber nachgewiesen. Eine früher bestehende Landverbindung zum Festland ist aufgrund des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs schon vor 4.000 v. Chr. abgebrochen. Aus der Antike sind uns nur wenige Nachrichten über Nordeuropa überliefert. Aber in der Naturgeschichte Plinius d. Älteren wird mehrfach der heute nicht mehr erhaltene Reisebericht des Pytheas von Massilia (325 v. Chr.) zitiert. In folgender Textstelle ist offenbar von Helgoland die Rede: :"Pytheas gibt an, ein germanisches Volk, die Guionen, wohne an einer Versumpfung des Ozeans, ... eine Tagesreise von da liege die Insel Abalus ; dorthin werde der Bernstein im Frühling von den Wellen getrieben und sei eigentlich eine geronnene Ausscheidung der See; die Anwohner gebrauchten ihn statt Holz zum Feuer und verkauften ihn an die benachbarten Teutonen. Timaeus stimmt ihm darin bei, nennt aber die Insel Basileia ."

Mittelalter

Im 7. Jahrhundert war Helgoland von Friesen bewohnt. 700 gab es einen Bericht über einen Aufenthalt des Friesenherrschers Radbod auf Helgoland in der Heiligenlegende des Willibrord, der zwischen 690 und 714 vergeblich versuchte, die Helgoländer Friesen zu missionieren. Die Christianisierung gelang erst 100 Jahre später durch Luidger, damit wurde Helgoland früher als angrenzende Regionen missioniert. Kunde vom frühmittelalterlichen Heiligland gibt auch Adam von Bremen in seiner res gestae aus dem Jahre 1076. Häufig wird Helgoland auch mit der Piraterie in Verbindung gebracht. Im Jahr 1401 nahm ein Hamburger Flottenverband in der Nähe von Helgoland Klaus Störtebeker gefangen. Ob dieser die Insel aber je betreten hat, ist nicht belegt.

Frühe Neuzeit

1720 zerstörte eine Sturmflut den Woal, die Landzunge zwischen dem roten Buntsandsteinfelsen der Hauptinsel und dem östlich gelegenen Witte Kliff, einem Kalkfelsen, dessen Abtragung durch die Nordsee aufgrund des dort bis ins 17. Jahrhundert betriebenen Steinbruchs beschleunigt wurde. Über den verbliebenen Klippen bildete sich die für den heutigen Badebetrieb wichtige Düneninsel. Von 1714 bis 1807 gehörte die Insel dann zu Dänemark. Während der Kontinentalsperre - 1806 von Napoleon gegen England verfügt - entwickelte sich Helgoland zu einem lebhaften Schmuggelplatz.

Britische Herrschaft

1807 besetzten britische Truppen die Insel und gliederten sie als Kolonie in Großbritannien ein. Im Frieden von Kiel 1814 verbleibt Helgoland bei den Briten (siehe Geschichte Dänemarks). Helgoland wurde 1826 Seebad. Es kamen viele Schriftsteller und Intellektuelle auf die Insel. Der Verleger Campe machte regelmäßig auf der Insel Sommerurlaub. Heinrich Heine rühmte die Insel; wichtig war auch Ludolf Wienbargs Helgolandbuch. Der Dichter Hoffmann von Fallersleben machte auf Helgoland Urlaub und dichtete hier 1841 das Deutschlandlied nach einem "fröhlichen Besäufnis". In der Helgoländer Urschrift gab es noch die Variante zur dritten Strophe: Stoßet an und ruft einstimmig: Hoch das deutsche Vaterland! Früher Höhepunkt der Popularität der Insel als Reiseziel waren die fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts. 1864 fand vor Helgoland ein Seegefecht zwischen Österreich und Dänemark statt siehe Seegefecht vor Helgoland (1864).

Übergang von Großbritannien auf Deutschland

Seegefecht vor Helgoland (1864) 1890 ging Helgoland im Helgoland-Sansibar-Vertrag von Großbritannien an das Deutsche Reich (und dort an das Königreich Preußen) über, wofür Großbritannien die vor der Küste des damaligen Deutsch-Ostafrikas liegende Insel Sansibar erhielt, bzw. das Deutsche Reich verzichtete selbst auf seine Ansprüche auf das Sultanat Sansibar und auf andere Rechte in Ostafrika. Die Bevölkerung nannten es "Knopf gegen Hose", womit sie ihre Meinung ausdrückte, da nicht nur die Größe sondern auch die Fruchtbarkeit beider Inseln sehr verschieden ist. In den Gewässern Helgolands fanden während des Ersten Weltkrieges das erste Seegefecht bei Helgoland 1914 sowie das zweite Seegefecht bei Helgoland 1917 statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1945 war die Insel nach einem verheerenden Bombardement der britischen Luftwaffe am 18. April unbewohnbar und wurde evakuiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Insel von den Briten militärisch genutzt, siehe Abschnitt Militärische Bedeutung. Die evakuierten Helgoländer bewiesen Zusammenhalt und starteten verschiedene politische Initiativen bis hinauf zur gerade in das Amt getretenen Bundesregierung. Im März 1948 wurde die UNO um Hilfe gebeten. Appelle an den Papst und das britische Unterhaus folgten. Die Studenten Georg von Hatzfeld, René Leudesdorff und Hubertus Prinz zu Löwenstein konnten am 20. Dezember 1950 unbemerkt auf die Insel gelangen und hissten dort die Helgoländer, die deutsche und die europäische Flagge. Sie verbrachten Weihnachten und Silvester alleine, bekamen jedoch im neuen Jahr Verstärkung von weiteren Helgoländern, bis sie vom britischen Militär wieder auf das Festland zurück verbracht wurden. Nachdem der Bundestag im Januar 1951 einstimmig die Freigabe der Insel gefordert hatte, gaben die Engländer am 1. März 1952 Helgoland wieder an die Bundesrepublik Deutschland zurück. Der Bevölkerung wurde erlaubt, wieder auf ihre Insel zurückzukehren. Nach dem Wiederaufbau blüht dort der Tourismus und der Kurbetrieb, siehe Abschnitt Tourismus.

Militärische Bedeutung

Kaiser Wilhelm II. ließ Helgoland, das nahe der Mündung des damals neu erstellten, wirtschaftlich und strategisch wichtigen Kaiser-Wilhelm-Kanal liegt, zu einem Marinestützpunkt ausbauen. Diese militärische Funktion hatte die Seefestung Helgoland auch noch im Zweiten Weltkrieg und erreichte ihren Höhepunkt mit dem
Unternehmen Hummerschere, durch welches das heutige Nord-Ost-Gelände entstand. Ursprünglich wurde die Insel als Ziel für eine Nordsee-Seereise des einfachen Forschers gedeutet. Bald kamen aber auch rassistische Gedanken auf. Aus den Helgoländer guten Menschen wurden langsam die urdeutschen Friesen. Aus dieser Zeit stammen Fantasien über die Bedeutung Helgolands in einer germanischen Urgeschichte, die 1930 ihren Höhepunkt in der Gleichsetzung Helgolands mit einem arischen Atlantis hatten. Dass besonders von den Briten der Insel hohe militärische Bedeutung begemessen wurde ist daraus ablesbar, dass die Insel im Zweiten Weltkrieg und danach ein wichtiges Kriegsziel war. Am 15. Oktober 1944 richtete ein alliierter Luftangriff besonders im Unterland großen Schaden an. Es folgte am